Parallelität von Wissen und Angewandte Ethnologie in Bezug auf den Great Himalayan National Park, India


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Great Himalayan National Park, India

3 Parallelität von Wissen
3.1 Lokales Wissen und wissenschaftliches Wissen
3.2 Medizinische Pflanzen und geistige Eigentumsrechte
3.3 Wissen und Kontrolle

4 Angewandte Ethnologie
4.1 Zur Angewandten Ethnologie
4.2 Möglichkeiten der Angewandten Ethnologie im GHNP

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich näher untersuchen, wie sich das Verhältnis der Parallelität von lokalem Wissen und wissenschaftlichem Wissen im Great Himalayan National Park darstellt und was sich daraus für Möglichkeiten für eine Angewandte Ethnologie ergeben. Fragestellungen sind für mich dabei, ob in der Parallelität von Wissen eine Wertung enthalten ist und was sie für den Kontext bedeutet sowie für welche Perspektiven die Angewandte Ethnologie erfolgen kann.

Hierzu stelle ich im 1. Arbeitsschritt das Fallbeispiel, den Great Himalayan National Park, vor. In den 2 folgenden Abschnitten gehe ich auf die Parallelität von Wissen und die Angewandte Ethnologie ein und ziehe unter 4. abschließend das Fazit.

Gegen die Thematik könnte man einwenden, dass es sich nicht um eine gewissermaßen typische Umweltveränderung und Naturkatastrophe, wie etwa die im Seminar behandelten Themen Dürre, Vulkanausbruch oder Erdbeben, handelt. Allerdings stellt auch der Great Himalayan National Park eine Umweltveränderung dar, weil beispielsweise neue Siedlungen geschaffen werden und Forschung betrieben wird. Vor allem aber wird die Umwelt der lokalen Bevölkerung verändert, die nun unter anderem nicht mehr jagen darf (Baviskar 2000: 110). Die Tatsache, dass in einem Nationalpark im Gegensatz zu einer durch den Menschen möglicherweise begünstigten Dürre die Natur geschützt werden soll, verändert also nicht die Tatsache, dass hier dennoch Umweltveränderungen stattfinden.

Es sei hier noch angemerkt, dass ich aus Platzgründen wie Baviskar den Great Himalayan National Park mit GHNP abkürze. Weiterhin werde ich die Begriffe „wildlife“ und „ecodevelopment“ nicht übersetzen, um Bedeutungsverschiebungen zu entgehen.

2 Great Himalayan National Park, India

In diesem Abschnitt gehe ich auf den Great Himalayan National Park ein, um in das Fallbeispiel einzuleiten. Hierbei beziehe ich mich auf den Text von Baviskar (Baviskar 2000). Um Wiederholungen zu vermeiden, werde ich ihren Namen in den Zitatbelegen entfallen lassen.

Der GHNP befindet sich im Kulu district des Himachal Pradesh state, umfasst eine Fläche von 765 km2 und besteht vor allem aus Gebirgskämmen (2000: 102). Die Meldung als National Park erfolgte im März 1984, wobei ein Kern und eine Pufferzone bestimmt wurden. Die Pufferzone konnte aber nicht erhalten werden, da sich in ihr zu viele Dörfer befanden. Aufgrund zu befürchtender rechtlicher Probleme wurde schließlich der Kern zum National Park deklariert, was aber keine Abwendung der Konflikte mit der lokalen Bevölkerung bedeutete (2000: 103).

Im 10-Jahres-Plan von 1987 wurde der Schaffung von Habitaten für „wildlife“ die höchste Priorität eingeräumt, während die lokale Bevölkerung als Degradierer eines Ökosystems betrachtet wurden. Für diese sollte alternative Arbeit für ihr bisheriges Wirtschaften mit traditionellen Ressourcen geschaffen werden (2000: 103). Der Erhaltung von „wildlife“ liegt das Prinzip und die Theorie von „ecodevelopment“ zugrunde. Hierbei wird unter anderem das Ziel verfolgt, bedeutende ökologische Gebiete vor nicht-nachhaltigen Einflüssen der lokalen Bevölkerung zu schützen, um biologische Vielfalt und Diversität zu erhalten (2000: 105). Der lokalen Bevölkerung und ihrer Wirtschaftsform steht also die Idee des GHNP gegenüber und zwar insofern, als das die lokale Bevölkerung als Hindernis angesehen wird. Hierzu sollte aber erwähnt werden, dass Sinn und Ziel des GHNP meines Erachtens nicht nur darin liegt diese lokale Landschaft zu bewahren, sondern auch einen Gen-Pool zu erhalten, der letztendlich der globalen Menschheit nützlich sein kann.

Zu der Gegenüberstellung kommt aber noch eine spezielle Situation, denn beide Seiten berufen sich auf eine für sie je gültige rechtliche Basis. Für die lokale Bevölkerung ist dies „Anderson´s Forest Settlement Report“ von 1886, der ihnen beispielsweise das Recht gibt „to graze their livestock and collect herbs“ (2000: 104). Dies gilt auch heute noch für die Forstbeamten. Der Nationalpark beruft sich wiederum auf den „Wildlife Protection Act“ von 1972. Nach diesem muss das entsprechende Land von der Regierung erworben werden und die Natur darf nicht zerstört werden, was beispielsweise auch weiden ausschließt (2000: 117- 118). Diese widersprüchlichen Positionen sind nicht geklärt beziehungsweise aufgelöst (2000: 104). Die 2 gegensätzlichen Positionen, die zunächst wie spezifische Interessen anmuteten, werden durch die unterschiedlichen rechtlichen Begründungen zementiert.

