Situation zwischen Kirche und Nationalsozialismus

Ein Quellenkritik zur Erklärung vom 28. März 1933


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
26 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Verhältnis Kirche – Staat im Nationalsozialismus vor 1933
2.1 Position der NSDAP
2.2 Stellungnahme der katholischen Kirche

3. Die Wende im Jahre 1933
3.1 Hitlers Kirchenpolitik

4. Die Erklärung vom 28. März 1933
4.1 Beschreibung der Quelle ,,Erklärung vom 28. März 1933“

5. Kurswechsel der deutschen Bischöfe 9 6. Forschungsstand

6.1 Die Erklärung vom 28. März 1933
6.2 Mögliche Erklärungen zur Konkordatspolitik

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In meiner Quellenkritik befasse ich mich mit dem Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus. Ich habe dieses Thema für die Seminararbeit gewählt, weil ich etwas mehr über die Zusammenhänge zwischen dem Christentum und dem Nationalsozialismus erfahren möchte. Der Gegenstand meiner Arbeit ist die „Erklärung vom 28. März 1933“.

Ich versuche zu ermitteln und zu verdeutlichen, wovon die Situation zwischen der kath. Kirche und dem Nationalsozialismus vor dem Erlassen der Erklärung bestimmt war, anschließend welche Gründe zur Verfassung der Erklärung vom 28. März 1933 geführt haben.

Warum haben sich die deutschen Bischöfe auf die Erklärung vom 28.03.1933 geeinigt? Hat Hitler die Beziehung zu der Kirche ausgenutzt, um seine Ziele, in Hinsicht auf die totale Machtherrschaft, zu verwirklichen?

2.Verhältnis Kirche – Staat im Nationalsozialismus vor 1933

2.1 Position der NSDAP

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, NSDAP, stand seid 1920 im deutschen Bündnis. Im September 1919 trat Adolf Hitler der Deutschen Arbeiterpartei bei und begann ihre Organisation neu zu ordnen. Er löste die Partei aus dem Bündnis und strebte eine Führerpartei an mit dem Ziel einer legalen Machtübernahme. Diese Neuorientierung betraf direkt das Verhältnis zu den katholischen Kirchen. Die NSDAP hatte ihre Wurzeln in der völkischen Bewegung und ersetzte den Glauben an die Religion durch den Glauben an das Volk. Diese Form bezeichnet man als rassisch-ethischer Dualismus und lässt sich auf die heilsgeschichtliche Sendung des deutschen Volkes zurückführen.[1] Es war eine religiöse Bewegung, die inkompatibel zum Christentum war. Da das Christentum den gleichen Anspruch wie die NSDAP erhob, wenn die Nationalsozialisten von der NSDAP als exklusiven Heilsweg ausgingen, musste folglich die christliche Bewegung beseitigt werden, um als einzige Weltanschauung anerkannt zu werden.

Im Jahre 1925 vollzog sich die Wende zur politischen Partei. Das heißt also, dass Hitler sich von einer religiösen Richtung abwenden und die NSDAP zu einer politischen Partei machen wollte. Die Gründe bestanden darin, dass zu wissen glaubte, „dass ein Kampf, der gegen die katholische Kirche geführt wurde, von vornherein zum Scheitern verurteilt sei.“[2]

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler, Führer jener Bewegung, von dem Reichspräsidenten Hindenburg zum Kanzler eines Präsidialkabinetts ernannt. Die NSDAP bildete zu dieser Zeit die größte Fraktion im Reichstag.[3]

In dem Artikel 24 des Parteiprogramms wurde die Freiheit aller Bekenntnisse und ein positives Christentum gewährt, wobei diese Beschreibung nie weiter definiert wurde. Hitlers Ziel war es die NSDAP zu einer überkonfessionellen Partei zu machen.

2.2 Stellungnahme der katholischen Kirche

Schon seit den ersten Anzeichen des Nationalsozialismus, war für die kath. Kirche klar, dass dieser, aufgrund unterschiedlicher Weltanschauungen, inkompatibel zum Katholizismus war. Das 1932 zuletzt erneuerte Verbot, dass Katholiken kein Parteimitglied werden durften, lässt die Kontroversen deutliche machen.[4]

Am 10.2.1931 erschien das Verbot der Mitarbeit an der NS-Bewegung durch die bayrischen Bischöfe. Aus dieser resultiert, dass die Rassenideologie nicht katholisch sei und der Nationalsozialismus das AT und den Primat des Papstes, welcher für die Katholiken verbindlich war, ablehnt. Der Nationalsozialismus ist eine Religion, die das Christentum ablösen will. Er stellte eine Gefahr für die Existenz des Christentums dar. Den Pfarrern wurde die Aufgabe gestellt die Gläubigen vor dem Nationalsozialismus zu warnen und gegen ihn zu predigen. Dazu gehörte es auch alle Gläubigen über die Aktivitäten und Absichten der NSDAP aufzuklären. Diejenigen Katholiken die der NSDAP beitraten wurden exkommuniziert, wobei nur in Einzelfällen Ausnahmen gemacht werden konnten. Das die Zentrumspartei (kurz: ZENTRUM, Vertreter des katholischen Deutschland) und die BVP (bayrische Volkspartei) orientierte sich ebenfalls gegen die NSDAP. Die Auswirkungen beliefen sich auf ein Verbot gegenüber dem Nationalsozialismus, dass die NSDAP nicht in geschlossene kath. Gebiete eindringen konnte. Es entstand ein offener Kampf gegen den Nationalsozialismus.

Bis zum Frühjahr 1933 hatte die kath. Kirche eine feste Front gegenüber dem Nationalsozialismus aufgebaut. Doch seit den Septemberwahlen hat sich das Zentrum immer mehr Gedanken über eine kooperative Arbeit mit einer der stärksten Parteien gemacht und auch in Rom war man eher dem Nationalsozialismus zugewendet als dem Kommunismus und vor allem in ein Reichskonkordat interessiert.[5]

3. Die Wende im Jahre 1933

Am 30.1.1933 wurde Adolf Hitler auf legalem Wege Reichskanzler. Es trat ein Problem für die kath. Kirche auf, da die verfolgte Weltanschauung zur legitimen staatlichen Obrigkeit wurde und ein Widerstand eigentlich nicht mehr möglich war.

In Röm 13, 1f steht geschrieben: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.“ Dies war für die Katholiken als geltendes Gesetz anzuerkennen. Der Tag der Machtergreifung war ein großer Erfolg für das nationalsozialistische Regime, der das Reich zum Jubel ausbrechen ließ. Doch viel entscheidender war noch die Zustimmung zum Ermächtigungsgesetzt im März desselben Jahres. Innerhalb dieser kürzesten Zeit von acht Wochen, gelang es Hitler seine Macht zu sichern und das Verhältnis zwischen der Kirche und der NSDAP zu verbessern. Ein wichtiges Indiz dafür war das Bischofswort am 28. März, indem Hitler das Vertrauen der großen katholischen Bewegung für sich gewonnen hat.[6]

3.1 Hitlers Kirchenpolitik

In einer Erklärung zur Kirchenpolitik vom 23.3.1933 orientiert Hitler sich an christlichen Grundwerten und erkennt das Christentum als Basis der gesamten Moral an, wodurch es von Seitens der kath. Kirche Schutz verdient.

Das Christentum und der Nationalsozialismus seien zur Erhaltung des deutschen Volkstums wichtig. Ebenso sollte der kirchliche Einfluss auf die Schulen bewahrt werden.

Aufgrund dieser Tatsachen nahm die kath. Kirche einen Positionswechsel vor, da der Eindruck einer christlich orientierten Regierung entstanden ist.[7]

Von Hitlers Seite war das ein berechneter Prozess der zur totalen Machtergreifung und zur Gleichschaltung aller Länder verhelfen sollte.[8]

4. Die Erklärung vom 28. März 1933

4.1 Beschreibung der Quelle ,,Erklärung vom 28. März 1933“

Die vorliegende Primärquelle „Erklärung vom 28. März 1933“ ist eine Kundgebung der deutschen Bischöfe, infolge der Fuldaer Bischofskonferenz.

Es ist eine Anlage zu dem Schreiben von Kardinal Bertram an die deutschen Bischöfe von 27.März desselben Jahres, welches in Breslau verfasst wurde.[9]

Die rechte Spalte der Quelle ist der endgültige Text, den Bertram verfasst hat und in der linken Spalte ist zum Vergleich noch mal dessen Entwurf abgebildet, der am 25.März 1933 in Breslau entstanden ist.[10] Der endgültige Text ist an einigen Stellen ausführlicher, unterscheidet sich aber grundsätzlich nicht von dem beigefügten Entwurf.

Die Kundgebung ist in die Zeit des Nationalsozialismus einzuordnen und zwar kurz nach der Machtübernahme Hitlers am 23.März 1933.

Der Text ist in vier Abschnitte aufgeteilt. Im Ersteren ist die bislang eingenommene ablehnende Haltung der kath. Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus aufgeführt. Dieser Standpunkt hat sich dadurch ausgezeichnet, dass die kath. Kirche „Warnungen und Verbote“ für notwendig hielt, die durch die „pflichtmäßige Sorge für Reinerhaltung des kath. Glaubens und für Schutz der unantastbaren Aufgaben und Rechte der kath. Kirche“ begründet sind.[11]

Diese Spannungen zwischen beiden Strömungen sind aus „triftigen Gründen“[12] entstanden, was heißen muss, dass die nationalsozialistische Bewegung inkompatibel mit der katholisch-religiösen Bewegung war. Die NSDAP vertrat den Nationalsozialismus und somit war ihre Reichspolitik gemeint, der die kath. Kirche kritisch gegenüberstand. Es zeigte sich bis zu dieser Zeit ein offener Widerstand gegen die NSDAP.

[...]


[1] vgl. Scholder, K. (1977), Die Kirchen und das Dritte Reich, S.93f

[2] vgl. ebd. S.111

[3] vgl. Gotto/Repken (1990), Katholiken und das dritte Reich, S.9

[4] Vgl. Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte bei der katholischen Akademie in Bayern / A (1968), Akten deutscher Bischöfe über die Lage der Kirche 1933-1934 , S.843

[5] vgl. Scholder, K. (1977), S.184

[6] vgl. ebd. S.277

[7] http://user.cs.tu-berlin.de/~ohherde/3reich2.htm, letzter Zugriff: 31.4.2006, 14:54h.

[8] vgl. Scholder, K. (1977), S.284

[9] vgl. Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte (1968), S.30f

[10] vgl. ebd. S.25f

[11] Vgl. ebd. S.30

[12] ebd. S.30

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Situation zwischen Kirche und Nationalsozialismus
Untertitel
Ein Quellenkritik zur Erklärung vom 28. März 1933
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V119489
ISBN (eBook)
9783640229185
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Situation, Kirche, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Magdalena Kajca (Autor), 2006, Situation zwischen Kirche und Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/119489

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