Die RAF und ihre Rezeption in den Medien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
30 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion
2.1 Die erste Generation
2.2 Die zweite Generation
2.3 Die dritte Generation

3. Die RAF und die Medien
3.1 Die RAF in den Medien
3.1.1 Die RAF in der täglichen Berichterstattung
3.1.2 Die RAF in der Literatur
3.1.3 Die RAF im Film
3.1.4 Die RAF in der bildenden Kunst
3.2 Die Bedeutung der Medien für die RAF

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF) erweckt seit der Gründung der terroristischen Gruppe immer wieder öffentliches Interesse. Natürlich war die RAF, die in dieser Art keine vergleichbaren Vorgänger in der deutschen Geschichte hatte, ein großes Thema in der Presse. Vor allem die terroristischen Aktionen der RAF, die versuchten oder erfolgreichen Festnahmen und Prozesse gegen die RAF-Mitglieder nahmen breiten Raum in der öffentlichen Diskussion und in den Medien ein. Im Deutschen Herbst im Terrorjahr 1977 wurde fast täglich über die Terroristen berichtet. Und auch noch bis in die Gegenwart finden Meldungen über neue Entwicklungen im Zusammenhang mit der RAF Platz in der Berichterstattung. So wurden beispielsweise in der jüngsten Vergangenheit mehrfach über die bevorstehende Entlassung von noch inhaftierten Terroristen oder ganz aktuell über die Entdeckung von bisher unveröffentlichter Polizeifotos aus dem Gefängnis Stuttgart-Stammheim am Morgen nach der Todesnacht im Oktober 1977 berichtet.

In der Regel setzen sich aber nicht nur die Medien mit den die Epoche prägenden Verhältnissen und Ereignissen auseinander, sondern auch die Kunst. So wurden auch die Ereignisse um die RAF bald in den Bereichen der Literatur, des Films und der bildende Kunst aufgearbeitet.

In dieser Arbeit wird die Frage nach der Rezeption der RAF gestellt. Dazu wird zunächst die Geschichte der RAF dargestellt. Danach wird die Art und Weiser der Berichterstattung über die RAF und ihrer Attentate beschrieben. Abschließend wird die Aufnahme der RAF-Thematik in Literatur, Film und bildender Kunst betrachtet.

Der Forschung zu diesem Thema ist sehr lückenhaft. Umfangreiches Quellenmaterial ist zwar vorhanden, die Originaltöne und vor allem die Zeitungsberichte werden auch als Quellen auch häufig genutzt, das Verhältnis zwischen der RAF und den Medien wird aber nicht intensiver behandelt. Bisher gibt es nur wenige „methodisch fundierte[…] Arbeiten zum kommunikativen Wechselspiel zwischen RAF und Medien bzw. zur Mediennutzung oder zur Kommunikationsstrategie der RAF“[1]. Aber auch zu der Behandlung der RAF-Thematik in der Literatur, im Film und in der bildenden Kunst gibt es kaum Studien. Diese sind jedoch von Interesse, da sie Aufschluss über die Historisierung der RAF geben könnten.

Hilfreich für diese Arbeit waren vor allem Andreas Elters Propaganda der Tat und Aufsätze zum Thema aus Wolfgang Kraushaars Aufsatzsammlung Die RAF und der linke Terrorismus. Für das Kapitel über die RAF in der alltäglichen Berichterstattung erwies sich der Ausstellungskatalog der Ausstellung Zur Vorstellung des Terrors als nützlich, da darin chronologisch Artikel der Bildzeitung, der Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Süddeutschen und der Magazine Stern und Der Spiegel gesammelt sind.

2. Die Geschichte der Roten Armee Fraktion

Die Geschichte der RAF lässt sich in mehrere Phasen unterteilen, die dadurch geprägt waren, dass jeweils eine neue Generation aktiv wurde. Der Grund dafür war die Verhaftung oder der Tod der Mitglieder der Vorgängergeneration.

In der Geschichtsschreibung geht man von insgesamt drei Generationen aus: die erste Generation, die Gründer der RAF, deren führende Köpfe ab 1972 alle inhaftiert waren, die zweite Generation, die radikaler als die erste Generation war, sowie die dritte Generation, deren Täter bis heute kaum bekannt sind, da sie bei ihren Attentaten kaum Spuren hinterließen.

