Möglichkeiten für Kleinanleger in Hedgefondsstrategien zu investieren

Für Privatinvestoren zugängliche Hedgefondsstrategie-Anlageformen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

34 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die Welt der Hedgefonds
2.1 Abgrenzung von Hedgefonds zu Investmentfonds
2.2 Strategien von Hedgefonds

3 Rechtliche Restriktionen im Hedgefondshandel in Deutschland
3.1 Bisherige Entwicklung staatlicher Regulierung
3.2 Ziele und Auswirkungen des Investmentmodernisierungsgesetzes

4 Alternative Hedgefonds-Anlageformen für Kleinanleger
4.1 Dachfonds von Hedgefonds
4.2 Hedgefonds-Zertifikate
4.3 Hedgefonds mit einer 130/30-Strategie

5 Kritische Würdigung alternativer HF-Anlageformen und Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abbildungen:

Abbildung 1: Einteilung der alternativen HF-Anlageformen 7

Abbildung 2: Beispiel einer Long/Short Equity Strategie 21

Abbildung 3: Verlustrisiko und maximaler Gewinn einer Short Position 21

Abbildung 4: Beispielhafte Funktionsweise von Hebelzertifikaten 22

Abbildung 5: Funktionsweise von Zertifikaten mit Kapitalgarantie 22

Abbildung 6 : Mittelflüsse bei Hedgefonds-Zertifikaten 23

Abbildung 7: Beispiel einer 130/30-Strategie 23

Abbildung 8: Zahlungskonsequenzen einer 130/30 mit Short-Optionen 24

Abbildung 9: Zahlungskonsequenzen einer 130/30 mit Short-Futures 25

Tabellen:

Tabelle 1: Dimension-Charakteristika-Matrix 14

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Einblick in alternative Anlageformen für deutsche Privatinvestoren zu geben, die entweder aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nicht in Hedgefonds (engl.: Hedge Funds -HF) investieren dürfen, oder aufgrund bestimmter Investitionsbarrieren[1] nicht in Hedgefonds investieren können. Aufgrund der Einführung des Investmentmodernisierungsgesetzes (InvModG) Anfang 2004 und der europäischen OGAW III Richtlinien[2] ab 2002 ist es Privatanlegern in Deutschland erstmalig möglich, via Dachfonds in HF zu investieren oder hedgefondsähnliche Strategien über Derivate zu nutzen. Diese beiden Alternativen und die bereits länger etablierten, unregulierten Hedgefonds-Zertifikate werden in dieser Arbeit vorgestellt und kritisch gewürdigt. Dabei steht weniger die Analyse ihrer Performance und ihres Risikos im Vordergrund als eine qualitative Beurteilung und ein relativer Vergleich untereinander und zu HF bzw. Investmentfonds (engl.: Traditional Mutual Funds –TMF). Die Forschung hat sich bislang weitestgehendst auf TMF und HF beschränkt. Einen Pioniersstatus für die Analyse von hedgefondsähnlichen Fonds nehmen die Arbeiten von Agarwal, Boyson und Naik (2007) sowie von Amenc und Martellini (2002) ein. Doch beschränken sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse bzgl. alternativer Anlageformen für den deutschen Raum, wohlmöglich aufgrund ihrer noch sehr jungen Zulassung, auf wenige Zeitschriftenartikel wie bspw. die Arbeiten von Heidorn, Hoppe und Kaiser (2005) und Eling (2006). Im zweiten Kapitel werden als theoretische Grundlage zunächst HF und ihre Strategien im Allgemeinen beschrieben. Das dritte Kapitel befasst sich anschließend mit den bisherigen und aktuellen rechtlichen Restriktionen im HF-Handel in Deutschland, um den Grund für die Einführung und Entwicklung der alternativen Anlageformen zu erläutern. Vor diesem Hintergrund werden im vierten Kapitel dann die drei bedeutensten Alternativanlagen und ihre Funktionsweisen analysiert und im fünften Kapitel kritisch den konventionellen Anlagen gegenübergestellt und ein Fazit gezogen.

2 Einführung in die Welt der Hedgefonds

Die U.S.-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) definiert HF recht konservativ durch den Verweis auf ein Investitionsverlustrisiko: “… speculative investment practices that may increase the risk of investment loss.“ [3] . Dabei täuscht der Begriff des Hedging (naheliegendste Übersetzung: „absichern“) über die Ziele und Techniken von HF hinweg. Nur ein Teil der HF-Strategien sichert seine riskanten Positionen über Derivate wie etwa Futures, Optionen oder Swaps

ab[4]. Vielmehr versucht die Mehrzahl der Fondsmanager eine außerordentliche Performance (auch als „alpha“[5] bezeichnet) über dem jeweiligen Index zu erwirtschaften, indem sie die Investitionssumme über geliehene Wertpapiere oder geliehene Barmittel (Leerverkäufe und Leverage) weit ausdehnen[6].

2.1 Abgrenzung von Hedgefonds zu Investmentfonds

Die oftmals in der Literatur als für die Öffentlichkeit mystisch[7] unterstellten HF gehören zu der Klasse der Alternativen Investments[8]. Der Begriff Alternative Investments umfasst all jene Kapitalanlageformen, die nicht den konventionellen TMF zuzuordnen sind. Somit werden also Alternative Investments und damit auch HF lediglich durch ihre Abgrenzung zu regulären Anlagen definiert[9]. Betreffend die praktische Ausgestaltung identifiziert Kaiser[10] (2004) neun Unterscheidungsdimensionen zwischen „klassischen“ TMF und HF (Vgl. Tabelle 1 im Anhang). Die signifikantesten Unterscheidungsmerkmale hierbei sind der Absolute Return Approach und die Downside Protection, wonach HF-Manager im Gegensatz zu Fondsmanagern absolute Ertragsziele versprechen und HF einen beliebig starken Schutz vor Verlusten via Derivateeinsatz implizieren[11]. Die folgenden weniger differenzierteren Charakteristika[12] zur Abgrenzung von HF zu TMF sind fast allen jüngeren Arbeiten zu HF gemein: Demnach sind HF 1) gepoolte und private Investitionsvehikel, 2) kaum regulierte Anlagen ohne besondere Leistungsversprechen oder Gebührenstrukturen, 3) nicht der breiten Öffentlichkeit zugängliche Anlagen und 4) Anlagen, die sich Instrumenten wie der Steigerung des Investitionsgrades durch Kreditaufnahme (Leverage), Verkauf von nicht im Besitz befindlichen Vermögen (Leerverkauf) und Derivaten zur Absicherung der Vermögensposition bedienen können. Der vierte Punkt berücksichtigt dabei die drei grundlegenden Instrumente von HF, aus denen sich die im Kapitel 2.2 behandelten Strategien im Allgemeinen ableiten.

