Die Curia auf dem Forum Romanum


Hausarbeit, 2005
19 Seiten, Note: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Curia Calabra

III. Die Curia Hostilia

IV. Die Curia Iulia

V. Die Curia des Diocletian von der Antike bis Heute…

VI. Zusammenfassung

VII. Literatur- und Quellenangaben

VIII. Abbildungen

I. Einleitung

Das Wort curiae bezeichnete im ursprünglichen Sinne die politisch einflussreichen dreißig Geschlechterverbände in die Romulus die römische Gesellschaft angeblich unterteilt haben soll1.

Zur Verkündung der religiösen Feiertage oder aus Anlass von Opferungen soll, so die Quellen, der pontifex minor die curiae auf dem Capitol zusammengerufen haben. Dies dürfte die Herkunft des Wortes Curia darstellen. Einige Jahrhunderte später bezeichnete das Wort Curia ein Gebäude auf dem Forum Romanum. Es war der vorrangige Tagungsort des römischen Senats, ein Platz der Zusammenkunft der politisch Ton angebenden oder zumindest einflussreichen Klasse. Für lange Zeit bildete das Gebäude das politische Zentrum Roms.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich, keines Falls erschöpfend, mit den verschiedenen Bauphasen die dieses Gebäude im Laufe seiner Geschichte durchlaufen hat. Die Rekonstruktion der verschiedenen Curiae Gebäude muss sich aus Mangel an auswertbaren Überresten größtenteils auf andere Quellen stützen. Es ist also schwierig sich ein Bild von den vorherigen Curiae zu machen. Dennoch werde ich versuchen möglichst akkurat die vergangenen Gebäude wiederauferstehen zu lassen. Im letzten Teil werde ich auf das heute noch zu sehende Curiagebäude des Diocletian eingehen und einen kurzen Abriss über die Funktion der Curia nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches geben.

II. Die Curia Calabra

Die Curia Calabra und ihre Funktionen zu rekonstruieren ist besonders problematisch. Da keine archäologisch auswertbaren Überreste erhalten sind, muss sich eine Rekonstruktion auf die wenigen literarischen Überlieferungen stützen. Es ist somit fast unmöglich gesicherte Angaben zum Aufbau und zur Funktion zu machen, deshalb sind alle Angaben nur unzureichende Vermutungen.

Aufgrund der Bezeichnung Curia lässt sich vermuten, dass der Curia Calabra ähnlich sakral - politische Aufgaben zukamen wie den Curien der späteren Jahrhunderte. Die Bezeichnung ‚Calabra’ leitet sich wahrscheinlich vom lateinischen Wort ‚calare’ ab, welches soviel wie ‚zusammenrufen’ oder ‚ausrufen’ bedeutet2. Möglicherweise war die Curia Calabra also eine Art Versammlungsplatz oder Halle. Ihr vermutlicher Standort war auf dem Capitolshügel3.

Die Curia soll Schauplatz von Opferungen zugunsten des Jupiter und regelmäßiger Mondbeobachtungen zur Bestimmung der religiösen Feiertage gewesen sein. Vor der Einführung des Kalenders rief der pontifex minor monatlich die Bewohnern Roms zur Bekanntgabe der Daten zusammen, welche anhand der Mondzyklen errechnet worden waren4. Die Funktion als Versammlungsplatz und Ort sakraler Handlungen, lässt darauf schließen, dass es sich möglicherweise um einen Komplex, bestehend aus einer Augurenhütte oder eventuell einem Tempel, mit angrenzender Versammlungsfläche handelte5.

III. Die Curia Hostilia

Die Curia Hostilia war der eigentliche Tagungsort des römischen Senats. Ihr Bau wird dem dritten römischen König Tulius Hostilius zugeschrieben6. Vermutlich stand sie an der Nordseite des Forum Romanum. Es lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen in welche Richtung der Eingang zeigte. Anhand der Rekonstruktion der anderen republikanischen Gebäude aus der Zeit und den Überlieferungen des Plinius lässt sich allerdings vermuten, dass er sich im Süden befand7. Die Tatsache, dass sie sich so dem Geschehen auf dem politischen Zentrum Rom geöffnet hätte und die später Curia Iulia ebenso ausgerichtet war untermauert diese Vermutung.

