Experteninterviews zur Gesundheitsberatung

Auszug aus "Chancen einer innovativen Gesundheitsberatung"


Essay, 2008
31 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Handlungsfelder innovativer Gesundheitsberatung aus Sicht der Akteure – Experteninterviews
1.1 Aus Sicht der Krankenkasse
1.2 Aus Sicht des Gesundheitsamtes
1.3 Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung
1.4 Aus Sicht des niedergelassenen Arztes
1.5 Aus Sicht des Krankenhauses

Anhang – Original Leitfadeninterview Fragebogen

Verzeichnis der Expertengespräche

1 Handlungsfelder innovativer Gesundheitsberatung aus Sicht der Akteure Experteninterviews

Zur Diskussion der entwickelten Thesen und der gesundheitswissenschaftlichen Fragestellung der Masterarbeit „Chancen einer innovativen Gesundheitsberatung“ von Gordon Heringshausen M.A. wurden mit verschiedenen Experten leitfadengestützte Experteninterviews durchgeführt. Dazu wurden in der Vorbereitungsphase fünf Akteure der ambulanten und stationären Versorgung ausgewählt und im Rahmen eines Expertengespräches mithilfe eines Interviewleitfadens interviewt. Als Interviewpartner wurden neben Leistungserbringern und Kostenträgern auch Interessenvertreter ausgewählt.

Gesprächspartner im Rahmen der leitfadengestützten Experteninterviews waren:

- Vertreter der Krankenkassen,
- Vertreter des Gesundheitsamtes,
- Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung,
- Vertreter der niedergelassenen Ärzte,
- und ein Vertreter der Krankenhäuser.

Die in den Interviews gewonnenen Informationen basieren auf den praxisbezogenen Kenntnissen und Einschätzungen der Interviewpartner, die aufgrund ihrer beruflichen Funktion und ihrer sozialen Eingebundenheit in die örtlichen Strukturen der ambulanten und stationären Versorgung als Experten gelten.

Die Gespräche wurden analog aufgezeichnet und im Anschluss daran transkribiert. Die entwickelten Fragen sollten - aus Expertensicht - Antwort geben, inwieweit sich innovative Gesundheitsberatung zukünftig als eine zentrale bürger- bzw. patientenorientierte Dienstleistung in unserem Gesundheitswesen und als neues Berufsfeld für Gesundheitsberufe etablieren kann? Weiterhin war von Bedeutung ob Gesundheitsberatung zukünftig zu einem allgegenwärtigen Angebot der Orientierungs-, Entscheidungs-, Planungs- und Handlungsunterstützung werden kann und ob sie damit eine Möglichkeit ist, auf die zu erwartenden Veränderungen in der ambulanten und stationären Versorgung zu reagieren?

Die Fragen im Einzelnen:

Frage 1:

Haben Sie in Ihrer täglichen Arbeit festgestellt, dass die Nachfrage nach Beratung bzw. die Inanspruchnahme von Informationsangeboten in den letzten Jahren gestiegen ist? Wenn ja, was sind Ihrer Meinung nach dafür die Gründe?

Frage 2:

Wo sehen Sie Einsatzmöglichkeiten für eine professionelle, unabhängige, individuelle und ganzheitliche Gesundheitsberatung um Menschen im Gesundheitssystem zu informieren, zu begleiten und gleichzeitig zu befähigen ihre Gesundheit zu stärken und nachhaltig zu verbessern?

Frage 3:

Kann innovative Gesundheitsberatung zukünftig zudem eine Orientierungshilfe im Dschungel der ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen für Bürger sein? Wenn ja, wer kann diese Beratungsleistung aus Ihrer Sicht zukünftig anbieten?

Frage 4:

Wie beurteilen Sie die Notwendigkeit und die Gewichtung von Gesundheitsberatung im Hinblick auf die künftige Entwicklung der Versorgungsstrukturen im Jerichower Land?

Frage 5:

Diese Frage wurde individuell auf die jeweils zu befragende Berufsgruppe/Person zugeschnitten.

Nachfolgend wird ein Überblick über die Kernaussagen aus den geführten Expertengesprächen gegeben, die kompletten Interviews sind im Anhang dargestellt.

1.1 Aus Sicht der Krankenkasse

Gesprächspartner: Regionaldirektor der BKK Essanelle - Herr Orbons

„Die Anzahl der Beratungen bei unserer Krankenkasse hat nur leicht zugenommen. Die Qualität hat sich jedoch inzwischen geändert. Früher wurden allgemeine Fragen zum Leistungsangebot gestellt. Heute wird nach Leistungen gezielt nachgefragt.“ Henry Orbons sieht als Ursache für die Verunsicherung der Menschen, u.a. die Flut von Informationen aus den Medien und die diversen Angebote verschiedenster Leistungserbringer, die Ihren „Opfern … Wohltaten oder unheimlich wichtige Maßnahmen“ verkaufen wollen.

Um Versicherte zu beraten und zu informieren, beschäftigt die BKK Gesundheitsberater. „Leider werden diese Leistungen von den Versicherten nur wenig in Anspruch genommen. Gerade diejenigen, welche es am nötigsten bräuchten, nehmen diese Leistung nicht in Anspruch. Auch Anreize wie Bonus usw. ändern daran wenig.“

Mit Blick auf die zukünftige Versorgungslandschaft, wird aus Sicht Henry Orbons, Gesundheitsberatung eine Orientierungshilfe für Bürger sein, um sich in den ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen zurecht zu finden. Bezogen auf die Strukturen der Zukunft im Jerichower Land, insbesondere die Unterversorgung mit Hausärzten, ist Gesundheitsberatung eine Möglichkeit darauf adäquat zu reagieren. „Das bedeutet, dass eine bessere Gesundheitsberatung bereits in jüngeren Jahren unbedingt erforderlich ist, damit z.B. chronische Krankheiten möglichst gar nicht oder erst sehr spät eintreten.“ Als möglichen Finanzierungsträger sieht Orbons den Staat in der Pflicht.

1.2 Aus Sicht des Gesundheitsamtes

Gesprächspartner: Amtsarzt LK Jerichower Land - Herr Dr. Preisler

Jugendärztin LK Jerichower Land - Frau Dr. Koerth-Bauer

Beratungsnachfrage ist aus Sicht des Gesundheitsamtes vor allem im Bereich der Ernährung und Bewegung leicht gestiegen. Vor allem Schulen arbeiten hier mit dem Amt zusammen. Der Bedarf an Beratung ist dagegen für sicherlich viele

Bevölkerungsgruppen gegeben. So ist auch im Bereich der Vorsorgeuntersuchungen und der damit verbundenen Aufklärung noch Handlungsbedarf. Aus Sicht des Gesundheitsamtes liegt in der Beratung zu strukturellen Fragen, der ambulanten und stationären Versorgungslandschaft, enormer Beratungsbedarf. Dafür muss aber die Beratung kostenfrei sein. Frau Dr. Koerth-Bauer: „Ich denke, dass die Bevölkerung nicht bereit ist, für diese Beratung extra Geld zu bezahlen. Eine kostenfreie Beratung würde sicherlich angenommen werden…“. Mit Blick in die Zukunft und auf die Möglichkeit Gesundheitsberatung individuell und professionell anzubieten, muss aber darauf geachtet werden, diese Dienstleistung unabhängig anzubieten. Dazu würde sich ein unabhängiger, externer Berater möglicherweise anbieten. Auch die Möglichkeit der direkten Anbindung an eine Hausarztpraxis wurde im Gespräch erwogen. Folgende Themenschwerpunkte müsste dazu zukünftig eine Gesundheitsberatung anbieten: „Themen für die Beratung wären aus meiner Sicht sicherlich Diätberatung, Bewegungs- und Fitnessberatung, Impf- und Reiseberatung, Antiraucherunterstützung. … im Bereich der gesetzlichen Grundlagen zum Thema Gesundheitssystem ist sicherlich auch Informationsbedarf in der Bevölkerung vorhanden.“

1.3 Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung

Gesprächspartner: Kreisstellensprecher der KV Landkreis Jerichower Land Herr Dr. Jörg Schulze

Aus Sicht der KV gibt es einen Anstieg der Beratungsnachfrage. Speziell im Bereich der Gewichtsreduktion und der Raucherentwöhnung, aber auch zu strukturellen Fragen der Versorgung kommen Patienten zu den Hausärzten und fragen nach. Jörg Schulze: „Ich sehe für den medizinischen Bereich eindeutig den Arzt als Berater und Ansprechpartner an. … Gesundheitsberatung kann durchaus eine Orientierungshilfe für den Einzelnen sein. Speziell bei der Hilfe der Unterscheidung ambulant, stationär, MVZ, ambulantes Operieren, Reha, welche Operation wird wo am besten durchgeführt etc. kann Beratung helfen diesen Dschungel zu durchdringen.“ Nach Schulze wird sich die Versorgungslandschaft im Jerichower Land in den nächsten Jahren dramatisch verändern, er erwähnt hier explizit die bevorstehende Unterversorgung mit Hausarztpraxen. Eine Beratungsstelle könnte hier möglicherweise entgegenwirken: „Wenn diese Beratungsleistung dem Patienten nichts kosten würde, und sie würde entsprechend publik gemacht - Ausbau Servicecenter, etc.- dann könnte es vielleicht funktionieren. Ob mithilfe einer Gesundheitsberatung die gesundheitlich medizinische Versorgung zu verbessern ist, muss der Versuch zeigen.“

