Arbeit – Problem oder Lösung?

Zusammenhänge und Ausblicke


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

22 Seiten, Note: 1,5

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wandel in fünf Bereichen

3. Konsequenzen für die Erwerbsgesellschaft

4. Individualisierung
4.1 Generation Praktikum und digitale Bohème
4.2 Frauen, Erwerbstätigkeit und Familie

5. Solidarität oder Konkurrenz?

6. Welcher Kurs für die Zukunft?

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema „Arbeit“ wird im gesellschaftlicher Diskurs oft verkürzt auf die Schlagworte „mehr Arbeitsplätze, Wachstum, Liberalisierung, mehr Kinderbetreuung“ – doch wie gestalten sich die Zusammenhänge, was sind Ursachen, Folgen und wie könnte die weitere Entwicklung verlaufen?

Dass sich die Arbeitsgesellschaft und die Ökonomie zurzeit im strukturellen Wandel befinden, daran bestehen im gesellschaftlichen (und politischen) Diskurs kaum Zweifel. Die Interpretationen dieser Veränderungen und die daraus abgeleiteten Konsequenzen variieren jedoch erheblich. Vor einer Analyse der Folgen möchte ich aber zunächst die Ursachen bzw. Rahmenbedingungen des Wandels und die Zusammenhänge von Wirtschaft, Politik und (Erwerbs-)Gesellschaft näher betrachten, wobei auch hier schon die Meinungen auseinander gehen, welchen Einfluss welcher Faktor tatsächlich auf die aktuellen Umbrüche hat.

Um mit Ulrich Beck zu sprechen, geht es um den Übergang von der Ersten zur Zweiten Moderne, der sich in Europa etwa seit Beginn der 1980er Jahre vollzieht. Das Regime des Wachstums und der Regulation wird abgelöst durch ein Regime des Risikos und der Unsicherheit im ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen System. Die Veränderungen in den verschiedenen Bereichen lassen sich anhand der folgenden Schlagworte analysieren: „Globalisierung. Ökologisierung, Digitalisierung, Individualisierung und Politisierung der Arbeit“[1], die ich im ersten Kapitel nur kurz anreißen kann, bevor ich auf ihre weiteren Konsequenzen für die Arbeitsgesellschaft eingehen werde. Dem Prozess der Individualisierung als speziell soziologischer Dimension möchte ich ein eigenes Kapitel widmen, um unter anderem die Lebens- und Arbeitsumstände zweier betroffener Gruppen zu beschreiben. Im weiteren Verlauf soll das Thema „Frauen, Beruf und Familie“ behandelt werden. Im Anschluss an die Frage nach Solidarität und Organisation der von dem Wandel der Arbeitswelt Betroffenen sollen Überlegungen zu den möglichen zukünftigen Entwicklungen den Abschluss dieser Arbeit bilden.

2. Wandel in fünf Bereichen

Der Modebegriff der Globalisierung lässt sich in mehreren Dimensionen untersuchen, von denen zumindest die „ökonomische, industrielle und politische Globalisierung“[2] an dieser Stelle genannt werden müssen. Als Hauptkonsequenzen seien hier vor allem die Aufhebung der Ortsgebundenheit von Arbeit und Produktion sowie die zunehmende Vernetzung der globalen Finanz- und Absatzmärkte genannt, die mit einem Machtzuwachs der international agierenden Konzerne einhergehen. Diese können ihre Entzugsmacht gegenüber den national gebundenen und damit unterlegenen Regierungen ausspielen, um sich durch angedrohten Abbau von Investitionen und Arbeitsplätzen günstige Steuer- und Produktionsbedingungen zu erpressen.[3] Nationale Politikkonzepte werden folglich in Frage gestellt, innerhalb derer die Regierungen kaum noch Einfluss auf bedeutende Märkte sowie den Großteil der ökonomischen Wertschöpfung nehmen können und dennoch für das Paradoxon der wachsenden Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Wirtschaftswachstum und Gewinnanhäufung verantwortlich gemacht werden.[4] Anstelle von transnationalen Politikkonzepten sind dann oft Nationalismus und Protektionismus die Folge, was auch in Zusammenhang mit gestiegenen Einwanderungszahlen in den letzten Jahrzehnten zu stellen ist. Doch Abschottung ist kaum noch möglich und auch nicht sinnvoll, da die Nationalstaaten auf internationales Kapital und Wissen angewiesen sind, um Demokratie und Wohlstand erreichen zu können.[5]

Die Globalisierung wird erst durch die Digitalisierung möglich – diese hat damit außer der technischen und ökonomischen auch eine soziale Bedeutung, auch wenn sie noch nicht übergreifend eingeschätzt werden kann. Die Produktion wird jedenfalls in Folge der Durchsetzung von Computern verstärkt flexibilisiert, virtualisiert und rationalisiert , wobei die Rationalisierung sich einerseits auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirkt: ein Teil der industriellen Arbeit wird durch die technologischen Möglichkeiten schlicht wegrationalisiert (oder in Länder mit geringeren Produktionskosten verlagert), was zunehmend auch im Dienstleistungsbereich durch die Nutzung der Informationstechnologie geschieht, etwa durch Onlinebanking, Selbstinformation im Internet oder durch Verlagerung von vor allem einfachen, routinemäßigen Dienstleistungen (wie Steuererklärungen oder Callcenter-Tätigkeiten) ins Ausland.[6] Umso bedenklicher erscheint vor diesem Hintergrund, dass in jüngster Vergangenheit gerade solche Dienstleistungen ausgebaut wurden, die in hohem Maße Rationalisierungs- Möglichkeiten beinhalten.[7] In Zukunft werden zwar durch die demographische Entwicklung in den Pflegeberufen zahlreiche Arbeitsplätze entstehen, aber zumindest teilweise auffangbar ist dieser Prozess nur durch wirkliche Produkt-Innovationen und damit der Erschließung neuer Märkte, die jedoch wahrscheinlich auch keine Vollbeschäftigung mehr ermöglichen werden.

