Empathie in der kognitiven Filmtheorie


Seminararbeit, 2008

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Grundlagen der Empathie
2.1 Vorraussetzungen für Empathie
2.2 Definitionen von Empathie
2.3 Identifikation oder character engagement
2.4 Empathie und Sympathie
2.5 Das empathische Feld

3 Der Einsatz des menschlichen Gesichts
3.1 Die Übermittlung von Gefühlsinformationen
3.2 Die Emotionale Reaktion des Zuschauers

4 Der Einsatz filmischer Mittel
4.1 Kameraeinstellungen und Einstellungslängen
4.2 Narration und Handlung
4.3 Affektive Kongruenz

5 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Kognitivismus[1] als eigenständige Filmtheorie entstand in den 1980er Jahren und ist eigentlich eher ein Programm oder eine Methode als eine wirkliche Theorie. Er geht davon aus, dass unsere Reaktion auf einen Film ein rationaler Versuch ist, einen Sinn in den präsentierten Informationen zu erkennen. Außerdem liegt der Gedanke zugrunde, dass die hierfür verwendeten Mechanismen im Großen und Ganzen jenen entsprechen, die wir auch im wirklichen Leben anwenden.

Ein Aspekt, den die kognitive Filmtheorie untersucht, ist die Empathie.[2] Empathie ist in Bezug auf den Film das Nach- und Mitempfinden von dargestellten Emotionen, also das Teilen der Gefühle einer beobachteten Figur. Das heißt, auf das Gefühl eines anderen reagiert jemand mit demselben Gefühl, zwar nicht unbedingt mit der gleichen Intensität, jedoch mit derselben Gefühlsintention. Es geht bei der Empathie zunächst darum, die Emotionen einer anderen Person richtig einzuschätzen und im Anschluss dann diese Gefühle selbst zu übernehmen. Empathie ist fernerhin eng mit Sympathie verbunden, welche zugleich eine Grundlage für diese darstellt. Die Grenzen zwischen beiden verlaufen fließend.

Die vorliegende Arbeit untersucht die Definition und Wirkungsweise von Empathie nach der kognitiven Filmtheorie. Anhand von kognitivistischen, filmtheoretischen und psychologischen Texten erschafft sie ein umfassendes Verständnis der Thematik. Zentraler Leitfaden der Arbeit sind Texte von Carl Plantinga und Hans J. Wulff. Diese werden thematisch aufgeschlüsselt dargestellt und durch weitere Fachliteratur ergänzt.

Nacheinander erläutert werden die drei Aspekte, die verursachen, dass Empathie entstehen kann. Der erste sind die Grundlagen und Vorrausetzungen der Empathie, der zweite ist die Gefühlsübertragung über das menschliche Gesicht und der dritte ist die filmtechnische Umsetzung der entsprechenden Szenen.

2 Die Grundlagen der Empathie

2.1 Vorraussetzungen für Empathie

Die erste Grundvoraussetzung für Empathie, die jeder gesunde Mensch auch besitzt, ist die Fähigkeit, zwischen sich selbst und einem fremden Subjekt oder Objekt unterscheiden zu können[3]. Im Weiteren muss der Zuschauer grundsätzlich empathiebereit sowie –fähig sein[4] und das Vermögen, Empathie zu entfalten, entwickelt sich bereits im Kindesalter.[5] Allerdings bleibt es unklar, wie früh sich bei einem Kind tatsächlich die Fähigkeit zu Empathie ausbildet. Bereits Babys reagieren freudig beim bloßen Blickkontakt, dies könnte zwar einerseits als eine empathische Reaktion des Kindes gedeutet werden, andererseits könnte dies aber auch nur ein Vorläufer des wirklichen empathischen Vermögens sein, das noch nicht vollends ausgeprägt ist. Allgemein hält Norma Deitch Feshbach fest: „Empathie beginnt früh, aber sie wird mit zunehmendem Alter immer differenzierter und angemessener...“[6]. Auch im Erwachsenenalter bleibt die tatsächliche Empathiefähigkeit bei verschiedenen Personen unterschiedlich stark ausgeprägt, viele schreiben beispielsweise Frauen eine höhere Empathiefähigkeit als Männern zu[7].

Eine weitere Vorrausetzung für Empathie stellt die Existenz von universell verständlichen Emotionen dar, und zwar fünf bis sechs Basisemotionen (z.B. Angst oder Wut), die global und unabhängig von lokalen sowie kulturellen Einflüssen verstehbar sind.[8] Plantinga fasst zusammen „dass die universelle Verständlichkeit des mimischen Ausdrucks ein zugrunde liegendes, angeborenes ‚Programm’ voraussetze, das den mimischen Ausdruck jeder Basisemotion steuert“[9]. Dies würde bedeuten, dass diese Basisgefühle allgemein verständlich sind, da sie durch allen Menschen angeborene Impulse ausgelöst und auch verstanden werden. Zwar sind soziale und kulturelle Einflüsse immer vorhanden und jene Gefühle, die nicht zu den Basisemotionen gehören, können sich in verschiedenen Kulturen stark unterscheiden, die Empathie im Film kann jedoch Gebrauch von diesen universellen Emotionen machen.