1.4 Aus Sicht des niedergelassenen Arztes

Gesprächspartner: Hausärztin Frau Dr. Schober - Parey

Von Frau Dr. Schober aus der ländlichen Hausarztpraxis in Parey gibt es eine ganz klare Aussage auf die Frage nach dem Bedarf nach Gesundheitsberatung: „Meiner Meinung nach ist der Bedarf nach Gesundheitsberatung ganz klar vorhanden, weil u.a. die aktue]llen gesundheitspolitischen Maßnahmen die Menschen verunsichern und z.B. die Medien nicht nur darüber informieren sondern auch viele Unsicherheiten beim Patienten schüren, dadurch dass sie teilweise nur halbwissenschaftlich informieren. … Da bin ich auch gerne bereit zu sagen: Das kann jemand Unabhängiges machen, das braucht nicht der Hausarzt zu erledigen. Wo ich also auch einen richtig guten Ansatz für die Arbeit eines Gesundheitsberaters sehe, das ist in der Arbeit mit Kindern. Hier kann die Beratung ruhig schon im Kindergarten losgehen. … Im Erwachsenenalter spielt auf alle Fälle die Impfberatung eine wichtige Rolle und das könnte durchaus ein unabhängiger Gesundheitsberater machen. Natürlich auch im Bereich der chronischen Erkrankungen und der Fragen zu Bewegung, Ernährung und Suchtberatung sehe ich durchaus Möglichkeiten für Beratung.“

Noch konkreter wird Frau Dr. Schober auf die Frage nach den zukünftigen Versorgungsstrukturen in der ambulanten und stationären Versorgung im LK Jerichower Land: „Die zukünftige Versorgung sehe ich als riesen Problem. … So ist z.B. für meine Praxis, … überhaupt nicht absehbar ob hier ein neuer Arzt nachkommt und dann entsteht hier ein riesen Loch in der Versorgung. Dann könnte so ein erster Anlaufpunkt, wie z.B. eine Beratungseinrichtung …, eine Erleichterung für die Bevölkerung sein. Also hier wird auf alle Fälle Bedarf sein.“ Ein weiteres Feld der Tätigkeit liegt nach Schober in der Beratung zu Patientenrechten und der IGeL: „Hier sollte dann aber ein unabhängiger Berater zum Einsatz kommen. Hier gibt es großen

Informationsbedarf nach objektiven und wissenschaftlichen Informationen zum Nutzen solcher Leistungen. … Die Abnahme dieser ganzen Beratungsleistungen würde uns als Hausärzte wirklich helfen und entlasten.“

1.5 Aus Sicht des Krankenhauses

Gesprächspartner: AWO-Fachkrankenhaus Jerichow - Herr Raudszus

Aus Sicht des Krankenhauses ist die Nachfrage nach Beratungsleistungen im stationären Bereich in den letzten Jahren gestiegen und wird auch weiter zunehmen.

„Die Gründe könnten darin liegen, dass zum einen Menschen besser informiert sind und dadurch natürlich auch versuchen länger gesund zu bleiben und zum anderen gibt es auch mehr Angebote als noch vor 10 Jahren und dadurch steigt natürlich auch die Nachfrage. Hier im Krankenhaus kann ich das eindeutig feststellen …“ Beratungsschwerpunkte liegen nach Raudszus hauptsächlich im Bereich der Bewegung und Ernährung. Bezogen auf die Entwicklung der Versorgungsstrukturen und die Möglichkeit einer Implementierung dieser Beratungsdienstleistung sagt Raudszus: „Wenn die Gesundheitsberatung unabhängig erfolgen würde, dann könnte ich es mir sehr gut vorstellen. Der Gesundheitsberater darf nicht den Eindruck erwecken, dass er in irgendeinem Auftrag tätig ist. … für die fachspezifischen Themen könnte ich mir durchaus die Zusammenarbeit mit einem externen Beratungsdienstleister vorstellen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Schaffung einer neuen internen Planstelle mit der Bezeichnung „Gesundheitsberater“. Diese Position könnte dann, wie in einer Einrichtung wie unserer, all diese verschiedenen Aufgaben bündeln.“ Die Möglichkeiten der Integration von Gesundheitsberatern in Arztpraxen oder MVZ werden von Volker Raudszus ebenso präferiert wie die mögliche Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus. „Gerade im Hinblick auf die sich gründenden Medizinischen Versorgungszentren könnte ich mir sehr gut vorstellen, einen Gesundheitsberater in das MVZ zu integrieren. Der Patient hat dann den Vorteil, dort alles aus einer Hand zu erhalten: die fachärztliche Versorgung im MVZ als auch die kompetente Rundumberatung hinsichtlich der Weiterbehandlung, rechtlicher Fragen, SGB V Themen, Erstattungsfragen, Nachversorgung etc.“

[...]

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Experteninterviews zur Gesundheitsberatung
Untertitel
Auszug aus "Chancen einer innovativen Gesundheitsberatung"
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg  (Management im Gesundheitswesen)
Autor
Jahr
2008
Seiten
31
Katalognummer
V113973
ISBN (eBook)
9783640142897
ISBN (Buch)
9783640143382
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Experteninterviews, Gesundheitsberatung
Arbeit zitieren
M.A. B.Sc. Gordon Heringshausen (Autor), 2008, Experteninterviews zur Gesundheitsberatung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113973

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