Darüber hinaus gehen mit der Digitalisierung neue Ausschluss-Prozesse einher – wer sich Informationen mit Hilfe der neuen Technologien beschaffen und mit ihnen umgehen kann und wer nicht, wird verstärkt über neue bzw. erneuerte soziale Ungleichheiten entscheiden.[8] Damit verändert sich aber auch der Charakter der bzw. die Qualifikationsanforderungen an die „übrige“ Arbeit: Die Anforderungen steigen insgesamt an und zielen auf einen neuen Idealtypus des Wissensarbeiters oder „Symbol- Analytikers“, der die neuen Technologien nutzt, um vernetzt und quasi ortsungebunden zu arbeiten.[9] Seine Aufgaben sind Dienstleistungen, die ein hohes Qualifikationsniveau erfordern und die Identifizierung, Vermittlung und Lösung von Problemen verschiedenster Art beinhalten.[10] Die gesellschaftlichen Folgen eines solchen neuen Ideals sind im Folgenden noch zu untersuchen.

Die durch die Digitalisierung mitermöglichte Flexibilisierung der Produktion lässt darüber hinaus Forderungen an die Flexibilität der Arbeiter entstehen – sowohl zeitlich, als auch räumlich und vertraglich. Diese Ansprüche begünstigen ihrerseits wiederum den Prozess der Individualisierung , der somit zumindest teilweise als gesellschaftliche Folge des ökonomischen Wandels zu sehen ist. Individualisierung der Erwerbsarbeit bedeutet auch das Entstehen von Risikobiographien, worauf ich jedoch in einem separaten Kapitel genauer eingehen möchte.

Ein weiterer Prozess, der Teil an den momentanen Umwälzungen hat, wird mit dem Begriff der Ökologisierung bezeichnet. Der prinzipielle Konflikt, in dem die westliche Ökonomie zur Ökologie steht, verschärft sich angesichts des ungebremsten Konsums der Industrienationen und der globalen Verbreitung von Wachstumsideologien zunehmend. Doch langsam lassen sich die Kosten des Ressourcenverbrauchs nicht mehr wie in der Ersten Moderne problemlos ausblenden und das Prinzip der Nachhaltigkeit breitet sich zumindest in der Diskussion immer mehr aus.[11] Diese Entwicklung beeinflusst die Wirtschaft auf nicht nur eine Art und Weise: werden einige Branchen und Unternehmen davon profitieren können und neue Arbeitsplätze, Produkte und Dienstleistungen schaffen, so werden andere auch die Risiken und Verluste zu tragen haben. Eine Gesamtbilanz des Prozesses steht momentan allerdings noch aus.

Die letzte Dimension des Risikoregimes ist die Politisierung der Arbeit und auch der Ökonomie, die durch die entstehenden Brüche in den bisher selbstverständlichen gesellschaftlichen Konzeptionen von Arbeit in Gang gesetzt wird. Unsicherheiten und konkurrierende Lösungsvorschläge relativieren scheinbare Sachzwänge und lassen Alternativen sichtbar werden, die vor allem von politischen Entscheidungen abhängig sein werden.[12] Folgt damit nach der Ökonomisierung der Politik jetzt wirklich die Politisierung der Wirtschaft oder laufen beide Prozesse parallel ab? Wie reagieren die Arbeiter, die ihre bisherigen Sicherheiten weitgehend verlieren? Auch dieser Frage möchte ich mich zu einem späteren Zeitpunkt noch eingehender widmen.

[...]


[1] U. Beck (Hg.): „Wohin führt der Weg, der mit dem Ende der Vollbeschäftigungsgesellschaft beginnt?“, in: Die Zukunft von Arbeit und Demokratie , Frankfurt a. M. 2000, S. 7-66, hier S. 43.

[2] W. Bonß: „Was wird aus der Erwerbsgesellschaft?“, in: U. Beck (Hg.), Die Zukunft von Arbeit und Demokratie , Frankfurt a. M. 2000, S. 327-415, hier S. 343.

[3] siehe U. Beck (Hg.): „Wie wird Demokratie im Zeitalter der Globalisierung möglich?“, in: Politik der

Globalisierung , Frankfurt a. M. 1998, S. 7-66, hier S. 18-25.

[4] siehe ebenda.

[5] siehe ebenda, S. 28.

[6] siehe T. L. Friedman: Die Welt ist flach. Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts , Frankfurt a. M., 2006, S. 18-20.

[7] siehe W. Bonß: „Was wird aus der Erwerbsgesellschaft?“, S. 386.

[8] siehe ebenda, S. 354-356.

[9] siehe U. Beck: „Wohin führt der Weg, der mit dem Ende der Vollbeschäftigungsgesellschaft beginnt?“, S. 45.

[10] siehe W. Bonß: „Was wird aus der Erwerbsgesellschaft?“, S. 390.

[11] siehe W. Bonß: „Was wird aus der Erwerbsgesellschaft?“, S. 348-350.

[12] siehe ebenda, S. 360-363; U. Beck: „Wohin führt der Weg, der mit dem Ende der Vollbeschäftigungsgesellschaft beginnt?“, S. 45f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Arbeit – Problem oder Lösung?
Untertitel
Zusammenhänge und Ausblicke
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Geht uns die Arbeit aus?
Note
1,5
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V113703
ISBN (eBook)
9783640142736
ISBN (Buch)
9783656133018
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeit, Problem, Lösung, Geht, Arbeitssoziologie
Arbeit zitieren
Anonym, 2006, Arbeit – Problem oder Lösung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113703

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