Zuletzt sind auch die Rezeptionsbedingungen eines Filmes eine wichtige Vorraussetzung für die Entwicklung von Empathie.[10] Die Rezeptionssituation spielt eine Rolle, da es im Kinosaal zum Beispiel auch eine Übertragung von Gefühlen unter den Zuschauern gibt. In einem Publikum, das mit den Emotionen eines Filmes ‚ mitgeht ’ fällt das Empathisieren wesentlich leichter als in einem Publikum, das dies nicht tut.

2.2 Definitionen von Empathie

„Frühere Definitionen von Empathie sind entweder eher kognitiv (…) oder eher affektiv (…) orientiert. Spätere kognitive Definitionen erfassen Empathie mit Begriffen wie Rollenübernahme, Perspektiveübernahme oder soziales Verständnis.“[11]

Feshbach jedoch stellt fest, dass Empathie zwar eine affektive, also intuitive, Reaktion des Zuschauers ist, aber dennoch durch kognitive Faktoren, also erlernte und angeeignete Vorrausetzungen beim Zuschauer, bedingt wird.[12] Das Ausmaß einer der beiden Faktoren ist hierbei auch von den Umständen, die eine Person umgeben, abhängig, wie etwa Alter und Persönlichkeit. Im Zusammenwirken von kognitiven und affektiven Prozessen sieht Feshbach drei Faktoren:

(1) Die kognitive Fähigkeit, affektive Hinweisreize bei anderen wahrzunehmen und zu definieren, (2) die reifere kognitive Fähigkeit, Perspektive und Rolle einer anderen Person zu übernehmen, und (3) emotionale Reaktionsbereitschaft als die Fähigkeit, Emotionen selbst zu erleben.[13]

Auch Plantinga hält einige für ihn besonders relevante Merkmale der Empathie fest.[14] Empathie bezeichnet für ihn sowohl eine Fähigkeit als auch einen Prozess. Zunächst einmal geht es nach Plantinga bei der Empathie nicht um eine einzige Emotion, sondern um „ein ganzes Bündel unterschiedlicher Emotionen“[15]. Des Weiteren setzt Empathie für ihn eine Reihe von Fähigkeiten voraus und zwar nachzuvollziehen, was in einer anderen Person vorgeht, sowie darauf reagieren zu können. Plantingas Definition von Empathie lautet:

„Empathie kann mehrere unterschiedliche Gefühle zeitigen, die sich auseinander entwickeln und ineinander übergehen. Sie umfasst sowohl kognitive wie physiologische, willkürliche und unwillkürliche Prozesse, sowohl die Möglichkeit, sich die Befindlichkeit einer Figur von außen vorzustellen, wie – in vermutlich begrenzten Fällen – die Vorstellungen diese Figur zu sein. Am wichtigsten ist jedoch, dass sie auf dem zeitlichen Prozess der Narration beruht und sich im Verbund mit dem Strom von Bewertungen und Vermutungen entfaltet, die durch diese Narration angeregt werden.“[16]

[...]


[1] Der folgende Überblick zur kognitiven Filmtheorie stützt sich auf Currie 1999, S. 105.

[2] Der folgende Überblick zur Empathie stützt sich auf Feshbach 1989, S. 77.

[3] Vgl. Feshbach, S. 78.

[4] Vgl. Wulff 2002, S. 109f. und Plantinga 1999 b, S. 18.

[5] Die folgenden Darlegungen zur Entwicklung der Empathie bei Kindern stützen sich auf Feshbach 1989, S. 78.

[6] Feshbach 1989, S. 78f..

[7] Vgl. Plantinga 1999 b, S. 8.

[8] Die folgenden Darlegungen zu den Basisemotionen stützen sich auf Plantinga 1999 b, S. 9-11.

[9] Plantinga 1999 b, S. 9.

[10] Die folgenden Darlegungen zur Rezeptionssituation stützen sich auf Plantinga 1999 a, S. 243.

[11] Feshbach 1989, S. 77f..

[12] Die folgenden Darlegungen zu Feshbachs Definition von Empathie stützen sich auf Feshbach 1989, S. 78.

[13] Feshbach 1989, S. 78.

[14] Die folgenden Darlegungen zu Plantingas Definition von Empathie stützen sich auf Plantinga 1999 b, S. 14f..

[15] Plantinga 1999 b, S. 14.

[16] Plantinga 1999 b, S. 17.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Empathie in der kognitiven Filmtheorie
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft - Seminar für Filmwissenschaft)
Veranstaltung
Kognitive Filmtheorie
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V121558
ISBN (eBook)
9783640261222
ISBN (Buch)
9783640261420
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kognitive Filmtheorie, Empathie, Zuschauer, Kognitivismus, Theorie, Film, empathisch, kognitivistisch
Arbeit zitieren
Theresa Hartig (Autor), 2008, Empathie in der kognitiven Filmtheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/121558

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