Internetportale als Kommunikationsplattform und Integrationshilfe für russischsprachige Migranten in der Bundesrepublik Deutschland


Diplomarbeit, 2007
76 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

VORWORT

1 EINLEITUNG
1.1 Ziele der Diplomarbeit
1.2 Methodik der Untersuchung
1.3 Die Aufbau der Arbeit

2 DIE NUTZERGRUPPE DER RUSSISCHSPRACHIGEN INTERNETPORTALE: RUSSISCHSPRACHIGE MIGRANTEN IN DEUTSCHLAND

3 DIE BEFRAGUNG VON RUSSISCHSPRACHIGEN MIGTANTEN
3.1 Stichprobe und Auswahl der Befragten
3.2 Fragebogenkonzeption und –Erstellung
3.3 Verlauf der Befragung

4 MEDIENNUTZUNG DER RUSSISCHSPRACHIGEN MIGRANTEN

5 FUNKTIONEN DER MEDIENNUTZUNG IN INTEGRATIONSPROZESSEN

6 FUNKTIONEN DER MEDIENNUTZUNG BEI DER BILDUNG KULTURELLER IDENTITÄT

7 INDIKATOREN FÜR INTEGRATION
7.1 Sprache der Mediennutzung
7.2 Sprache der sozialen Kontakte
7.3 Interessen innerhalb der Gesellschaft

8 MOTIVE FÜR DIE NUTZUNG DER RUSSISCHSPRACHIGEN PORTALE

9 INTEGRATIONSMÖGLICHKEITEN
9.1 Rackow Schule
9.2 Jugendmigrationsdienst
9.3 Cosmo TV- Das Integrationsmagazin im WDR Fernsehen
9.4 Tide-TV und Tide-Radio
9.5 Beratungsstellen für Ausländische Studierende PIASTA
9.6 Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch
9.7 SAMOWAR e.V.

10 INTEGRATIONSMÖGLICHKEITEN DURCH INTERNETPORTALE

11 INTERNETPORTALE
11.1 www.rambler.ru
11.2 germany.ru
11.3 vorota.de
11.4 afischa.de

12 ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mediennutzung der russischsprachigen Migranten in %

Abbildung 2: Sprache der Mediennutzung

Abbildung 3: Sprachnutzung bei der Kommunikation im AlltagS.36 Abbildung 4: Logo der Seite rambler.ru

Abbildung 5: Logo der Seite germany.ru S.55 Abbildung 6: Logo der Seite vorota.de

Abbildung 7: Logo der Seite afischa.de

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

Die Nutzung des Internets und seiner Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten durch russischsprachige Migranten ist ein von der deutschen Medien- und Kommunikationswissenschaft bislang wenig untersuchtes Forschungsgebiet. Die großen Online-Nutzerstudien, z. B. von ARD und ZDF differenzieren nicht nach Herkunft und stellen lediglich die deutschen Nutzer in den Mittelpunkt der Betrachtung. Dabei leben in Deutschland ca. drei Millionen russischsprachige Menschen. Für diese Menschen werden zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften, Fernseh- und Radiosendungen produziert. Viele Internetportale bieten Informationen und Dienste für die russischsprachige Nutzergruppe. Die gesellschaftliche und integrative Bedeutung der Internetportale als Informationsvermittler und Kommunikationshilfe wird in diesem Fall hoch geschätzt, da die Einwanderer oft Schwierigkeiten haben im Gastland zurecht zu kommen. Für viele Einwanderer-Gruppen steht die Kommunikation und das Kennen lernen mittels Internet- Portale sogar im Vordergrund.

Die Idee, Internetportale als Kommunikations- und Integrationshilfe für Russischsprachige zu untersuchen entstand aus dem besonderen persönlichen Interesse und weil das Thema der Zuwanderer-Integration derzeit öffentlich viel diskutiert wird.

In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, in wie weit die russischsprachigen Internetportale für ihre Nutzer die Informationen und Dienste unter dem Gesichtspunkt der Integration in die deutsche Gesellschaft anbieten und wie diese Informationen und Dienstleistungen von den russischsprachigen Migranten genutzt werden.

