Die Reaktion des Staates auf den Terrorismus der Roten Armee Fraktion

Das Jahr 1977 - Der Deutsche Herbst


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Helmut Schmidt
2.1. Biografie
2.2. Helmut Schmidt über den Deutschen Herbst

3. Die Rote Armee Fraktion

4. Das Jahr 1977 – Der deutsche Herbst
4.1. Attentate der RAF 1977
4.2. Reaktionen des Staates
4.2.1. Rasterfahndung
4.2.2. Kontaktsperre
4.2.3. Nachrichtensperre

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

30 Jahre nach dem Terrorjahr 1977 in Deutschland sind die damaligen Ereignisse in den Medien wieder häufig präsent.

Seit Beginn dieses Jahres wird immer wieder über die Geschehnisse des deutschen Terrorjahres berichtet, besonders natürlich an den jeweiligen Jahrestagen der Attentate. Gleichzeitig haben in der letzten Zeit einige der damaligen Täter ihre Haftstrafe verbüßt beziehungsweise den Zeitpunkt erreicht, ab dem der Bundespräsident sie begnadigen kann. Auch diese Tatsache hat das Medieninteresse auf die damaligen Ereignisse und die Täter gelenkt. Es wurde in den Medien intensiv über die Begnadigung ehemaliger Terroristen diskutiert. Den ersten Anstoß dazu gab die vorzeitige Freilassung Brigitte Mohnhaupts Ende März 2007 und die darauf folgende Diskussion um die Begnadigung von Christian Klar. Zum Jahrestag des Attentats auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback äußerten sich einige ehemalige Terroristen zum ersten Mal dazu und lieferten so neue Erkenntnisse zu dem noch immer unaufgeklärten Fall.

Drei Jahrzehnte nach dem Deutschen Herbst häufen sich die Fernseh-Dokumentationen und die Artikel in den Printmedien, in denen versucht wird, die damaligen Geschehnisse aufzuarbeiten. Jedoch sind die Ansätze in Filmen oft populärpublizistischer Natur. Eine Tatsache, die auch der ehemalige Generalbundesanwalt Kay Nehm in einem Interview mit den BNN im Bezug auf die bereits in den Vorjahren erschienenen Bücher, Kinofilme und Theaterstücke beklagte: „Erst sollte der Deutsche Herbst mit den Mitteln der Geschichtswissenschaft aufgearbeitet werden, dann erst sind die Literaten gefragt. Bei uns geht das andersherum. Erst wird an der Legende gestrickt, dann geht es an die Aufarbeitung.“[1]

Bei der Aufarbeitung des Terrorjahres 1977 geht es jedoch nicht nur um die Attentate der Roten Armee Fraktion (im Folgenden RAF), sondern auch um die Reaktion des Staates, die in den zahlreichen Fernseh-Dokumentationen oft nur flüchtig gestreift wird. Insbesondere dieser Aspekt soll in der vorliegenden Arbeit behandelt werden.

Zunächst wird der Bundeskanzler dieser Zeit, Helmut Schmidt, kurz vorgestellt und seine Sicht auf den Deutschen Herbst dargelegt. Dem folgt eine kleine Abhandlung über die Geschichte der RAF. Der größte Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit den Attentaten der RAF im Jahr 1977, ganz besonders im Deutschen Herbst, und mit der Reaktion des Staates darauf. Da jedoch bereits vor 1977 entscheidende Maßnahmen gegen den Terrorismus getroffen wurden, müssen auch die Jahre vor dem Terrorjahr betrachtet werden. Die Rasterfahndung sowie die Kontakt- und Nachrichtensperre werden in eigenen Unterkapiteln erläutert.

2. Helmut Schmidt

2.1. Biografie

Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 in Hamburg als Sohn des Studienrates Gustav Schmidt und seiner Frau Ludovika geboren. Er verbrachte seine Jugend in der Hansestadt und machte 1937 an der Lichtwark-Schule sein Abitur. Ab 1937 absolvierte er seinen Reichsarbeits- und ab 1939 seinen Wehrdienst. Während des Krieges heiratete er seine ehemalige Klassenkameradin Hannelore.