2.2 Strategien von Hedgefonds

In der angelsächsischen wie auch in der deutschen Literatur sind zahlreiche unterschiedliche Klassifizierungen von HF-Strategien bzw. -stilrichtungen[13] gebräuchlich. Beispielsweise klassifizieren Schneeweis und Spurgin[14] die HF-Strategien nach ihrem Einfluss auf ein klassisches Aktienportfolio, in der Regel aber erfolgt die Klassifizierung nach den Foki der Betrachtung (Direktionalität[15], Volatilität, Handelsstrategien, Portfoliobeitrag, geografische Ausrichtung oder Branchenfokus) und zusätzlich nach der gewünschten Genauigkeit der Klassifizierung, d.h. dem Detaillierungsgrad[16]. Im Folgenden erweißt es sich in Hinblick auf das Verständnis für das Kernthema dieser Arbeit als sinnvoll, eine Einteilung nach den Handelsstrategien der HF-Manager gemäß Kaiser (2004) bzw. Weber (1999) mit einem geringeren Detaillierungsgrad vorzunehmen. 1) Long/Short Equity: Bei dieser Strategie kauft der HF-Manager gemäß seiner Einschätzung unterbewertete Titel (Long-Position) um sie nach Kurskorrektur wieder gewinnbringend zu verkaufen. Dieser Gewinn dient der späteren Finanzierung der als überbewertet angenommenen Titel einer gleichzeitig eingegangenen Leerverkaufsposition (Short-Position). Dabei hat er sich vermeintlich im Kurs fallende Titel von anderen Investmentfonds[17] geliehen und zum aktuellen Kurs verkauft. Bei Fälligkeit muss er diese zu dem dann hoffentlich niedrigeren Kurs wieder erstehen und dem Gläubiger zurückgeben. Schließlich macht der Manager einen bivalenten Gewinn aus Fehlbewertungen beider Titel. Deshalb wird diese Strategie auch als „make money on alpha“ bezeichnet, da ein Alpha[18] auf der Long- und der Short-Seite realisiert wird („double-alpha“)[19]. Alpha ist dabei der prozentuale Mehrertrag über dem eines Marktportfolios. 2) Relative Value: “Make Money on Spreads”[20] lautet die Devise bei dieser Management-Strategie. Diese besagt, dass der Fondsmanager Kursunterschiede diverser Papiere (Anleihen, Bezugsrechte oder Aktien) verschiedener Handelsplätze ausnutzt um Arbitragegewinne zu erzielen. Dabei ist der entscheidenste Punkt zugleich der unverwechselbare Unterschied zur Long/Short Equity-Strategie, nämlich das Profitieren von Kursdifferenzen ein und desselben Zeitpunkts statt zwischen Gegenwart und Zukunft. Nur bei vereinnahmbaren Gewinnen eines identischen Zeitpunkts kann man von Arbitrage sprechen, da per Definition eine Arbitrage einen risikolosen Gewinn (free lunch) oder zumindest die Möglichkeit eines Gewinns aber ohne Verluste (free lottery)[21] bedeutet. Dies ist nur unter Sicherheit, also zum aktuellen Zeitpunkt, zweifelsfrei möglich und falls an zwei Handelsplätzen ein und dasselbe Wertpapier gehandelt wird. Man sollte hingegen nicht den Fehler begehen, aufgrund der Arbitrage von risikolosen HF zu sprechen, da auch hier die Manager verstanden haben, mageren Spreads[22] von beinahe arbitragefreien Märkten via Leverage-Einsatz einen „Turbo“ aufzusetzen, indem sie die Investitionssumme fast vollständig aus Fremdkapital finanzieren. Nicht selten musste dabei in der Vergangenheit das Fremdkapital-Eigenkapital-Verhältnis 100:1 betragen, damit Absolute-Return-Versprechen eingehalten werden konnten. Falls jedoch selbst niedrige Spreads ausbleiben, läuft der Manager Gefahr, insolvent gegenüber den Fremdkapitaldiensten (Zins und Tilgung) zu werden. Dann hat er aus den Arbitragegeschäften zwar keine Verluste erlitten, aber kann die Zinsen an die Fremdkapitalgeber nicht begleichen. Der synonym für Relative Value Strategien verwendete Begriff „market neutral“ rührt daher, dass der Erfolg bzw. Misserfolg der Strategie mit der Entwicklung des Markts beinahe unkorreliert ist (weitere Arten von Arbitragegeschäften im Anhang). 3) Event Driven: Die Manager dieser HF haben sich darauf spezialisiert, von bestimmten Ereignissen bzw. den hierbei auftretenden Ineffizienzen im Sinne von Bepreisungen zu profitieren („make money on events“). Mit Ereignissen sind all jene gemeint, die zwischen Gründung und Schließung einer Unternehmung auftreten können. Hierzu zählen insbesondere finanzielle Restrukturierungen aufgrund von veränderter Unternehmensgröße, Übernahmen und Zusammenschlüsse zweier Unternehmungen (Mergers&Acquisitions) oder Ausgliederungen[23] (z.B. LBO[24], MBO[25], Carve Outs[26] ) aufgrund von Reorganisationen und Konkursen. Bereits die Veränderung an sich, wenngleich meist ohne unmittelbare wertorientierte Auswirkungen, führt zu drastischen Kurskorrekturen der Unternehmensanteile. Aufgrund hoher Branchenkenntnisse ist es den Fondsmanagern möglich, solche Events zu antizipieren und deshalb von Kursanpassungen gleich welchen Vorzeichens zu profitieren. Gemäß der jeweiligen Events unterscheidet man folgende fünf Strategien, von denen die ersten zwei Strategien in der Literatur die höchste Beachtung finden[27]: Merger Arbitrage, Distressed Securities, High-Yield, Special Situations und Regulation D. Eine ausführliche Erläuterung aller Event Driven Strategien findet sich im Anhang. 4) Global Macro: Die größten verwalteten HF überhaupt zählen gem. Hoppe (2005) zu dieser HF-Strategie. Sie basiert auf der Annahme, dass sie die wirtschaftliche und politische Situation bestimmter Märkte besser einschätzen als andere Marktteilnehmer[28]. Dabei versuchen sie Fehlentwicklungen aufzudecken und von anschließenden Korrektur zu profitieren, woher die ebenfalls geläufige Definition: „make money on trends“ stammt. Zu ihren Investments zählen neben Aktien, Anleihen und Devisen auch Derivate auf ebendiese. Beispiele hierfür sind plötzliche Antiinflationspolitiken wechselnder Regierungen, die starke Zinsanstiege zur Folge haben können. Dann betreibt ein HF-Manager bspw. einen sog. „Carry Trade“, indem er sich in zinsniedrigen Ländern Gelder leiht um sie in solchen Ländern mit besonders hohen Geldmarktzinsen wieder anzulegen. Je nach Fokus der Anlage unterteilt man die Global Macro Strategie in vier weitere Unterkategorien: Currencies, Emerging Markets, Market Timing und Commodities. Diese sind im Anhang ausführlicher erläutert.

3 Rechtliche Restriktionen im Hedgefondshandel in Deutschland

3.1 Bisherige Entwicklung staatlicher Regulierung

Bis zum 31.12.2003 regelten das Kapitalanlagegesellschaftsgesetz (KAGG) sowie das Auslandsinvestmentgesetz (AIG) Zulassungs- und Versteuerungspflichten für Anlagefonds. Dabei sind grundsätzlich zwei Fälle zu unterscheiden: a) der (Hedge-) Fonds wird in Deutschland aufgelegt, was zur Anwendung des KAGG führt oder b) der (Hedge-) Fonds ist ein ausländischer, der in Deutschland vertrieben werden soll, wonach das AIG greift. Danach war zwar der Vertrieb von HF nicht per se ausgeschlossen, aber die Fonds und Fondsgesellschaften unterlagen derart peniblen Restriktionen, dass entweder der aufzulegende Fonds keine HF-Charakteristika mehr aufwies, oder die „Strafbesteuerung“[29] so hoch war, dass die Anlage in diese Fonds uninteressant wurde. Danach belief sich die in HF investierte Summe in Deutschland auf gerade einmal 5 Mrd. US-$ im Jahre 2004 von 1.155 Mrd US-$ weltweit[30].

3.2 Ziele und Auswirkungen des Investmentmodernisierungsgesetzes

Bereits vor der Modernisierung des Investmentgesetzes (InvG) durch das Investmentmodernisierungsgesetz (InvModG) am 1. Januar 2004 entwickelten deutsche Banken Produkte wie bspw. HF-Zertifikate[31] oder Genusscheine[32] um trotz der rigiden Restriktionen des KAGG und des AIG zumindest abgeleitete HF-Produkte anbieten zu können[33]. Der Gesetzgeber verfolgte mit der Einführung des InvModG zwei Hauptziele, nämlich zum einen die Überarbeitung und Zusammenführung des KAGG und des AIG und zum anderen die „Integration der Hedgefonds in den regulierten Kapitalmarkt“[34]. Möglich sind seither die Auflegung deutscher Single- und Dach-HF (funds of hedge funds bzw. FoHF) als sog. „(Dach-)Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“[35]. Die HF-Instrumente Leverage, Leerverkäufe und Derivate-Einsatz sind nunmehr also unlimitiert für Single-HF zulässig[36]. Dach-HF hingegen sind strenger reglementiert, da sie bspw. selbst keine Leerverkäufe tätigen oder Leverage aufnehmen dürfen und zur Risikostreuung in mindestens fünf verschiedene Ziel-HF investieren müssen. Aufgrund ebendieser risikomindernden Vorschriften sind nur Dach-HF öffentlich zugänglich, Single-HF hingegen nur über Privatplatzierungen[37]. Deutschen Privatinvestoren bleiben demnach (auch nach der Novellierung der Vorschriften im Investmentänderungsgesetz[38] ) lediglich Dach-HF als hedgefondsoriginäre Investition. Darüber hinaus können Privatanleger in die im folgenden Kapitel erläuterten Produkte investieren, die entweder stark mit HF korreliert sind (HF-Zertifikate) oder hedgefondsähnliche Strategien im Rahmen der zulässigen OGAW-III-Grenzen[39] nutzen (bspw. 130/30-Strategien). Letzgenannte Alternative ist möglich geworden durch die im Jahre 2002 in Kraft getretene EU-Richtlinie betreffend Organismen für die gemeinsame Anlage in Wertpapieren (OGAW), die zwar in Art. 42 Leerverkäufe ausdrücklich ausschliesst, jedoch in Art. 21 den Einsatz von Derivaten wie Optionen, Swaps und Futures erlaubt[40].