Seit kurzer Zeit wird darüber spekuliert, dass sich eine vierte Generation gebildet haben könnte. Im Februar 2001 leitete der Generalbundesanwalt ein Ermittlungsverfahren wegen der erneuten Gründung einer terroristischen Vereinigung gegen zwei ehemalige, noch nicht gefasste Mitglieder der dritten Generation ein[2]. Informationen über weitere Ermittlungsergebnisse drangen bis heute nicht an die Öffentlichkeit, so dass man zurzeit davon ausgehen kann, dass es eine vierte Generation nie gegeben hat.

2.1 Die erste Generation

Die Rote Armee Fraktion entstand insbesondere aus der Radikalisierung eines Teils der Außerparlamentarischen Opposition der ausgehenden 1960er Jahre, die sich gegen die Große Koalition und den Vietnamkrieg wendete.

Zu den ersten Aktionen der Gruppe, die erst später als RAF bezeichnet wurde, zählten die Kaufhausbrandstiftungen in Frankfurt am Main, an denen unter anderem Andreas Baader beteiligt war. Die Täter wurden zwei Tage später verhaftet und später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Im Jahr 1970 wurde Andreas Baader gewaltsam aus der Haft befreit. Die Journalistin Ulrike Meinhof gab vor, ein Interview mit ihm führen zu wollen und überlistete dabei mithilfe der späteren RAF-Mitglieder Inge Goergens und Ingrid Schubert die Justizbeamten und floh mit Baader[3].

Noch im selben Jahr besuchte eine kleine Gruppe um Baader und Meinhof ein terroristisches Trainingslager in Jordanien. Da sich der Kampf in den Bergen Jordaniens jedoch von dem in den Städten unterschied, änderte die RAF ihre Vorgehensweise und organisierte sich nach dem Stadtguerilla-Vorbild der lateinamerikanischen Tupamaros[4].

In Deutschland mieteten die Mitglieder der RAF unter falschem Namen Wohnungen, bevorzugt in möglichst großen, anonymen Wohnblocks, an. Um ihre Aktionen und das Leben im Untergrund finanzieren zu können, überfielen sie in dieser Zeit mehrere Banken.

Als am 9. Oktober 1970 mehrere RAF-Mitglieder in einer ihrer konspirativen Wohnungen verhaftet wurden, wurde die RAF in einen Teil im Gefängnis und einen Teil im Untergrund gespalten. Bis 1972 hatte die Polizei alle Köpfe der so genannten ersten Generation der RAF inhaftiert. Zum so genannten Stammheim-Prozess gegen diese RAF-Mitglieder kam es erst 1975. Er dauerte bis 1977.

Doch selbst aus dem Gefängnis heraus beteiligten sich die Terroristen an der Planung der Attentate der zweiten Generation, ganz besonders an denen des Terrorjahres 1977.

Drei Wochen nach dem Attentat an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 ging der Stammheimprozess gegen inhaftierte Köpfe der ersten Generation zu Ende. Ulrike Meinhof hatte sich während des Prozessverlaufs erhängt, Holger Meins war in Folge seines Hungerstreiks gestorben. Am 28. April wurden Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Rapse wegen mehrfachen vollendeten und versuchten Mordes, der Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen und der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung als Mitglied zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt[5].

„Ende des Terrorjahres 77 [setzten sich die inhaftierten Terroristen] mit ihrem Selbstmord [aufgrund der gescheiterten Entführungen des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine Landshut] noch einmal schlagartig ins Rampenlicht“[6]. Nur Irmgard Möller überlebte den Selbstmordversuch schwer verletzt[7]. Damit verlor die Gruppe auf einen Schlag endgültig ihre alte Führungsspitze und hatte somit keine Instanz mehr, welche die Aktionen der RAF zentral hätte leiten können[8].

2.2 Die zweite Generation

Aus dem Kreis der Sympathisanten hatte sich nach der Verhaftung der alten Führungsspitze 1972 eine zweite Generation entwickelt. Diese entführte am 27. Februar 1975 den CDU-Politiker Peter Lorenz. Sie forderten die Freilassung der inhaftierten Terroristen. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte Bundeskanzler Schmidt die Absicht, nicht auf die Forderungen einzugehen: „Die Entscheidung, gegenüber den Terroristen nicht nachzugeben, das heißt zum Beispiel nicht Leute auszutauschen, die war mir von Anfang an selbstverständlich“[9]. Doch zum Zeitpunkt der Entscheidung war der Kanzler schwer krank und so wurde eine andere Entscheidung getroffen. Peter Lorenz wurde gegen inhaftierte RAF-Mitglieder ausgetauscht.