Bei Kriegsende geriet Helmut Schmidt in britische Gefangenschaft; er wurde jedoch bereits am 31. August desselben Jahres wieder frei gelassen. Im darauf folgenden Jahr begann er in Hamburg sein Studium der Volkswirtschaft und der Staatswissenschaft, das er 1949 als Diplomvolkswirt abschloss.

Bereits zu Beginn seines Studiums war Schmidt in die SPD eingetreten, 1947 wurde er Bundesvorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes. 1949 wurde er zunächst Referent und kurze Zeit später Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der Behörde für Wirtschaft und Verkehr in Hamburg. Ab 1952 war er Verkehrdezernent in Hamburg. Zwischen 1953 und 1962 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. In dieser Zeit stieg Helmut Schmidt zum Fraktionsvorsitzenden der SPD auf. 1961 wurde er zum Innensenator Hamburgs ernannt und legte daraufhin sein Bundestagsmandat nieder. In dieser Funktion machte er sich bei der Hochwasserkatastrophe 1962 überregional einen Namen als Krisenmanager.

Ab 1965 war Helmut Schmidt erneut Mitglied des Bundestages und wurde 1966 zum Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der SPD sowie 1968 zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Unter Bundeskanzler Willy Brandt war er von 1969 bis 1972 Bundesverteidigungsminister und wurde nach der Wiederwahl Brandts am 15. Dezember 1972 Bundesfinanzminister.

Als Brandt am 16. Mai 1974 zurücktrat, wurde Schmidt zum fünften deutschen Bundeskanzler gewählt. Die „Verschärfung des innenpolitischen Klimas“[2] durch die Attentate der Terroristen erschwerte jedoch die Arbeit die eigentliche Arbeit der Regierung Schmidt sehr.

Schmidt war der bisher einzige Kanzler, der durch ein konstruktives Misstrauensvotum am 1. Oktober 1982 sein Amt niederlegen musste.

Im Folgejahr wurde Helmut Schmidt Mitherausgeber der Zeitung „Die Zeit“, zwei Jahre später wurde er ihr Geschäftsführer. Im Jahr 1986 legte er sein Bundestagsmandat nieder und zog sich weitgehend aus der Politik zurück.

2.2. Helmut Schmidt über den Deutschen Herbst

Wie kein Bundeskanzler vor oder nach Helmut Schmidt wurde er mit terroristischen Attentaten konfrontiert[3], die vor allem im Herbst 1977 die Öffentlichkeit in Deutschland bewegten. Schmidt selbst sagte über diese Zeit, sie sei „die schwerste Zeit [gewesen], die (…) [er] als Politiker, als Bundeskanzler, erlebt habe“[4]. Er habe sich aber immer für einen guten Christen gehalten und sein Pflichtgefühl habe ihm für die Entscheidungen innere Stärke gegeben[5]. Zudem versicherte Schmidt später immer wieder, dass nicht der Schutz des Staates als Institution sein Handeln bestimmt habe, sondern die Bewahrung der normativen Ordnung.

Schmidt war jedoch auch in der Lage, seine eigenen Fehler in der Öffentlichkeit einzugestehen. So sagte er: „Es war mein größter Fehler, daß ich bei der Lorenz-Entführung nachgegeben habe“[6]. Dieses Nachgeben bereitete den Boden für die folgenden Entführungen, da die Terroristen erkannten, dass sie durch Entführungen ihre Ziele erreichen konnten.

Wäre die Befreiung der Geiseln der Landshut-Entführung 1977 misslungen und hätte es eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Toten gegeben, hätte Schmidt am nächsten Tag die Konsequenzen daraus gezogen und wäre als Bundeskanzler zurückgetreten: „Dann hätte jemand für diesen Fehlschlag die Verantwortung übernehmen müssen. Und das mußte ich sein, das war ganz klar“[7].

Ein Journalist schrieb über ihn: „In jenen Herbsttagen des Jahres 1977 wuchs Helmut Schmidt in die Dimension eines Volkskanzlers hinein, der beinahe über den Parteien stand“[8]. Für sein Handeln in diesen Tagen erhielt Schmidt noch 1977 den Theodor-Heuss-Preis.

3. Die Rote Armee Fraktion

Die RAF hat einen ihrer Ausgangspunkte in den Studentenprotesten der ausgehenden 1960er Jahre. Sie entstand insbesondere „aus der Radikalisierung des aktionistischen Flügels der Außerparlamentarischen Opposition gegen die Große Koalition und den Vietnamkrieg“[9].