4 Alternative Hedgefonds-Anlageformen für Kleinanleger

Die im vorherigen Kapitel angeführten rechtlichen Gegebenheiten initiierten in Deutschland die Entwicklung der aus HF abgeleiteten Investments wie z.B. 130/30-Strategien oder HF-Zertifikate. Als weitere Alternative zu Single-HF bieten sich Kleinanlegern die bereits erwähnten Dach-HF. Zur besseren Unterscheidung zwischen diesen alternativen Anlageformen auf der einen und den TMF und HF auf der anderen Seite, bietet sich wie in Abb. 1 visualisiert eine Abgrenzung nach der Anzahl der verwandten HF-Strategien und des Risikopotenzials an. Die den klassischen TMF naheliegendste Alternative sind die Dach-HF, da sie aufgrund ihres Leverage- und Leerverkaufsverbots selbst keine HF-Strategien nutzen dürfen. Ihr Risiko liegt hingegen zwischen TMF und HF, da sich ihre Diversifikation in HF risikomindernd auswirkt. Mit lediglich einer verwandten HF-Strategie (Long/Short-Strategie) sind die 130/30 Strategien zwischen TMF und HF anzusiedeln. Ihr Risikopotenzial liegt je nach zusätzlich verwendeten Absicherungsinstrumenten[41] in Höhe der TMF oder der HF. Genauso vielen Strategien wie HF können sich HF-Zertifikate bedienen, wobei ihr Risiko aufgrund ihrer rechtlichen Konstruktion als Inhaberschuldverschreibungen[42] auf den Verlust des eingesetzten Kapitals bzw. einen Anteil dessen begrenzt ist[43]. Diese Einteilungen und die schematische Darstellung in Abbildung 1 dienen einer ersten Unterscheidung der alternativen Anlageformen, die in den folgenden Kapiteln ausführlich erklärt werden.

Abbildung 1: Einteilung der alternativen HF-Anlageformen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

4.1 Dachfonds von Hedgefonds

Die verwalteten Vermögen der weltweiten HF-Industrie stammen gemäß einer Hedge Fund Research Studie bereits zur Hälfte aus den Anlagen via Dach-HF, respektive rund 500 Mrd. US-$ von 1 Billion US-$ in 2005[44]. Dach-HF können grundsätzlich über die Investition in Single-HF an allen unter Kapitel 2 aufgeführten Strategien partizipieren. Diese Diversifikation in den HF-Strategien ist neben der Diversifikation in andere Faktoren wie z.B. nach Regionen, Managern oder anderen Unterscheidungsmerkmalen[45] ein erklärtes Hauptziel der Dach-HF[46]. Diese Auswahl von Kriterien für die Aufnahme in einen Dach-HF ist die einzige Möglichkeit für die Manager, trotz des bereits in Kapitel 3 vorgestellten Verbots der eigenen Anwendung von Hedge-Instrumenten die Rendite/Risiko-Matrix aktiv zu steuern. In der Literatur unterscheidet man diversifizierte Dach-HF von fokussierten bzw. Nischen-Dach-HF. Obwohl auch letztgenannte Fonds de facto diversifizieren, nämlich sektoral in bestimmte Strategien, Regionen oder andere, werden diese zur Abgrenzung als nicht-diversifizierende Fonds bezeichnet. Die Manager beider Dach-HF-Formen investieren hierbei oftmals in investierbare HF-Indizes, die große Märkte oder nur einzelne Strategien (Sub-Indizes) abbilden können[47] (als größte HF-Index Sponsoren sind hierbei Hedgefund.net, HFR, CSFB/Tremont, HenneseeGroup, Van Hedge und MAR zu nennen)[48]. Eine weitere beliebte Klassifizierung von Dach-HF in der Literatur erfolgt nicht nach der Diversifikation, sondern nach den Management-Ansätzen nach Verwilghen (2002): der Index-Ansatz, der durch eine breite HF-Streuung den HF-Markt abbilden soll, der quantitative Ansatz, der durch eine quantitative Analyse möglichst unkorrelierte Fonds für das Portfolio selektieren möchte und der qualitative Ansatz, der via aufwändiger Due Diligence Prüfungen[49] der Fondsgesellschaften nur einige vertrauenswürdige HF ins Portfolio einstellen möchte. Bei ihrer Investition erfüllen Dach-HF verschiedene Funktionen, die ihnen einerseits die rechtliche Grundlage für den Privatinvestor-Handel verschaffen und andererseits finanzökonomische Vorteile bringen. Sie erfüllen die Funktion der Risikotransformation durch Diversifikation, die Funktion der rechtlichen Transformation, die eine indirekte Investition in Single-HF ermöglicht[50], die Funktion der Größentransformation, die HF Privatanlegern überhaupt zugänglich macht[51] und die Fristentransformation, die aufgrund der Konstruktion der Dach-Fonds teils jahrelange Kündigungsfristen und Mindestanlagedauern in wenige Wochen transformiert[52]. Diesen Vorteilen der Dach-HF i.V.m. den Vorteilen die sie als Intermediäre innehaben, wie etwa die bessere Kenntnis der Branche und der Strategien sowie die Möglichkeiten zur Qualitätsprüfung, stehen aber auch Nachteile wie höhere Gebühren und eine geringere Rendite gegenüber[53]. So entfallen auf jeden Single-HF im Portfolio durchschnittlich 1% Management-Fees, 20% Performance-Fees und auf „Dach-Ebene“ nochmals 1,5% bzw. 10%, in Summe etwa 50% Mehrkosten[54] eines Dach-HF[55] gegenüber Single-HF.

4.2 Hedgefonds-Zertifikate

HF-Zertifikate sind, wie andere Zertifikate auch, rein rechtlich gesehen Inhaberschuldverschreibungen des Emittenten (i.d.R. einer Bank) ggü. dem Inhaber und Gläubiger (Investor) gem. §§ 793ff BGB. Hierbei verpflichtet sich der Emittent zur Zahlung eines von einem HF-Index (index linked notes) oder einer HF-Performance (performance linked notes) abgeleiteten Geldbetrages zur Maturität an den Gläubiger[56]. Der HF-Index spiegelt entweder einen bestehenden Dach-HF ab, oder er ist künstlich durch einen sog. Indexsponsor generiert. Bei den HF-Performance-Zertifikaten richtet sich in der Regel das Zertifikat nach den Erträgen eines einzelnen HF. Dabei investiert nicht der Gläubiger selbst in HF, sondern lediglich der Emittent. Das Zertifikat ist damit praktisch eine Stückelung des in die HF investierten Betrages, der durch oft sehr hohe Mindestanlagen für viele Investoren nicht aufzubringen wäre. Für den Privatinvestor bedeutet diese kreditartige Zertifikatseigenschaft, dass sich der Wert des Zertifikats zwar wie der der HF verhält, er aber keine Nachschusspflichten hat und die Rückzahlung an ihn von der Bonität des Emittenten abhängt (siehe Abb. 6). Während deutsche Dach-HF per InvModG verpflichtet sind, ausschließlich in für Deutschland zugelassene Single-HF zu investieren, macht die rechtliche Beschaffenheit der Zertifikate es dem Emittenten möglich, unter allen weltweit existierenden HF zu allokieren. Somit kann statt in lediglich 200 Fonds in über 6.000 Fonds investiert werden[57]. Das erste deutsche HF-Zertifikat legte im Jahre 2000 die Commerzbank unter der Bezeichnung COMAS I auf, dicht gefolgt von ähnlichen Produkten der Deutschen Bank und der Dresdner Bank. Innerhalb der ersten fünf Jahre stieg die Anzahl der Zertifikate auf 105 an[58]. Heidorn et al. (2006) haben für den deutschen Markt drei gängige HF-Zertifikate-Strategien identifiziert, die im Folgenden näher erläutert werden. 1) Das Indexzertifikat überführt einen Index in eine investierbare, standardisierte Produktstruktur[59], die seine Wertentwicklung abbildet. Die Zahlungsströme und rechtlichen Verpflechtungen stellen sich wie eingangs genannt dar. Der Emittent kann zusätzlich zur Absicherung seiner Zahlungsversprechen bspw. in Derivate wie indexbasierte Optionen oder Total Return Swaps[60] investieren. Der Wert des Zertifikats berechnet sich sehr transparent für den Investor (Gläubiger) nach folgender Formel: Wert Zertifikat = Indexstand x Bezugsverhältnis x (1-Spread) , wobei das Bezugsverhältnis den Bruchteil (Stückelung) der vom Emittenten investierten Summe darstellt und der Spread die Differenz zwischen Geld- und Briefkursen ist. 2) Das Hebelzertifikat bzw. Turbo-Zertifikat verfolgt das Ziel, die positiven Erträge des HF-Basiswerts zu vervielfachen. Die Wirkungsweise eines solchen Hebelzertifikats ist analog zu der von Leverage-Produkten, die die investierte Summe per Kreditfinanzierung auf über 100% steigern. Liegt das Eigenkapital-Fremdkapital-Verhältnis bspw. bei 1:4[61] und ist der zu investierende Betrag 1.000 €, erhält der Investor nach einer 1 prozentigen Wertsteigerung nicht 1.010 €, sondern 1.050 €, da 4.000 € kreditfinanziert investiert wurden. Ungeachtet der Finanzierungskosten ergibt sich somit ein von 1% auf 5% gehebelter Gewinn, also ein Hebel von 5. Daß mit der Hebelung nicht nur Vorteile verbunden sind, sondern das Verlustrisiko durch die unbedingte Bedienung des Kreditgebers besonders steigt, besagt bereits die ökonomische Logik. Wenn nämlich bei einem Hebel von 5 der Kurs um lediglich 20% fällt, d.h. von 5.000 € auf 4.000 €, stellt dies für den Investor bereits einen Totalverlust bzw. „Knockout“ dar, da er gerade noch den Kreditgeber bedienen kann (von zinszahlungen abgesehen). Zum Schutze der Investoren wird mittlerweile bei den meisten Turbo-Zertifikaten zusätzlich zur Knockout-Schwelle (eingesetztes Kapital) eine sog. Stop-Loss-Barriere eingebaut, die bspw. mind. 80% des Eigenkapitals schützt (siehe Abb. 4). 3) Die dritte gängigste Form von HF-Zertifikaten sind die Zertifikate mit Kapitalgarantie. Die Idee hinter dieser Strategie ist es, dem Portfolio an HF (bzw. dem Index) eine „sichere“ Kapitalanlage beizumischen, so dass der Wert bei Fälligkeit mindestens dem eingesetzten Kapital entspricht. Dies geschieht vornehmlich über eine Nullkupon-Anleihe, die um den marktüblichen Zins an Wert zulegt. Zur Konstruktion werden retrograd, ausgehend von der Mindestrückzahlung, die nötige Anzahl Anleihen bestimmt. Somit gewinnt er im Falle eines Kurs- bzw. Indexanstiegs aus der HF-Spekulation oder verliert im schlimmsten Fall das gesamte HF-Investment, aber ohne sein die Summe seines eingesetzten Kapitals zu gefährden. Dabei täuscht die Bezeichnung Kapitalgarantie über die Tatsache hinweg, dass im Fall des HF-Verlusts der Investor einen realen Verlust in Höhe der entgangenen Zinsen auf sein Kapital erleidet, resp. die Opportunitätskosten (siehe Abb. 5).