1 Einleitung

Für Einwanderer erfüllen die publizistischen Medien in der eigenen Sprache wichtige politische und gesellschaftliche Funktionen, da sie erlauben am Prozess der Meinungsfindung und politischen Bildung teilhaben zu können. Dies gilt in besonderem Maß für viele Informations- und Kommunikationsangebote im Internet. In den neunziger Jahren hat sich die Nutzung des Internet derart ausgeweitet, dass es heute Tag für Tag mehrere Millionen Menschen mit fest angeschlossenen Rechnern in etwa 30.000 Computernetzen zusammen bringt (GEIßLER 2005, S. 302). Laut der letzten ARD/ZDF- Online-Studie sind über die Hälfte aller bundesdeutschen Erwachsenen Onlinenutzer. Für 58 Prozent von ihnen ist das Internet zum täglichen Begleiter für alle Themen geworden (VAN EIMEREN/GERHARD/FREES 2004, S. 351, 355). Aber nicht nur für die deutschsprachige Bevölkerung stellt das Internet heute ein wichtiges Informations- und Kommunikationsmedium dar. Für Einwanderer, denen die deutsche Kultur weniger bekannt ist, ist das Internet als Informations- und Kommunikationsquelle für Angebote in eigener Sprache besonders wichtig. Der Schritt auszuwandern, bringt manche Unsicherheiten mit sich. Nach HAHN 2005, der im Bereich der Soziologie der Migration forscht, bestehen die individuellen Entscheidungsprozesse für Auswanderung in dem Einholen und Auswerten von Informationen über möglichen Zielort. Er vermutet, dass jeder Migrationswillige eine „mentale Karte“ besitzt. Das bedeutet, dass jeder Auswanderer bestimmte gedankliche Bilder oder Vorstellungen über Zielorte der Einwanderung hat. Diese Bilder stimmen oft mit der Realität nicht überein, so dass sie später im Aufnahmeland zur Ursache persönlicher Enttäuschungen und Probleme werden können (HAHN 2005, S. 211). Ein Mensch, der aus einer gänzlich anderen Umgebung kommt, wird in eine fremde Umgebung mit einer fremden Kultur „geworfen“, er ist zunächst desorientiert und hat das Gefühl absolut blind und einsam zu sein. Er sucht nach emotionaler Unterstützung, nach mehr Information über das Gastland und Kontakte mit Gleichgesinnten. In diesem Zusammenhang soll in dieser Studie untersucht werden, ob das Internet mit seinen zahlreichen Funktionen das Potenzial hat, zur Lösung von typischen Informationsproblemen der Einwanderer beizutragen.

1.1 Ziele der Diplomarbeit

Es existieren zahlreiche Internetportale für russischsprachige Menschen in Deutschland. Viele von ihnen wurden von den Betreibern so konzipiert, dass sie an erster Stelle als Informationsquelle über das Gastland, als Kommunikationsplattform für die Einwanderer in verschiedenen Bundesländern und zur Bildung und Stärkung ihrer kulturellen Identität dienen. Hauptzweck der Portale sei – so die Betreiber – ihre Funktion als Integrator in die deutsche Gesellschaft.

Herausgefunden werden soll, ob und wieweit die russischsprachige Bevölkerung in Deutschland die Inhalte der russischsprachigen Internetportale nutzt. Des weiteren soll untersucht werden, aus welchen Gründen die Seiten besucht werden und für welche Inhalte sich die Nutzer besonders interessieren. Auf diese Weise kann herausgefunden werden, ob das Angebot dieses Mediums den Bedarf der Nutzer deckt, bzw. ob das Angebot der Informationsportale mit der Nachfrage der Nutzer übereinstimmt. Abschließend wird ermittelt, in welchen Bereichen die Portal-Betreiber Verbesserungspotenziale für ihre Angebote realisieren könnten. Folgende Thesen sollen bestätigt oder widerlegt werden:

- Die Migranten nutzen die deutschen Medien und sind in der deutschen Gesellschaft gut integriert
- Die Sprache der Mediennutzung ist ein Indikator für Integration
- Die russischsprachigen Migranten nutzen die Internetportale als Kommunikationsplattform und erweitern dadurch ihren Bekanntenkreis

- Die russischsprachige Internetportale werden ausschließlich für Unterhaltung genutzt

1.2 Methodik der Untersuchung

Die Mediennutzung von russischsprachigen Migranten ist ein von der deutschen Medien- und Kommunikationsforschung bisher wenig untersuchtes Forschungsgebiet. Die meisten Untersuchungen wurden mit türkischsprachigen Nutzergruppen durchgeführt. Die in dieser Arbeit vorgelegten Untersuchungen basieren auf einer Studie, die unter dem Titel „Die Kontroverse um die Mediennutzung von Migranten: massenmediale Gettoisierung oder Einheit durch Mainstream?“ von Beate Schneider, Professorin für Medienwissenschaft und

Anne-Katrin Arnold, Diplom-Medienwissenschaftlerin, durchgeführt und veröffentlicht wurde. (vgl. SCHNEIDER/ARNOLD 2004). Die beiden Wissenschaftlerinnen forschen im Bereich der nationalen und internationalen Mediensysteme und ihrer integrativen Funktion am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule für Musik und Theater Hannover. In einer Befragung der in Hannover lebenden Türken wurde der Zusammenhang zwischen Integration und Mediennutzung untersucht. Die Zusammenfassung dieser Studie über die Nutzung von türkischen Medien in türkischsprachiger Bevölkerungsgruppe Deutschlands wurde im Buch „Integration durch Massenmedien. Medien und Integration im internationalen Vergleich“ von Rainer GEIßLER 2006 veröffentlicht. Die Ergebnisse der Studie über die Mediennutzung der türkischsprachigen Bewohner Deutschlands be]legen, dass die Türken die Online-Portale überwiegend zur Unterhaltung nutzen (GEIßLER2006).

Bei der Untersuchung im Rahmen dieses Projektes handelte es sich um eine Stichprobe. Für die Daten über die Nutzung der russischsprachigen Internetportale wurden die russischsprachigen Personen, die zur Zeit der Untersuchung im Juli 2007 in Hamburg gelebt haben, befragt. Die Online-Umfrage wurde auf zwei Internet-Seiten durchgeführt und richtete sich an russischsprachige Menschen, die in Deutschland leben. Die Befragung wurde anhand eines Fragebogens, der am PC oder schriftlich ausgefüllt wurde, durchgeführt. Die am PC ausgefüllten Fragebögen wurden der Verfasserin per E-Mail zugeschickt.

Die Fragebögen wurden in zwei Sprachschulen verteilt: Colon Fremdsprachen-Institut GmbH & Co KG (Collonaden 96, Hamburg) und Rackow Schule GmbH (Schopenstehl 31, Hamburg). In der Rackow Schule werden Kurse im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge und Sprachkurse nach den Europäischen Referenzrahmen für das Sprachlernen und Berufsintegrationsmaßnahmen durchgeführt, deren Teilnehmer überwiegend Personen mit Migrationshintergrund sind. Mit freundlicher Unterstützung des Leiters des Colon-Instituts, Herr Meyer, und der Leiterin der Integrationskurse in Rackow Schule, Frau Krempl, war es möglich, die Fragebögen in Klassen mit überwiegend russischsprachigen Teilnehmern zu verteilen. Bei dieser Umfrage wurden 48 russischsprachige Befragungsteilnehmer erreicht. Ein weiterer Weg der Datenermittlung war das Verschicken des digitalen Fragebogens an die E-Mail-Adressen aller Freunde und Bekannte. Für die Mailing-Liste wurden persönliche Kontakte und die von Freunden genutzt. Durch diese Befragung wurden 19 weitere Befragungsteilnehmer erreicht. Um noch mehr russischsprachige Personen zu erreichen, wurde der Fragebogen in Form eines Links http://gloro4ka.strana.germany.ru/Umfrage_Diplomprojekt.doc in einem Forum „sprosi sovet“ (ins deutsche übersetzt „Frag´ um Rat“) auf der Internetseite germany.ru und der Seite eursa.org geschaltet. Die Seite www.germany.ru ist eine Online-Plattform für Kommunikation, Information und Unterhaltung. Ihre Inhalte werden ausführlich im Kapitel 11 vorgestellt.

