Die Digitalisierung der Filmkultur


Seminararbeit, 2007
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Mutationsära

3. Konsequenzen der Mutationsära

4. Nach der Mutationsära

5. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Digitalisierung der Medien und so auch des Films ist nicht mehr aufzuhalten, die Mutationsära ist mitten im Prozess. Die genauen Folgen der Digitalisierung kann niemand voraussagen, einige Konsequenzen sind jedoch derzeit schon absehbar. So z.B. die Tatsache, dass digital Gespeichertes anders als die alten Filmmaterialien kein sicheres Medium darstellt, zugleich jedoch aber eine nie zuvor gesehene Vervielfältigung und somit Zugänglichkeit zu Filmen ermöglicht. Andere Konsequenzen wiederum sind nicht genau vorhersagbar, es gibt jedoch zahlreiche Überlegungen, wie sich die Filmkultur entwickeln könnte in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten.

Ausgehend von dem Interview mit Alexander Horwath (Direktor des Österreichischen Filmmuseums) bezüglich dieses Themas[1], sowie weiteren meist sehr aktuellen Publikationen setzt sich diese Arbeit damit auseinander, was die Mutationsära überhaupt ausmacht und diskutiert sowohl absehbare als auch lediglich mögliche Konsequenzen der Digitalisierung, sowie deren Bedeutung für Filmmuseum und Filmwissenschaft. Aufgrund des aktuellen Themas der Arbeit wurde größtenteils auf Publikationen der letzten Jahre zurückgegriffen (vgl. Literaturverzeichnis).

2. Die Mutationsära

Bereits 1988 schrieb Bernhard Emese: „Wir dürfen […] nicht vergessen, daß, wenn der Film seine Kreativität nicht verlernt, er alle Möglichkeiten annehmen und verwerten muß, auch die Filmcomputer“[2]. Schon damals hielt Emese die Digitalisierung des Films für fast unaufhaltbar und inzwischen befinden wir uns längst in der von Alexander Horwath so genannten Mutationsära (vgl. Oswald et al. 2005). Doch was genau bezeichnet eigentlich diese Mutationsära?

Wir befinden uns in einer Übergangsphase in der nach und nach alles digitalisiert wird. Visionäre sagen eine Zeit voraus, in der alles menschliche Wissen digital gespeichert sein wird, Bücher, Musik, Filme, Fotos und außer einigen wenigen Museumsexemplaren werden alle anderen Materialien verschwunden sein.[3]

Auch der Film macht eine entscheidende Veränderung durch, zu vergleichen vielleicht mit der Entwicklung des Ton- oder des Farbfilms. Die möglichen Konsequenzen, die die Digitalisierung mit sich bringt, sind jedoch wesentlich einschneidender. Die außergewöhn-liche Situation in welcher sich der Film derzeit befindet, ist die Koexistenz des Alten und des Neuen. Größtenteils wird nach wie vor auf Film gedreht. Es ist jedoch auch nichts Neues mehr, dass Filme digital gefilmt oder vollkommen digital erzeugt werden, wie es noch vor wenigen Jahren der Fall war.

Vorerst waren digitale Elemente als Teil eines Films ausschließlich in den Spezialeffekten zu finden, etwa um das Weltall darzustellen oder vielleicht auch einige Miniaturmenschen aus der Ferne. Kleinere digitale Überarbeitungen sind längst normal geworden. Es ist nichts Besonderes mehr, wenn beispielsweise der Himmel in einer Aufnahme digital bearbeitet wird, um ein anderes Wetter zu schaffen und bleibt vom Zuschauer oft unbemerkt. „[S]elbst Low-Budget-Produktionen [können] heute problemlos auf digitale Tricks und visuelle Effekte zurückgreifen“.[4] In diesem Bereich ist die Digitalisierung also längst schon etabliert.

Vollständig digitale Filme sind einerseits jene, welche „traditionell“ gefilmt werden, jedoch nicht auf einen Filmstreifen, sondern von Anfang an ausschließlich digital gespeichert werden und andererseits jene, die vollkommen digital am Computer erzeugt werden.