Von dieser Annahme ausgehend lag dem Eingang vorgelagert und mit der Curia auf einer Achse liegend der öffentliche Versammlungsplatz, das Comitium(Abb. 1)8.

Ebenso wie das Comitium und höchstwahrscheinlich auch die vorige Curia Calabra, war die Curia Hostilia als Tempel geweiht9. Es liegt nahe, dass der Senat so versuchte beim Treffen von politischen Entscheidungen den Segen der Götter auf seiner Seite zu haben.

Die Überlieferung berichtet, dass vermutlich an der Westfassade der Curia ein Gemälde des Malers Quintus Fabius Pictor angebracht war, welches den Sieg des M. Valerius Messala über Hiero und die Karthager im Jahre 263/264 v. Chr. zeigte10. Die genaue Lage ist jedoch nicht gesichert, ebenso wenig, ob es sich überhaupt um ein Gemälde handelte. Bei der Tabula Valeria genannten Wandverzierung könnte es sich möglicherweise auch um eine Tafel mit horatianischen – valerianischen Gesetzestexten gehandelt haben.

Sofern die Tabula Valeria denn an der Westfassade angebracht war, muss sie spätestens beim Bau der Basilika Porcia im Jahre 184 v. Chr. entfernt worden sein. Nach Fertigstellung der Basilika Porcia wäre es nicht mehr möglich gewesen die Tabula Valeria einzusehen, da der Blick versperrt gewesen wäre. Möglicherweise ist sie anderswo aufgehängt worden oder gar dem benachbarten Neubau einverleibt worden11.

Im Jahre 80 v. Chr. baute Sulla (*138 - †78 v. Chr.) die Curia um und ließ während der Umbaumaßnahmen die beiden an den Ecken des Comitiums stehenden Statuen des Phytagoras und Alcibiades entfernen12. Die Curia wurde von da an, nach Sullas Gentilnomen, auch Curia Cornelia genannt.

Im Jahre 52 v. Chr. legte ein vom Volkstribun Clodius Sextus aufgehetzter Mob Feuer, wodurch die Basilika Porcia und die Curia Hostilia komplett niederbrannten. Nachdem Brand ließ Sullas Sohn Faustus im Auftrag des Senats die Curia an derselben Stelle neu errichten und erheblich vergrößern.13

Bereits 44 v. Chr. wurde die gerade neu errichtete Curia wieder abgerissen. Warum dies geschah ist nach wie vor unklar. Cassius Dio berichtet, dass unter Leitung des Lepidus, einem Anhänger Caesars, auf dem Gelände der Curia ein Tempel zu Ehren der Felicitas errichtet werden sollte. Allerdings sind bisher keine Überreste eines solchen Tempels gefunden worden14. Es ist möglich, dass dieser Tempel bei späteren Umbaumaßnahmen in anderen Gebäuden aufgegangen ist. Möglicherweise fiel der durch Sullas Sohn errichtete Bau der Curia Hostilia/Cornelia aber auch einer Art ‚damnatio memoriae’ zum Opfer, mit der der Name Sulla aus dem politischen Bewusstsein des Staates gestrichen werden sollte15.

Am wahrscheinlichsten jedoch ist die Vermutung, dass die Curia Hostilia/Cornelia der Neugestaltung des Forum Romanum und dem Bau des Forum Iulium durch Gaius Julius Caesar zum Opfer fiel. Der Abriss durch Caesar, der eine neue Curia als monumentalen Eingang zu seinem Forum haben wollte, dürfte bei Volk und Oberschicht sicherlich auf große Kritik gestoßen sein16. Zeigte er doch wie wenig Respekt Caesar dem Senat entgegenbrachte.

IV. Die Curia Iulia

Kurz nachdem Caesar den Neubau der nach ihm benannten Curia Iulia in Auftrag gegeben hatte wurde er ermordet. Sein Adoptivsohn Augustus stellte den Bau 29 v. Chr fertig17 und weihte ihn als Tempel18. Laut Plinius war die Curia Iulia in comitio errichtet worden und hatte wahrscheinlich auch dieselbe Ausrichtung wie die vorherige Curia Hostilia19. Allerdings dürfte sie aus ästhetischen und bautechnischen Gründen ein wenig versetzt gestanden haben20.

Caesars Absicht folgend, orientiert sich die Curia Iulia eher zum Forum Iulium, als zum Forum Romanum. Auf Grund der Tatsache, dass der Eingang nach Süden ausgerichtet war, wurde und wird sie immer noch dem Forum Romanum zugeordnet(Abb. 2). Anhand eines Münzbildes lässt sich die Erscheinung der Curia Iulia rekonstruieren(Abb.3).

Ihrem Eingang vorgelagert war ein, erhöht auf einem Podium gelegener Porticus mit ionischen Säulen. Vermutlich diente der Porticus auch als Rednertribüne. Wegen des fehlenden Treppenaufgangs betrat man die Curia wahrscheinlich über an den Seiten gelegene Stufen21. Über der breiten Eingangstür sind drei fast ebenso große Fenster zu sehen. Darüber wiederum ist auf der Münze ist die Inschrift ‚IMPCAESAR’ zu lesen, was diese Gebäude eindeutig als die Curia Iulia identifiziert. Die Figur im Giebel lässt sich genau nicht zuordnen.

Auf dem Dachgiebel thront eine über den Globus schreitende Statue der Viktoria von der angenommen wird, dass sie aus Tarent gestohlen wurde. In ihren Händen sind ein Siegeskranz und Waffen zu erkennen. Eine Anspielung auf die Weltherrschaft Roms. Rechts und links von ihr, auf den Ecken des Giebels stehen zwei Kriegerfiguren mit Lanzen oder Rudern in den Händen22. Möglicherweise sollte diese Konstellation an den Sieg in der Seeschlacht von Actium erinnern. Die Curia Iulia ist ebenfalls auf den Anaglypha Traiani zu sehen23.

Im Innern der Curia soll von Augustus ebenfalls eine Statue der Viktoria aufgestellt worden sein24. Desweiteren sollen zwei Portraits des Philocares und ein Gemälde des attischen Malers Nicias (4 Jhr. v. Chr.) den Innenraum geschmückt haben25.

[...]


1 Hausmaninger, Univ.-Dozent Dr. Herbert: Art. Curia, in: Der kleine Pauly.Lexikon der Antike, Bd. I (1964), S. 1558.

2 Varro: L.L., V. 13

3 Serv. Aen.: VIII, 654

Macrob. Sat.: I. 15. 10

4 Serv. Aen.: VIII, 654 Varro: L.L., VI. 27 Macrob. Sat.: I. 15. 10 - 19

5 Ashby, Thomas und Platner, Samuel Ball: Curia Calabra, in: A topographical dictionary of ancient Rome. Rom (1965), S. 142Richardson, Lawrence: Curia Calbra, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102

6 Varro. L.L., V. 155

7 Plin. nat.: VII, 212

8 Liv.: XLV, 24. 12

9 Varro. ap. A. Gellium. XIV.7.7.

10 Plin. nat.: XXXV, 22

11 Richardson, Lawrence: Curia Calbra, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102

12 Plin. nat.: XXXIV

13 Cass. Dio: XLIV, 5.2

Cic. Mil.: 90 Cic. fin.: V, 2

14 Richardson, Lawrence: Curia Calbra, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102

15 Cass. Dio.: XLIV, 5

16 C.H. Beck/Kolb: Rom Geschichte einer Stadt in der Antike. München 11995. S. 264, Z. 1ff.

17 Mon. Anc.: IV, 1

Suet. Cal.: 60 Cass. Dio.: LI, 22

18 Varr. Ap. Gell.: XIV, 7.7

19 Plin. nat.: XXXV, 27, 131

20 Richardson, Lawrence: Curia Iulia, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 103

21 Richardson, Lawrence: Curia Iulia, in: A new topographical dictionary of ancient Rome (1992), S. 102

22 C.H. Beck/Kolb: Rom Geschichte einer Stadt in der Antike. München 11995. S. 357, Z. 7ff.

23 Ashby, Thomas und Platner, Samuel Ball: Curia Iulia A topographical dictionary of ancient Rome. Rom (1965), S. 144

24 Cass. Dio.: LI, 22.1

25 Pli. nat.: XXXV, 27 f.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Die Curia auf dem Forum Romanum
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Archäologische Wissenschaften)
Veranstaltung
Das Forum Romanum
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V117088
Dateigröße
11145 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Curia, Forum, Romanum
Arbeit zitieren
Jens Wegmann (Autor), 2005, Die Curia auf dem Forum Romanum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117088

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