Die Seite www.eursa.org ist eine Internetgemeinschaft für alle russischsprachigen Einwohner von EU-Ländern. Dieses Internetportal bietet Informationen über aktuelle Ereignisse im wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leben der russischsprachigen Diaspora Europas. Allerdings, wurde auf die Bitte die Befragung dort durchführen zu dürfen mir mitgeteilt, dass die Anzahl der Besucher aus Deutschland sehr gering ist. Durch die Online-Befragung wurden 25 Mitglieder der Internetgemeinschaft erreicht. Die meisten Teilnehmer der Online-Befragung wurden durch die Seite germany.ru erreicht. Insgesamt haben 92 russischsprachige Personen an der Umfrage teilgenommen.

Während der Untersuchung wurde herausgefunden, dass alle Befragten die russischsprachigen Internetportale kennen, allerdings gab es diejenigen, die keine Möglichkeit haben regelmäßig im Internet zu surfen, da sie selbst entweder keinen Internetanschluss oder sogar keinen PC besitzen. Dabei handelte es sich um sechs Personen, die sich überwiegend durch russischsprachige Printmedien oder russisches Fernsehen informieren. Ihre Aufenthaltsdauer in Deutschland beträgt 2 Monate. Die russischsprachigen Internetportale nutzen sie nur gelegentlich, und aus diesem Grund konnten sie die Fragen zu Inhalten der Portale nicht genau beantworten, da sie sie nicht kennen. Es wird vermutet, dass es sich dabei um Migranten handelt, die erst seit einiger Zeit in Deutschland leben und möglicherweise aus wirtschaftlichen Gründen keinen PC oder Internetanschluss besitzen. Trotzdem waren die Befragten der Meinung, dass es möglich wäre, sich durch russischsprachige Internetportale informieren zu können, einen neuen Bekanntenkreis aufbauen zu können und ihre freie Zeit mit Online-Nutzung vertreiben zu können.

Die meisten Nutzer haben angegeben, dass ihre Deutschkenntnisse sehr gut sind. Der Bildungsgrad der Befragten ist mittel bis hoch (Berufsschule/ Fachschuleabschluss und Universitäts-/Hochschulabschluss). In beiden Befragungsgruppen sind Männer und Frauen zu etwa gleichen Teilen vertreten; online antworteten etwas mehr Frauen. Das Durchschnittsalter der Internet-Nutzer beträgt 28 Jahre, die die Internet nicht nutzen sind im Schnitt 36 Jahre alt. Alle Befragten sind Auswanderer aus den GUS Staaten.

Im Anschluss werden die Daten statistisch analisiert. Die Analyse der Ergebnisse bietet möglicherweise die Hinweise auf Ergänzungsangebote oder Verbesserungsvorschläge für die Angebote und Dienstleistungen der Internetportale. Durch diese Analyse können ebenfalls Rückschlüsse auf den Integrationsgrad der Befragten gezogen werden.

1.3 Der Aufbau der Arbeit

Mit dieser Arbeit soll ein Überblick über die Internetnutzung von russischsprachigen Migranten in Deutschland, unter besonderer Berücksichtigung der integrativen Funktion der Portale, ermöglicht werden. Aus diesem Grund werden zunächst im zweiten Kapitel die russischsprachige Bevölkerung Deutschlands, die Spätaussiedler und die Kontingent- Flüchtlinge, als potenzielle Nutzergruppe der Portale vorgestellt. Zusätzlich wird kurz über die Geschichte der Emigration und die damit einhergehende Veränderung der Lebensumstände der russischsprachigen Einwohner in Deutschland berichtet. Basierend auf den Ergebnissen der Untersuchung werden Daten über die Mediennutzung der russischsprachigen Befragten vorgestellt. Diese Daten spiegeln die Häufigkeit der Nutzung von einzelnen Medien (Fernsehen, Radio, Zeitungen, Zeitschriften, Internet, etc.) wider. Zu besserer Übersichtlichkeit sind diese Daten in einer Tabelle nach der Sprache der Mediennutzung, Russisch und Deutsch, geordnet.

Im dritten Kapitel werden die Methodik der Untersuchung und die Fragebogenkonzeption vorgestellt. Die einzelnen Themen der Befragung werden in diesem Kapitel aufgelistet und erläutert. Es wird erklärt, wie die befragten Personen ausgewählt wurden, wie der Verlauf der Befragung war und welche Auswertungsmethoden angewendet wurden.

Die Häufigkeit und die Sprache der Mediennutzung von russischsprachigen Migranten ist im vierten Kapitel das Thema. Mit Hilfe einer Grafik wird die Mediennutzung von Befragten russischsprachigen Migranten vorgestellt.

Um nachvollziehen zu können, welche Funktion die Medien in Integrationsprozessen haben, wird im fünften Kapitel kurz auf das Verständnis von Integration in der deutschen Soziologie eingegangen. Es werden zwei grundlegende integrative Funktionen der Massenkommunikation identifiziert und über die Rolle der Internet-Kommunikation für Bildung von sozialen Beziehungen diskutiert.

Im sechsten Kapitel wird die Funktionen der Mediennutzung bei der Bildung kultureller Identität erläutert. Es wird das Kommunikationsverhalten von Minderheiten im Internet und die identitätsstiftende Wirkung der Online-Kommunikation thematisiert.

Im siebten Kapitel geht es um die grundlegenden Indikatoren für Integration: die Sprache der Mediennutzung und die Sprache der sozialen Kontakte und Interessen innerhalb der Gesellschaft. Die Fähigkeit, die Sprache des Gastlandes zu sprechen, wird als zentraler Aspekt von Integration dargestellt. Die Daten über die Sprachfertigkeiten der Befragten wurden durch die Befragung erhoben und mit Hilfe von Grafiken veranschaulicht.

Die Motive für die Nutzung russischsprachiger Portale ist im achten Kapitel Gegenstand der Untersuchung. Die Daten darüber wurden ebenfalls durch die Befragung erhoben. Die russischsprachige Zielgruppe wurde über Gründe für die Nutzung der russischsprachigen Internetportale befragt. Die Ergebnisse der Befragung werden übersichtlich grafisch dargestellt.

Das neunte Kapitel präsentiert einige Integrationsmöglichkeiten für russischsprachige Migranten in Deutschland: Sprachschule, Jugendmigrationsdienst, Fernseh- und Radio- Sendung für Ausländer, Beratungsstellen etc. Die Bedeutung der russischsprachigen Internetportale wird in diesem Kapitel hervorgehoben.

Das 10. Kapitel erklärt die Integrationsmöglichkeiten durch Internetportale. Anhand von Beispielen wird dieses Thema ausführlich erläutert. Durch die Befragung in der russischsprachigen Nutzergruppe wird ermittelt, welche Internetportale bekannt sind. Die am meisten genutzten Internetportale werden im Kapitel 11 vorgestellt.

Schließlich gibt Kapitel 12 eine Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse über die russischsprachigen Portale und ihre integrative Funktion. Auf Basis der Ergebnisse über die Motivation für die Nutzung von russischsprachigen Internetportalen wird analysiert, ob die Ziele, die Betreiber der Internetportale verfolgen, mit den Zielen der Nutzer übereinstimmen. Die Themen oder Dienste, die nach Meinung der Befragten in den Portalen fehlen, werden abschließend aufgeführt.

