Wann ist es „wissenschaftlich“? Die Bedeutung der Gütekriterien


Seminararbeit, 2006

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil A: Eine Einführung in die Gütekriterien

Teil B: Validität
I) Interne und Externe Validität
II) Inhalts-, Kriteriums- und Konstruktvalidität
1) Inhaltsvalidität
a) Face-Validity
b) Expert-Validity
2) Kriteriumsvalidität
a) Predictive-Validity
b) Known-Groups-Validity
3) Konstruktvalidität
a) Convergent Validity
b) Discriminant Validity
III) Methoden der Validierung bei qualitativen Untersuchungen
1) Ökologische Validierung
2) Kommunikative Validierung
3) Argumentative Validierung
4) Kumulative Validierung
5) Validierung an der Praxis
6) Prozedurale Validierung
7) Validierung durch Triangulation
a) Datentriangulation
b) Forschertriangulation
c) Theorientriangulation
IV) Unterschiede zwischen der quantitativen und der qualitativen Sozialforschung

Teil C: Reliabilität
I) Verfahren der quantitativen Sozialforschung
1) Test-Retest-Verfahren
2) Split-Half-Method
3) Paralleltest
II) Reliabilität in der qualitativen Sozialforschung

Teil D: Objektivität
I) Die drei Ebenen der Objektivität
1) Durchführungsobjektivität
2) Auswertungsobjektivität
3) Interpretationsobjektivität
II) Die Beurteilung der Objektivität nach Wilson

Teil E: Repräsentativität und Generalisierbarkeit
I) Repräsentativität
II) Generalisierbarkeit
1) Fallkontrastierung
2) Komparative Kasuistik
3) Triangulation

Teil F: Resümee

Literaturverzeichnis

Teil A: Einführung in die Gütekriterien

Die Gütekriterien dienen der Empirischen Sozialforschung dazu Untersuchungen und deren Ergebnisse wissenschaftlich zu legitimieren und Messfehler zu vermeiden.

Um die Fehlerquote niedrig zu halten bedienen sich die Sozialforscher der klassischen Testtheorie, die sie aus der Psychologie übernommen haben. Die Testtheorie geht davon aus, dass ein beobachteter Wert die Zusammensetzung eines sogenannten wahren Wertes und eines Messfehlers ist. , wobei der Mittelwert dieser Messfehler Null ergeben muss und die Fehler in keiner Beziehung zu den wahren Werten stehen dürfen. Die Messfehler einer Versuchsreihe dürfen auch nicht mit den Messfehlern oder wahren Werten einer anderen Versuchsreihe in einer Wechselbeziehung stehen.

Um die Wissenschaftlichkeit der Forschung zu beweisen muss es allgemeine Kriterien geben, die zu einer Bewertung von Untersuchungen herangezogen werden können. Bei diesen Regeln ist allerdings eine Unterscheidung zwischen den Kriterien für die qualitative und denen der quantitativen Sozialforschung nötig, oder zumindest eine inhaltliche Unterscheidung der Begriffe, die für beide Wissenschaften benutzt werden. In der qualitativen Forschung hängt die Eignung von Kriterien stark von dem zu untersuchenden Gegenstand ab, da sich die Untersuchung noch während des Forschungsprozesses entwickelt.

Für alle Forschungen gilt aber allgemein, dass die Kriterien angemessen sein müssen.

Des weiteren sollen Ergebnisse möglichst zuverlässig, valide und objektiv sein. Diese drei Eigenschaften gelten als wichtigste Gütekriterien. Zu beachten sind aber auch die Generalisierbarkeit, sowie die Repräsentativität der Untersuchungen.

Teil B: Validität

Gültigkeit zu erreichen heißt, dass ein von den Forschern gefundener Begriff für eine Erscheinung der Realität eines Phänomens entspricht, dass der Begriff also kongruent zur Realität ist. In der empirischen Sozialforschung sollen Untersuchungen so durchgeführt werden, dass die gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse Gültigkeit besitzen. In der qualitativen Forschung soll dies durch eine entsprechende Gewinnung der Daten, sowie gleichwohl durch die Art der Auswertung derer geschehen. Auf quantitativer Seite steht dagegen vor allem die Erhebungssituation im Vordergrund. Für die Validität ist die Interpretation der Daten hierbei weniger zu beachten. In der quantitativen Forschung bezeichnet die Gültigkeit die Genauigkeit, mit der ein Instrument das misst, was es messen soll.

I) Interne und Externe Validität

Bei beiden Formen der Sozialforschung erfolgt eine Unterscheidung in Externe und Interne Validität, aber die Bedeutung dieser Begriffe ist jeweils ein anderer.