[...]


[1] Investitionsbarrieren können Mindestanlagesummen, Mindestanlagdauer oder mangelnde Liquidität sein

[2] siehe hierzu Kap. 3.2

[3] Vgl. SEC (2007)

[4] eine Ausführliche Erklärung des Einsatzes von Derivaten erfolgt in Kap. 4.3

[5] Eine genauere Definition von Alpha erfolgt in Kap. 4.4

[6] Vgl. Kaiser (2004), S. 22

[7] Vgl. Weber (1999), S. 43 und Kaiser (2004), S. 77

[8] Vgl. Definition: Kaiser (2004), S. 5

[9] Vgl. Fung/Hsieh (1999), S. 276

[10] Kaiser (2004), S. 88ff

[11] Bei vollständiger Downside Protection zählen Hedgefonds kurioserweise zu den sichersten Investments überhaupt, nämlich entsprechend der Bonität des Garantiegebers (z.B. Banken, Staaten)

[12] Vgl. Keel (2006), S. 48

[13] Sind synonyme Begriffe, Vgl.: Gregoriou/Rouah (2003), S.8, sowie Weber (1999), S. 47

[14] Vgl. Schneeweis/Spurgin (2000), S. 2

[15] (Nicht-)Direktionale Strategien sind markt-(un-)korrelierte Strategien

[16] Die Anzahl der Klassen variiert je nach Institution und Firma zwischen 4 und 31

[17] Vgl. Kauter (2006), S.96-98

[18] Vgl. Jensen (1968), S. 389ff

[19] Vgl. Ineichen (2005), S. 98

[20] Vgl. Kaiser (2004), S. 135

[21] Vgl. Hull (2005), S. 741

[22] Ein Spread ist die Differenz zwischen Brief- und Geldkurs (Kauf- bzw. Verkaufskurs, Bid/Ask)

