Rechtsextremismus im Internet

Ein Vergleich von rechtsextremen Skinheadhomepages mit Kameradschaftshomepages im deutschsprachigen Raum


Diplomarbeit, 2006
152 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie des Internet
2.1 Die Entwicklung der Kommunikation bis zum Internet
2.2 Zahlen & Daten zur Internetnutzung
2.3 Die Dienste des Internet
2.4 Die Glaubwürdigkeit des Internet
2.5 Elektronische Kommunikationskulturen

3. Die Gefahren des Internet
3.1 Gefahr durch strafbare Inhalte
3.2 Gefahr durch hohe Attraktivität für Jugendliche
3.3 Gefahr durch internationale Vernetzung
3.4 Gefahr der Stärkung der rechtsextremen Szene

4. Theorie der Subkultur
4.1 Von Szenen, Cliquen und der Subkultur
4.2 Subkultur: Die Welt zwischen Jugend und Erwachsen-Werden
4.3 Die Werte der Subkultur

5. Neonazismus und rechte Subkultur
5.1 Rechtsextremistische Ideologie
5.2 Die rechte Szene in Österreich
5.3 Die rechte Szene in Deutschland
5.4 Die rechte Szene in der Schweiz
5.5 Rechtsextremistische Gewalt

6. Skinheads
6.1 Die unpolitischen Wurzeln
6.2 Der Einfluss der Politik
6.3 SHARP – Skinheads gegen Rassismus
6.4 Skinheads heute
6.5 Das Netzwerk der rechten Musikszene

7. Kameradschaften
7.1 Die Überorganisation: Aktionsbüros
7.2 Die Rolle der Musik in den Kameradschaften
7.3 Neue Mode für Neonazis?
7.4 Rechtsextremistische Symbole

8. Rechtsextremismus und Internet
8.1 Missbrauch des Internet
8.2 Rechtsextreme Internet-Premiere
8.3 Zahlen und Daten zu rechtsextremistischen Homepages

9. Maßnahmen gegen Rechtsextremismus im Internet
9.1 Filterprogramme
9.2 Meldeformulare
9.3 Jugendschutz.net
9.4 Information und Aufklärung
9.5 Der Verfassungsschutz
9.6 Strafrechtliche Bestimmungen
9.7 Die Debatte um die Meinungsfreiheit

TEIL II - Die Homepageanalyse

10. Die Methode: Inhaltsanalyse
10.1 Die Inhaltsanalyse im WWW
10.2 Probleme bei der Inhaltsanalyse im WWW
10.3 Forschungsfragen und Hypothesen
10.4 Grundgesamtheit der empirischen Untersuchung
10.5 Auswahl der Stichprobe
10.6 Forschungsdesign und Kategoriensystem

11. Kurzbeschreibung der zu untersuchenden Gruppierungen
11.1 Hammerskins Schweiz
11.2 Skinheads Steinfurt
11.3 Kameradschaft Kurpfalz
11.4 Mecklenburgische Aktionsfront

12. Analyse der Homepage: Hammerskins Schweiz
12.1 Die Vorseite
12.2 Die Startseite
12.3 Navigation
12.3.1 SHS
12.3.2 Report
12.3.3 Bücher
12.3.4 Zines
12.3.5 Forum
12.3.6 Links
12.3.7 Kontakt
12.4 Analyse der offenen Kategorien

13. Analyse der Homepage: Skinheads Steinfurt
13.1 Erste Vorseite
13.2 Zweite Vorseite
13.3 Die Startseite
13.4 Navigation
13.4.1 Skinhead
13.4.2 Tattoos
13.4.3 Hörproben
13.4.4 Recht
13.4.5 Forum
13.4.6 Gästebuch
13.4.7 Verweise
13.5 Analyse der offenen Kategorien

14. Analyse der Homepage: Kameradschaft Kurpfalz
14.1 Die Startseite
14.2 Navigation
14.2.1 Willkommen
14.2.2 Einsatz
14.2.3 Mehr Infos
14.2.4 Kontakt zu uns
14.2.5 Verweise
14.3 Analyse der offenen Kategorien

15. Analyse der Homepage: Mecklenburgische Aktionsfront
15.1 Die Vorseite
15.2 Die Startseite
15.3 Navigation
15.3.1 Aktuell
15.3.2 Wissenswert
15.3.3 Konzept
15.3.4 Material
15.3.5 Download
15.3.6 Kontakt
15.3.7 Links
15.4 Analyse der offenen Kategorien

16. Ergebnisse der Analyse

17. Resümee und Ausblick

ANHANG

Literaturverzeichnis

Internetrecherche – verwendete Links

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Das Internet verbreitet sich in der heutigen Zeit immer rasanter und täglich kommen neue Internetanschlüsse hinzu. Weltweit wird es schon von über einer Milliarde Menschen genutzt, was ein Sechstel der Weltbevölkerung bedeutet[1]. Aber in diesem großen Potential des weltweiten Netzes werden nicht nur harmlose 08/15 Meldungen verbreitet, sondern auch extremistische Gruppierungen aller Art nehmen sich diesem Medium an, und nutzen seine Möglichkeiten. Laut Bericht des Verfassungsschutzes[2]nimmt auch der Missbrauch des Mediums Internet ständig zu. Und nicht zuletzt wegen dem Anstieg fremdenfeindlicher Gewalttaten in den letzten Jahren ist der Rechtsextremismus seit Beginn der 90er Jahre ein Brennpunkt in der Medienberichterstattung geworden.

Schon in einem der ersten Semester wurde ich mit dieser Thematik vertraut, als im Rahmen eines Pädagogik- Seminars die Aufgabe gestellt wurde, eine Proseminararbeit zum Thema: Mediengefahren im Internet zu schreiben. Bei der Recherche stieß ich dabei erstmals auf zahlreiche rechtsextremistische Homepages.

Ich möchte mich in dieser Arbeit daher mit einem sehr aktuellen Thema beschäftigen. Unter dem Titel: „Rechtsextremismus im Internet“ wird auf die Möglichkeiten des Internet eingegangen und warum gerade dieses neue Medium für die rechtsextreme Szene so attraktiv ist. Wie nutzen die Rechtsextremen das Internet und was kann man dagegen unternehmen?

Da es von Jahr zu Jahr mehr rechtsextremistische Homepages gibt, ist es Ziel meiner Arbeit herauszufinden wie gefährlich diese wirklich einzuschätzen sind. Ist die Zahl der rechtsextremen Homepages überhaupt bedeutend, im Vergleich zur Anzahl aller Homepages, oder verschwinden die rechtsextremistischen Seiten in den Weiten des Internet?

Seit ein paar Jahren schon, beschäftige ich mich aus persönlichem Interesse mit dem Thema Subkultur und kam somit auf die Idee auch meine Diplomarbeit in diesem Fachgebiet zu schreiben. Da es aber schon so viele allgemeine Publikationen zu diesem Thema gibt, und ich doch etwas neueres und aktuelleres machen wollte, dachte ich es wäre eine gute Idee diese Thematik mit dem Internet zu verknüpfen. Dass dies nicht gerade einfach ist, entdeckte ich dabei auch gleich bei den ersten Recherchen und somit scheiterte mein Vorhaben rechtsextremistische mit linksextremistischen Skinheadgruppierungen im Internet zu vergleichen daran, dass die linksextremistischen Gruppierungen im Internet nicht präsent sind. Somit stellte sich die erneute Frage, welcher sinnvolle Vergleich möglich ist. Dabei entdeckte ich durch Zufall eine der unzähligen Kameradschaftshomepages und musste die Arbeit somit noch weiter auf das rechtsextreme Spektrum hin spezialisieren.

Der theoretische Teil der Arbeit wird daher von einer Theorie des Internet ausgehen, um folgende Fragen zu beantworten: Welchen Einfluss hat das Internet auf unser Kommunikationsverhalten? Zu welchen Zwecken nutzen Rechtsextremisten das Internet? Wie ist das Internet aufgebaut? Welche Dienste bietet das Internet? Etc.

Um einen Einblick in die rechte Subkultur zu bekommen, wird ausgehend von der Subkultur- Theorie die rechte Szene genauer beschrieben, und die Entwicklung dargestellt. Vor allem auf Skinheads und Kameradschaften, welche meine Stichprobe für den empirischen Teil darstellen, werden genauer berücksichtigt.

Im empirischen Teil, wird dann auf eine Auswahl von rechtsextremistischen Homepages eingegangen. Mit Hilfe der Inhaltsanalyse oder genauer gesagt einem Spezialfall, nämlich der Inhaltsanalyse von Homepages werden neben deren Inhalte auch Gestaltungskriterien wie Strukturparameter, Screendesign, Interaktivität und Usability untersucht.

Im Vergleich von rechtsextremen Skinheadhomepages mit Kameradschaftshomepages im deutschsprachigen Raum, sollen die Unterschiede in Inhalt und Gestaltung herausgearbeitet werden. Als Stichprobe dienen zwei Homepages rechter Skinheadgruppierungen und zwei Homepages rechter Kameradschaften.

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht also darin, festzustellen, inwieweit das Internet von rechtsextremistischen Gruppierungen genutzt wird, um beispielsweise Sympathisanten zu werben und welche Gegenmaßnahmen hierbei getroffen werden können. Um dies feststellen zu können, werden im theoretischen Teil vorhandene Publikationen und Studien nach relevanten Daten untersucht. Im empirischen Teil werden dann noch exemplarisch Homepages rechtsextremer Skinheadgruppierungen mit Homepages von Kameradschaften verglichen und auf die genannten Kriterien hin untersucht.

2. Theorie des Internet

Was ist nun mit „dem Internet“ wirklich gemeint? Von spezifischen Definitionen, die alle Dienste des Internet und die jeweiligen technischen Details mit einbeziehen bis zu einfachen Erläuterungen gibt es die verschiedensten Definitionen. Diese Arbeit bezieht sich schlicht und einfach auf die folgende Definition des Internet:

„Mit Internet wird in der Regel ein weltumsp]annendes, universal nutzbares Computernetz bezeichnet.“ (Rost 1997, S.17)

Ein Computernetz also, das weltweit nutzbar ist und für jeden zugänglich, der die technischen Vorraussetzungen erfüllt. Die weltweite Verfügbarkeit für jedermann ist das Einzigartige am Internet. Hierbei stellen sich aber einige Herausforderungen, die die virtuelle Kommunikation von der face to face Kommunikation deutlich unterscheiden.

Eine umfassende „Theorie des Internet“ wie es beispielsweise einzelne Kommunikationstheorien gibt, existiert nicht. Deshalb möchte ich an dieser Stelle versuchen, ein paar wichtige Standpunkte, die mit der Entwicklung des Internet und der Kommunikation im Internet zusammenhängen zu präsentieren. Der erste Punkt der in der Diskussion ums Internet an oberster Stelle rangiert, ist die Kommunikation. Wie hat sich die Kommunikation in diesem weltweiten Netz geändert und welche Kommunikationsformen sind im Internet präsent?

„Die Diskussion um die Bedeutung des Internet für die gesellschaftliche Kommunikation ist unter anderem von dem zentralen Gedanken geprägt, die computervermittelte Kommunikation in globalen Netzwerken eröffne völlig neuartige Potentiale für den gesellschaftlichen kommunikativen Austausch, indem an die Stelle einer als einseitig betrachteten Massenkommunikation eine wechselseitige direkte Kommunikation aller Gesellschaftsmitglieder untereinander treten könne.“ (Schönhagen 2004, S.1)

Was versteht man also unter Massenkommunikation und welche Formen der Kommunikation gibt es überhaupt?

Massenkommunikation, Individualkommunikation und Gruppenkommunikation. Diese drei Formen kann man als Hauptkommunikationsformen der heutigen Gesellschaft verstehen, welche natürlich auch im Internet existent sind. Dabei gilt folgende Definition von Massenkommunikation.

„Unter Massenkommunikation soll mithin jener Begriff verstanden werden, bei dem Aussagen öffentlich, indirekt und einseitig, durch technische Verbreitungsmittel an ein disperses Publikum vermittelt werden.“ (Maletzke in: Burkart 2002, S.171)

Während Massenkommunikation sich an ein breites disperses Publikum richtet, richtet sich Individualkommunikation an einzelne Personen. Diese Form der Kommunikation wird im Internet durch E-Mails, PM (private messages) oder in Messengern, wie ICQ oder Windows Messenger ausgetragen. Gruppenkommunikation richtet sich an eine bestimmte Gruppe mit überschaubarem Anteil an Personen. Gruppenkommunikation kann man im Internet in Foren, Chats oder Gästebüchern beobachten. Massenkommunikation richtet sich auch im Internet an ein breites Publikum, welches meist über Homepages erreicht wird. Ob man bei jeder Homepage (da nicht alle gleich viele Nutzer haben) von Massenkommunikation sprechen kann, ist allerdings eine andere Frage. Es sind aber auch im Internet noch die herkömmlichen Formen der Massenkommunikation enthalten, in welcher sich dann Zeitungen, Fernsehsender und dergleichen durch eine Homepage an ihre Leser bzw. Zuschauer wenden.

Das Internet bietet dabei die Möglichkeit der interaktiven Nutzung „d.h., der Nutzer kann über entsprechende Rückkanäle Inhalte verändern oder Aktionen auslösen und ist damit nicht mehr in seiner bloßen Rezipientenrolle gefangen (...)“. (Burkart 2002, S.363)

Die Verbindung von Telekommunikation und Computertechnik wird als Interaktivität interpretiert. Die dadurch entstandene technische Infrastruktur bietet eine neue Möglichkeit der sozialen Interaktion. So genannte virtuelle Gemeinschaften eröffnen neue Möglichkeiten der Begegnung und des Komforts. So bieten beispielsweise Online-Nachrichten ein komfortables Angebot, welches schnell verfügbar ist, und an dem man seine Interessen individuell bedienen kann. Dabei wird das Web zum Wissensspeicher, welcher die Flüchtigkeit der TV und Radio Nachrichten auffängt. (vgl. Burkart 2002, S.375f.)

Dass das Internet aber auch immer flüchtiger wird, und eher als aktueller Wissensstandard, denn als Speicher gilt, wurde dabei anscheinend noch nicht bedacht. Denn auch der „Wissensspeicher Internet“ ist temporär begrenzt. Homepages werden aktualisiert, und man kann sich nicht darauf verlassen, die gesuchten Informationen in ein paar Wochen unter der gleichen URL[3] wieder aufzufinden.

Der gesamtgesellschaftliche Austausch wird mit dem Internet zwar erleichtert, allerdings findet im Internet trotzdem noch hauptsächlich Individualkommunikation statt. Dass alle Gesellschaftsmitglieder miteinander kommunizieren, bleibt wohl auch weiterhin eine Utopie. Laut Schönhagen benötigt das Internet „entsprechende Institutionen journalistischer, hochgradig konzentrierter Vermittlung gesellschaftlicher Kommunikation “, um den gesamtgesellschaftlichen Austausch im Internet zu steigern. (Schönhagen 2004, S.4)

Tatsächlich bietet das Internet interessante Potentiale für die gesellschaftliche Kommunikation. Vor allem in globaler Hinsicht. Noch nie zuvor war es so leicht, schnell und günstig möglich mit Personen in anderen Ländern oder sogar Kontinenten zu kommunizieren. Aber auch in Firmen, oder von Personen, die räumlich nicht so weit entfernt sind, wird das Internet immer häufiger genutzt und entwickelt sich somit zu einem Alltagsgegenstand der heutigen Gesellschaft.

Die Idealvorstellung von Kommunikation von Angesicht zu Angesicht kann im Internet wahrlich nicht nachgestellt werden. Mit den neuen Kommunikationstechnologien wird dieses Ideal aber in den virtuellen Raum verlagert. So kann man beispielsweise chatten und sein gegenüber auf dem Bildschirm beobachten, vorausgesetzt dieser besitzt eine Kamera. Die Nachstellung der realen Kommunikation im Internet wird immer geläufiger und auch die Technologien verbessern sich, so dass die Nutzung dieser Dienste stetig steigt.

2.1 Die Entwicklung der Kommunikation bis zum Internet

Beginnt man am Anfang unserer Geschichte, war zuerst nur das gesprochene Wort.

Mit der Schrift und vor allem mit dem Buchdruck haben sich die Möglichkeiten der Kommunikation stark verbessert. Die Möglichkeit der Kommunikation über zeitliche und räumliche Distanzen hinweg, sowie die Speicherung und Vervielfältigung haben die Kommunikation aber auch verändert. Diese Überwindung der Gleichräumlichkeit und Gleichzeitigkeit bedeutet zugleich, dass die Kommunikationspartner und ihre unmittelbaren Reaktionen nicht mehr sicht- und hörbar waren, und die Kommunikation nur mehr zeitversetzt möglich war. Dies entspricht dem Prinzip der Entkontextualisierung (Nichthörbarkeit und Nichtsichtbarkeit). (vgl. Schönhagen 2004, S.190f.)

Der Aspekt der Gleichzeitigkeit wurde bereits mit der Telekommunikation wieder zurückgewonnen und mit Live-Sendungen im Radio und Fernsehen wird nacheinander auch teilweise die Entkontextualisierung rückgängig gemacht.

Als weiterer Schritt erfolgt die Multimedialisierung. Nachdem es jetzt schon vielseitige Kommunikationsarten gibt bleibt noch deren Vereinigung.

„Aktuell etikettiert man mit „Multimedia“ eine Entwicklung, die Fernsehgerät, Personalcomputer und Telefon zu einer kommunikativen Universalmaschine (Multi- Media-Station) vereinigt, in der viele kommunikative Tätigkeiten zusammenlaufen: so z.B. Schreiben, Lesen, Fernsehen, Fotos bzw. Filme anschauen, Telefonieren, Faxen, Einkaufen und Bezahlen (...) Nimmt man den Begriff wörtlich, dann handelt es sich im wesentlichen um eine Kombination unterschiedlicher medialer Techniken.“ (Burkart 2002, S.362)

Somit hat das Internet eigentlich gar nichts Neues gebracht. Denn der zeitgleiche Austausch schriftlicher Botschaften oder die Kommunikation im Sinne der Entkontextualisierung waren auch schon früher möglich.

Mittels Webcam bzw. Webcam Chat, Voice Mail, Voice Chat und E-Mail sind diese Formen der sozialen Kommunikation auch aufs Internet übertragbar. Die Mitteilungen können über Internet bzw. im Internet nicht nur zeitversetzt sondern auch zeitlich parallel empfangen werden. Bei letzterem geht es vor allem um die wechselseitige Mitteilung nicht anwesender Kommunikationspartner in zeitlich unmittelbarer Folge. Dies alles erfolgt ohne die Bedingung der räumlichen Anwesenheit.

In diesem Kontext wird das Internet auch oft als ein globales Dorf dargestellt, zu dem die Welt dank der neuen Medien wurde. Das Bild des Internet als globales Dorf unterstellt, dass sich die ganze Welt an einem Dorfbrunnen versammelt und zusammenkommt. Am Dorfbrunnen können sich in Folge dessen alle Personen direkt, selbst vermittelt und zeitgleich unterhalten. (vgl. Schönhagen 2004, S.196f.)

Die Entwicklung des Internet begann Anfang der 60er Jahre, in Amerika. Das US-Militär stellte die Forderung ein Militärnetzwerk zu schaffen, welches folgende Leistungen bringen sollte:

- Hohe Datenübertragungsleistungen,
- hohe Ausfallsicherheit, auch bei Teilausfällen der Netzwerkverbindungen und
- Verbindung verschiedener Rechner über unterschiedliche Datenleitungen.

Die ARPA (Advanced Research Projects Agency) realisierte dieses Projekt ab 1966 und nannte es ARPA-Net. Ende 1969 wurden die ersten vier Rechner ans ARPA-Net angeschlossen und drei Jahre später waren es bereits 40. (vgl. Grünebaum, S.3f)

Vor allem im wissenschaftlichen Bereich erkannte man die Vorteile des ARPA-Nets schnell. Anfang der 70er Jahre begannen sich die Forschungseinrichtungen zu vernetzen, um Daten von entfernten Rechnern anderer Institute abfragen zu können.

Anfang der 80er Jahre vollzog sich dann die Abtrennung des Militärnetzes vom ARPA-Net. Ein neues Netz wurde mit dem Ziel gegründet, alle Universitäten und Akademien an das ARPA-Net anzubinden. Bereits 1987 waren mehr als 10.000 Rechner miteinander verbunden. Ende der 80er Jahre wurde dann auch der Begriff ARPA-Net verworfen, und der Begriff Internet wurde geläufig. In Europa verlief die Entwicklung ähnlich wie in den USA.

Seit 1992 gibt es in Europa ein Leitungs-Verbundsystem, welches den Vorläufer unseres heutigen Internets darstellt. Jedoch kann das damalige Internet mit dem was wir heute Internet nennen, noch nicht verglichen werden.

Erst als sich die Hyperlink- Struktur durchsetzte, kam es zu der heute geläufigen Gebrauchsweise. Mitte der 90er kam es dann zu einem ersten Internet-Boom. Das Internet begann bekannter zu werden und die Nutzung steigt bis heute von Jahr zu Jahr stetig an. (vgl. Grünebaum, S.3f)

2.2 Zahlen & Daten zur Internetnutzung

Auch in den Statistiken lässt sich erkennen, dass die Internetnutzung in Österreich stetig zunimmt. Während 1996 gerade mal 3% der Österreicher ab 14 Jahren das Internet nutzten stieg diese Zahl 2000 auf 33% an und liegt jetzt[4] bei 58%.

(Vgl. Mediaresearch ORF; http://mediaresearch.orf.at/internet.htm [02.06.2006])

Die Internetnutzung variiert aber stark unter den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Während 95% aller Schüler und Studenten das Internet nutzen, beträgt die Zahl bei den Erwerbstätigen 69% und bei den Senioren nur 15%. Somit kann man feststellen, dass Jugendliche die Hauptnutzergruppe des Internet bilden.

Genutzt wird das Internet dabei von 75% der Bevölkerung von zu Hause aus und 47% nutzen das Internet am Arbeitsplatz oder in der Schule.

(vgl. Statistik Austria; http://www.statistik.at/fachbereich_forschung/ikt_txt3.shtml [21.04.2006])

Auch im internationalen Bereich liegt Österreich im vorderen Drittel der Internetnutzer. In der Statistik der Internet-Nutzer in Europa von 2006 liegt Österreich mit seinen 58% Internetnutzer an 10. Stelle und somit einen Platz vor Deutschland mit 57% Nutzern. Die Schweiz liegt mit 68% Internetnutzern noch weiter vorne, und zwar am 7. Platz. Die ersten drei Plätze belegen Island, Dänemark und Finnland.

(vgl. Mediaresearch ORF; http://mediaresearch.orf.at/internet.htm [21.04.2006])

Somit kann man für die empirische Untersuchung schließen, dass die Internetnutzung von Österreich, Deutschland und der Schweiz ähnlich ist. Die minimalen Unterschiede sind hierbei nicht zu berücksichtigen und man kann von einer etwa gleich starken Internetnutzung dieser drei Länder ausgehen.

2.3 Die Dienste des Internet

Als unterschiedliche Kommunikationsmodi im Kommunikationsraum Internet kann man in folgende Dienste unterscheiden:

1. „den Abruf gespeicherter Information (World Wide Web)
2. das Versenden und Empfangen elektronischer Post (E-Mail)
3. die Beteiligung an Diskussionsforen (Newsgroups, Usenet)
4. die sprachliche Interaktion mit anderen Nutzern (Chat, IRC)
5. die Interaktion in virtuellen Räumen (MU*s)“

(Rössler in: Schönhagen 2004, S.207)

Abgesehen von sozialer Kommunikation bietet das Internet aber auch noch andere Dienste an. Beispielsweise das Abrufen von Informationen über Datenbanken oder das Downloaden von Software. Daraus kann man schließen, dass es sich beim Internet um eine technische Infrastruktur handelt, mittels derer ganz unterschiedliche Kommunikationsmodi realisiert werden können.

Die empirische Studie im zweiten Teil der Arbeit wird sich hierbei aber speziell auf das World Wide Web beziehen und den so genannten Abruf gespeicherter Information von Homepages.

Das Internet oder auch World Wide Web (WWW) besteht aus so genannten WWW-Seiten. Diese werden als Pull-Medien vom jeweiligen Anbieter ins Netz gestellt. Eine Website ist ein elektronisches Dokument, welches Texte, Grafiken, Fotos, Animationen, Audio- und Viedosequenzen integriert und über Verweise, so genannte Links mit anderen Dokumenten verknüpft ist. Die Gesamtheit aller von einem Anbieter zur Verfügung gestellten zusammenhängenden Seiten nennt man Website, oder auch Internet-Präsenz oder Online- Auftritt. Der gängigste Begriff ist allerdings Homepage, wobei Homepage nach einer technisch korrekten Definition eigentlich im engeren Sinne nur die Startseite einer Website meint. Da dieser Begriff aber allgegenwärtig ist, und auch in der Umgangssprache sowie in wissenschaftlichen Publikationen als Bezeichnung für eine Website dient, wird er auch in dieser Arbeit so verwendet werden. (vgl. Döring 2003, S.73f)

Neben den Homepages gibt es auch noch Foren, Newsgroups und Newsboards, die sich aus Anwenderperspektive durch Postings von Internetnutzern bilden. Durch die frei zugänglichen Postings der Nutzer wird eine multidirektionale (many to many) Kommunikation möglich.

Alle Dokumente und Objekte im Internet sind durch eine eindeutige Netzadresse- die URL (Uniform Resource Location) beschrieben. Um die Adressen aufzufinden nutzt man einen Adressverweis, der von jeder beliebigen Seite aus in das Adressfeld eingeben werden kann. Die URL besteht aus dem Netzdienst, dem Servernamen und dem Pfad. Kennt man die Adresse der gewünschten Homepage allerdings nicht kann man mit Hilfe von Suchmaschinen die gewünschte Adresse ausfindig machen. Allerdings umfasst das WWW heute mehrere hundert Millionen Websites, und keine Suchmaschine kann all jene aufnehmen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass Suchmaschinen auch nicht automatisch aktualisiert werden können, wenn neue Seiten ins Netz gestellt werden. (vgl. Döring 2003, S.75f)

2.4 Die Glaubwürdigkeit des Internet

Abgesehen von den verschiedenen Diensten wird das Internet auch von den verschiedensten Personen mit Informationen beliefert. Neben vielen Seiten von Privatpersonen gibt es auch zahlreiche Homepages von Institutionen und Organisationen, die jeweils andere Interessen vertreten. Auch die traditionellen Massenmedien sind heutzutage schon fast vollständig im Internet vertreten. So hat jede Zeitung und jeder Fernsehsender seine eigene Homepage. Durch die unterschiedlichen Quellen stellt sich hierbei natürlich oft die Frage der Glaubwürdigkeit der verschiedenen Homepages. Da jede Person ins Internet stellen kann, was einem als wichtig erscheint, und aus der Sichtweise, die einem als richtig erscheint, sollte man genau prüfen auf welcher Homepage man sich befindet, um die Glaubwürdigkeit der Informationen einschätzen zu können. Google hat beispielsweise eine eigene

Wissenschaftssuchmaschine (Google Scholar[5]) eingerichtet, die nur wissenschaftliche Texte aus den Weiten des Internet herausfiltert.

Alle Kommunikationsformen existieren in vergleichbaren Varianten auch jenseits des Internet. Insofern kann bestätigt werden, dass die Netzkommunikation grundsätzlich keine neue Kommunikationsform darstellt. Denn auch im wahren Leben müssen wir unsere Informationen prüfen und sogar in der face to face Kommunikation entscheiden, wem man Glauben schenken darf und wem nicht.

2.5 Elektronische Kommunikationskulturen

Gemeinschaft kann als eine Folge von gemeinsamen Gebrauchsweisen (von Medien) betrachtet werden. Dabei kann der Mediengebrauch aus unterschiedlichen Gründen erfolgen. Entweder sozio-emotional oder informativ-sachbezogen. Im Zuge der computervermittelten Kommunikation entstehen nun Regeln und Vorstellungen der Internetnutzung, wobei es zu erwartbaren Gebrauchsweisen kommt, die die Basis elektronischer Gemeinschaften darstellen. Dabei kommt es auch zur Ausbildung bestimmter Verhaltensregeln, der so genannten „Netikette“. Zum Beispiel werden Smileys oder Emoticons eingesetzt um Emotionen auszudrücken, aber auch im rechtsextremen Bereich hat sich hier eine eigene Netikette entwickelt. So werden bestimmte Symbole, Zahlencodes oder Nicknames verwendet, die die Szenezugehörigkeit offenlegen.

(vgl. Schmutzer 1998, S.30)

„Elektronische Gemeinschaften sind Formen von Kommunikationskulturen, und entsprechend wäre es zunächst nahe liegend, sie im Sinne von Subkulturen, die sich durch die Verwendung von Kommunikationstechnologien ausbilden, zu verstehen.“ (Höflich 2003, S.261)

Subkulturen berufen sich auf einem einer gemeinsamen Bedeutung zugrunde liegenden Lebensstil. Darin bilden sich dann eigene Bedeutungswelten, die sich auf die subkulturellen Handlungsformen und meist nicht auf die gesamte Lebensführung beziehen. Die gemeinsamen Bedeutungen und das Bewusstsein eines kollektiven Lebensstils stehen im Vordergrund.

In Verbindung mit der Computernutzung wird auch die Idee der Subkultur herangezogen, da die nutzerspezifische Ausbildung auf den Computer oft mit dem Begriff der „Computerkultur“ belegt wird. Tatsächlich kann man bei vielen „Computerjunkies“ schon von einer eigenen Subkultur sprechen, sofern manche mehr Zeit in virtuellen Welten anstatt in der realen Welt verbringen und so auch in ihrer eigenen Subkultur leben. Die Treffen und Zusammenkünfte der Computerliebhaber erfolgen dabei meist nur virtuell in Chaträumen oder bei LAN-Partys.

3. Die Gefahren des Internet

Dass das Internet nicht nur unzählige Informationen und Ereleichterungen des Alltags bietet, sondern auch Gefahren birgt, ist sicher schon jedem Internetnutzer aufgefallen. Abgesehen von Hackern, die private Daten ausspionieren wollen, oder den vielzähligen Viren, Würmern und trojanischen Pferden, die nicht nur Personalcomputer sondern ganze Firmen bedrohen, gibt es aber noch andere Gefahren.

3.1 Gefahr durch strafbare Inhalte

Der Verfassungsschutz schätzt den Anteil der strafbaren Seiten zurzeit auf etwa 15%[6]. Hierzu zählen nicht nur rechtsextremistische Homepages, sondern auch linksextremistische, Kinderpornographie, oder Homepages auf denen Dinge zum Drogenkonsum bzw. Drogen selbst angeboten werden, denn auch in dieser Szene entwickelte sich die Anonymität des Internet zu einem regelrechten Verkaufsschlager. Die Gefahren die allerdings von den rechtsextremen Seiten ausgehen sind beachtlich, da sie oft volksverhetzende Propaganda publizieren. Das pädagogische Problem liegt dabei darin, dass alles was verboten ist für Kinder und Jugendliche attraktiver wird. So werden sie wenn sie auf rechtsradikalen Homepages landen durch verbotene Musik, die zum Download angeboten wird oder durch verbotene Symbole verleitet sich näher mit der Homepage und dem Inhalt zu befassen.

„Gleichzeitig lösen Verbote jedweder Art unweigerlich auch einen Reiz aus. Kein Tabu der Erwachsenen, das nicht auch jugendkulturelle Tabubrecher anlocken würde. (…) Es ist keine Seltenheit, dass sich Jugendliche die Indizierungslisten der Bundesprüfstelle für jugendgefährdete Schriften besorgen.“

(http://www.ida-nrw.de/Aufklaerung/f_wastu.html [21.04.2006])

3.2 Gefahr durch hohe Attraktivität für Jugendliche

An den vorherigen Erläuterungen der Gefahren durch strafbare Inhalte erkennt man auch gleich die hohe Attraktivität für Jugendliche. Aber nicht nur Verbotenes stellt die hohe Attraktivität des Internet für Jugendliche dar. Kinder und Jugendliche sind die

Hauptnutzergruppe des Internet und verfügen über die meiste Freizeit. Daher ist die Gefahr für sie größer auf rechtsextremistische Seiten zu stoßen, als für den Durchschnitts- Internetnutzer.

Hinsichtlich ihrer Wirkung auf Jugendliche dürfte volksverhetzende Propaganda im Internet die Möglichkeiten der herkömmlichen Medien weit in den Schatten stellen. Früher konnten die Medien nur einen beschränkten Kreis von Zielpersonen erreichen. Heute ist das Internet für fast alle Jugendlichen leicht verfügbar und somit erreicht die Propaganda auch einen viel größeren Kreis an Personen.

Dass das Internet das Medium der Jugend ist, haben auch rechtsextreme Kreise erkannt. Für die NPD ist das „vor allem junge Publikum im weltweiten Datennetz die Info-Elite der Zukunft“, mit der sie „ gegen den Zeitgeist“ angehen will. Potentiell jugendgefährdend wirkt rassistische Propaganda aber vor allem dann, wenn sie für Jugendliche attraktiv aufbereitet ist. Gerade dies wird von den Rechtsextremisten immer mehr verübt, indem die Homepages mit kurzen, frechen Texten und moderner Sprache, sowie durch moderne Gestaltung, MP3s und Computerspiele locken.

(vgl. Fromm/Kernbach 2001, S.16)

3.3 Gefahr durch internationale Vernetzung

Die von den rechtsextremistischen Seiten ausgehende Gefahr wird nicht zuletzt durch die internationalen Strukturen des Netzes und der Möglichkeit hierin anonym zu agieren deutlich erhöht. Nicht nur die Organisationen, Parteien und Kameradschaften untereinander sind vernetzt, sonder es existieren teilweise weltweite Linklisten. Trifft man somit zuerst auf eine amerikanische Seiten, ist es meist nicht schwer ihr deutsches Pendant zu finden. Auch die deutschen Seiten sind oft mit Sympathisanten, in aller Welt vernetzt.

Die strafrechtlich relevanten Seiten befinden sich dabei nicht von ungefähr auf Speicherplätzen im Ausland - meist in den USA. Nach dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung sind in den USA Propagandadelikte wie auch Volksverhetzung nicht strafbar. Hierzu noch mehr im Kapitel über Strafrecht.

Aufgrund der vielfältigen Verknüpfungen untereinander ist aus der Sicht der Szene ein Medium entstanden, über das sich der Interessierte wie in einer Zeitung über alle Strömungen des „nationalen Lagers“ unterrichten können. Der Vorteil dabei ist, dass es kostengünstig, schnell, und auch aktuell ist. Ist man einmal auf einer Seite gelandet, fällt es nicht schwer weitere zu finden. Die unterschiedlichsten rechten Homepages sind miteinander verlinkt. Von der Partei- zur Skinheadorganisation- weiter zu rechten Musikgruppen- und diese verweisen natürlich gleich auf einen Versandhandel hin, so dass das rechte Liedgut gleich direkt nach Hause bestellt werden kann. Wenn man einmal eine „Startseite“ gefunden hat, befindet man sich mit ein paar Klicks mitten im Netzwerk der Neonazis und hat offenen Zugang zu rechtsextremistischer Musik, Accessoires und deren Schriften.

3.4 Gefahr der Stärkung der rechtsextremen Szene

Das Internet sorgt dafür, dass Szeneangehörige mühelos und aktuell mit den wichtigsten Informationen versorgt werden können. Daten zu geplanten Demonstrationen, rechtsextremistische Computerspiele, sowie Musik, revisionistische Ausarbeitungen, Strategiepapiere oder auch Bombenbauanleitungen findet man im Netz.

Das Internet bietet die Möglichkeit ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, auch wenn es kein Ersatz für Gemeinschaftserlebnisse sein kann. Allenfalls ruft es zur Gemeinschaft auf. Nicht nur durch weltweite Vernetzung, sondern auch durch Kontakte, die im Internet geknüpft werden, und Treffen die über das Internet koordiniert werden.

Im Chat gibt es auch noch die Möglichkeit weltweit mit Gleichgesinnten zu kommunizieren, so dass der Eindruck vermittelt wird, dass man nicht allein ist. Auch die Diskussionsforen[7]werden in diesem Zusammenhang immer wichtiger. Diese Internet- Kommunikation hat der Szene ein neues „Wir- Gefühl“ gegeben.

(vgl. Verfassungsschutzbericht 2002, Dtschl.)

„Nicht unterschätzt werden sollte auch die ideologische Indoktrination, die vor allem für Jugendliche von diesen Texten ausgeht. Sie sind die Einstiegsdroge für ein geschlossenes nazistisches Weltbild. Die Neonazi- Aktivitäten im Internet sollten vor allem als Indiz dafür gewertet werden, dass sich im realen Leben etwas zusammenbraut. (...) Das Internet ist hier nur das Medium, durch das der oft verleugnete Missstand öffentlich wird.“ (Jacoby 2004, S.151)

Die Gefahren gehen natürlich nicht „nur“ vom Internet aus, sondern sind auch im Alltag zu finden. Allerdings ist es durch die Anonymität des Internet um ein vielfaches einfacher geworden einen Zugang zu dieser Szene zu finden, und vor allem für Kinder und Jugendliche, die noch kein ausgeprägtes Weltbild haben, verbergen sich viele Gefahren.

4. Theorie der Subkultur

In der Diskussion um die Begriffe Jugend, Jugendkultur, Subkultur, Jugendsubkultur und Szene gibt es die vielfältigsten Definitionen. Die älteste und am Häufigsten zitierte Definition von Kultur und Subkultur stammt von Rolf Schwendter:

„Kultur ist die Summe aller Institutionen, Bräuche, Werkzeuge, Normen, Wertordnungssysteme, Präferenzen, Bedürfnisse usw. in einer konkreten Gesellschaft. (…) Somit ist Subkultur ein Teil einer konkreten Gesellschaft, der sich in seinen Institutionen, Bräuchen, Werkzeugen, Normen, Wertordnungssystemen, Präferenzen, Bedürfnissen usw. in einem wesentlichen Ausmaß von den herrschenden Institutionen etc. der jeweiligen Gesamtgesellschaft unterscheidet.“

(Schwendter 1993, S.10)

Schwendter geht bei seiner Definition von Subkultur zunächst einmal von einer Definition der Kultur im Allgemeinen aus, und leitet aus dieser die Subkultur ab.

Bei der Definition von Kultur wird von einem Kulturbegriff ausgegangen, der Kultur nicht mit einer Hoch- bzw. Elitenkultur bildungsbürgerlicher Art gleichsetzt, sondern im Sinne von Raymond Williams, einem der Gründerväter der Cultural Studies, als „a whole way of life“. Das bedeutet, dass Kultur als eine Vielzahl an bestehenden und möglichen Lebensweisen und ihrer Organisations- und Kommunikationsformen verstanden wird. Kultur lässt sich demnach nicht definitiv festschreiben, sonder äußert sich in den Differenzierungen bzw. im Wechselspiel von verschiedenen kulturellen Prozessen und Praktiken in spezifischen ökonomischen, sozialen und politischen Kontexten. „A whole way of life“ wird also als Lebensstil gesehen, in dem sich auch die verschiedenen kulturellen Praktiken abbilden.

(vgl. Lutter/ Reisenleitner 2002, S.9f)

Die aktuellen Forschungen rücken im Sinne der Subkultur-Debatte vor allem Skinheads, Punks, Rocker oder Hippies in den Vordergrund. Aber laut Schwendter fallen unter den Subkultur-Begriff auch Gruppen, wie Zigeuner, Studenten oder christliche Sekten aus dem Mittelalter. Die Jugendkulturen im heutigen Sinne, mit einer eigenen Mode, einer von Erwachsenen rundum verachteten Musik, mit eigenen kommerziellen Märkten und Medien gibt es erst seit den 50er Jahren.

(vgl. Farin 2001, S.13)

Soweit sich dieser Subkultur-Begriff auch dehnt, wird sich diese Arbeit im speziellen auf Skinheads und Rechte Subkulturen beziehen. „Sub“ bedeutet „unter“, wodurch eine Subkultur als eine Unterkategorie der herkömmlichen Kultur zu sehen ist. Weiters setzt Schwendter Subkultur mit Gegenkultur gleich. Dies kann vor allem am Beispiel der Skinheads verifiziert werden, da diese ja auch ihre eigene Kultur gebildet haben. Subkulturen zeichnen sich vor allem durch eigene szeneinterne Publikationen (Fanzines/ Flyer etc.), Veranstaltungen (Konzerte und Partys) sowie auch oft durch landesweite oder auch weltweite Kontakte zu Gleichgesinnten aus. Jede Subkultur bildet auch ihre eigene Sprache, Codes und Symbole. Vor allem die Jugendsubkulturen der heutigen Zeit definieren sich auch stark über die Musik. Musik ist das verbindende Glied in den Subkulturen, welche die Leute oft zum Eintritt bewegt und die Szene(n) verbindet.

„Grundlage für die Entstehung von Subkulturen sind (…) strukturelle Bedingungen, genauer gesagt: unauflösliche strukturelle Widersprüche, die je nach sozialer Lage anders erfahren werden. Dabei trifft der kulturelle Background einzelner auf die vorherrschenden bürgerlichen Normen und im Kontext mit herkömmlichen Vorstellungen des sozialen Umfelds und durch jeweilige historische Unstände begünstigt, nimmt eine bestimmte Subkultur Gestalt an. Kennzeichnend für alle Subkulturen ist ihr jeweiliger Stil (style).“

(Brake 1981, S.19)

Dass sich Subkulturen auf Grundlage der strukturellen Rahmenbedingungen bilden, ist auch hier gut am Beispiel der Skinheads zu zeigen, welche sich in England Ende der 60er Jahre auf Grund der politischen und sozialen Verhältnisse gebildet haben. Aber auch die Punk- Bewegung entstammt einer sozialen Veränderung. Mit den gesellschaftlichen Bedingungen verändern sich somit nicht nur die Lebensverhältnisse aller Menschen, sondern es werden auch die Vorraussetzungen für die Entstehung neuer Subkulturen gelegt. Somit kann man Subkulturen als eine Reaktion auf gesellschaftliche, soziale oder politische Veränderungen betrachten. Die Rahmenbedingungen in denen eine Subkultur entstanden ist, sagen oft schon viel über ihre Werte und Normen aus, wenn man den gesellschaftlichen Kontext mit einbezieht.

4.1 Von Szenen, Cliquen und der Subkultur

Szene: „Ein loses Netzwerk von Menschen mit ähnlichen Orientierungen und/oder Interessenslagen, vor allem zur Freizeitgestaltung. Szenen sind freiwillige Gemeinschaften oftmals Gleichaltriger, in der Regel überregionale Phänomene mit lokalen Anbindungen.“

(Farin 2001, S.19)

Neben den Szenen gibt es auch noch einen anderen fast synonym zu verwendenden, aber schon eher veralterten Begriff, nämlich den der Cliquen. Cliquen können nach Hafenegger und Jansen Teil einer größeren Szene sein, müssen aber nicht. Cliquen und Szenen drücken kulturelle Zugehörigkeit mit vielfältigen und jeweils identifizierbaren Merkmalen aus. Sie sind Garanten der Selbstbehauptung für soziale Anerkennung und ästhetisch-kulturelles Eigenleben. Dies wird festgemacht durch den Lebensstil, Musik, Outfit und Accessoires, aber auch durch Verhaltensweisen gegenüber der oft als feindlich wahrgenommenen Umwelt.

(vgl. Hafenegger/Jansen 2001, S.14)

„Das Schlagwort Jugendkultur,…, bedeutet zunächst eine besondere ihrem Wesen angemessene Lebensführung der Jugend, einen besonderen jugendlichen Lebensstil.“ (Hartwig in Roth 2000, S.40)

Auch wenn es viele verschiedene Begriffe für jugendliche Gemeinschaften gibt, kann man es unter anderem so auffassen, dass die Subkultur (gleichzusetzen mit Jugendsubkultur und Jugendkultur) den Überbegriff bildet, innerhalb dieser sich Szenen bilden. Aus den Szenen heraus können sich allerdings wieder weitere Cliquen bilden. Der Begriff der Szene wird vor allem auch deshalb als veraltert aufgefasst, da heutzutage auch wenn sich aus einer Subkultur oder Szene Gruppen abspalten meistens wieder von einer (neuen) Szene gesprochen wird. Der Begriff der Cliquen wurde eher in den frühen Subkulturforschungen gebraucht. Weiters sind Cliquen aber nicht unbedingt immer den Subkulturen zuzuordnen, denn es entstehen auch im normalen Jugendalltag Cliquen, die sich dann eben als Freundschaftsgruppe verstehen. Hingegen haben Szenen einen tieferen subkulturellen Hintergrund.

„Tatsächlich kann eine Gruppe sich in viele einander feindliche Subgruppen aufspalten, wenn sich genügend Mitglieder um gemeinsame Werte gruppieren, die denen der anderen entgegenzusetzen sind.“

(Schwendter 1993, S.23)

Vor allem bei den Skinheads kann dies deutlich gezeigt werden. Die ursprünglich aus den schwarzen Arbeitervierteln Englands stammende unpolitische Subkultur, spaltete sich im Laufe der Jahre in drei verschiedene Richtungen. Die Linken Skinheads (u.a. Red Skins, RASH, etc.) die unpolitischen Skinheads (Oi! Skins, SHARP) und die Rechten Skinheads (White Power Skins, Blood & Honour, Hammerskins, etc.). Somit kann man innerhalb der Subkultur der Skinheads von verschiedenen Szenen sprechen, die sich gebildet haben. Weiters wird es auch innerhalb dieser Szenen noch Untergruppierungen (Freundschaftscliquen) geben.

Aber nicht nur bei Skinheads, sondern bei fast allen jugendlichen Subkulturen kam es im Laufe der Zeit zu Veränderungen und Spaltungen der Kernszene in mehrere oft verschieden gesinnte Untergruppierungen.

4.2 Subkultur: Die Welt zwischen Jugend und Erwachsen-Werden

„Die Grundthese der Jugendkultursoziologien besagt, dass Subkulturen notwendigerweise eine Übergangserscheinung zur Erwachsenenwelt seien und über kurz oder lang in die Gesellschaft integriert werden würden.“

(Schwendter 1993, S.29)

Dies ist auch bei den Skinheads zu beobachten. Denn die Hauptaltersgruppe liegt zwischen 16- und 25. Es gibt teilweise sicherlich auch noch ältere Skinheads, aber viele verschwinden in ein bürgerliches Leben zurück und widmen sich dann hauptsächlich Familie und Arbeit. Aber gerade bei den Skinheads im Gegensatz zu anderen Subkulturen bleiben trotzdem viele ihren Wurzeln treu, und auch wenn sie nicht mehr so oft im Szenealltag bzw. auf Konzerten erscheinen bezeichnen sich viele noch als Skinheads, die von der Bevölkerung gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Die Haare ein bisschen länger und Turnschuhe zu den Jeans anstatt den Boots, und die meisten werden ihn nicht mehr als Skinhead erkennen.

Dies widerspricht aber gleichzeitig auch der Grundthese. Denn gerade bei den Skinheads führen viele ihren Lebensstil auch in älteren Jahren noch weiter. Die meisten finden zwar in ihrer Jugendzeit den Zugang zur Subkultur, aber trotzdem bedeutet dies nicht unbedingt, dass man deshalb nicht in die Gesellschaft integriert wäre. Das sieht man auch daran, dass die meisten Skinheads einem „ordentlichen gutbürgerlichen“ Job nachgehen und deshalb sehr wohl auch Teil der Gesellschaft sind. Die Subkultur bezieht sich da eher auf Freizeit und Abendgestaltung. In dieser Zeit wollen dann die meisten auch gar nicht der Gesellschaft angehören, sondern grenzen sich bewusst ab. Dass dies aber auch konform gehen kann mit einem bürgerlichen Arbeitsalltag, ist vielen Forschern oft nicht bewusst.

„Die Zeit steht für niemanden still, und das gilt besonders für Jugendkulte. Trotz aller noch so tiefen und ehrlichen Beteuerungen, sein Leben lang ein Skinhead zu bleiben, wusste jeder in der Tiefe seines Herzens, dass die Zeit kommen würde, wo man Boots und Hosenträger beiseite legen würde. Dies gilt für jeden Jugendkult und es gibt nur sehr wenige Ausnahmen bei dieser goldenen Regel. (…) Trotzdem hat es etwas Besonderes an sich, irgendwann einmal einem bestimmten Jugendkult angehört zu haben und etwas davon wird auch immer noch tief in deinem Herzen verankert sein.“

(Marshall 1999, S.55)

Während also bei den Subkulturen eine tiefere und längere „Mitgliedschaft“ zu beobachten ist, sind so genannte Jugendszenen, wie beispielsweise Skater, HipHopper, Gothics etc. eine reine Jugenderscheinung. Gerade in den Funsportcliquen sind selten Personen über 20 Jahren zu finden.

Ihrer kulturellen Ausprägung und ihrer Struktur nach sind die Subkulturen der Mittelschicht mit denen der Unterschicht nicht vergleichbar. Die Subkulturen der Unterschicht wie die der Skinheads bilden einen ganzheitlichen Lebensstil, während die Subkulturen der Mittelschicht für die Jugendlichen meist nur kurzzeitige Phasen darstellen. Diese sind eher als Freizeitspaß für zwischendurch zu verstehen.

Lebensgeschichtlich gewinnen Subkulturen gegen Ende der Schulausbildung an Attraktivität. Vor allem für Arbeiterjugendliche bieten sie emotionalen Rückhalt und sinnvolle Freizeitbeschäftigung, um von Problemen der Arbeitswelt, wie Ausbildung und Berufsaussichten abzulenken. Die Subkulturen bieten damit Jugendlichen eine Art Heimat, und werden als Alternative zur sozialen Wirklichkeit gesehen.

(vgl. Brake 1981, S.31f)

Mit Hilfe der Jugendkultur können sich Jugendliche der Kontrolle der Erwachsenenwelt entziehen und diese Autoritäten unterbinden. Unter Gleichgesinnten kann man sich frei entfalten und seinen subkulturellen Interessen nachgehen.

4.3 Die Werte der Subkultur

Gründe warum sich Jugendliche in Subkulturen zusammenfinden sind unterschiedlicher Natur. Zumeist sind es schichtspezifische Probleme oder die Verweigerung der Anpassung gegenüber dem bestehenden System. Die Gesellschaft empfindet Subkulturen meist als Abweichung aller Normen und steht den Jugendlichen daher meist sehr kritisch und abweichend, wenn nicht sogar ängstlich gegenüber.

Subkulturen wirken für Jugendliche anziehend, da sie scheinbar einen Ausweg aus dem Generationenkonflikt bieten, und sich die Jugendlichen in den Subkulturen eine neue Identität abseits der „vernünftigen“ Erwachsenenwelt bilden können.

Jugendliche waren schon immer der Kritik der älteren Generationen ausgesetzt. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg gerieten Jugendliche zunehmend als soziales Problem ins Blickfeld der Erwachsenen. Dabei kam es zu individuellen sowie zu kollektiven Auswegen aus der Stigmatisierung. Eine Form des kollektiven Auswegs stellte die Zugehörigkeit zu einer Subkultur dar. Die Subkultur hilft sich selbst neu zu definieren, und Schwierigkeiten anders anzugehen. Dabei wird die eigene Identität mit dem, was die Subkultur darstellt in Einklang gebracht.

Die vorherrschende Kultur formt unser Weltbild und bestimmt unsere Entwicklung mit. Wir beziehen uns immer auf die Wertmaßstäbe der herrschenden Kultur, und definieren uns in Relation zu ihnen. Dabei lassen uns die sozialen Rahmenbedingungen Spielraum für individuelle Präferenzen.

(vgl. Brake 1981, S.9f)

Über bestimmtes Verhalten bzw. eine bestimmte Kleidung wird ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermittelt. Dabei drückt das Erscheinungsbild auch oft die Missachtung der herrschenden Wertmaßstäbe aus. Dabei beinhaltet jeder Stil laut Brake drei Hauptkomponenten:

1. „Image. Es wird über das Erscheinungsbild transportiert, z.B. über die äußere Aufmachung und modische Attribute, wie Frisur, Schmuck und persönliche Accessoires.

2. Haltung. Sie setzt sich aus dem körperlichen Ausdruck, der Art und Weise, wie man sich bewegt, und der Körpersprache zusammen.

3. Jargon. Gemeint ist ein spezielles Vokabular, ein Slang und dessen Entwicklungsgeschichte.“

(Brake 1981, S.20)

Durch unser Äußeres wird eine Vielzahl von Bedeutungen transportiert. Speziell die Kleidung drückt viel aus. Sie verweist auf unseren sozialen Background und auf unsere modischen Vorlieben, aus denen man oft Charakterzüge ableiten kann. Auch der Lebensstil ist durch die Kleidung erkennbar. Speziell Subkulturen wollen sich durch ihre Kleidung Gleichgesinnten zu erkennen geben.

Durch ihre außergewöhnliche Zusammenstellung und die Auffälligkeit von Subkulturen sind diese auch sehr medienwirksam. Da die Medien eben sehr häufig über Subkulturen berichten, kommt es einem so vor, wie wenn der Großteil der Jugendlichen Subkulturen angehören würde. Das Gegenteil ist aber der Fall. Tatsächlich ist die Subkultur nur für eine Minderheit der jungen Erwachsenen eine angemessene Lebensform und ist nicht typisch für den Großteil der Jugend.

5. Neonazismus und rechte Subkultur

Wissenschaftler und Journalisten haben sich stets bemüht Erklärungen für die rechtsextreme Gewaltexplosion zu finden und haben dies auf Arbeitslosigkeit oder schlechte Familienverhältnisse zurückgeführt. Randgruppenangehörige suchten eben Gleichgesinnte in gewaltbereiten und teils auch in rechtsextremen Gruppierungen, wie denen der Hooligans[8], Skinheads oder in Kameradschaften. Mit Hilfe von Rechtsrock, Internet-Angeboten und anderen Propaganda-Materialien werden auch immer wieder neue Leute rekrutiert.

(vgl. Farin 2001, S.197f)

„Skinheads waren ein Prototyp für die Verbindung von Jugendkultur und Rechtsextremismus.“

(Wagner 2006, S.42)

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung sind aber die meisten der aktenkundig gewordenen Rechtsextremisten keine kahl rasierten, arbeitslosen Skinheads, sondern Lehrlinge, Facharbeiter und Schüler aus gutbürgerlichen Verhältnissen, die auch äußerlich nicht vom Normalbürger zu unterscheiden sind.

Heutzutage ist vor allem der rechtsextreme Mainstream weiter im Vormarsch. Es wurden schon Versuche sichtbar, die Techno- und Raver-Szene mit rechtem Gedankengut zu überzeugen. Bei weiten Teilen der Metal- und Gothic-Szene gehört innerhalb der Szene ein rechtsextrem gesinnter Teil schon genauso dazu, wie bei den Skinheads. Gewalt spielt dabei in den rechtsextrem-orientierten jugendlichen Szenen eine besondere Rolle. Sie ist integrierender Bestandteil der Szene und Teil der Umsetzung der rechtsextremen Ideologien.

Einige Anzeichen sprechen dafür, im Rechtsextremismus eine Jugendbewegung zu sehen. Einige Beispiele hierfür wären, dass rechtsradikale Delikte häufig von Jugendlichen begangen werden und sich die rechte Einstellung der Jugendlichen auch in Äußerlichkeiten, wie in der Kleidung oder im Hören einer bestimmten Musik äußert. Dazu kommt die teilweise Abgrenzung von der „normalen“ Gesellschaft und die Bildung eigener Vertriebswege.

(vgl. Falter 2006, S.1)

Ebenso wie in den jugendlichen Subkulturen bilden sich die rechtsextremen Szenen auch über ein lokales Stammpublikum, das bestenfalls in der gleichen Gegend wohnt und die gleichen Vorraussetzungen in Alter, Bildung, Sprache und Einstellung mitbringt. Neue

„Mitglieder“ werden in rechtsextremen wie auch in anderen Szenen nicht durch formale Aufnahmeverfahren aufgenommen, sondern einfach in die Gemeinschaft integriert und über Anwesenheit und Teilnahme an Szeneveranstaltungen sozialisiert.

„Mit dem Entstehen einer rechtsradikalen Jugendszene hat sich das rechte Lager modernisiert und weiter ausdifferenziert. Wir haben es also beim Rechtsextremismus nicht mit einem einheitlichen Phänomen zu tun, sondern mit einem differenzierten Spektrum, das von rechtsradikalen Parteien und Organisationen der Neonazis über intellektuelle Zirkel bis hin zu jugendlichen Gewaltszenen, einschließlich rechten Skinheads und Hooligans reicht.“

(Bergmann 1994, S.10)

Die rechte Szene ist überwiegend männlich, besitzt eine hohe Gewaltaffinität und rekrutiert sich überwiegend aus den unteren Arbeiterschichten. Kennzeichnend für das rechtsextremistische Weltbild ist Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und teilweise auch Geschichtsrevisionismus. Sowie die Abgrenzung gegen alle so empfundenen Feindbilder, wie Hippies, Junkies, Autonome oder Schwule. Die Feinbilder und die Ideologie der Szene werden durch Gewalt verherrlichende Musik, Bücher, Zeitschriften und das Internet propagiert.

Vernetzungen der deutschen und österreichischen rechten Szene reichen oft weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Vorraussetzung zum Aufbau einer eigenständigen politischen Gegenkultur mit eigenen Darstellungsformen und Inhalten sind durch länderübergreifende

„Freundschaften“ gegeben. Bestandteil dieser sind unter anderen eigene Medien, die sich in Sprache und Form von den traditionellen unterscheiden.

(vgl. Uhrlau 1994, S.173)

5.1 Rechtsextremistische Ideologie

Diese Arbeit wird sich auf die Rechtsextremismus-Definition von Willibald Holzer aus dem Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus beziehen:

Rechtsextremismus, als „die Vorstellung von einer- meist biologisch fundierten- Volksgemeinschaft als Gegenmodell zu einer pluralistischen, repräsentativen Demokratie, Ethnozentrismus (in Österreich Deutschnationalismus) und damit verbunden Fremdenfeindlichkeit bis hin zum Rassismus, Vorstellungen von einem von starker Hand

geführten Staat und ein nationales Geschichtsbild. Die Qualifizierung „rechtsextrem“, die weder mit „nationalsozialistisch“ noch mit „neofaschistisch“ oder „neonazistisch“ identisch ist oder eine Gleichsetzung intendiert, bezieht sich vornehmlich auf das politisch- ideologische Profil, auf Handlungs- und Verhaltensweisen von Organisationen bzw. deren Repräsentanten und Aktivisten (...). Die Bezeichnung „neonazistisch“ orientiert sich ausschließlich am juristischen Begriff der NS- Wiederbetätigung im Sinne des Verbotsgesetzes.“

(Holzer in Bailer-Galanda, 1997 S.9)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Laut Extremismus-Modell der Friedrich-Ebert Stiftung gibt es ein verfassungskonformes Spektrum, welches durch das FDGO (Freiheitlich demokratische Grundordnung des Grundgesetzes) definiert ist. Innerhalb diesem befindet sich die demokratische Mitte, sowie nach links und rechts abweichend, der Linksradikalismus und Rechtsradikalismus. Außerhalb des verfassungskonformen Spektrums liegen der Linksextremismus sowie der Rechtsextremismus.

In der Öffentlichkeit wird der Begriff „Rechtsradikalismus“ meist in Zusammenhang mit gewaltbereiten Jugendlichen benutzt, die in gewisser Weise mit rechter Ideologie in Verbindung stehen.

