"Le Grand Voyage" von Ismaël Ferroukhi - Einordnung in das Genre des Roadmovies


Hausarbeit, 2008
18 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Thema der Hausarbeit
1.2 Motiv der Themenwahl
1.3 Gliederung des Hauptteils

2 Der Film Le Grand Voyage
2.1 Zusammenfassung des Filminhalts
2.2 Bedeutung der Pilgerreise nach Mekka
2.3 Persönlichkeitsentwicklung der Protagonisten während der Reise

3 Le Grand Voyage – ein Roadmovie?
3.1 Definition des Roadmovies mit Anwendung auf den Film Le Grand Voyage
3.2 Landschaftsaufnahmen in Le Grand Voyage
3.3 Abgrenzung vom amerikanischen Roadmovie

4 Fazit

5 Bibliographie
5.1 Sekundärliteratur
5.2 Internetquellen und elektronische Ressourcen

1 Einleitung

Im Folgenden soll auf das Thema der Hausarbeit sowie das Motiv für die Themenwahl eingegangen werden. Anschließend wird ein Ausblick auf die Gliederung des Hauptteils geworfen.

1.1 Thema der Hausarbeit

Diese Hausarbeit widmet sich dem französisch-marokkanischen Film Le Grand Voyage, der im Jahre 2004 von Ismaël Ferroukhi realisiert wurde. Der Spielfilm zeigt die Pilgerreise eines alten Mannes von Frankreich nach Mekka. Er wird von seinem Sohn Réda begleitet, der ihn quer durch Europa bis nach Saudi-Arabien fährt. Der Zuschauer bekommt nicht nur einen Einblick in den islamischen Hadsch (aus dem Arabischen: die Pilgerreise nach Mekka) an sich, sondern wird auch mit der schwierigen Beziehung von Vater und Sohn konfrontiert, die sich im Verlauf der Reise positiv entwickelt.

In diesem Kontext stellt sich die Frage, ob sich Le Grand Voyage in das Genre des Roadmovies einordnen lässt. Ziel dieser Hausarbeit ist es daher zu zeigen, inwieweit sich Le Grand Voyage als Roadmovie behaupten kann und welche Aspekte des Films die aufgestellte These unterstützen. Zur genaueren Bestimmung dieser These werden insbesondere die Persönlichkeitsentwicklung der Protagonisten, die Bedeutung der Landschaftsaufnahmen und eine Abgrenzung des Films zum ursprünglich amerikanischen Roadmovie genauer betrachtet und herausgearbeitet.

1.2 Motiv der Themenwahl

Die Motivation das Thema Roadmovie im Bezug auf den Film Le Grand Voyage anzugehen hat verschiedene Gründe. Erstens liegt es bei dem Seminarthema „Französischsprachiges Kino des Maghreb und der Beur-Generation“, in dem der Film von Ismaël Ferroukhi gezeigt wurde und sich somit als Film für eine Themenwahl anbot.

Zweitens habe ich generell ein Interesse am Film, da mein zweites Studienfach die Medienwissenschaft ist und ich dort an verschiedenste Thematiken im Bezug auf Film herangeführt wurde. Die Auseinandersetzung mit einem filmischen Thema lag demzufolge nahe.

Das Genre des Roadmovies wird oft mit Amerika und den dort produzierten Filmen in Verbindung gebracht. Auch das Rasen mit schnellen Autos und die Thematik der Flucht vor einer Gesellschaft sind oft die ersten gedanklichen Verbindungen zum Roadmovie. So ist es drittens auch meine Neugierde herauszufinden, ob neben rasanten Straßenrennen und schnellen Maschinen auch ein „friedliches und ruhiges“ Roadmovie existieren kann, in dem die persönliche Entwicklung der Charaktere durch die Thematik der Reise und den bewusst gezeigten Akt der Bewegung verdeutlicht wird.

1.3 Gliederung des Hauptteils

Als Einstieg in das Thema soll im folgenden Kapitel zunächst der Inhalt des Films in knapper Form wiedergegeben werden. Außerdem wird es eine kurze Einführung in den Hadsch, die Pilgerreise nach Mekka, geben. Eine weitere Beschreibung der Filmhandlung wird anhand einer Persönlichkeitsstudie der beiden Hauptcharaktere das erste Kapitel abschließen. Dieser etwas ausführlichere Abschnitt behandelt ein erstes spezifisches Merkmal des Roadmoviegenres und liefert daher zugleich eine Überleitung auf das folgende Kapitel, in dem dieser Aspekt ebenfalls aufgegriffen wird.

Das Hauptaugenmerk der Hausarbeit liegt jedoch auf dem Kapitel „ Le Grand Voyage – ein Roadmovie?“. In diesem Kapitel soll anhand eines Definitionsversuchs geklärt werden, ob sich die Aspekte des Roadmovies und der Reise in dem Film Le Grand Voyage wieder finden. Außerdem wird die Bedeutung der Landschaftsaufnahmen in einem Roadmovie in einem gesonderten Abschnitt herausgearbeitet. Darauf folgend soll in knapper Form eine Abgrenzung von Le Grand Voyage zum amerikanischen Roadmovie erfolgen.

2 Der Film Le Grand Voyage

Im Jahre 2004 realisierte der gebürtige Marokkaner und heute in Frankreich lebende Ismaël Ferroukhi den Spielfilm Le Grand Voyage. Der Film zeigt eine Reise vom Okzident in den Orient, die in Mekka endet. Doch was ist der Sinn der Hadsch, der Pilgerreise nach Mekka, und welche Persönlichkeitsentwicklung durchleben die beiden Hauptcharaktere auf ihrem Weg dorthin? Diese Fragen sollen in diesem Kapitel geklärt werden.

2.1 Zusammenfassung des Filminhalts

Réda ist ein Junge der génération beur[1]. Seine Familie stammt ursprünglich aus Marokko und ist nach Frankreich emigriert, wo Réda geboren wurde. Am Anfang des Films steht der Junge kurz vor dem Abitur, als sein Vater ihn auffordert, ihn nach Mekka zu fahren. Ein Flug kommt für den Vater nicht in Frage und dem älteren Bruder hat die französische Polizei den Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer entzogen. Réda möchte aber seine Freundin Lisa nicht verlassen und endlich das Abitur schaffen, doch sein Vater entscheidet, dass er mit ihm kommen muss. Widerwillig steigt Réda in Aix-en-Provence ins Auto und begibt sich mit seinem Vater auf eine Reise quer durch Europa bis in den Nahen Osten nach Saudi-Arabien. Réda lebt den Islam nicht wie sein Vater und er versteht den Sinn der Pilgerreise des Vaters nicht. Hinzu kommt das schwierige Verhältnis zwischen Vater und Sohn, die sich nicht viel zu sagen haben und von der Welt des anderen – so scheint es – nichts verstehen. Auf ihrer Reise durchleben sie verschiedene Konflikte, treffen auf fremde Menschen und finden schließlich doch noch zueinander. In Mekka macht sich der Vater auf den Weg zum Heiligtum, der Kaaba, doch er kehrt am Abend nicht zurück. Réda beginnt seinen Vater zu suchen und drängt sich verzweifelt durch die Menschenmassen bis er von Aufsichtsbeamten weggetragen wird. In der nächsten Szene ist er in einer Leichenhalle und entdeckt seinen Vater, der in den Pilgermassen umgekommen ist. Bei einer Zeremonie mit anderen Pilgern wäscht Réda seinen Vater ein letztes Mal und begibt sich dann auf die Heimreise nach Frankreich.

2.2 Bedeutung der Pilgerreise nach Mekka

Der Hadsch gehört zu den fünf Säulen des Islam und ist im Koran festgeschrieben. Es ist die Pflicht eines jeden gläubigen Moslems einmal in seinem Leben nach Mekka zu pilgern, sofern er die dafür notwendigen geistigen, körperlichen und finanziellen Vorraussetzungen hat. In Mekka muss der Pilger dann eine Reihe von rituellen Akten durchführen. Dazu gehört beispielsweise das siebenmalige Umschreiten der Kaaba. Im Heiligtum in der Moschee von Mekka ist in der Ostecke ein schwarzer Stein in die Mauer des quaderförmigen Bauwerks eingelassen. Die Pilger müssen bei der Umschreitung versuchen diesen Stein zu berühren oder zu küssen. Für den Hadsch gibt es eine festgesetzte Zeit von zwei Wochen, nämlich zu Beginn des islamischen Monats Dhu al-Hijja. Heute pilgern jährlich ca. zwei Millionen Muslime nach Mekka.[2]

2.3 Persönlichkeitsentwicklung der Protagonisten während der Reise

Die Persönlichkeitsentwicklung der Protagonisten stellt einen wichtigen Bestandteil eines Roadmovies dar, denn „Road Movies sind Charakterstudien vor dem Spiegel wechselnder Hintergründe.“[3] Da dieser Abschnitt zugleich eine weitere Einführung in die dargestellte Filmhandlung gibt und der genannte Aspekt aufgrund seiner Wichtigkeit bereits an dieser Stelle ausführlicher betrachtet wird, kann er als Vorgriff auf das noch folgende Definitionskapitel verstanden werden.

Der Zuschauer sieht eine problematische Vater-Sohn-Beziehung, die sich darin äußert, dass Vater und Sohn in zwei verschiedenen Welten leben. Réda spricht Französisch und steht kurz vor dem Abitur, das ihm wichtig ist, um eine Zukunft zu haben. Er ist mit Lisa zusammen, die er wegen der Pilgerreise für längere Zeit nicht sehen und hören kann. Der Vater spricht Arabisch mit seinem Sohn und ist die mächtige Person in der Familie. Ihm muss Folge geleistet werden. Dies zeigt sich darin, dass er Réda die Reise auferlegt, ohne ihn vorher gefragt zu haben. Auch im Verlauf der Reise wird sich zeigen, dass dem Vater Rédas Bedürfnisse zunächst nicht wichtig sind.

Schon nach wenigen Minuten merkt der Zuschauer, dass sich Vater und Sohn nicht viel zu sagen haben. Hinzu kommt, dass sie zwei verschiedene Sprachen sprechen, in deren Anwendung eine deutliche Distanz zwischen den beiden erkennbar ist, denn keiner von beiden möchte die Sprache des anderen sprechen und verweigert sich. Die erste Konversation im Auto ist direkt eine Maßregelung des Vaters. Er sagt auf Arabisch: “Why are you driving so fast? Those who hurry are already dead.“[4] Die aggressive Fahrweise, die Réda an den Tag legt, zeigt seinen Unwillen bezüglich der Reise. Als sie die erste Grenze nach Italien passieren, möchte der Vater beten. Réda ist fassungslos; er versteht die Religion seines Vaters nicht, dies wird hier zum ersten Mal deutlich.

In Italien schaut der Vater zum ersten Mal ein wenig interessiert in Richtung seines Sohnes doch schnell folgt eine nächste Autoritätsdemonstration. Der Vater greift Réda ins Lenkrad und zwingt ihn somit zur Rast, obwohl Réda noch nicht müde ist und noch weiterfahren könnte. Der Vater kommentiert dies nur mit: “You’re stubborn. But I’m the one who decides here.“[5]

In Slowenien macht Réda Fotos von der abendlichen Landschaft.[6] Es ist sein erster Schritt die Reise als solche zu akzeptieren, denn

[...]


[1] «Jeune Maghrébin né en France de parents immigrés.» in Le Petit Robert 2004, S. 248.

[2] Vgl. Encarta Enzyklopädie 2005, Artikel „Hadsch“.

[3] Grob/Klein 2006, S. 101.

[4] Ferroukhi, Le Grand Voyage, 0:07:58 (Filmzitate aus dem engl. bzw. franz. Untertitel übernommen).

[5] Ferroukhi, Le Grand Voyage, 0:11:51.

[6] Ebenda 0:17:05.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
"Le Grand Voyage" von Ismaël Ferroukhi - Einordnung in das Genre des Roadmovies
Hochschule
Universität Paderborn  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Aufbauseminar Literatur- bzw. Kultur-/Landeswissenschaft: Französischsprachiges Kino des Maghreb und der Beur-Generation
Note
1,0
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V118240
ISBN (eBook)
9783640209286
ISBN (Buch)
9783640209811
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Film heißt zu Deutsch "Die grosse Reise".
Schlagworte
Grand, Voyage, Ismaël, Ferroukhi, Einordnung, Genre, Roadmovies, Aufbauseminar, Literatur-, Kultur-/Landeswissenschaft, Französischsprachiges, Kino, Maghreb, Beur-Generation, Road-Movie, Roadmovie
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, "Le Grand Voyage" von Ismaël Ferroukhi - Einordnung in das Genre des Roadmovies, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/118240

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