Der Staat reagierte auf die Entführung und die drohende Gefahr vor weiteren Attentaten durch die RAF mit der Einrichtung einer neuen Abteilung beim Bundeskriminalamt, die sich nur auf die Bekämpfung des Terrorismus konzentrierte[10].

Zwei Monate später nahmen RAF-Mitglieder Mitarbeiter der Deutschen Botschaft in Stockholm als Geisel und forderten die Freilassung von 26 Terroristen. Die bundesdeutsche Regierung blieb jedoch hart und erfüllte die Forderung nicht. Helmut Schmidt war der Meinung, dass sie, hätten sie nachgegeben, „dann vielleicht schon nach kurzer Zeit am Ende aller Sicherheit gewesen“[11] wären. Bei dem Sturm auf die Botschaft noch in derselben Nacht gab es Tote, sowohl auf der Seite der Geiseln, als auch auf der Seite der Geiselnehmer.

Das Jahr 1977 war das aktivste Jahr der RAF. In diesem Jahr fanden die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa- Maschine Landshut sowie die Ermordungen von Buback, Schleyer und Ponto statt.

Anfang des Jahres wurde Brigitte Mohnhaupt aus dem Gefängnis entlassen. Von ihren noch inhaftierten Genossen hatte sie den Auftrag, die Verbindung zwischen den Inhaftierten und den im Untergrund lebenden RAF-Mitgliedern zu verbessern, darüber hinaus sollte sie auch für die Beschaffung von Waffen sorgen[12]. Dabei war ihr der RAF-Rechtsanwalt Arndt Müller behilflich. Er schmuggelte ohne sein Wissen Waffen in Handakten ins Gefängnis.

Am Morgen des 7. April lauerten RAF-Terroristen dem amtierenden Generalbundesanwalt Siegfried Buback auf dem Weg von seiner Wohnung zum Bundesgerichtshof auf. Als Bubacks Wagen an einer roten Ampel hielt, schossen die Täter sowohl auf Buback als auch auf seine Begleiter. Buback und sein Fahrer starben noch am Tatort, der zweite Begleiter verstarb einige Tage später. Kurz darauf bekannte sich das Kommando Ulrike Meinhof zu dieser Tat. Buback musste sterben, da die RAF in ihm den Hauptverantwortlichen für die Inhaftierung ihrer Genossen sah, da er der Leiter der für die Verfolgung terroristischer Straftaten zuständigen Bundesanwaltschaft war[13].

Wer die Täter waren, ist bis heute ungeklärt. Lange Zeit standen unter anderem Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt unter Verdacht. Zum 30. Jahrestag des Attentates ergaben sich jedoch neue Erkenntnisse, nach denen Stefan Wisniewski geschossen haben soll.

Am 3. Mai 1977 kam es zu einer Schießerei, als die RAF-Mitglieder Verena Becker und Günter Sonnenberg etwa zehn Kilometer von Singen am Hohentwiel entfernt illegal die so genannte Grüne Grenze in die Schweiz überqueren wollten. Beide wurden mit Haftbefehl gesucht. Sie wurden bei dem illegalen Grenzübertritt entdeckt, bei der polizeilichen Überprüfung erkannt und nach zwei Schusswechseln und einer Verfolgungsjagd festgenommen[14].

Während bereits die Vorbereitungen für die Entführung zweier wichtiger öffentlicher Personen liefen, hatte die RAF auch parallel die Vorbereitungen für einen Granatwerferanschlag auf ein Gebäude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe getroffen. Unter dem Racheaspekt waren die Vertreter der Bundesanwaltschaft nach wie vor ein bevorzugtes Angriffsziel der RAF[15]. Die geplante Aktion sollte möglichst vielen Staatsanwälten das Leben kosten und die staatlichen Organe einschüchtern.

