Zu: Ella d'Arcy - 'The Death Mask'

Aus der Serie "Modern Instances". New York, Garland, 1984 [1898]. Eine Interpretation.


Essay, 2007
10 Seiten, Note: "-"

Leseprobe

The Death Mask”

Aus der Serie Modern Instances, New York, Garland, 1984 [1898].

Von: Ella d’Arcy (1856?-1937)

The Saturday Review (20 August 1898, S. 249) kommentiert The Death Mask mit dem Ausdruck “…no story, but a handful of vivid impressions…”, vielleicht weil diese Kurzgeschichte in ihrem inneren Aufbau heterogen ist. Sie ist eine Mischung aus Supernaturalismus und einer Fülle von flüchtiger, feiner Ironie, die hauptsächlich als Kritik verstanden wird.

Der Ich-Erzähler, dessen Identität dem Leser unbekannt ist, treibt seine leise Satire mit den Figuren der Kurzgeschichte, besonders mit den zwei Frauen, Madame Germaine und Madame Peschi. Er macht sich auch lustig über die aktuellen Themen der ’Nineties.

Der Schauplatz der Handlung ist Paris. Die Mätresse des verstorbenen berühmten Dichters, Madame Germaine – eine typisch dienende Frau – wird vom Erzähler ironisiert, weil sie den Literaten in seiner Lebzeit bedingungslos und selbstlos geliebt und gepflegt hatte und als eine ungebildete französische Frau die Intellektuellen verehrte und den Dichter und seine Kunst lobte, ohne sie im Geringsten zu verstehen:

Madame Germaine, as she was called in the Quarter, had loved the Master with that complete, self-abnegating, sublime love of which certain women are capable – a love uniting that of the mother, the wife, and the nurse all in one. For years she had cooked for him, washed for him, mended for him; had watched through whole nights by his bedside when he was ill; had suffered passively his blows, his reproaches, and his neglect, when, thanks to her care, he was well again. She adored him dumbly, closed her eyes to his vices, and magnified his gifts, without in the least comprehending them. She belonged to the ouvriere class, could not read, could not write her own name; but with a characteristic which is as French as it is un-British, she paid her homage to intellect, where an Englishwoman only gives hers to inches and muscle [...]. (170)

Dass Madame Germaine mit langgezogenen, hohen Tönen um den Dichter weint, “whose sobs had reached the stairs,” wird ebenfalls vom Erzähler verachtet und missbilligt (169-170).

Auch die zweite Frau der Kurzgeschichte, die hübsche Madame Peschi zusammen mit ihrem Baby bleibt von der Ironie und der dahinter verborgenen Kritik des Erzählers nicht verschont, obwohl sie wegen ihrer Jugend und Schönheit vor dem Erzähler durch einen Vergleich mit einer Rose Gnade findet:

[…] She is eighteen, pretty as a rose, and her story and Peschi’s is an idyllic one; to be told, perhaps, another time. She greeted us with the smiling, cordial, unaffected kindliness which in France warms your blood with the constant sense of brotherhood; and, giving the boy to his father – a delicious opalescent trace of milk hanging about the little mouth – she got up to see about another lamp which Peschi had asked for.

Holding it now to guide our steps, he preceded us across a dark yard to his workshop at the further end, and while we followed him we heard the young mother’s exquisite nonsense-talk addressed to the child, as she settled back in her place again to her nursing. (172, Hervorhebungen von mir)

Der Erzähler übt Kritik am “nonsense-talk” der Madame Peschi in der Form flüchtiger Satire.

Die Liebesgeschichte zwischen dem Ehepaar wird ebenfalls durch die beißende, witzige Bemerkung “her story and Peschi’s is an idyllic one; to be told perhaps another time” lächerlich gemacht. Es ist eine Ironie gewürzt mit einem englischen Humor.

Die sarkastische Bemerkung: “She greeted us with the smiling, cordial, unaffected kindliness which in France warms your blood with the constant sense of brotherhood” (172) erinnert an die in Europa verbreitete “Pre-Raphaelite Brotherhood” (das Haupt-Trio (Millais, Hunt und D.G. Rossetti 1848) und die Vereinigung von Malern und Dichtern unter besonderen fraglichen Bedingungen. “Die Pre-Raphaelite Brotherhood” als eine künstlerische und soziale Bewegung setzt sich zusammen mit Naturalismus, Symbolismus und Ästhetizismus gegen das viktorianische Gedankengut ein (allerdings wird sie später wegen ihrer Unangemessenheit und vielen Schwächen von den Symbolisten abgelehnt). Alle diese Themen waren heiße Stoffe der Debatten in den künstlerischen und intellektuellen Milieus während des Fin de Siecle.