In der qualitativen Forschung bezeichnet die externe Gültigkeit den Realitätsgehalt von Befunden, die unter speziellen Erhebungsbedingungen erzielt wurden. Interne Gültigkeit bedeutet hierbei, dass die Datengewinnung von anderen nachvollzogen werden kann, um dadurch eine Zuverlässigkeit zu gewährleisten. Das Problem liegt bei der qualitativen Sozialforschung darin, dass Maxime der Verfahrensbildung und –auswahl fehlen und die interne Gültigkeit somit eher auf dem Glauben der Leute beruht, die den Forschungsbericht lesen als darauf, dass sie alles wirklich überprüfen, beziehungsweise nachvollziehen

können.

Bei der quantitativen Sozialforschung ist externe Gültigkeit dann gegeben, wenn von den Versuchspersonen auf die Gesellschaft geschlossen werden kann. Interne Gültigkeit liegt vor, wenn sich Veränderungen der abhängigen Variablen, das heißt der zu untersuchenden Elemente, auf Veränderungen der unabhängigen Variablen, also auf äußere Einflüsse zurückführen lassen können. Das größere Problem liegt hier offensichtlich bei der internen Validität, weil hier eine Umgebung geschaffen werden muss, die bei einer zweiten Untersuchung, welche mit anderen Probanden und Forschern durchgeführt wird, gleiche Ergebnisse liefern soll. Die externe Validität ist hier eher ein Problem bei der Planung der Untersuchung, das aber, sobald es vor der Durchführung von den Forschern gelöst wurde, nicht mehr auftritt.

II) Inhalts-, Kriteriums- und Konstruktvalidität

Um die Validität zu bestimmen gibt es die Verfahren der Inhalts-, Kriteriums- sowie der Konstruktvalidität:

1) Inhaltsvalidität bedeutet, dass möglichst alle Aspekte einer Messung erfasst werden sollen. Das Problem ist, dass diese Methode keineswegs objektiv ist. Es gibt zwei verschiedene Verfahren der Inhaltsvalidität:
a) Face-Validity bedeutet, dass jeder beurteilen kann, ob die Verwendung eines bestimmten Instrumentes gültig ist. Diese Methode ist aber offensichtlich sehr subjektiv.
b) Bei der Expert-Validity beurteilen Experten, ob ein bestimmtes Instrument oder ein Verfahren angemessen ist. Leider ist auch hier Subjektivität nicht auszuschließen.

2) Die Kriteriumsvalidität benutzt Untersuchungen an einem anderen Objekt, das mit

dem eigentlichen Untersuchungsobjekt in einer gewissen Beziehung steht, um die gewonnenen Ergebnisse zu legitimieren. Dieser Methode können zwei weitere Verfahren zugeordnet werden:

a) Bei der Predictive-Validity wird mit den ermittelten Daten ein Verhalten vorausgesagt. Das Problem hierbei ist allerdings, dass nicht alle Einstellungen ausgelebt werden. Jemand, dessen Vorgesetzte eine Frau ist wird sich zum Beispiel (zumindest am Arbeitsplatz) nicht frauenfeindlich verhalten, auch wenn er eine solche Einstellung hat. Weiterhin kann es Probleme mit den self-fullfilling und self-destroying prophecies geben.

b) Das Verfahren der Known-Groups-Validity besteht darin bestimmten Gruppen bestimmte Eigenschaften zuzuordnen und bei Übereinstimmungen die Ergebnisse für valide zu erklären. Das Problem stellt dabei die Validität der Zuordnungen selbst dar. Eine Unterart dieser Methode ist die Extremgruppenprüfung, bei der Untersuchungen an Gruppen vorgenommen werden bei denen sehr hohe, beziehungsweise niedrige Ergebnisse zu erwarten sind. Ein Beispiel hierfür wäre eine Befragung über Einwanderungspolitik, die man an Rechtsradikalen vornimmt.

3) Die Konstruktvalidität nimmt bereits vorhandene Hypothesen um die gewonnenen Ergebnisse zu erklären oder entwickelt aus den Ergebnissen heraus neue Theorien mit demselben Ziel. Die Konstruktvalidität muss zwei Kriterien erfüllen:
a) Die Convergent Validity ist dann gegeben, wenn verschiedene Arten spezielle Daten zu erfassen sich bei einer Untersuchung so ähnlich sind, dass man sie untereinander austauschen könnte.
b) Discriminant Validity bedeutet, dass ein Messinstrument bewiesenermaßen andere Items misst als andere Instrumente.

Man kann die Konstruktvalidität zum Beispiel durch Multitrait-Multimethod-Matrizen belegen. In so einer Matrix sind alle möglichen Korrelationskoeffizienten enthalten. Diese bekommt man, indem man auf jedes mögliche Konstrukt jedes mögliche Verfahren anwendet. Um die Konstruktvalidität zu beweisen müssen die Messungen jedes Verfahrens bei denselben Konstrukten zusammenhängende Ergebnisse aufweisen und diese Zusammenhänge bei demselben Konstrukt müssen stärker ausgeprägt sein als die Wechselbeziehungen zwischen Messungen verschiedener Konstrukte. Außerdem müssen die unterschiedlichen Messungen bei einem Konstrukt untereinander so ähnlich korrelieren wie die verschiedenen Messungen an einem anderen Konstrukt.1 Die Methode der Multitrait-Multimethod-Matrizen ist aber so aufwendig, dass sie in der Praxis kaum Verwendung finden. Es werden aber oft Vereinfachungen von ihnen benutzt, bei denen zwar nur ein Messverfahren verwendet wird, welches aber auf mehrere Merkmale eines bestimmten Konstruktes angewendet wird. Oft wird zur Auswertung der Konstruktvalidität die Faktorenanalyse herangezogen. Hierbei sollen die Untersuchungsvariablen mithilfe weniger Konstrukte, die als Faktoren aufgefasst werden erklärt werden. Dies kann auf zwei verschiedene Weisen geschehen. Bei der explorativen Faktorenanalyse werden neben der Faktorenmenge auch die Korrelationen dieser Faktoren untereinander, sowie die Korrelationen von den Faktoren mit den Variablen zur Analyse herangezogen. Es werden vorher keine Theorien über das Ergebnis aufgestellt. Bei der konfirmatorischen Faktorenanalyse werden dieselben Zusammenhänge berücksichtigt, aber diese werden zur Überprüfung vorher zurechtgelegter Hypothesen benutzt.

Aufgrund der Discriminant Validity wird pro Messinstrument ein Zusammenhang, eine sogenannte Faktorladung, mit nur einem Konstrukt vorausgesagt. Die anderen Faktorladungen werden gleich Null gesetzt. Aus diesen Annahmen wird ein Messmodell konstruiert, dass überprüfen kann, ob die gewonnenen Daten die Konstruktvalidität bestätigen.

Das Problem aller Validierungsmethoden liegt in ihrer Anwendung. Bei den beiden ersten Verfahren, also der Inhalts- und Kriteriumsvalidität, kommt erschwerend hinzu, dass sie nicht sehr aussagekräftig sind.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass eine Gefährdung der Gültigkeit schon durch die Denkmuster und –modelle der Forscher vorliegt, die die Untersuchung entwerfen. Sie können eine allumfassende und objektive Analyse verhindern. Die Gültigkeit ist somit immer von den Vorstellungen der Realität abhängig. Deswegen ist es wichtig diese Annahmen plausibel zu begründen.

III) Methoden der Validierung bei qualitativen Untersuchungen

Bei den qualitativ arbeitenden Wissenschaftlern steht der Prozess der Validierung im Vordergrund, bei dem es vor allem um Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit geht. In der qualitativen Sozialforschung besteht allerdings ein höherer Validitätsanspruch der Ergebnisse, da die Forscher sich hier direkt an der Lebenswelt der Probanden orientieren und keine künstlichen Bedingungen schaffen müssen. Die Methoden müssen sich hier allerdings nach den natürlichen Bedingungen des Forschungsobjektes richten, was ein allgemeingültiges Verfahren ausschließt. Deswegen gibt es verschiedene Vorschläge von Forschern2 für Validierungskriterien für die qualitative Forschung:

[...]


1 vgl.: Schnell, R. u.a.: Methoden der empirischen Sozialforschung, München 1999, S.153/154

2 zit. nach Lamnek, S.: Qualitative Sozialforschung, Weinheim 2005, S.154

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Wann ist es „wissenschaftlich“? Die Bedeutung der Gütekriterien
Hochschule
Hochschule für Politik München
Veranstaltung
Proseminar: Empirische Sozialforschung
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V118224
ISBN (eBook)
9783640214556
ISBN (Buch)
9783640214754
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wann, Bedeutung, Gütekriterien, Proseminar, Empirische, Sozialforschung
Arbeit zitieren
Pia Geisler (Autor:in), 2006, Wann ist es „wissenschaftlich“? Die Bedeutung der Gütekriterien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118224

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