Die britische Sklavenbefreiung an der Goldküste


Seminararbeit, 2006

20 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sklaverei an der Goldküste
2.1 Zeitgenössische und neuere Ansichten
2.2 Die zeitliche Dimension der Sklaverei an der Goldküste
2.3 Das System „Domestic Slavery“

3. Die Abolitionsbewegung
3.1 Die erste Opposition
3.2 Die ersten Gesetze und ihre Auswirkungen
3.3 Die Diskrepanz zwischen englischer Metropole und Kolonie
3.4 Die Komplexität der Sklavenbefreiung: Gehen oder bleiben?

4. Die Auswirkungen der Sklavenemanzipation

5. Schlussteil

6. Bibliographie

1. Einleitung

Wer sich mit der Sklaverei in Afrika befasst, stösst schnell auf die Erkenntnis, dass sich das zeitgenössische Bild in Europa stark von der Realität an der afrikanischen Westküste unterschied. Nach europäischer Sicht im war ein Sklave[1] im 17. Jahrhundert nämlich eine Art Ware, die gekauft, verkauft oder vererbt wird, sich als totales Eigentum seines Besitzers versteht und nur dessen privaten Zwecken dient. Es sind ihm also keinerlei eigene Rechte gewährt. Man kann ihn sowohl misshandeln wie auch töten[2]. Solche Ausbeutungsverhältnisse waren jedoch eher Basis einer kapitalistischen Plantagenwirtschaft, wie sie in Amerika und der Karibik betrieben wurde.

An der Goldküste jedoch herrschte eine andere, weniger rigorose Form der Sklaverei vor: die Haussklaverei („Domestic Slavery“[3] ). Dabei fand zum Beispiel oft eine Integration der Sklaven in den Verwandtschaftsverband ihrer Herren statt. War jemand ein Sklave einer Familie, wurde er normalerweise nicht wieder verkauft, sondern zählte zur Familie. Trotzdem sind die meisten keine nach unserem Freiheitsbegriff definierten freien Menschen; laut Haenger ist die Sklaverei an der Goldküste „eher ein Kontinuum unterschiedlicher Grade von sozialer Unfreiheit als eine Dichotomie zwischen Sklave und Freigeborenem“[4].

Im 19. Jahrhundert ist von Missionaren und anderen Beobachtern an der Goldküste wiederum verbreitet worden, die afrikanische Sklaverei sei eine milde Institution. Durch dieses Bild entstand eine „Mythologie der Haussklaverei an der Goldküste“[5], welche besagte, die Mehrheit der Sklaven hätte nicht den Wunsch gehabt, befreit zu werden. Somit hat man die Abolition in gleicher Weise wie in den westindischen Inseln umzusetzen versucht, was folglich fehlgeschlagen ist.

In meiner Arbeit werde ich die Geschichte der Sklaverei an der Goldküste nach dem neusten Stand aufarbeiten, wobei ich den Schwerpunkt auf die Sklavenbefreiung und ihre Folgen legen werde.

Folgende Fragen sollen beantwortet werden:

- Warum dauerte es so lange, bis das Gesetz gegen die Sklaverei einigermassen strikt durchgesetzt werden konnte?
- Wie „mild“ war die Haussklaverei an der Goldküste wirklich?
- Wer waren die Träger der Abolitionsbewegung und wie engagiert waren sie?
- Beeinflusste die Propaganda der kolonialen Grundbesitzer Europas Haltung gegenüber der Sklaverei?
- In wie weit gab es eine Diskrepanz zwischen der britischen Regierung und der Kolonialverwaltung?
- Wie gross waren die Auswirkungen der Sklavenemanzipation? Wurden die Befürchtungen der englischen Kolonialbeamten wahr?

Ich werde mich auf den Süden der Goldküste beschränken, da dieses (Fante-)Gebiet auch schon vor der Entstehung der offiziellen britischen Kolonie um 1874 von Briten bewohnt war. Somit kann ich das umfangreiche Thema einschränken und gleichzeitig eine längere Zeitspanne verfolgen.

2. Sklaverei an der Goldküste

2.1 Zeitgenössische und neuere Ansichten:

Brodie Cruickshank’s „Eighteen Years on the Gold Coast“ (1853) ist eines der Klassiker unter den im 19. Jahrhundert erstellten Werken über die Goldküste. Auch wenn sich die Ansichtsweise der kolonialen Historiker von der neuen Perspektive stark unterscheidet, gibt es laut Haenger einige gute Ansätze darin. Cruickshank konzentrierte sich zum Beispiel nicht bloss auf die Beziehung zwischen den Briten und den Asante, sondern beleuchtete auch die Fante (die Verbündeten der britischen Kolonialherren) ethnographisch. Gleichzeitig wird ihm heute vorgeworfen die Sklaverei als zu mild zu bewerten. Er spricht nämlich von freiwilliger sozialer Unterordnung und von sehr kleinen Unterschieden zwischen Sklaven und eigentlichen Familienmitgliedern[6].

Missionar Johannes Zimmermann stellt die Haussklaverei 1861 nicht als „monolithisches Gefüge“[7] dar, sondern erkannte die vielen verschiedenen Formen der Sklaverei. Auch er erachtet die Sklaverei als eine notwendiges um die Gesellschaft an der Goldküste zusammenzuhalten:

„Die Sclaverei unter den heidnischen Stämmen Africas umfasst das ganze Volk und jede einzelne eingeborene Person vom König bis zum Aermsten, vom Aeltesten bis zum Jüngsten, ohne Ausnahme seines Geschlechts oder Standes. Wer einen höheren über sich hat, ist dessen ‚Sclave’, d.h. persönliches Eigentum […]. Dies hat seinen Ursprung im Familienband: Alle Glieder einer Familie sind persönliches Eigenthum des Familienoberhauptes, dieser mit der Familie gehört einem Stammesoberhaupt, die Stammeshäupter schliessen sich unter dem Volkshaupt, dem König, zusammen & dieser ist Gottes oder des Volksgötzen Sclave“[8].

