Räumliche Arbeitsteilung und Interessensgegensätze in der Stadtregion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Bevölkerungsentwicklung im Umland

3. Funktionsverlagerung aus der Kernstadt in das Umland

4. Stadt-Umland Beziehung. Eine Problemkonstellation mit Tradition
4.1. Konfliktpotenziale zwischen Stadt und Umland. Die Stadt
4.1.1. Der Segregationsprozess
4.1.2. Der Verkehr
4.1.3. Das Umland

5. Herausforderungen zwischen Stadt und ihrem Umland

6. Resümee

7. Literaturliste

1. Einleitung

Die charakteristische Funktion der Städte war Handel, Gewerbe und Dienstleistung und die damit einhergehende Zentralität. Der Ausbau einer leistungsfähigen kommunalen Verwaltung und Daseinsvorsorge trug dazu bei, dass der ländliche Raum dem Kernstadt überlegen geworden war. Während der Entstehung der Landkreise im der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts „erhielten die Großstädte gegenüber ihrem Umland eine Sonderstellung als Stadtkreise bzw. kreisfreie Städte.“ (PRIEBS 2006, S. 75.) Dies hat zu funktionaler und administrativer Differenzierung geführt, wobei im Selbstbewusstsein und der politischen Kultur ließen sich ebenso deutliche Unterschiede erkennen. In der Zeit der Industrialisierung entstanden Probleme in der Ausgestaltung der räumlichen Nachbarschaft. Städtische Bebauung und städtische Funktionen verlagerten sich im Laufe des Urbanisierungsprozesses auf die benachbarten Gemeinden der Kernstädte. Diese Entwicklung führte zu der so genannten „Emanzipation“ des Umlands. Der Charakter des Stadtumlands ist „ (...) immer weniger nur Standort nachgeordneter wirtschaftlicher Funktionen, sondern zeichnet sich zunehmend durch eine diversifizierte und „moderne“ Branchenstruktur und hohe Anteile qualifizierter Arbeitskräfte aus.“ (MÜLLER & ROHR-ZÄNKER 1997, 157.) Im Laufe der Zeit konnten die administrativen Stadtgrenzen immer schlechter erkannt werden und aus diesem Grund kam man zu der Einsicht, dass die benachbarten Gemeinden eingemeindet werden sollten.

Die Eingemeindungen, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts betrieben wurden, resultierten hauptsächlich aus den unterschiedlichen Strukturen, Interessen und Möglichkeiten der Stadt und ihrem Umland. Schon zum damaligen Zeitpunkt spielte das Thema des Steueraufkommens sowie der Infrastrukturkosten eine wichtige Rolle. Einerseits brachten die Eingemeindungen eine deutliche verbesserte politische und bauliche Steuerung des Stadtentwicklungsprozesses, andererseits kam zu neuen Konflikten zwischen Stadt und Umland. Die benachbarten Kreise leisteten einen großen Widerstand, weil sie im Rahmen der Eingemeindungen häufig ihre finanziell leistungsfähigsten Gemeinden abgeben mussten. Zu den größten Eigenmeindungsaktionen der deutschen Verwaltungsgeschichte gehört die Bildung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin. Im Jahr 1920 verdoppelte sich die Zahl der Einwohner der Stadt Berlin von 1,9 auf 3,8 Millionen. (PRIEBS 2005) Die Eingemeindungen erwiesen sich jedoch nicht als langfristige Lösung für das Problem des fortschreitenden Suburbanisierungsprozess. Die Städte und das Umland stehen heute vor großen Herausforderungen, die nicht mehr mit Eingemeindungen gelöst werden können.

Der Ausbau der Infrastruktur, die Bewältigung der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung und Steueraufkommen gehören zu den charakteristischen Problemen im Verhältnis von Stadt und Umland, „die bis heute die Politik und Verwaltung in den Stadtregionen vor erheblichen Herausforderungen stellen.“ (PRIEBS 2006, S. 75).

Mit diesen Aufgaben, die gleichzeitig für beide Seiten auch Chancen darstellen, beschäftigt sich die Hausarbeit. Nach einem kurzen historischen Abriss, in dem die letzten Jahrzehnte in Bezug auf Bevölkerungsentwicklung in Stadt und Umland beleuchtet werden, werde ich mich den heutigen Problemen widmen. Das Spannungsfeld Stadt und Umland wird abschließend mit einem Ausblick in die mögliche zukünftige Entwicklung abgeschlossen.