In The Death Mask bekommt der junge Modelleur Peschi den Auftrag – worauf er sehr stolz ist – dem berühmten Pariser Dichter nach seinem Tod eine Totenmaske abzunehmen. Er erledigt die Arbeit und ist sehr zufrieden mit seiner Leistung. Aber die Totenmaske – je nach Lichteinfall – spiegelt zwei widersprechende Gesichter wider. Das eine ist bestialisch, gierig, lüstern und hässlich und das andere ist göttlich und schön.

Als eine ehemalige Auszubildende der Kunstschule für die Malerei musste Ella d’Arcy mit der Formgießerei und der mysteriösen Technik der Lichtstrahlen vertraut gewesen sein. Das Licht der Lampe von unten und oben, das zufällig unter den gegebenen Umständen in der Werkstatt von Peschi auf die Maske fällt und ihr zwei hässliche und schöne Gestalten gibt, symbolisiert die Tatsache des Doppellebens, das der Dichter zu seinen Lebzeiten geführt hat.

Der Literat schrieb mystische heilige Gedichte. Durch die Literatur arbeitete er fleißig tagsüber wie ein Arbeiter und produzierte Werke, die er veröffentlichen und gut verkaufen konnte. Er war sehr erfolgreich und berühmt: “He knew the value of work, its imperative necessity; that in the sweat of his brow the artist, like the day-labourer, must produce, must produce” [...]. (178)

Eine Ambiguität ist in diesem Absatz nicht zu übersehen. Zum einen wird der Dichter mit einem Tagesarbeiter verglichen, der seinen Lebensunterhalt anscheinend ganz unschuldig im Schweiße seines Angesichts verdient. Zum anderen klingt dieser Vergleich des Literaten mit einem Arbeiter und die Betonung “must produce, must produce” ironisch. Wenn ein Literat in viktorianischer Zeit erfolgreich und berühmt war, bedeutete es, dass er nur “saubere” Dinge, die er veröffentlichen und gut verkaufen konnte, schrieb. Insofern ist hier eine implizite Satire und Kritik nicht zu übersehen. Zum Beispiel kann hier der erfolgreiche Henry James das Ziel der Satire und Kritik sein.

Als Schriftstellerin war Ella d’Arcy selbst nicht erfolgreich. Sie konnte für ihre literarischen Arbeiten keinen Verleger finden, weil sie für die viktorianische Zeit zu scharf waren:

[…] She was always ahead of the age in which she was writing and she was extremely sensitive to editorial rebuffs. Just as the editor of Blackwood’s was horrified by “Irremediable,” so in 1930 when she tried to place a life and translation of Rimbaud, whom she considered “the greatest of poets, of an age or any country,” she could not find a “publisher, nor an editor in London who could hear his name without turning purple from hair roots to shirt collar” [...]. (Mix, 1960:235-236)

Das hässliche bestialische Gesicht der Totenmaske symbolisiert die zweite Persönlichkeit des Literaten als ein Genussmensch mit seinen wahnsinnigen Leidenschaften und seiner willkürlichen Lebensweise. Abends und während seiner Freizeit ging er zu verschiedenen Kneipen, trank viel Alkohol (Absinth) und benahm sich labil und bestialisch. Seine Freunde waren groteske merkwürdige Dandys:

[…] I had seen in the living man more traces than a few of the bestiality which the death mask had completely verified; but never in the living man had I suspected anything of the beauty, anything of the splendour, which I now saw.

For that the Master had somewhere a beautiful soul you divined from his works; you divined it from the exquisite melody of all of them, from the pure, from the ecstatic, from the religious altitude of some few. But in actual daily life, his loose and violent will-power, his insane passions, held that soul bound down so close a captive, that those who seemed to know him best were the last to admit its existence. (176)

[...]

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Details

Titel
Zu: Ella d'Arcy - 'The Death Mask'
Untertitel
Aus der Serie "Modern Instances". New York, Garland, 1984 [1898]. Eine Interpretation.
Note
"-"
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V114461
ISBN (eBook)
9783640152889
ISBN (Buch)
9783640154937
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ella, Arcy, Death, Mask
Arbeit zitieren
Literaturwissenschaftlerin für Englisch und Neure Deutsche Literaturgeschichtlerin, M.A. Mahvash Dannhäuser (Autor), 2007, Zu: Ella d'Arcy - 'The Death Mask', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114461

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