[23] Vgl. Weber (1999), S. 100

[24] Leveraged Buy-Out: Fremdkapitalfinanzierte Ausgliederung selbstständiger Unternehmensteile

[25] Management Buy-Out: Unternehmensteile werden vom ehem. Management gekauft

[26] Vgl. Bessler/Drobetz/Henn (2005), S. 12

[27] Vgl. Bretzler/Rudolph (2004), S. 28ff

[28] Vgl. Bessler/Drobetz/Henn (2005), S. 14

[29] Vgl. Kaiser (2004), S.36

[30] Vgl. Eling (2006), S. 16

[31] Vgl. Kapitel 4.2

[32] Genussscheine sind verbriefte Ansprüche auf Reingewinnanteile ohne Mitgliedschaftsrechte gegenüber Unternehmungen und sind weder eindeutige Eigen- noch Fremdkapitaltitel

[33] Vgl. Eling (2006), S. 16

[34] Vgl. Pütz/Sonntag/Fock (2003), S. 27

[35] Vgl. BVI (2003), InvG §§112, 113

[36] Ausnahme ist ein max. Anteil an nicht börsennotierten Unternehmen von 30%

[37] Privatplatzierungen sind der außerbörsliche Verkauf v. Vermögensgegenständen unter Mindestvorschriften für Käufer gem. WPHG bzgl. verfügbarer Vermögenssummen

[38] Vgl. BVI (2007), Novell. InvG, S. 72

[39] Vgl. Deutsche Bundesbank (2002), OGAW-Richtlinien (Internet)

[40] Vgl. BaFin (2006), S. 147

[41] zusätzlich Absicherungen sind durch weitere Derivate möglich

[42] Der bloße Besitz einer Inhaberschuldverschreibung verbrieft gem. §§793ff BGB eine Forderung.

[43] Vgl. Heidorn/Hoppe/Kaiser (2005), S. 4

[44] Vgl. Cottier/Wessling (2006), S. 195

[45] nur der Risikoreduzierung oder der Ertragssteigerung hindienliche Hedgefonds

[46] Vgl.: Cottier/Wessling (2006), S. 198

[47] Vgl. Cottier/Wessling (2006), S. 199

[48] Vgl.: Amenc/Martellini (2002), S. 6

[49] Due Diligence Prüfungen sind tiefgreifende Analysen/Bewertungen von Unternehmen (z.B. vor Kauf)

[50] auch Investitionen in sog. „Offshore Zentrum“-Fonds (Cayman Islands) sind möglich hierdurch

[51] Mindestanlagen in Hedgefonds ca. 1 Mio. US-$, dagegen in Dach-Hedgefonds einige tausend US-$

[52] Vgl. Cottier/Wessling (2006), S. 197

[53] Vgl. Brown/Goetzmann/Liang (2006), S. 222

[54] Vgl. Kaiser (2004), S. 253

[55] Vgl. Brown/Goetzmann/Liang (2003), S.22

[56] Zins- oder Dividendenzahlungen sind explizit von der Zertifikatsstruktur ausgeschlossen; Vgl. Heidorn/Hoppe/Kaiser (2006), S. 88

[57] Vgl. Heidorn/Hoppe/Kaiser (2006), S. 88

[58] Vgl. Kaiser (2005), S. 35

[59] Strukturierung als „Verpackung“ zum Zweck der rechtlichen Zulassung.Vgl. Kaiser (2004), S. 335

[60] Erläuterung zu Optionen siehe Anhang; Erläuterungen zu Total Return Swaps siehe Kap. 4.3

[61] Vgl. Heidorn/Hoppe/Kaiser (2006)

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten für Kleinanleger in Hedgefondsstrategien zu investieren
Untertitel
Für Privatinvestoren zugängliche Hedgefondsstrategie-Anlageformen
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Allg. BWL und Finanzierungslehre)
Veranstaltung
Ausgewählte Fragen des Investmentmanagements
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
34
Katalognummer
V114084
ISBN (eBook)
9783640147823
ISBN (Buch)
9783640150601
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Kleinanleger, Hedgefondsstrategien, Ausgewählte, Fragen, Investmentmanagements
Arbeit zitieren
Felix Zimmermann (Autor:in), 2007, Möglichkeiten für Kleinanleger in Hedgefondsstrategien zu investieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114084

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