Auch in späteren wissenschaftlichen Interpretationsansätzen basiert die Beurteilung von afrikanischer Abhängigkeit auf europäischen Gesellschaftskonzeptionen. Schon immer wurde aber beteuert, dass der Erwerb von Sklaven als Integrationsmodell diente, in dem ein Fremder (der Sklave) in eine soziale Gruppe (Sklavenhalter und Familie) integriert wird[9].

Gerald M. McSheffrey’s Aufsatz schaffte es erstmals die Sklaverei an der Goldküste in ein anderes Licht zu rücken. Er klärt darin auf, dass es sich bei den vorherigen Werken über die Goldküste um eine so genannte Mythologie der Haussklaverei handelt. Er bestätigt zwar, dass das Gesetz zur Abschaffung der Sklaverei um 1874 wenig Auswirkungen auf den damaligen Zustand hatte, dies aber nicht an der als mild angesehenen Institution der Sklaverei lag, sondern an den Bemühungen der lokalen Kolonialinstanz, welche die Sklavenbefreiung aus wirtschaftlichen Gründen möglichst unterdrücken wollten.[10]

Raymond Dumett und Marion Johnson widersprechen McSheffrey zwar nicht, stellen aber klar, dass die Situation im von ihm untersuchten Gebiet „exceptional“[11] sei, man daraus daher noch keine verallgemeinernden Schlüsse ziehen dürfe.

Peter Haenger und Trevor R. Getz[12] beleuchteten in ihren ausführlichen Werken die modernen Erkenntnisse über die Sklaverei an der Goldküste, die Rolle der Basler Mission, der britischen Regierung und der Kolonialverwaltung, wobei Getz’s Erläuterungen aktueller und auch übersichtlicher sind.

2.2 Die zeitliche Dimension der Sklaverei an der Goldküste

Sklaverei entwickelte sich im heutigen Ghana nicht erst durch die europäische Kolonialisierung. Als sich die Asante im 15. Jahrhundert an der Küste ansiedelten, wurden oft Sklaven aufgrund mangelnder Produktionskräfte in den florierenden Goldgeschäften eingesetzt. Dadurch konnte sich der Familienklan der Besitzer, die so genannten Lineages[13], wirtschaftlich abheben, was vereinzelt zur Entstehung von Monopolen und kleinen Königreichen führte. Auch Europäer waren an diesem Handel beteiligt. Man kaufte an der Küste des heutigen Benins Sklaven ein, verschiffte sie an die Goldküste und tauschte sie gegen Gold ein. Dieser Handel kam aber um ca. 1700 zum erliegen, als sich die Akan-Gesellschaft[14] intern veränderte und dies zu einer Umstrukturierung der Handelsbeziehungen zwischen Afrika und Europa führte.[15]

Im 17. Jahrhundert setzten sich erste britische Handelsgesellschaften an der Goldküste fest. Bald darauf begann ein umfangreicher atlantischer Sklavenhandel, in dem die Briten ca. 1,7 Millionen Sklaven aus Westafrika in die West Indies verschifften[16].

Zwischen 1787 und 1820 wurden von London aus mehrere Schritte unternommen, um gegen dieses System anzukämpfen. Doch auch lange Zeit nach dem endgültigen Verbot des atlantischen Sklavenhandels gab es im heutigen Ghana noch interne so genannte Haussklaverei.

[...]


[1] Der Einfachheit halber verzichte ich jeweils auf die weibliche Form, welche somit in diesem Wort als integriert angesehen werden soll.

[2] Haenger, Peter: Sklaverei und Sklavenemanzipation an der Goldküste. Basel und Frankfurt am Main 1997, S. 14.

[3] Ders., S. 83.

[4] Ders., S. 10.

[5] Vgl. McSheffrey, Gerald M.: Slavery, Indentured Servitude, Legitimate Trade and the Impact of Abolition in the Gold Coast, 1874-1901: A Reappraisal. Journal of African History, 24, (1983), pp. 349-368, S. 350.

[6] Ders., S. 17.

[7] Ders., S. 19.

[8] Ders., S. 21.

[9] Ders., S. 26.

[10] McSheffrey, S. 350f.

[11] Dumett, Raymond & Marion Johnson: Britain and the Suppression of Slavery in the Gold Coast Colony, Ashanti, and the Northern Territories, in: Miers, Suzanne & Richard Roberts (Hg.): The End of Slavery in Africa, Madison, 1988. S. 87.

[12] Getz, Trevor R.: Slavery and Reform in West Africa. Toward Emancipation in Nineteenth-Century Senegal and the Gold Coast. Ohio University Press 2004.

[13] Blutsverwandte Gruppe. In Ghana spricht man von einer Matrilineage, da die von der Mutter ausgehend gezeichnete Linie die Abstammung verdeutlicht. (Haenger, S. 18).

[14] Ethnische Übergruppe von den Asante und Fante.

[15] Wälti, Tanja: www.isis.unibas.ch/download.php?id=4895 (17.08.06).

[16] http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Sklavenhandel (17.08.06).

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Details

Titel
Die britische Sklavenbefreiung an der Goldküste
Hochschule
Universität Basel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Geschichte Ghanas
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V117226
ISBN (eBook)
9783640197279
Dateigröße
387 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sklavenbefreiung, Goldküste, Geschichte, Ghanas
Arbeit zitieren
Bettina Jahn (Autor), 2006, Die britische Sklavenbefreiung an der Goldküste, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/117226

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