Noch 1999 war es eine große Neuheit, als der Regisseur Ben Stassen den ersten IMAX 3D Film der komplett aus dem Computer stammte veröffentlichte. Die Besonderheiten der Produktion des digitalen Films werden hier deutlich sichtbar. Es handelt sich um eine bedeutende Filmproduktion und einen Film, der weltweit in den IMAX Kinos laufen wird. Produziert wurde er schlicht und einfach irgendwo in einer gewöhnlichen Brüssler Wohnstraße.[5]

Die Mutationsära betrifft jedoch nicht nur die Produktion von Filmen, sondern auch die Reproduktion und die Projektion. Seit einigen Jahren gibt es für jedermann die DVD, ein praktisches, kleines, digitales Speichermedium, das inzwischen den Markt erobert hat. Die DVD nimmt den Platz der analogen VHS-Videokassette ein und ist ein Bereich in dem sich die Digitalisierung bisher deutlich durchsetzen konnte.

Auch die digitale Projektion wurde entwickelt. Die Anschaffung dieser Technik ist allerdings für die Kinos sehr kostspielig und riskant in Zeiten von stetig kleiner werdenden Besucher-zahlen.

Die Mutationsära betrifft ebenfalls die bereits vorhandenen Filme, welche auf Film vorliegen. Diese werden teilweise umkopiert auf digitale Medien, um sie digital zu restaurieren oder einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

Ob die Digitalisierung sich in der Filmkultur durchsetzen kann, hängt einerseits davon ab, ob sie von den Filmemachern angenommen wird. Dass derzeit die Mehrheit der Filmemacher nach wie vor auf Film dreht, führt Professor Thomas Haegele, Leiter des Instituts für Animation, Visual Effects und digitale Postproduktion der Filmakademie Baden-Württemberg, darauf zurück „dass viele einfach noch nicht mit der neuen Technologie umgehen können und auch das Vertrauen in die neuen Techniken noch nicht da ist“ (o.A. In: Kors (Hg.) 2005: 178). Ein weiterer Punkt, der für viele gegen die Verwendung digitaler Medien spricht, sind die enormen Kosten der digitalen Filmproduktion. Häufig wird betont, dass diese Kosten noch so hoch seien und bei der stetigen Entwicklung von neuen Techniken ist es durchaus vorstellbar, dass die Kosten eines Tages erschwinglicher werden. Philipp Hahn ist sogar der Meinung, dass man durch Verwendung der High Definition Technik bei Low- und No-Budget Produktionen bereits drastische Einsparungen machen kann.[6] Die Verwendung digitaler Mittel nimmt jedoch trotz allem bei der Filmproduktion stetig zu und es scheint wahrscheinlich, dass sich diese in Zukunft letztendlich doch durchsetzen könnte.

Denn ob die digitalen Medien sich letztendlich durchsetzen, hängt andererseits auch vom Benutzer ab. Für diesen bringt die Digitalisierung viele Veränderungen mit sich. So sind etwa digitale Spezialeffekte auch für Hobbyfilmer mit einem gewöhnlichen Computer schon längst kein Problem mehr und in einer Zeit, in der die Computer ständig schneller, kleiner und zugleich performativer werden, wird auch das Erschaffen digitaler Filme für den Amateurfilmer immer leichter. Überhaupt ist die einfache Handhabung ein häufiges Argument des Benutzers für die digitalen Medien.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist aber auch die Art und Weise, wie die Digitalisierung dem Benutzer durch die Werbung und Medien präsentiert wird. Digitale Medien werden dem Benutzer als das Neue, das Moderne, die Medien der Zukunft vorgestellt. Ihm stellt sich also gar nicht die Frage, ob er die digitalen Medien annehmen soll oder nicht, da die für ihn dargestellte Situation sagt, sie sind die Zukunft, und sie werden sich mit Sicherheit durchsetzen. Die Werbung vermittelt dem Benutzer den Eindruck, dass er unbedingt jeder neuen digitalen Entwicklung folgen müsse, um seiner Zeit nicht hinterher zu hinken.

Ein weiterer Umstand ist die Gewöhnung des Zuschauers an digitale Bilder, mit welchen er tagtäglich konfrontiert wird. Unter anderem trägt die DVD zur Verbreitung digitaler Bilder bei, als beliebtes Medium, was jedoch zugleich den Zuschauer in seiner Sichtweise entscheidend prägt. Das digitale Bild wird deutlich anders wahrgenommen als das traditionelle. Dies hängt damit zusammen, dass beim traditionellen Bild „die Position des Korns innerhalb eines von Zufällen bestimmten Rahmens im Bild tanzt“ während „die Pixel des digitalen Bildes einem starren Raster unterworfen“[7] sind. Das eine Bild wirkt perfekter, das andere natürlicher. Was sich aber letztendlich durchsetzt, hängt nicht allein von einem Faktor wie der Bildqualität ab. Bei Horwath heißt es diesbezüglich:

Die cinephilen Puristen, die glauben, damit argumentieren zu müssen, dass ein 35mm-Bild immer schärfer, schöner und farbenprächtiger aussehen wird als ein digitales, haben zwar im Moment noch recht, sind aber auf dem falschen Dampfer: Vor allem in Sicht des breiten Publikums, die ja mehr im Alltag an digitale Bildtexturen gewöhnt werden, führt der technologische Wandel dazu, dass irgendwann, vielleicht schon jetzt, das digital projezierte Bild als richtiger erlebt wird, weil es den sonstigen visuellen Wahrnehmungsgewohnheiten mehr entspricht. (Oswald et al. 2005)

[...]


[1] Horwath, Alexander in Interview durch Oswald, Stefan et al. (2005): Eine Mutationsära – Alexander Horwath im Gespräch. URL: http://www.allesfilm.com/show_article.php?id=22022 [Stand: 20. März 2007].

[2] Emese, Bernhard (1988): „Das wirklich wirkliche Kino. Eine wahre Geschichte von der Wirklichkeit des Films um die Jahrtausendwende“. In: Filmfaust 67, 16-21.

[3] vgl. Horak, Jan-Christoph (2003): „Old Media Become New Media: The Metamorphoses of Historical Films in the Age of Their Digital Dissemination“. In: Loiperdinger, Martin (Hg.): Celluloid Goes Digital – Historical-Critical Editions of Films on DVD and the Internet. Proceedings of the First International Trier Conference on Film and New Media, October 2002. Trier: WVT, 13.

[4] o.A. (2005): „Alles ist machbar – doch wie weit soll man gehen? Panel: Special Effects – mehr als Zauberei“. In: Kors, Johannes (Hg.): Medientage München 2004. Merging Media – Potenziale und Konsequenzen der Digitalisierung. Berlin: Vistas, 178.

[5] vgl. Jekubzik, Günter H. (1999): „Digitaler Kino-Exote. Ein 3D-Film auf dem Spielplan der IMAX-Kinos“. In: Film-Dienst 9/1999, 19.

[6] vgl. Hahn, Philipp (2005): Mit High Definition ins digitale Kino. Entwicklung und Konsequenzen der Digitalisierung des Films. Marburg: Schüren, 53-58.

[7] Flückiger, Barbara (2005): „Das digitale Kino: Eine Momentaufnahme“. In: Hahne, Marille (Hg.): Das digitale Kino. Filmemachen in High Definition mit Fallstudie. Marburg: Schüren, 131.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Digitalisierung der Filmkultur
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft - Seminar für Filmwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die Filmgeschichte
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V122901
ISBN (eBook)
9783640274185
ISBN (Buch)
9783640274253
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
digitalisierung, digital, film, filmkultur, filmwissenschaft, filmgeschichte, mutationsära, konsequenzen, filmmuseum, übergangsphase
Arbeit zitieren
Theresa Hartig (Autor), 2007, Die Digitalisierung der Filmkultur , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122901

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