Zu den ersten Aktionen der später als RAF bezeichneten Gruppe zählten die Kaufhausbrandstiftungen in Frankfurt am Main. Zwei Tage später wurden die Täter, unter ihnen Andreas Baader, verhaftet und später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. 1970 wurde Baader gewaltsam von den späteren RAF-Mitgliedern Ulrike Meinhof, Inge Goergens und Ingrid Schubert während eines vorgetäuschten Interviews durch die Journalistin Meinhof befreit[10]. Noch im selben Jahr absolvierte eine kleine Gruppe um Baader und Meinhof ein Trainingslager in Jordanien.

Da sich der Kampf in den Bergen Jordaniens jedoch von dem in den Städten unterscheidet, bildete die RAF Stadt-Guerillas nach dem Vorbild der lateinamerikanischen Tupamaros[11].

Zurück in Deutschland mieteten die RAF-Mitglieder unter falschem Namen Wohnungen an, die sie spärlich ausstatteten. Sie bevorzugten Wohnungen in möglichst großen Wohnblocks, da sie den Schutz der Anonymität boten. Zur Finanzierung ihrer Aktionen und des Lebens im Untergrund unternahmen sie in dieser Zeit mehrere Banküberfälle.

Den harten Kern der RAF umgab bald ein größerer Kreis von Sympathisanten, aus dem sie neue Mitglieder rekrutierte[12]. Durch die Verhaftung mehrerer RAF-Mitglieder in einer der konspirativen Wohnungen am 9. Oktober 1970 wurde die RAF in einen Teil im Gefängnis und einen Teil im Untergrund gespalten. Ab 1972 waren alle Köpfe der so genannten ersten Generation der RAF verhaftet. Ihre Haftbedingungen nannten sie Isolationsfolter und traten mehrere Male in Hungerstreik dagegen. Erst 1975 kam es zum Prozess, der bis 1977 dauern sollte.

Nachdem die erste Generation verhaftet war, entwickelte sich aus dem Kreis der Sympathisanten eine zweite Generation, die am 27. Februar 1975 den CDU-Politiker Peter Lorenz entführte. Sie forderten die Freilassung der inhaftierten Terroristen. Schon hier war Schmidts ursprüngliche Absicht gewesen, nicht auf die Forderungen einzugehen: „Die Entscheidung, gegenüber den Terroristen nicht nachzugeben, das heißt zum Beispiel nicht Leute auszutauschen, die war mir von Anfang an selbstverständlich“[13]. Doch zum Zeitpunkt der Entscheidung war der Kanzler schwer krank und so wurde eine andere Entscheidung getroffen. Peter Lorenz wurde gegen inhaftierte RAF-Mitglieder ausgetauscht.

[...]


[1] Badische Neuste Nachrichten, Nr. 249, 62. Jahrgang vom Samstag, 27. / Sonntag 28. Oktober 2007, S. 3.

[2] Geiss, Imanuel: Geschichte griffbereit, 3. Aufl. München 2002, S. 596.

[3] Vgl. Rupps, Martin: Helmut Schmidt. Eine politische Biographie, 2. Aufl., Stuttgart 2003, S. 237.

[4] Ebenda, S. 241.

[5] Vgl. ebenda, S. 236.

[6] Ebenda, S. 236.

[7] Ebenda, S. 237.

[8] Ebenda, S. 422.

[9] Geiss, Imanuel: Geschichte griffbereit, 3. Aufl. München 2002, S. 1091.

[10] Vgl. ebenda, S. 1091.

[11] Vgl. ebenda, S. 1091.

[12] Vgl. ebenda, S. 1091.

[13] Rupps, Martin: Helmut Schmidt, Stuttgart 2003, S. 241.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Reaktion des Staates auf den Terrorismus der Roten Armee Fraktion
Untertitel
Das Jahr 1977 - Der Deutsche Herbst
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Repetitorium Zeitgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V116233
ISBN (eBook)
9783640177707
ISBN (Buch)
9783640177745
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
RAF, Rote Armee Fraktion, Staat, Terrorismus
Arbeit zitieren
Maike Doll (Autor), 2007, Die Reaktion des Staates auf den Terrorismus der Roten Armee Fraktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116233

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