Am 25. August überfielen einige Mitglieder der RAF ein Ehepaar in ihrer Wohnung in der Blumenstraße, die gegenüber dem Gebäude der Bundesanwaltschaft lag. Dort brachten sie die Schussanlage in Stellung und verließen Wohnung. Zur Zündung der Raketen kam es jedoch nicht, weil vergessen wurde, das Läutwerk des Weckers, der als Zündvorrichtung fungierte, aufzuziehen. Wäre die Zündung erfolgt, wären mindestens fünf Staatsanwälte getötet worden[16]. Am 5. September bekannte sich die RAF zu dem versuchten Attentat.

Das wichtigste Ziel der RAF zu diesem Zeitpunkt war jedoch die Aktion big raushole, die Befreiung der inhaftierten Genossen. Die Mitglieder der Gruppe waren sich einig, dass die Befreiung durch die Geiselnahme bedeutender Persönlichkeiten geschehen sollte. Zwei Personen sollten kurz hintereinander entführt werden, die Aktionen sollten Schlag auf Schlag erfolgen, um die Fahndungsmaßnahmen zu erschweren. Entführt werden sollten zunächst der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Jürgen Ponto, und kurz darauf der Arbeitsgeberpräsident, Hanns-Martin Schleyer. Auf der Liste der potentiellen Opfer stand aber auch der Bundeskanzler Helmut Schmidt[17].

Für die Entführung Pontos wollten die RAF-Mitglieder die Freundschaft des Vaters von Susanne Albrecht mit dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank nutzen. Albrecht meldete sich am 30. Juli zum Teebesuch bei der Familie Ponto an. Zusammen mit Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar klingelte sie pünktlich an der Villa, während Peter-Jürgen Boock vor dem Haus im Fluchtwagen sitzen blieb. Im Haus machten Albrecht, Mohnhaupt und Klar Jürgen Ponto deutlich, dass es sich um seine Entführung handelte. Ponto wehrte sich. Im folgenden Gerangel schossen sowohl Mohnhaupt als auch Klar auf Ponto. Jürgen Ponto verstarb an den Folgen der Schussverletzungen noch am selben Abend.

[...]


[1] Elter, Andreas: Die RAF und die Medien. Ein Fallbeispiel für terroristische Kommunikation, In: Kraushaar, Wolfgang (Hrsg.): Die RAF und der linke Terrorismus, Bd. 2, Hamburg 2006, S. 1061.

[2] Vgl. Verfassungsschutzzwischenbericht des Landes Nordrhein-Westfalen: http://www.im.nrw.de/inn/doks/vs/z2001.pdf, S. 42f.

[3] Vgl. Geiss, Imanuel: Geschichte griffbereit, 3. Aufl. München 2002, S. 1091.

[4] Vgl. ebenda.

[5] Vgl. Pflieger, Klaus: Die Rote Armee Fraktion – RAF. 14.5.1970 bis 20.4.1998, 2. erw. u. akt. Aufl., Baden-Baden 2007, S. 77.

[6] Rupps, Martin: Helmut Schmidt, Stuttgart 2003, S. 241.

[7] Vgl. Gölz, Joachim: Die bewegten Siebziger. Die siebziger Jahre der Bundesrepublik, Hamburg 2001, S. 116.

[8] Vgl. Elter, Andreas: Propaganda der Tat. Die RAF und die Medien, Frankfurt am Main 2008, S. 208.

[9] Rupps, Martin: Helmut Schmidt, Stuttgart 2003, S. 241.

[10] Vgl. Fetscher, Iring: Terrorismus und Reaktion, 2. erg. Aufl., Köln 1978, S. 82.

[11] Rupps, Martin: Helmut Schmidt, S. 241.

[12] Vgl. Pflieger, Klaus: Die Rote Armee Fraktion, S. 74.

[13] Vgl. ebenda, S. 75.

[14] Vgl. ebenda, S. 78f.

[15] Vgl. Pflieger, Klaus: Die Rote Armee Fraktion, S. 83.

[16] Vgl. ebenda, S. 85.

[17] Vgl. ebenda, S. 79.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Die RAF und ihre Rezeption in den Medien
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die sozial-liberale Koalition 1969-1982
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
30
Katalognummer
V116145
ISBN (eBook)
9783640176809
ISBN (Buch)
9783640176915
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
RAF, Medien, Rote Armee Fraktion
Arbeit zitieren
Maike Doll (Autor), 2008, Die RAF und ihre Rezeption in den Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116145

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die RAF und ihre Rezeption in den Medien


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden