Von Fast Food zu Slow Food. Die Veränderung der Gesellschaft durch Fast Food


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale des Fast Foods

3. Schnellimbiss
3.1 Merkmale des Schnellimbisses
3.2 Architektur des Schnellimbisses

4. Geschichte des Schnellimbisses
4.1 vorindustrielle Zeit
4.2 nachindustrielle Zeit

5. Veränderungen durch Fast Food
5.1 Veränderungen im Ernährungsbewusstsein
5.2 Veränderungen im sozialen Leben

6. Gegenbewegung Slow Food

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Als „Neue Orte der Menschlichkeit“[1] bezeichnet Heinrich Böll die Imbiss-Stuben, die mittlerweile nicht nur unser Stadtbild, sondern auch unsere Essverhalten geprägt haben. Die Mahlzeit am Imbissstand stellt mittlerweile in großen Teilen der Welt einen wichtigen Ausschnitt in unserer Esskultur dar.

Unsere Esskultur hat viele verschiedene Gesichter: auf der einen Seite nehmen wir uns Zeit und speisen daheim im Kreise der Familie oder im Restaurant, oft in stark von Ritualen geprägter Form. Auf der anderen Seite nehmen wir unsere Nahrung häufig unter Zeitdruck auch in Kantinen oder Mensen, an Autobahnraststätten und in Schnellimbissen zu uns. Geprägt durch den modernen Arbeitstag haben wir in der Regel nur Zeit für ein schnelles Essen zwischendurch, das andere für uns zubereiten. Oft ernähren wir uns in diesen Pausen mit so genanntem Fast Food.

Der Begriff Fast Food entstand in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA und kam durch die zunehmende Amerikanisierung nach Deutschland[2]. Das schnelle Essen gab es jedoch schon viel früher. Der Beginn der Geschichte des Fast Foods ist allerdings nicht eindeutig festzulegen, so lange es keine allgemeingültige Definition von Fast Food gibt[3]. Üblicher Weise bezeichnet man die Produkte der großen Schnellimbissketten wie McDonalds, Burger King oder Pizza Hut als Fast Food. Vor allem diese großen Ketten sorgten im Laufe der Jahre für die Verbreitung des Begriffes und seiner Bedeutung, wie wir ihn heute verstehen.

Ein wichtiger Aspekt von Fast Food ist das schnelle und vor allem häufig entritualisierte Essen. Deswegen sind auch viele andere Imbissstände wie zum Beispiel Dönerbuden oder Hot-Dog-Stände als Anbieter von Fast Food zu bezeichnen.

In dieser Arbeit sollen jedoch weniger die Anbieter von Fast Food als viel mehr das Fast Food selbst betrachtet werden. Zunächst wird anhand von Merkmalen des Fast Foods versucht, den Begriff genauer zu definieren. Außerdem soll der Terminus Schnellimbiss sowie die Eigenschaften seiner Architektur genauer erläutert werden. Darauf folgen die Geschichte des schnellen Essens und die Veränderungen, die Fast Food für unsere Gesundheit und für unser soziales Leben hervorgerufen hat. Im letzten Kapitel wird eine der Gegenbewegungen, die Slow Food Bewegung, erläutert. Es folgt das Fazit.

2. Fast Food

Noch gibt es für Fast Food keine verbindliche Definition[4]. Dennoch kann man anhand einiger Merkmale dem Begriff Fast Food durchaus Konturen geben.

Das wichtigste Merkmal, das auch namensgebendes Attribut ist, stellt die Schnelligkeit dar. Sowohl die Zubereitung als auch der Verkaufsvorgang spielen sich schnell ab. Ebenso findet der Verzehr in kurzer Zeit statt und steht damit im deutlichen Gegensatz zur bürgerlichen Esskultur, vor allem auch weil die Schnelle des Essens dem Ideal der bürgerlichen Genussfähigkeit widerspricht.

Im Gegenteil zum Ideal des bürgerlichen Mahls steht auch die Kommunikation. Während des Bestellvorgangs und dem Verzehr wird zumeist Umgangsdeutsch gesprochen und nur das Nötigste. Hier zeigt sich also, wie die Veränderung des Essenverhaltens zu einer beschädigten Kommunikation führen kann[5].

Ein weiterer Unterschied zur bürgerlichen Mahlzeit ist die Öffentlichkeit, in der gegessen wird. Das Speisen in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus ist intim, privat und komfortabel. Beim Verzehren von Fast Food in der Öffentlichkeit ist jedoch jedes Gespräch auch den Ohren anderer zugänglich. Sofern es überhaupt Sitzgelegenheiten gibt, sind sie oft wenig komfortabel. Dennoch scheint das öffentliche Anbieten der Ware, die öffentliche Zubereitung und der öffentliche Verzehr auf den Konsumenten eine besondere Faszination auszuüben, da die Öffentlichkeit das Gefühl des unmittelbaren Dabeiseins vermittelt[6]. Dem Essenden wird darüber hinaus in der Öffentlichkeit eine „gewisse optische Attraktion“[7], ein Schau-Effekt, geboten. Er kann essen und gleichzeitig passiv am Geschehen um sich herum, also zum Beispiel der Zubereitung oder der Bestellung anderer, teilnehmen.

Fast Food wird überwiegend stehend, also ambulant verzehrt. Der Standardtyp des Schnellimbisses kennt keine Tische im traditionellen Sinn. Da unsere Esskultur allerdings eng mit dem Tisch und der am Tisch üblich stattfindenden Kommunikation verbunden ist, verlieren wir mit dem Wegfall des Tisches das, was wir traditionell mit der Esskultur verbinden[8]. Im Schnellimbiss wird der Tisch oft durch einen Tresen ersetzt, der die „Funktionalität des schnelles Warenaustauschs und Konsums“[9] symbolisiert. Der offene Verzehrkonsum ohne Tische fördert eine unkonventionelle, zwangslose Mobilität, die auf die Konsumenten faszinierend wirken kann, da sie konträr zur meist festen Sitzordnung der Mahlzeit zu Hause ist.

Der Essvorgang ist bei Fast Food elementar. Die reine Nahrungsaufnahme steht also sehr stark im Vordergrund. Auf fast alles Beiwerk wird verzichtet, man benötigt in aller Regel noch nicht einmal Besteck. Obgleich das Essen nur elementar ist, ist es damit nicht automatisch völlig entritualisiert[10]: Am Imbissstand findet man ein eigenes kulturelles System mit eigenen Riten. Damit ist der Schnellimbiss ein „spezifisch sozialer und somit kulturell wertbesetzter Ort einer Esskultur“[11].

Durch die Offenlegung der Funktionalität des Arbeits-, Verkaufs- und Verzehrablaufs zeigt sich, dass Fast Food zweckmäßig ist. Oft kann der Kunde zumindest die letzten Schritte der Herstellung des Produktes mitverfolgen[12].

Da bei den meisten Imbissbuden dasselbe halbvorgefertigte, standardisierte Fast Food angeboten wird, hat der Konsument die Sicherheit, ein „Produkt auch an einem fremden Ort mit der annähernd gleichen Qualität und dem gleichen Geschmackskomplex anzutreffen“[13]. Der Kunde weiß, was er bestellen kann, wie es schmecken wird, was es kostet, wie der gesamte Vorgang abgewickelt wird und was ihn sonst noch erwartet. Dies bedeutet Verhaltenssicherheit für den Konsumenten.

Eben diese Sicherheit spiegelt sich auch im Verhältnis von Verkäufer und Konsument wider. Dieses ist stark vereinfacht und der Kunde weiß, dass das Einhalten von Etikette hier nicht unbedingt notwendig ist[14]. Im Gegensatz dazu ist der Gastgeber in einem herkömmlichen Restaurant der Garant für die Einhaltung des bürgerlichen Rituals vor, während und nach der Mahlzeit.

Zu den typischen Angeboten von Fast Food an Imbissbuden gehören insbesondere Würstchen, Grillhähnchen, Fleischspieße, Hot Dogs, Pizzen, Döner, Frühlingsrollen, Hamburger, Kartoffelsalat und Pommes frites. Darüber hinaus existiert allerdings eine Vielzahl an weiteren Angeboten an Fast Food. Dies ist ein weiterer Punkt, warum Fast Food so schwer zu definieren ist. Denn längst gehören sowohl kalte Speisen als auch gesunde Vollkorn-Sandwiches und frisches, klein geschnittenes Obst zum Fast Food. Somit ist auch für alle Generationen und Bevölkerungsschichten etwas dabei[15]. Darüber hinaus ist ein typisches Merkmal bei Fast Food-Gerichten die meist frei variierbare Zusammenstellung. So wird aus einer Wurst durch die Zugabe von Ketchup und Currypulver eine Currywurst, aus einem Hamburger werden durch Erweiterung mit verschiedenen Zutaten verschiedene Burger. Die meisten Gerichte werden außerdem in verschiedenen Portionen angeboten, anders als in konventionellen Restaurants, in denen oft einheitlich proportionierte Gerichte serviert werden. Die Zubereitung der Gerichte ist denkbar einfach, meistens beschränkt sie sich auf das automatisierte Erhitzen, das Zusammenfügen zu verschiedenen Kombinationen und auf das Verpacken. Die Einwegverpackungen sind zumeist genormt und werden selbst verwendet, wenn noch am Imbiss gegessen wird. Heute bestehen diese Verpackungen aus Papier oder Karton und sind damit recyclebar. In der Vergangenheit war eine Verpackung aus Hartschaum wesentlich häufiger zu finden[16].

[...]


[1] Knop, Birgit / Schmitz, Martin: Currywurst mit Fritten. Von der Kultur der Imbißbude, Zürich 1983, S. 14.

[2] Vgl. Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Fast Food und Gesundheit. Vorträge und Zusammenfassungen der nationalen Fachtagung der SGE vom 18. Juni 2004 in Bern, Bern 2005, S. 25.

[3] Vgl. O. A.: http://www.igfsek2.de/nahrung/fast_food.htm, 26.05.2008 / 23:35.

[4] Vgl. Brüning, Annegret / Sesterhenn-Gebauer, Birgit: Fast Food. Bunt, fantasievoll – und weltweit heiß geliebt, Mannheim 1999, S. 5.

[5] Vgl. Ebenda, S. 15.

[6] Vgl. Ebenda, S. 12.

[7] Ebenda.

[8] Vgl. Erbersdobler, Helmut: "Fast - Food", S. 12.

[9] Ebenda, S. 13.

[10] Vgl. Ebenda.

[11] Ebenda, S. 11.

[12] Vgl. Brüning, Annegret / Sesterhenn-Gebauer, Birgit: Fast Food, S. 5.

[13] Erbersdobler, Helmut: "Fast - Food", S. 14.

[14] Vgl. Ebenda, S. 14.

[15] Vgl. Brüning, Annegret / Sesterhenn-Gebauer, Birgit: Fast Food, S. 6.

[16] Vgl. O. A.: http://de.wikipedia.org/wiki/Schnellrestaurant, 26.05.2008 / 23:38.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Von Fast Food zu Slow Food. Die Veränderung der Gesellschaft durch Fast Food
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Alltagstechnik
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V116238
ISBN (eBook)
9783640182701
ISBN (Buch)
9783640182800
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fast Food
Arbeit zitieren
Maike Doll (Autor), 2008, Von Fast Food zu Slow Food. Die Veränderung der Gesellschaft durch Fast Food, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/116238

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