Für die allgemeine Bevölkerung kann man sich nach dem unten aufgezeichnetem Extremismus-Modell richten, welches die extreme Ausrichtung in rechtsextremer Sicht nochmals in Einstellung und Verhalten spezifiziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Wie Abb.2 zeigt äußert sich das rechtsextremistische Weltbild in Einstellung und Verhalten der jeweiligen Personen. Das Verhalten impliziert dabei das Wahlverhalten, Mitgliedschaft bei extremistischen Vereinen oder Organisationen, Gewalt und Terror sowie Protest und Provokation. Diese Verhaltensweisen müssen nicht auf alle Rechtsextremisten zutreffen, sind aber typisch für ein rechtsextremistisches Weltbild.

Zu den Einstellungen zählen Autoritarismus, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus sowie Pro-Nazismus. Auch hier gilt, dass nicht alle Einstellungen bei jedem gleich stark ausgeprägt sein müssen, sondern in ihrer Stärke und Vielfalt durchaus variieren.

Das rechtsextremistische Weltbild wird von nationalistischen und rassistischen Anschauungen geprägt. Dabei herrscht die Auffassung vor, dass die ethnische Zugehörigkeit zu einer Nation oder Rasse über den Wert des Menschen entscheide. Rechtsextremisten treten in aller Regel für ein autoritäres politisches System ein. Das Weltbild gewaltbereiter Rechtsextremisten ist diffus. Ihr Lebensgefühl wird von fremdenfeindlichen, oft rassistischen sowie gewaltbejahenden Ressentiments geprägt. Sie treten mit spontanen Gewalttaten und aggressiver, volksverhetzender Musik in Erscheinung.

(vgl. Verfassungsschutzbericht Dtschl. 2004, S.32)

Ein weiteres typisches Merkmal für Rechtsextremismus ist die stark ausgeprägte Feindbildkonstruktion. Dabei kommt es meist zu einer Unterteilung in „gut“ und „böse“ sowie „Freund“ und „Feind“. Diejenigen Gruppen, die in dieser Feindgruppenhierarchie am gefährlichsten erscheinen, werden in den Status von Sündenböcken erhoben, um für alle Missstände des Systems verantwortlich gemacht zu werden. So stellen vor allem Sozialisten, Kommunisten, Feministinnen, nationale Minderheiten, Juden, Farbige und Asylanten potentielle Zielgruppen rechtsextremer Agitation dar. Diese Sündenbockkonstruktion eignet sich hervorragend dazu, von den eigentlichen Ursachen existierender Misslichkeiten sozialer und ökonomischer Natur abzulenken. Dazu dienen rasch greifbare, möglichst wehrlose und immer austauschbare Zielgruppen, die im nationalen, mentalen, politischen, religiösen, ideologisch oder rassisch definierten Belangen von der jeweilig gültigen Norm abweichen. (vgl. Griesenauer/Schröttner 2002 S.19f)

5.2 Die rechte Szene in Österreich

Eine der bekanntesten rechtsextremistischen Skinheadgruppierungen ist Blood & Honour, welche über „Divisionen“ in den verschiedensten Ländern verfügt. In Österreich ist Blood & Honour seit 1998 aktiv. Laut Stand 2001 gibt es Gruppen in Vorarlberg, Tirol und Wien, wobei sich die Hauptaktivitäten im Bereich Vorarlberg vollziehen, da diese durch ihre geografische Lage gute Kontakte zu den deutschen Divisionen pflegen. Da Blood & Honour aber mittlerweile verboten ist, ist nicht klar ob diese Gruppen in Österreich auch nach dem Verbot noch existieren (im Gegensatz zu Deutschland).

(vgl. Sägefisch 2001, S.30)

Aus dem Verfassungsschutzbericht der Republik Österreich geht hervor, dass in Österreich nur eine kleine Anzahl der Skinheads eine rechtsextreme Gesinnung haben. Weiters lässt sich ein Großteil der Szene weder von Parteien vereinnahmen noch instrumentalisieren.

Die gewaltbereiteste Ebene der rechtsextremen Szene stellt allerdings trotzdem die Skinhead- Szene dar. Traditionsgemäß sind auch die Verbindungen zur rechtsextremen Szene Deutschlands sehr intensiv.

Die zentrale Bedeutung des Mediums Internet als nationale und internationale Propaganda-, Informations- und Verabredungsplattform nahm in allen Bereichen der rechtsextremen Szene bis ins Jahr 2004 weiter zu[9]. Leider werden fast im ganzen Bericht keine genauen Zahlen genannt, bzw. wird nicht verraten, ob solche überhaupt vorliegen.

„Die Hauptinteressen der rechtsextremen Szene lagen im Jahr 2004 in der Ideologieverbreitung, der Nachwuchsarbeit und der politischen Positionierung. Nationalsozialistische, revisionistische, fremdenfeindliche, rassistische und antisemitische Grundhaltungen prägten dabei die Aktivitäten dieses Milieus. Die Agitation ging dabei von einschlägigen Vereinen, nicht im Parlament vertretenen politischen Parteien, diversen Vorfeldorganisationen und sonstigen Personenverbindungen wie Freundeskreisen, Bünden usw. sowie von einigen meist bereits einschlägig nach dem Verbotsgesetz Verurteilten Einzelaktivisten der Revisionisten- und Neonaziszene aus.“

(Verfassungsschutzbericht Österreich 2005, S.25)

Auch zu der Anzahl der Skinheads in Österreich sowie zu Rechtsextremisten allgemein, oder deren Internetaktivitäten gibt es keine Zahlen. Die Formulierungen des Verfassungsschutzberichts sind sehr vage. Es ist meist nur von einem leichten Anstieg die Rede, ohne dies durch Zahlen zu belegen. Die einzige Statistik des Berichts betrifft rechtsextremistische Tathandlungen. Somit ist zu vermuten, dass die anderen Erläuterungen auch von diesen Zahlen ausgehen. So gab es beispielsweise 2003 264 rechtsextremistische, 26 fremdenfeindliche und 9 antisemitische Tathandlungen. Dies ergibt für das Jahr 2003 eine Summe von 299. Im Jahr 2004 gab es 189 rechtsextremistische, 23 fremdenfeindliche und 17 antisemitische Tathandlungen, was somit eine Summe von 229 Tathandlungen und einen Rückgang bedeutet.

Bei der Internet-Meldestelle für NS Wiederbetätigung des Bundesministeriums für Inneres gingen im Jahr 2004 - 160 Hinweise ein. Dies besagt aber nicht, dass diese Hinweise ausschließlich österreichische Web-Auftritte betreffen. Man kann daher keinen Rückschluss auf die Anzahl der rechtsextremistischen Homepages in Österreich ziehen, denn die Hinweise könnten sich genausogut auf ein und dieselbe Homepage beziehen.

(vgl. Verfassungsschutzbericht Österreich 2005, S.38f)

Im Vergleich zu Deutschland, oder zu einem Land, das noch kleiner ist als Österreich, nämlich der Schweiz erscheinen die Zahlen und der Bericht nicht besonders dramatisch. Somit kann man in Österreich von einer relativ kleinen rechtsextremistischen Szene ausgehen, was auch die Internet-Recherche bestätigt, da mit Ausnahme einer Burschenschaft und einer Online-Zeitung keine klar rechtsextremistischen österreichischen Internet-Auftritte gefunden werden konnten.

[...]


[1] ( vgl. http://www.internetworldstats.com/stats.htm [20.04.2006])

[2] (vgl. http://www.bmi.bund.de/ [16.06.2006]

[3] URL: Uniform Recourse Locator: Adresse einer Homepage im Internet

[4] Aktuellste Zahlen: 58% für das 1.Quartal 2006 [Stand: 02.06.2006]

[5] (vgl.: http://scholar.google.at/ [16.06.2006])

[6] (vgl. http://www.bmi.bund.de [16.06.2006])

[7] Eine Kommunikationsplattform zum Austausch von Gedanken und Meinungen im Internet

[8] Personen, die vor allem im Rahmen bestimmter Sportereignissen (besonders häufig beim Fußball) durch aggressives Verhalten auffallen

[9] (vgl.: http://www.bmi.gv.at/downloadarea/staatsschutz/VSB_05.pdf [16.06.2006])

Ende der Leseprobe aus 152 Seiten

Details

Titel
Rechtsextremismus im Internet
Untertitel
Ein Vergleich von rechtsextremen Skinheadhomepages mit Kameradschaftshomepages im deutschsprachigen Raum
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Diplomarbeit Kommunikationsgeschichte
Note
gut
Autor
Jahr
2006
Seiten
152
Katalognummer
V121282
ISBN (eBook)
9783640254859
ISBN (Buch)
9783640254996
Dateigröße
2276 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rechtsextremismus, Internet, Diplomarbeit, Kommunikationsgeschichte
Arbeit zitieren
Mag. Sandra Hoffellner (Autor), 2006, Rechtsextremismus im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121282

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