Essay zum Film „If…“

Gewalt verursacht Gewalt: Darstellung des Zusammenhangs am Beispiel des Filmes und anhand theoretischer Überlegungen


Essay, 2004

9 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhalt

1. Zusammenfassung des Filmes „If…“ von Lindsay Anderson

2. Gewalt verursacht Gewalt: Stellen Sie diesen Zusammenhang am Beispiel des Filmes dar. Verwenden Sie dafür vorliegende
theoretische Überlegungen.

3. Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung des Filmes „If…“ von Lindsay Anderson

„If…“ ist der bedeutendste Spielfilm des britischen Regisseur Lindsay Anderson, der in den 50er- und 60er-Jahren zu den wichtigsten Protagonisten des Free Cinema in England gehörte. Der Film entstand im Umbruchjahr 1968 und wurde vor allem in den USA schnell sehr populär beim jüngeren, besonders studentischen Publikum.

Der Autor griff in "If" das autoritäre Bildungssystem an mit einer Geschichte über die Eskalation der Gewalt an einem Internat. Der Film schildert den erbitterten Widerstand einer kleinen Gruppe von Schülern einer englischen public school gegen die dort herrschenden hierarchischen, strengen Machtstrukturen. Dieses autoritäres Über- und Unterordnungssystem setzt voraus, dass die jüngeren Schüler den Befehlen der älteren, ihrem Wohlwollen und ihrer Macht ausgesetzt sind. Zucht und Ordnung überlasst die Schulleitung also einer Gruppe der ältesten Schüler, die ganz im Geiste der konservativen Elite und im Sinne der jahrhundertealten Schultradition handeln.

Am Beispiel von drei Oberschülern, die gegen dieses Kastenschema Widerstand leisten (Mick und seine beiden Freunde Johnny und Wallace), seziert Regisseur Lindsay Anderson das klassische Autoritäts-Modell, indem er es schichtweise in seine Einzelteile zerlegt. Die sich konsequent auf ein eskalierendes Ende zuspitzende Handlung wird nur selten durch klare, mutwillige Folgen durchgesetzt, in denen sich die Jungen ungezwungen und sorglos geben können. Bei einer Kleiner Ausflug mit einem geklauten Motorrad lernt Mick ein junges, selbstbewusstes Mädchen kennen. Freizügigkeit und Sexualität sind für ihn die konkreten Gegensätze zu dem System, dem er ausgeliefert ist. Das Mädchen spielt in dem Film eine wesentliche Rolle, da sie am Ende mit Mick und seinen Freunden zum bewaffneten Angriff übergeht, nachdem sie alle schon bei einer militärischen Übung den Aufstand geprobt hatten. Bei den prächtigen Festlichkeiten zum 500jährigen Bestehen der Schule, an dem sich Vertreter des Establishments (Königshaus, Kirche, Militär) beteiligen, haben Freunde einen Brand gelegt und vom Dach der Schule aus auf die chaotisch laufenden Menschen geschossen. Es dauerte nicht lange, bis diese sich unter der Führung eines Generals anordnet und das Feuer erwidert haben. Es kam zum offenen Kampf, dessen Maschinengewehrsalven in den Schlusschoral überleiten haben.

Lindsay Anderson präsentiert in seinem Film ein vernichtendes Bild des englischen Privatschulsystems, das als eine Metapher für die Gesellschaft im Allgemeinen betrachtet sein sollte. Das zeitliche Kollidieren seiner Umsetzung und Darstellung mit den internationalen Schüler und Studentenrevolten war Zufall, und die grundsätzlichen Spannungen zwischen Hierarchie und Anarchie, Unabhängigkeit und Tradition, Freiheit und Gesetz, bestehen immer.

Die schockierende Vision einer blutigen Revolte enthält die Aufforderung, umzudenken und neu anzufangen, bevor es zu spät ist. In diesem Sinne ist der Film heute noch aktuell.

„If…“ erhielt 1969 in Cannes die Goldene Palme. Neben weiteren internationalen Preisen und Auszeichnungen bekam er in der Bundesrepublik die Bewertung “besonders wertvoll”. ” Die Evangelische Filmgilde wählte den Film zum “Besten Film des Monats September 1969”, weil er “... auf das explosive Verhältnis der Generationen in aller Welt zielt“.

2. Gewalt verursacht Gewalt: Stellen Sie diesen Zusammenhang am Beispiel des Filmes dar. Verwenden Sie dafür vorliegende theoretische Überlegungen.

Die Handlung des Films „If“ kann man kann man auf Sutterlütys theoretische Überlegungen übertragen. Obwohl Sutterlüty von den Erfahrungen innerhalb der Familie erzählt, kann man auch die Jungen aus dem Film als „Familie“ betrachten, da sie in einem Internat leben, indem sie ihre Sozialisation erfahren müssen.

