Gewalt im Sport am Beispiel der NHL


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1 Einleitung

Die National Hockey League (NHL) ist eine seit 1917 bestehende Eishockey Profiliga in Nord- amerika und gilt als die spielerisch beste Eishockeyliga der Welt. Die NHL ist aufgeteilt in zwei Konferenzen mit insgesamt 30 Mannschaften, davon kommen 24 Mannschaften aus den Verei- nigten Staaten und der Rest aus Kanada. Jede Konferenz hat drei Divisionen und jede Division besteht aus fünf Mannschaften. Durch die zusätzliche Aufnahme zweier weiterer Mannschaften in der Saison 2000-200l, Columbus Blue Jackets in der Central Division, sowie die Minnesota Wild in die Northwest Division, konnte sichergestellt werden, dass alle Divisionen die gleiche Anzahl an Mannschaften haben (NHL 2007a).

Eishockey ist eine Kontaktsportart in der bestimmte Formen von Gewalt Bestandteil des Spiels sind. Neben dem erlaubten Verdrängen des Gegners vom Puck durch Checks existieren diverse unerlaubte Formen von Gewalt, wie Checks von hinten, Checks mit dem Ellenbogen, Faust- schläge. Dass die Grenzen des fairen Spiels des Öfteren überschritten werden zeigt exempla- risch die 2007 verhängte Strafe gegen Chris Simon von den New York Icelanders. Er bekam eine Sperre von 30 Spielen, die längste je verhängte in der NHL-Geschichte (NHL 2007b).

Eishockey wird in zwei große Regelschulen aufgeteilt, die der NHL und die der IIHF. In Nor- damerika wird vorwiegend nach den NHL Regeln gespielt während der Rest der Welt nach IIHF-Regeln spielt. Die größten Unterschiede zwischen den beiden Regelwerken sind die kleinere Eisfläche, Touch-Icing und die Behandlung von Schlägereien. Wennberg schreibt in „Collision frequency in elite hockey on North American versus International size rinks“, dass es eine inverse Korrelation zwischen der Größe der Eisfläche und der Kollisionsrate gibt. Mit steigender Kollisionsrate wiederum steigt das Verletzungsrisiko. Die Verwendung der größeren internationalen Eisfläche, könnte das Kollisionrisiko und damit auch das Verletzungsrisiko sen- ken (Wennberg, 2004).

Von den internationalen Regeln abweichend wird beim Touch-Icing verfahren. Hierbei pfeift der Schiedsrichter das Spiel erst ab, wenn ein Spieler der verteidigenden Mannschaft den Puck berührt hat. Erreicht ein Spieler der angreifenden Mannschaft den Puck zuerst, geht das Spiel ohne Unterbrechung weiter. Das Touch-Icing soll den Spielfluss verbessern. Die Regel wird kritisiert, da es beim Versuch den Puck als Erster zu erreichen oft zu Verletzungen kommt.

Schlägereien werden in der NHL lediglich mit fünf Minuten geahndet (Regel 47.l4). Nach IIHF-Regeln werden Faustkämpfe (Regel 528) mit fünf Minuten, Ausschluss vom Spiel und eventuellen weiteren Spielsperren geahndet. Chris J. Larry und M. Leith haben in ihrer Studie:

„comparison of North American and European born NHL players“ untersucht inwieweit die Gewaltbereitschaft durch Frustration aus dem Spiel heraus entsteht oder ob es sich um einen sozialen Lerneffekt handelt. Dafür verglichen sie NHL-Spieler nach ihrer Herkunft und fanden heraus, dass europäische Spieler weniger aggressive Fouls begehen, dieser Unterschied ist nach drei Jahren Spielpraxis in der NHL nicht mehr nachweisbar (Larry/Leith, 2007).

Bei der Untersuchung der Spielergehältern zeigte sich, das in den Mannschaftskadern der NHL zwei Kategorien von Spielern vertreten sind: Enforcer für das aggressive Spiel und technisch versierte Spieler für die Tore. Beide Spielercharaktere weisen verschiedene Gehaltsstrukturen auf. (Jones/Nadeau/Walsh, l997, S. l98ff.). Diese Arbeit behandelt das Thema Gewalt im Sport am Beispiel der NHL. Dazu wird der Zusammenhang zwischen Gewalt und den Zuschauerzah- len/Eintrittspreisen untersucht. Paul geht in seiner Arbeit „Variations in NHL Attendance - The Impact of Violence, Scoring, and Regional Rivalries“, dieser Frage nach. Für seine Untersu- chung verwendet Paul bereits etablierte Ansätze anderer Modelle und erweitert diese. Somit ist sie in hohem Maße geeignet den Zusammenhang darzustellen (Paul, 2003).

Im folgenden Kapitel „Darstellung der Variablen - theoretische Grundlagen“, wird auf die Variablen und erwarteten Ergebnisse des Modells genauer eingegangen. Darauf folgt der Me- thodenteil in dem das Modell vorgestellt wird. Hieran anschließend befasst sich Kapitel vier mit den empirischen Ergebnissen der Regression. Die gewonnen Erkenntnisse werden in einem abschließenden Fazit einer kritischen Würdigung unterzogen.

2 Darstellung der Variablen - theoretische Grundlagen

Die in dieser Arbeit dargestellte Arbeit von Paul untersucht diverse Faktoren die Einfluss auf die Zuschauerzahlen und Eintrittspreise haben. Bei der Darstellung der Studie wird vor allem der verwendeten Variablen für Gewalt Beachtung geschenkt und unter Berücksichtigung wei- terer Kontrollvariablen der Einfluss von Gewalt auf die Anzahl der Zuschauer und die Höhe derEintrittspreise (Paul, 2003).

Im folgenden wird zunächst der von Paul verwendete Datensatz, die verwendeten Variablen für Gewalt sowie die verwendeten weiteren orts- und teamspezifischen Variablen dargelegt.

Die von Paul benutzten Variablen orientieren sich an den bereits von Jones, Ferguson, Stewart (l993) und Jones, Stewart, Sunderman (l996). Die in ihren Untersuchungen ebenfalls den Ein- fluss von Pro-Kopf-Einkommen, Bevölkerungsgröße der Stadt, Zeitpunkt der Spiele und der Erfolg der Mannschaft, sowie den Einfluss von Gewalt.

Paul benutzt in seiner Regression Daten der Eishockeysaison l999–2000 der NHL in deren Verlauf l.l48 Spiele stattfanden. Die Colorado Avalanche, Detroit Red Wings und die Dallas Stars waren in der Saison l999–2000 immer ausverkauft. Die Zuschauerzahlen für diese drei Mannschaften weisen daher keine Varianz auf und werden aus dem Datensatz ausgeschlossen. Dadurch verringert sich die Anzahl an Beobachtungen auf 984 Spiele (Paul, 2003, S. 35l).

Für den Saisonverlauf werden drei Variablen in das Modell aufgenommen. WEEKEND ist eine Variable für die Wochenendspiele. Spiele die am Wochenende stattfinden sollten höhere Zuschauerzahlen aufweisen, da die opportunitätskosten geringer sind als in der Woche. A priori wird erwartet, dass der WEEKEND-Koeffizient positiv ist. OPNIGHT ist ein Dummy für das Eröffnungsspiel der Saison. Die Eröffnungsspiele werden von besonderen Feiern und Aktivitäten begleitet, daher werden mehr Zuschauer erwartet. Die nach der Saisoneröffnung folgenden Spiele, werden im Modell durch oCT für oktober repräsentiert. Es wird vermutet, dass das Interesse nach den Eröffnungsfeiern niedriger ist und zum Ende der Saison steigt. Bis in die Monate März und April wird um die letzten Playoffplätze gespielt. Ein negativer Koef- fizient für OCT und ein positiver Koeffizient für die letzten beiden Monate vor den Playoffs LATE wäre die Konsequenz (Paul, 2003, S. 348).

PoP und INC sind Variablen für die Bevölkerung und das Einkommen des Ballungsraumes. Die Einwohnerzahl und das Pro-Kopf-Einkommen des Ballungsgebietes sollten sich positiv auf die Eintrittspreise auswirken. Um andere professionelle Sportarten als Substitute zu untersu- chen, werden Dummys für Baseball, Football und Basketball aufgenommen. Sind die anderen Sportarten Substitute, sollten die Dummys positive und statistisch signifikante Werte liefern.l

Der Playofferfolg der Heimmannschaft hat vermutlich einen positiven Einfluß auf die Zuschau- erzahlen. Mannschaften die eine ausgezeichnete reguläre Saison spielen, aber keinen Erfolg in den Playoffs haben könnten am Ende weniger beliebt sein. Um dies zu untersuchen wurde ein Dummy für den Playofferfolg PLAYoFF des Vorjahres eingefügt. Zusätzlich wurde die Variable RD2 eingefügt, welche beschreibt ob die Mannschaft es in den Playoffs in die nächste Runde geschafft hat. Es wird erwartet, dass Playofferfolg und das Erreichen der nächsten Runde (PLAYoFF, RD2) einen positiven Effekt auf die Zuschauerzahlen hat.

Die nächste Kategorie exogener Variablen sind die Eigenschaften der Heimmannschaft. Es wird erwartet, dass Fans siegende Mannschaften bevorzugen. Je öfter eine Mannschaft gewinnt, desto mehr Zuschauer werden erwartet. Der Koeffizient für die Tore der Vorsaison (PTS) und die durchschnittlichen Punkte pro Spiel der Vorsaison (PPG) sollten signifikant und positiv sein.

Da vermutet wird, dass die Fans viele Tore sehen möchten, wird dafür ebenfalls eine Variable eingeführt. GF gibt die gesamten Tore der letzten Saison an und GPG die durchschnittliche Anzahl an Toren pro Spiel der letzen Saison. Wenn diese Vermutung korrekt ist, muss der Koeffizient positiv sein.

Verschiedene Arten von Proxys werden mit unterschiedlichen Erfolg für die Darstellung von Gewalt genutzt. Strafminuten, kleine und große Strafen und anders strukturierte Strafzeitdaten werden als Proxys genutzt.

[...]


l Bei vorherigen Untersuchungen hatte die Einkommensvariable für die USA ein negatives Vorzeichen, die Schlussfolgerung ist: Eishockey ist in den USA ein inferiores Gut. Es be- steht die Möglichkeit, dass das Einkommen ein Proxy für andere professionelle Sportarten ist. In den genannten Arbeiten wurde aufgrund von Multikollinarität jedoch davon abgese- hen Variablen für die Sustitute einzuführen (Jones/Ferguson/Stewart, l993, S.73; Jones/ Stewart/Sundermann, l996, S.235).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Gewalt im Sport am Beispiel der NHL
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Seminar zur Empirischen Wirtschaftsforschung
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V124774
ISBN (eBook)
9783640298778
ISBN (Buch)
9783640303847
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt im Sport, NHL, Eishockey, empirische Wirtschaftsforschung
Arbeit zitieren
Jan Wolters (Autor), 2008, Gewalt im Sport am Beispiel der NHL, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/124774

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