2. Bevölkerungsentwicklung im Umland

In den westdeutschen Stadtregionen ist seit Jahrzehnten ein enormes Wachstum in den Umlandgemeinden zu beobachten. Zukünftig rechnet man ebenso mit einem hohen Siedlungs- und Expansionsdruck in den Stadtregionen. Die Einwohnerzahl in den Kernstädten bleibt allerdings konstant. Der hohe Siedlungs-Expansionsdruck in den Stadtregionen ist auf zwei grundsätzliche Ursachen zurückzuführen. Als Erstes rechnet man mit einem Bevölkerungszuzug. Noch in den 80er Jahren sprach man von einer langjährigen demographischen Schrumpfung, bis man im Laufe der Zeit zu einem neuen Konsens beim Thema Zuwanderung angelangt ist. „Der Zuzug aus dem Ausland wird nicht mehr als punktuelles Ereignis oder als Ausnahmeentwicklung erklärt, sondern als stabiler Trend.“ (ARING 1996, S. 209.) Laut der Bevölkerungsprognose der Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (BfLR) rechnet man für die Raumordnungsregion (ROR) mit großen Verdichtungsräumen im Zeitraum von 1991 – 2010 mit Netto-Bevölkerungszuwächsen von durchschnittlich 7,2% in Westdeutschland (Maximum ROR Rheinpfalz 13,8%). Ganz anders sieht das Bild in den ostdeutschen Ländern aus. Mit Ausnahme der ROR Berlin wird durchweg ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert. (ARING 1996, S. 209.)

Das Wachstum der Wohnfläche gehört zu dem zweiten stabilen Trend. Der geringe Bodenpreis im Umland führte dazu, dass vor allem die jungen Familien mit Kindern die Kernstädte verließen und in grünem Umland ansiedelten. Abgesehen davon wäre es unmöglich die wachsenden Wohnflächen innerhalb der Stadt unterzubringen.

Lag die Wohnfläche je Einwohner in Westdeutschland 1965 noch bei 22 m2 und 1975 bei 28m2, so stieg sie bis 1995 auf 37,9 m2 (Ostdeutschland: 32,4 m2, Deutschland gesamt: 36,7 m2) (HESSE & SCHMITZ 1998, S. 435.) (siehe die Abb.1.)

Abbildung 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: ARING 1996, S. 211.

Aus der unteren Grafik (Abb. 2) lässt sich die Verlagerung der Gravitationszentren der Verstädterung in die „ländliche“ Gebiete sehr gut erkennen. Die Gewinner dieser Entwicklung sind nicht mehr die hochverdichteten Kreise im unmittelbaren Umland der Kernstädte, sondern die verdichteten Kreise und die ländlichen Kreise. (HESSE & SCHMITZ 1998, S. 436.)

Abbildung 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: HESSE & SCHMITZ, S.436.

Andere wichtige Faktoren, die den hohen Siedlungs-Expansionsdruck in den Stadtregionen vorantreiben, sind vor allem die erwartete Steigerung der Zahl von Einpersonenhaushalten und die ebenfalls wachsenden Anteile älterer Menschen und der Alleinerziehenden. Die Menschen in der Altersgruppe zwischen 30 und 45, die die klassischen Familienstrukturen bevorzugen, entscheiden sich mehrheitlich für das frei stehende Einfamilienhaus. Das gesellschaftliche Leitbild vom Wohnen im Grünen wird staatlicherseits ideell und materiell kontinuierlich gefördert. Beispiele dafür sind die steuerliche Eigentumsförderung, die Bereitstellung der notwendigen Verkehrinfrastruktur oder die Subventionierung der Erschließung neuer Wohngebiete. (ARING 1996)

3. Funktionsverlagerung aus der Kernstadt in das Umland

Abbildung 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sah die räumliche Kooperation und Arbeitsteilung in der Stadtregion wie auf der Abbildung 3 zu sehen ist. Die Städte wiesen polyzentrische Strukturen auf, was von großer Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben waren. Wohnen, Arbeiten, Versorgen, Erholen und Bildung fanden ausschließlich in der Stadt statt. Im Zuge des Suburbanisierungsprozesses spielt die Umlandsregion durch ihre neuen Funktionen eine wichtige Rolle im Kontext der räumlichen Kooperation

Quelle: BOSE 2001, S. 252. und Arbeitsteilung in der Stadtregion.

Die Funktionsverlagerung aus der Kernstadt in das Umland fing an mit dem Wohnen an und wurde gefolgt von Arbeit, Konsum und Freizeit. (Siehe Abb. 4)

Es entstanden nacheinander Einzelhandel, große- und kleine Fachmärkte, Shopping- Center, Shopping-Erlebniswelten, Gewerbeparks, Einzelhandelsagglomerationen, sowie Dienstleistungsstandorten. Dies trug zu einer Transformation von der „alten“ Stadt bei, indem sie immer mehr an Bedeutung verlor und ihren Wert der Zentralität in der Stadtregion nicht länger aufrecht behalten konnte. Das Umland dagegen hat sich differenziert und weist Orte unterschiedlicher ökonomischer und kultureller Aktivitäten auf. (MÜLLER & ROHR-ZÄNKER 1997, S. 153)

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Räumliche Arbeitsteilung und Interessensgegensätze in der Stadtregion
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Die Stadtregion als Gestaltungs- und Managementaufgabe
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V115260
ISBN (eBook)
9783640168286
ISBN (Buch)
9783640168354
Dateigröße
1181 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Räumliche, Arbeitsteilung, Interessensgegensätze, Stadtregion, Gestaltungs-, Managementaufgabe
Arbeit zitieren
Studentin Anna Cwalian (Autor), 2008, Räumliche Arbeitsteilung und Interessensgegensätze in der Stadtregion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115260

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