Sutterlüty besagt, dass die Bedingungen im Elternhaus beziehungsweise innerhalb der Erziehung der Jugendlichen die wesentlichen Faktoren für die Entstehung eines Gewaltpotenziales bilden. In seinem Buch „Gewaltkarrieren“ konfrontiert uns der Autor mit dem Begriff der Missachtungserfahrung. Als Missachtungserfahrungen werden hier familiäre Ausgrenzungen, Entzug der eigenen Subjektivität, Verweigerung der Wertschätzung durch Eltern oder Erniedrigung und soziale Degradierung definiert. Die Formen der Missachtung reichen also von „passiver Anerkennungsverweigerung“ bis hin zu „Handlungen der aktiven Demütigung“. Viele von den Jugendlichen, die befragt worden sind wurden häufig von ihren Eltern weggegeben, so dass sie für längere Zeit bei Großeltern, anderen Angehörigen oder auch im Heim untergebracht wurden. Als Folgen solcher Handlungen, wurden manche der Jugendlichen straffällig. Als dauerhafte und vor allem tief greifende Folgen von regelmäßigen Missachtungsehrfahrungen müssen die fundamentalen Veränderungen im Selbstbild der Betroffenen angesehen werden. Aufgrund der abwertenden Stellung der Familie gegenüber den Jugendlichen kommt es schließlich zu einer negativen Veränderung des Selbstkonzeptes.

Auch in dem Film können wir ähnliche Verhältnisse beobachten. Eigenständiges, individuelles Denken wird bestraft, während Anpassung und Befolgung von Regeln als allerhöchste Priorität angesehen werden. Das klassische Autoritäts- Model, das den Jungen eingeprägt wird, führt dazu, dass die jüngeren Schüler den Befehlen der älteren, ausgesetzt sind. Mick und seine beiden Freunde Johnny und Wallace werden von den Lehrern und älteren Aufsichtsschülern diskriminiert aufgrund ungewöhnlicher Frisuren, und hauptsächlich aufgrund dessen, dass sie ihre eigene Individualität durchsetzen wollen.

Ein weiteres Aspekt, das Sutterlüty hervorhebt, besteht darin, dass die beschriebenen Personen den Ohnmachterfahrungen ausgesetzt werden. Der Begriff bezieht sich auf das persönliche Gefühl der Wehr- und Hilflosigkeit und dem der eigenen Handlungsunfähigkeit in Situationen, in denen Gewalt am eigenen Körper erfahren wird oder auch gewalttätige Handlungen gegenüber dritten Personen wie den Geschwistern oder der Mutter miterlebt werden. Es handelt sich hierbei also um direkte oder indirekte körperliche Erlebnisse, in denen Kinder zu Opfern von Gewalt werden. Dieser Prozess nennt Sutterlüty -„Viktimisierung“ und erklärt, dass die Kinder sich dem Täter ohnmächtig ausgeliefert sehen, dass die Situationen, in denen sie geschlagen werden, nicht beeinflussen können (direkte Viktimisierung). Bei der indirekten Viktimisierung hängt die physische Wehrlosigkeit mit der Unfähigkeit zusammen, die Opfer vor Gewalt schützen zu können und dem Geschehen tatenlos zusehen zu müssen.

Auch solche Situationen finden wir bei Anderson. Die Schüler müssen andauernd mit neuen unberechenbaren Angriffen rechnen, z.B. während einer Unterrichtsstunde ein Lehrer schlägt oder würgt mit seinen Händen immer wieder einen der Schüler ohne besonderen Grund. Da die Jungs Angst haben, wehren sie sich nicht und akzeptieren die schlimmsten Torturen, das sehen wir deutlich in der Szene, in der Mick, Wallace und Johnny in der Turnhalle von den Aufsichtsschülern über eine Stange zu gebeugt, mit einem Stock geschlagen werden. Hier haben wir mit dem Begriff indirekten Viktimisierung zu tun, da die anderen Schüller, die lautes Aufklatschen des Stockes bemerken, hören auf sich zu unterhalten und leiden mit den geschlagenen Jungs zusammen. Obwohl sie dass Gewalt nicht am eigenen Körper erfahren, sind sie still und verängstigt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Essay zum Film „If…“
Untertitel
Gewalt verursacht Gewalt: Darstellung des Zusammenhangs am Beispiel des Filmes und anhand theoretischer Überlegungen
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,1
Autor
Jahr
2004
Seiten
9
Katalognummer
V122062
ISBN (eBook)
9783640265350
ISBN (Buch)
9783640265367
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essay, Film
Arbeit zitieren
Eliza Bodsch (Autor), 2004, Essay zum Film „If…“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122062

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Essay zum Film „If…“



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden