Breitensportwirkungen durch Spitzenleistungen

Der Fall des Graf/Becker-Tennisbooms


Diplomarbeit, 2008

40 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe

3. Daten

4. Methoden und Ergebnisse
4.1 Grundlagen der Panelanalyse
4.2 Grundlagen des Difference-in-Difference Ansatzes
4.3 Difference-in-Difference Analyse einzelner Sportarten
4.4 Difference-in-Difference Analyse mehrerer Sportarten
4.5 Difference-in-Difference Analyse der Landesverbände des DTB

5. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: absolute Mitgliederentwicklung beim DTB

Abbildung 2: prozentuale Mitgliederentwicklung beim DTB

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: herausragende Leistungen deutscher Sportler

Tabelle A1: Wooldridge-Test auf Autokorrelation

Tabelle A2: DD Ergebnisse für den DTB bis 2007

Tabelle A3: DD Ergebnisse für den DTB bis 1999 und 1996

Tabelle A4: DD Ergebnisse für die gesamten Mitglieder ausgewählter

Sportverbände bis 2007

Tabelle A5: DD Ergebnisse für die jugendlichen Mitglieder ausgewählter

Sportverbände bis 2007

Tabelle A6: DD Ergebnisse für die erwachsenen Mitglieder ausgewählter

Sportverbände bis 2007

Tabelle A7: DD Ergebnisse für die gesamten Mitglieder ausgewählter

Sportverbände mit individuell angepassten Beobachtungszeiträumen

TabelleA8: DD Ergebnisse für jugendliche und erwachsene Mitglieder ausgewählter Sportverbände mit individuell angepassten

Beobachtungszeiträumen

Tabelle A9: DD Ergebnisse für die Betrachtung mehrerer Sportverbände bis und bis 1999

Tabelle A10: DD Ergebnisse für den Badischen Tennisverband bis 2007

Tabelle A11: DD Ergebnisse für den Badischen Tennisverband bis 1999 und 1996

1. Einleitung

Gerne erinnert man sich an die großen Erfolge deutscher Sportler. Boris Becker hechtete von einem Turniererfolg zum anderen. Steffi Graf peitschte Ihre Gegnerinnen mit einer sagenhaf- ten Vorhand aus den Stadien. Henry Maske verteidigte zehn Mal seinen IBF-Weltmeistertitel. Dieter Baumann gewinnt nach einem dramatischen Spurtfinale olympisches Gold über 5000m und Michael Schumacher dominiert die Formel-1 in seinem Ferrari…

Deutschland 2008: Der „Tennisboom“ – Steinzeit. Steffi Graf und Boris Becker dominieren höchstens noch die Boulevardzeitungen. Eingedeutschte Osteuropäer halten den Boxsport am Leben. Dieter Baumann ist der mit der Zahnpasta-Affäre und Michael Schumacher fährt nur noch Familienautos…

Deutschland ein Land ohne Stars? Verantwortliche, Funktionäre und Aktive in den Vereinen und Verbänden begründen die sinkenden Mitgliederzahlen schnell und gerne mit Aussagen wie: „Es gibt keine Vorbilder mehr, wir haben einfach keine Idole!“ Aber ist es tatsächlich so, dass Spitzenleistungen von Profisportlern einen signifikanten Einfluss auf den Breitensport ausüben?

Die Zusammenhänge zwischen den Erfolgen nationaler Athleten und den Entwicklungen der Mitgliederzahlen der Sportvereine werden in dieser Arbeit genauer untersucht. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei der Sportart Tennis und den großen Erfolgen von Steffi Graf und Boris Becker, die den deutschen „Tennisboom“ geprägt haben. Die Zeiten, in denen eine ganze Nati- on statt 1, 2, 3 nur 15, 30, 40 zählte, sind vorbei. Die Tennisvereine kämpfen ums Überleben und um ihre Mitglieder. Und immer wieder hört man nur: „Es fehlen einfach die Stars wie da- mals“ und nicht die Frage, was man anders oder besser machen kann. Neben der Sportart Tennis werden auch noch andere Sportarten auf mögliche Zusammenhänge untersucht. Zur Identifizierung der gesuchten Effekte wird ein Difference-in-Difference Model mit Level und Trend angewendet, das sich zu einem gängigen wirtschaftswissenschaftlichen Ansatz entwi- ckelt hat, um kausale Zusammenhänge zu schätzen und den Effekt eines bestimmten Ereignis- ses zu identifizieren.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut. Abschnitt 2 stellt zunächst die Hintergründe dar, Abschnitt 3 beschreibt die zur Verfügung stehenden Daten, Abschnitt 4 skizziert die angewendeten Me- thoden und Ergebnisse, bevor die Arbeit in Abschnitt 5 noch einmal zusammengefasst wird.

2. Hintergründe

Am 07. Juli 1985 hat es der damals 17-jährige Boris Becker geschafft, den Südafrikaner Kevin Curren im Finale von Wimbledon zu besiegen und war damit nicht nur der erste deutsche Wimbledonsieger im Herren-Einzel, sondern auch der erste ungesetzte und zugleich der bis dahin jüngste Spieler, der das wohl bekannteste Rasenturnier der Welt gewinnen konnte (HOFMANN, 1991, S.16). Boris Becker konnte im Laufe seiner Karriere 49 Turniere im Einzel gewinnen. Darunter feierte er 6 Erfolge bei Grand-Slam-Turnieren und 3 Siege der ATP- Weltmeisterschaft. Am 27. Januar 1991 gewinnt Boris Becker die Australien Open in Melbour- ne und führte zum ersten Mal die Herrenweltrangliste an. Er wurde zum Sportler des Jahres 1985, 1986, 1989 und 1990 geehrt und war über lange Zeit für die meisten Bundesbürger der herausragende nationale Athlet.

Zwei Jahre nach dem kometenhaften Aufstieg Beckers gelang es einer weiteren Deutschen, den Tennis Olymp zu erklimmen. Steffi Graf gelang ebenfalls mit nur 17 Jahren der große Durchbruch im Damentennis. Am 17. August 1987 übernahm sie durch einen Sieg im Finale des Turniers von Los Angeles die Führung in der Damenweltrangliste vor der bis dahin weltbesten Tennisspielerin Martina Navratilova. Ebenfalls in diesem Jahr feierte sie ihren ersten Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier. Sie war zu diesem Zeitpunkt die jüngste French-Open-Gewinnerin aller Zeiten. 1988 gewann Steffi Graf neben der Goldmedaille in Seoul alle vier Grand-Slam- Turniere. Sie konnte insgesamt 107 Turniersiege einfahren, stand 377 Wochen auf Platz eins der Weltrangliste und wurde in den Jahren 1986, 1987, 1988, 1989, und 1999 zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt (SPORTHELDEN.DE, 2008a).

Steffi Graf und Boris Becker waren die Personifizierungen des deutschen Tennis. Sie schafften es innerhalb weniger Jahre, aus dem als versnobt geltenden Elite-Sport ein Volksvergnügen zu machen (POHLE, 2000, S.17). Es kam zu Aufnahmestops in den Tennisvereinen und das Me- dieninteresse am „weißen Sport“ war größer denn je. Die Zahl der Mitglieder des DTB stieg zwischen 1985 und 1995 von rund 1,7 Millionen auf 2,3 Millionen den bisher höchsten Stand (DTB, 2008a).

1996 konnten Graf und Becker ihre letzten großen Turniersiege feiern. Steffi Graf gelang in diesem Jahr u.a. noch der Sieg bei den French Open, in Wimbledon und bei den US Open. Be- cker gelang in seinem letzten Erfolgsjahr u.a. noch ein Sieg bei den Australien Open und des Grand Slam Cups. Von nun an ging es mit dem deutschen Tennis bergab. Steffi Graf geriet zu- sammen mit ihrem Vater Peter Graf in einen Steuerskandal. Der körperliche Verschleiß machte sich langsam bemerkbar und Graf musste immer öfter die Teilnahme an großen Turnieren absagen. 1997 wurde sie von Martina Hingis als Weltranglisten Erste abgelöst und 1998 wurde sie erstmals seit 1983 nicht mehr in der Weltrangliste geführt. Auch bei Boris Becker fand die aktive Laufbahn langsam ein Ende. 1997 wurde er zum Teamchef der Deutschen-Davis-Cup- Mannschaft gewählt. Im Jahr 1999 gaben dann sowohl Steffi Graf als auch Boris Becker ihren Rücktritt vom Profisport bekannt und es fehlte an jungen Nachwuchsspielern, die in die riesi- gen Fußstapfen treten konnten.

Nachfolgend wird zunächst die absolute und dann die prozentuale Mitgliederentwicklung des DTB veranschaulicht und einer ersten, grundlegenden Analyse unterzogen. Als Datenbasis die- nen die gesamten Mitgliederzahlen des DTB von 1948 bis 2008.

Abbildung 1: absolute Mitgliederentwicklung beim DTB

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten eigene Darstellung: Quelle: DTB (2008b)

Betrachtet man die langfristige Mitgliederentwicklung, erkennt man, dass sich die Mitglieder- zahlen in den Erfolgsjahren von Graf und Becker auf dem absolut höchsten Stand befanden und seither kontinuierlich sinken. Diese Feststellung gibt einen ersten Hinweis darauf, dass hier ein Zusammenhang zwischen dem sportlichen Erfolg von Profisportlern und dem Breiten- sport bestehen könnte. Ob sich die Mitgliederzahlen im Tennis aufgrund der Spitzenleistungen von Graf und Becker tatsächlich besser entwickelt haben, als die anderer Sportverbände, soll im Laufe der Arbeit geklärt werden.

Abbildung 2: prozentuale Mitgliederentwicklung beim DTB

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten eigene Darstellung: Quelle: DTB (2008b)

Bei der prozentualen Betrachtungsweise lässt sich erkennen, dass die prozentual größten Mitg- liederzuwächse in den 70er Jahren erzielt wurden. Diese Entwicklung wird häufig mit dem Wirtschaftsaufschwung der 70er Jahre verbunden. Neben dem Eigenheim und dem Auto wur- de die Mitgliedschaft in einem Tennisverein zum Wohlstandssymbol. Der Tennisverein wurde zum Schauplatz des sozialen Aufstiegs erklärt. Es stellt sich die Frage, ob es den eigentlichen Tennisboom nicht schon in den 70er Jahren gab und die Erfolge von Graf und Becker nur noch eine verstärkende Wirkung hatten.

3. Daten

Im Laufe der Arbeit wird auf unterschiedliches Datenmaterial zurückgegriffen. Es stehen die Mitgliederzahlen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für seine olympischen und nicht-olympischen Spitzenverbände von 1974 bis 2007, sowie die Mitgliederzahlen des Deut- schen Tennisbundes (DTB) für seine Landesverbände von 1981 bis 2007 zur Verfügung.

Der DOSB führt jährlich eine umfangreiche Bestandserhebung für die Spitzenverbände durch. Die in der Bestandserhebung enthaltene „altersmäßige Aufschlüsselung der Spitzenverbände“ unterteilt die Mitglieder in verschiedene Altersgruppen und nach Geschlecht. Da es für einige Sportverbände im Bereich der Jugendlichen keine genaue Aufgliederung gibt und sich die Al- tersgruppen im Bereich der Erwachsenen im Laufe der Erhebungen von 1974 bis 2007 mehr- mals verändert haben, wird in den Untersuchungen nur in die Gruppen Jugendliche und Er- wachsene unterschieden. Weiterhin werden nur die olympischen Spitzenverbände berücksich- tigt. Die nicht-olympischen Spitzenverbände (wie z.B. Alpenverein, Billard, Kegeln, Minigolf oder Schach u.a.) wurden als irrelevant für die Untersuchung erklärt und aus der Betrachtung herausgelassen. Einzige Ausnahme stellt die Sportart Golf dar. Sie wurde auf Grund ihrer ge- sellschaftlich ähnlichen Stellung zum Tennis als einzige nicht-olympische Sportart in Analysen aufgenommen. Es werden nur Sportarten berücksichtigt, für die Daten über den gesamten Betrachtungszeitraum von 1974 bis 2007 vorliegen. Die Sportarten Base-/ Softball, Snowboard, Taekwondo und Triathlon, werden dadurch aus den Untersuchungen isoliert. Eine Besonder- heit im Datenmaterial ist die Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland. Der Zu- wachs der Mitglieder, der durch die deutsche Wiedervereinigung generiert wurde, muss in den Analysen berücksichtigt werden, damit die Ergebnisse nicht verfälscht oder die Veränderungen fälschlicherweise einem sportlichen Ereignis zugeschrieben werden.

Der DTB ist heute in 18 Landesverbände (Baden, Bayern, Berlin-Brandenburg, Hamburg, Hes- sen, Mecklenburg-Vorpommern, Mittelrhein, Niederrhein, Niedersachsen, Nordwest (Bre- men), Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, Westfalen und Stuttgart) aufgeteilt. Er führt für seine Landesverbände jährlich eine Bestands- erhebung durch, in der die Landesverbände Angaben über ihre Mitglieder nach Altersgruppen und Geschlecht machen müssen. Auch in den Daten des DTB gab es über die Jahre der Erhe- bung Veränderungen. Die Zahlen der Landesverbände Rheinland-Pfalz und Saarland wurden bis 1984 gemeinsam unter Rheinland-Pfalz erfasst. Ab 1985 wurde der Saarländische Tennis- verband gesondert aufgeführt. Um eine einheitliche Datenbasis über den gesamten Betrach- tungszeitraum zu erhalten, wurden die Mitgliederzahlen für beide Mitgliedsverbände in den Jahren von 1985 bis 2007 zu Rheinland-Pfalz/Saarland addiert. Mit der deutschen Wiederve- reinigung sind die Mitgliedsverbände Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen neu in den DTB aufgenommen worden und der Berliner Tennisverband wurde zum Tennisverband Berlin-Brandenburger. Die Mitglieder der neuen Bundesländer wurden erstmals 1991 mit in die Bestandserhebungen aufgenommen. Die Daten der neuen Landesver- bände finden in den Untersuchungen keine Beachtung, da für die Jahre vor 1991 keine Daten vorliegen. Der Zusammenschluss des Landesverbandes Berlin zu Berlin-Brandenburg und der damit verbundene Anstieg der Mitgliederzahlen muss wiederum in den Analysen berücksich- tigt werden.

Beide Datensätze lagen nur in nicht digitaler Form vor und wurden für die Datenanalyse digita- lisiert und aufbereitet. Das vorhandene Datenmaterial wurde in EXCEL digitalisiert und für den Einsatz des Statistikprogramms STATA in das sogenannte „lange Format“ gebracht. Paneldaten können im „breiten“ und im „langen“ Format abgebildet werden. Im breiten Format stellt jede Beobachtung des Datensatzes ein Individuum dar und die Variablen werden durch die zu ver- schiedenen Zeitpunkten an diesen Individuen vorgenommenen Beobachtungen abgebildet. Im langen Format sind die Beobachtungen die Individuen zu einem bestimmten Zeitpunkt und die beobachteten Eigenschaften stellen die Variablen dar (KÖHLER, KREUTER, 2006, S. 251).

Neben einer ausführlichen Analyse der Mitgliederzahlen des deutschen Tennisbundes werden auch andere Sportarten auf mögliche Zusammenhänge zwischen den Leistungen nationaler Sportler und den Mitgliederzahlen ihrer Sportverbände untersucht. Hierzu wurden zunächst einige Sportarten identifiziert, in denen deutsche Athleten große Erfolge verzeichnen konnten, die mit denen von Graf und Becker gleichzusetzen sind. Tabelle 1 zeigt die fünf Sportarten, die in die Untersuchung aufgenommen wurden. Die genannten Erfolge der Sportler sind nur die jeweils ersten herausragenden Ergebnisse, die erzielt wurden, und die zu besonderer Aufmerk- samkeit und Anerkennung geführt haben.

Tabelle 1: herausragende Leistungen deutscher Sportler

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten eigene Darstellung

Michael Schumacher ist sicherlich ein weiterer deutscher Sportler, der in dieser Aufstellung eigentlich nicht fehlen dürfte. Er überzeugte jahrelang im Motorsport durch überragende Leis- tungen, gewann unzählige Titel und brachte die ganze Nation ins Forme1-Fieber. Im Motor- sport fehlt jedoch der Bezug zum Breitensport, da u.a. die Eintrittskosten für den Sport sehr hoch sind. Eine Analyse für den Motorsport kam somit nicht in Betracht.1

4. Methoden und Ergebnisse

4.1 Grundlagen der Panelanalyse

Charakteristisch für Paneldaten ist, dass Beobachtungen für N Beobachtungsträger zu T ver- schiedenen Zeitpunkten vorliegen (GREENE, 2003, S. 283). Die Paneldatenanalyse ist eine Kombination aus Zeitreihen- und Querschnittsanalyse. Paneldaten enthalten sowohl die Zeit- reihen- als auch die Querschnittsdimension. Die Querschnittsdimension bilden die verschiede- nen Beobachtungsträger (i=1,…,N) und die Längsschnittdimension bilden die Beobachtungen, die für diese Beobachtungsträger zu unterschiedlichen Zeitpunkten (t=1,…,T) vorliegen. Bei der Untersuchung wirtschaftswissenschaftlicher Zusammenhänge bringt die gemeinsame Einbe- ziehung beider Dimensionen eine Reihe von Vorteilen mit sich. Hier ist die Analyse von dyna- mischen Anpassungen zu nennen, die durch die wiederholten Beobachtungen der gleichen Beobachtungsträger möglich wird. Weiterhin sind Effizienzgewinne durch eine verbreiterte Informationsbasis möglich, da Paneldaten über mehr Variation und weniger Kollinearität in den Variablen und eine höhere Anzahl an Freiheitsgraden verfügen. Ein grundlegendes Prob- lem der Paneldatenanalyse hingegen stellt die Wahl eines geeigneten Schätzmodells dar (BAL- TAGI, 2001, S. 5 ff). Um einer möglichen Heterogenität der Beobachtungsträger Herr zu wer- den stehen das Fixed-Effects-Modell und das Random-Effects-Modell als Ansätze zur Verfü- gung. Den Rahmen für beide Ansätze liefert die OLS-Regression. In der allgemeinsten Form, lediglich mit der zu erklärenden Variablen Y, zwei erklärenden Variablen X 1 und X 2 und dem Fehlerterm u, stellt sich die Schätzgleichung wie folgt dar:

Durch spezielle Restriktionen der oben abgebildeten Gleichung lassen sich nun die verschiede- nen Schätzansätze darstellen.

Motorsport können eventuell über eine Analyse der Einschaltquoten bei TV-Übertragungen, dem Verkauf von Fach- zeitschriften oder der Nachfrage nach Merchandise-Artikeln aufgezeigt werden.

Im Fixed-Effects-Modell wird der Individualität der Beobachtungsträger Rechnung getragen. Im Gegensatz zur gepoolten Regression wird für jeden Beobachtungsträger eine individuelle Kons- tante zugelassen. 2Die neue Schätzgleichung lautet dann:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Konstante α trägt nunmehr nur noch den Index i, dies bedeutet, dass sie nur noch über die Beobachtungsträger aber nicht mehr über die Zeit hinweg variiert. Das Fixed-Effects-Modell kommt zur Anwendung, wenn die individuellen mit den unabhängigen Variablen korrelieren. Eine solche Korrelation würde bei einer gepoolten Regression generell dazu führen, dass die zu schätzenden Koeffizienten die individuellen bzw. zeitlichen Fehler mit aufnehmen und daher verkehrt geschätzt werden. Diese verzerrende Wirkung der individuellen Fehler wird im Fixed- Effects-Modell durch die spezifische Konstante für jeden Beobachtungsträger eliminiert (HSIAO, 2003, S.30 ff).

Das Random-Effects-Modell findet seine Ausgangsformulierung ebenfalls in Gleichung (2). Die Konstante wird jetzt jedoch nicht mehr als fixer Wert für jeden Beobachtungsträger ange- nommen, sondern als Variable aufgefasst. Sie hat einen Erwartungswert von α, der für alle Beobachtungsträger identisch ist, es gilt zusätzlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ν i ist dabei eine beobachtungsträgerspezifische Zufallsvariable mit dem Erwartungswert 0 und konstanter Varianz. Die grundlegende Interpretation dieser Formulierung beinhaltet, dass die Gruppe der Beobachtungsträger eine zufällige Ziehung aus einer großen Grundgesamtheit darstellen könnte. Diese haben dann denselben Erwartungswert für die Konstanten, aber die Heterogenität spiegelt sich im Zufallsterm s i wider. Durch einsetzen von (3) in (2) folgt die neue Schätzgleichung:

[...]


1 Eventuelle Zusammenhänge zwischen den sportlichen Erfolgen Schumachers und dem nationalen Interesse am

2 Bei der gepoolten Regression handelt es sich um die einfachste Form der Panelanalyse. Hierbei wird die Heteroge- nität in der Zeit- und Querschnittsdimension vollkommen Vernachlässigt, implizit wird also die völlige Homogenität der Beobachtungsträger unterstellt. Die gesamte (mögliche) Heterogenität unter den Beobachtungsträgern und über die Zeit hinweg wird hierbei nur über den Fehlerterm abgebildet und ist somit rein zufällig. Dieser Ansatz unterliegt besonders der Gefahr von Fehlspezifikationen und misst nur einen durchschnittlichen Zusammenhang, der die Realität eventuell nur bedingt widerspiegelt.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Breitensportwirkungen durch Spitzenleistungen
Untertitel
Der Fall des Graf/Becker-Tennisbooms
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
40
Katalognummer
V127041
ISBN (eBook)
9783640392704
Dateigröße
806 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Breitensportwirkungen, Spitzenleistungen, Fall, Graf/Becker-Tennisbooms
Arbeit zitieren
Dipl.-Kfm. Sven Jacobsen (Autor), 2008, Breitensportwirkungen durch Spitzenleistungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127041

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