Doch trotz dieser Gegensätze gibt es auch Formen der Zusammenarbeit. Zu den Tätigkeiten der lokalen Bevölkerung gehört das Sammeln medizinischer Pflanzen, die auch Kaufobjekte von pharmazeutischen Unternehmen sind (2000: 109- 110). So haben einige lokale Einwohner Anstellungen als Informanten über die Pflanzen. Allerdings ist ihr Wissen auf diesen Aspekt reduziert, worin Baviskar die Gefahr einer Entwertung sieht (2000: 114).

Zur gegenwärtigen Situation ist vor allem zweierlei zu sagen. Zum einen bildete sich durch den Ansatz TRUCO (Trust and Confidence-Building Measures) von Seiten des Nationalparks stärkere Opposition gegen das Konzept des „ecodevelopment“, was von der NGO SAVE (Society for the Advancement of Village Economy) weiter unterstützt wurde (2000: 106- 107). Diese schaffte es auch die Bedeutung des lokalen Wissens zu stärken, was aber auch teilweise sogar soweit geht, dass es glorifiziert wird und als zeitlos und unveränderbar betrachtet wird (2000: 115). Zum anderen sind reiche Familien der lokalen Bevölkerung aufgrund der harten Arbeit nicht mehr so interessiert an der Sammlung von medizinischen Pflanzen. Dies wird deshalb hauptsächlich von jungen Männern armer Familien ausgeführt. Aber auch für diese ist es eine harte Arbeit und vor allem nicht mehr mit den traditionellen Praktiken verbunden. Deshalb ist für viele das eigene lokale Wissen mehr ein politisches Symbol geworden und nicht mehr das was allgemein unter lokalem Wissen verstanden wird (2000: 117- 119). Das erläutere ich im folgenden Abschnitt genauer.

3 Parallelität von Wissen

Ziel dieses Abschnitts ist es die Parallelität von Wissen in Bezug auf den Great Himalayan National Park darzustellen. Dazu werde ich zunächst allgemein auf Unterschiede und auch auf Gemeinsamkeiten von lokalem Wissen und wissenschaftlichem Wissen eingehen und dies dann auf das Fallbeispiel beziehen. Hier sei noch angemerkt, dass es für lokales Wissen noch viele weitere Bezeichnungen wie beispielsweise indigenes Wissen oder traditionelles Wissen gibt. Ich verwende hier den Begriff lokales Wissen, da er auch im Seminar benutzt wurde (s. Seminartitel) und Baviskar in der Regel von lokaler Bevölkerung spricht.

3.1 Lokales Wissen und wissenschaftliches Wissen

Ellen und Harris benennen 10 typische Eigenheiten von lokalem Wissen, wovon ich einige herausgreifen will (Ellen & Harris 2000: 4- 5). Es ist lokal gebunden, also auf ein bestimmtes geographisches Gebiet begrenzt, und wird nicht durch schulische Lehre, sondern durch Demonstration und Nachahmung weitergegeben. In der alltäglichen Praxis entsteht und befindet es sich und erlangt wird es wohl auf einem empirisch-hypothetischem Weg. Weiterhin ist es prozesshaft, veränderbar und anpassbar und insofern auch niemals in seiner Gesamtheit erkennbar. Schließlich ist noch zu nennen, dass es verbreiteter ist als Wissenschaft und immer bestimmten Zwecken und Funktionen dient. Schultze betont zudem, dass lokales Wissen innerhalb der sozialen Gruppe unterschiedlich verteilt ist. Diese Differenzen können sich auf Geschlecht, Alter, und Wohlstand, aber auch auf Geheimwissen beziehen (Schultze 1998: 19-20).

Wissenschaftliches Wissen ist dagegen vor allem dadurch gekennzeichnet universell gültig zu sein, also auf lokale Gegebenheiten nicht unbedingt Rücksicht nehmen zu müssen, und von Theorie(n) und kontrollierten Experimenten auszugehen. Damit einher geht ein Anspruch auf Neutralität und Wertfreiheit (Schultze 1998: 26). Die Natur wird auch nicht unbedingt als Ganzes gesehen, sondern in verschiede Disziplinen aufgeteilt. Zudem ist ein Ausgangspunkt, dass das menschliche Verstehen dazu in der Lage ist, Prozesse und Kausalitäten der Natur zu erkennen und auch zu nutzen (Hahn 2004: 15).

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Details

Titel
Parallelität von Wissen und Angewandte Ethnologie in Bezug auf den Great Himalayan National Park, India
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V115672
ISBN (eBook)
9783640170708
Dateigröße
367 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parallelität, Wissen, Angewandte, Ethnologie, Bezug, Great, Himalayan, National, Park, India
Arbeit zitieren
Christian Johannsmann (Autor), 2005, Parallelität von Wissen und Angewandte Ethnologie in Bezug auf den Great Himalayan National Park, India, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115672

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