2 Die Nutzergruppe der russischsprachigen Internetportale: russischsprachige Migranten in Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland hat in den letzten Jahren eine starke Zuwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion erlebt. Diese Einwanderung russischsprachiger Migranten hat eine gesetzliche Grundlage – sie ist keine unkontrollierte Einwanderung. Deutsche Volkszugehörige, deren Lebensgrundlagen in Ost- und Mitteleuropa durch den Zweiten Weltkrieg und anschließende Verfolgung oder Vertreibungen zerstört oder massiv beeinträchtigt wurden, kommen seit den 50er Jahren als Aussiedler bzw. ab 1993 als Spätaussiedler nach Deutschland.

Durch die Bemühungen der bundesdeutschen Regierungen haben seit Beginn der 50-er Jahre bis jetzt ca. 2.299 Mio. Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik einreisen dürfen. (RUSSLANDDEUTSCHE.DE) Insgesamt leben in Deutschland ca. drei Millionen russischsprachigen Menschen. (INFODIENST 2003)

Der Auswanderung der Deutschen aus dem Land gab auch eine Vorgeschichte. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland des 18. Jahrhunderts war nicht so stabil wie heute. Und die ersten Deutschen wanderten im 18. Jahrhundert in großer Zahl nach Russland aus. Sie wurden als Arbeitskräfte durch die Zarin Katharina II angeworben, um die Gebiete an der Wolga in Russland landwirtschaftlich zu entwickeln. Die Deutschen im Zarenreich assimilierten sich nicht, sie bewahrten ihre Religion, ihre Sprache und ihre Kultur. Nach dem Angriff Hitlers auf die Sowjetunion wurden die deutschen Kolonien umgesiedelt, weil die Sowjets eine Solidarisierung der Deutschen mit den Angreifern befürchteten. Hunderttausende Deutsche wurden nach Kasachstan, Tadschikistan, Sibirien deportiert. Die heute aus osteuropäischen Ländern nach Deutschland zurückkehrenden Aussiedler sind nachkommen dieser Deutschen, die damals immigriert sind.

Vor diesem historischen Hintergrund sicherte die Bundesrepublik diesen Menschen ein Einwanderungsrecht zu. Obwohl die Auswanderer ihre Religion, ihre Sprache und ihre Kultur bewahrten, konnten sie der Wirkung der Zeit nicht widerstehen. Jetzt leben sie in Deutschland selbst als Einwanderer und wollen die neue deutsche Kultur kennen lernen und sich integrieren.

Es gibt noch eine russischsprachige Einwanderer-Gruppe in der Bundesrepublik, so genannte Kontingentflüchtlinge. Die Flüchtlinge sind Menschen, die aufgrund unterschiedlich verursachter und begründeter Bedrohung für Leib ihren ursprünglichen Wohnsitz vorübergehend oder dauerhaft verlassen anderswo Zuflucht suchen. (HAN 2005, S. 101) Die Kontingentflüchtlinge sind die Auswanderer jüdischer Nationalität. Seit 1991 ist die Bundesrepublik Deutschland Einwanderungsland für Juden aus dem Staatsgebiet der ehemaligen Sowjetunion. Ihre Einreise, bzw. Aufnahme erfolgt in Anlehnung an das Gesetz über Maßnahmen für im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen aufgenommene Flüchtlinge vom 22. Juli 1980, des Kontingentflüchtlingsgesetzes.

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Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Internetportale als Kommunikationsplattform und Integrationshilfe für russischsprachige Migranten in der Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg  (Hochschule für Angewandte Wissenschaften)
Veranstaltung
Medienwissenschaften
Note
2.0
Autor
Jahr
2007
Seiten
76
Katalognummer
V114973
ISBN (eBook)
9783640153800
Dateigröße
748 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit zur Diplomprüfung an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Fachbereich Bibliothek und Information Studiengang Mediendokumentation
Schlagworte
Internetportale, Kommunikationsplattform, Integrationshilfe, Migranten, Bundesrepublik, Deutschland, Medienwissenschaften
Arbeit zitieren
Dipl. Mediendokumentarin/Informationswirtin Gloria Kublanov (Autor), 2007, Internetportale als Kommunikationsplattform und Integrationshilfe für russischsprachige Migranten in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114973

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