Alterspyramide und soziales Systeme


Referat (Ausarbeitung), 2006
24 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Alterspyramide
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Altersgliederung
2.3 Idealtypische Alterspyramiden
2.3.1 Pyramidenform
2.3.3 Bienenkorbform
2.3.4 Glockenform
2.3.5 Urnenform
2.3.6 Birnenform
2.3.7 Tropfenform
2.4 Reelle Formen von Alterspyramiden
2.4.1 Pyramidenform am Beispiel Ägypten
2.4.2 Bienenkorbform am Beispiel Bulgarien
2.4.3 Urnenform am Beispiel der BRD

3. Zukunftsperspektiven für Deutschland

4. Folgen der Bevölkerungsentwicklung
4.1 Veränderungen Arbeitsmarkt
4.2 Auswirkungen Wirtschaft
4.3 Auswirkungen soziale Sicherungssysteme

5. Lösungsvarianten
5.1 Familienpolitik
5.2 Einfluss Wanderungsbewegung
5.3 Aufgabe Gesundheitssystem
5.4 Arbeitsmarktpolitik

6. Schlussbetrachtung

7. Glossar

8. Anhang

9. Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Im weltweiten Durchschnitt wächst die Bevölkerung immer stetiger, sodass sich berechtigt die Frage nach der Tragfähigkeit der Erde stellt. Während die Bevölkerung in beispielsweise Indien fast zu explodieren droht, entsteht am anderen Ende der Welt, genauer gesagt in vielen Industrieländern, ein ganz anderes Bild. Seit Jahren weisen die Demographen in Deutschland darauf hin, dass sich die Bevölkerungsentwicklung tief greifend ändern wird, wobei diese Änderungen Konsequenzen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens haben werden. Natürlich sind diese Prozesse nicht nur auf die BRD allein beschränkt, sondern finden weltweit statt, jedoch immer mit regional sehr unterschiedlichen Ausprägungen (ROLOFF, J. 2003: 8). Da eine Analyse der Altersstrukturen und –entwicklungen für alle diese Länder an dieser Stelle jedoch zu weit führen würde, möchte ich meine folgenden Ausführungen speziell auf das Land in dem wir leben – die Bundesrepublik Deutschland – beziehen. Worin die Ursachen für den Bevölkerungsrückgang begründet sind, welche Folgen dieser hat und welche Lösungsansätze zur Behebung oder wenigstens Eindämmung dieses gravierenden Problems notwendig sein werden, möchte ich im nachfolgenden Referat erläutern.

2. Alterspyramide

2.1 Begriffsklärung

Die Altersstruktur gibt Auskunft über die aktuellen, zukünftigen, vergangenen und demographischen Prozesse (z.B. Geburten, Sterbefälle und Wanderungen). Dafür ist es wichtig den Altersaufbau einer Bevölkerung zu erfassen, wozu nicht nur Maßzahlen, sondern auch anschauliche Diagramme dienen sollen. Die Alterspyramide, auch Bevölkerungspyramide genannt, ist also ein modifiziertes Häufigkeitsdiagramm (BÄHR, J. 2004: 91).

2.2 Altersgliederung

Die Einteilung der Altersgruppen für die Analyse in einer Bevölkerungspyramide ist international gebräuchlich. Es wird nach drei Gruppen unterschieden:

1. Kinder und Jugendliche (0 bis14 bzw.19 Jahre) im nicht erwerbsfähigem Alter;
2. Erwachsene (15 bzw. 20 bis 59 oder 64 Jahre) im erwerbsfähigen Alter;
3. Senioren/ Personen im Rentenalter (60 bzw. 65 Jahre und älter) (BÄHR, J. 2004: 91)

2.3 Idealtypische Alterspyramiden

Idealtypische Alterspyramiden dienen zur Veranschaulichung der Dynamik innerhalb einer Bevölkerung.

Einteilung:

Im Aufbau der Pyramide trennt man die männlichen von den weiblichen Bevölkerungsanteilen. Diese sind mitsamt der Häufigkeiten auf der Abzisse abgetragen, während die Jahrgänge (man fasst meist zu 5-Jahrgangs-Gruppen zusammen) auf der Ordinate dargestellt werden (BÄHR, J. 2004: 92 f.).

2.3.1 Pyramidenform

Die Pyramidenform zeichnet sich durch eine konstant hohe Fertilitätsrate aus. Dieser Aspekt führt zu einer wachsenden Bevölkerung. Eine jährliche Geburtenzunahme, wonach jeder Neugeborenenjahrgang größer ist als der vorherige, ist Voraussetzungen für die Pyramidenform. Eine breite Basis veranschaulicht diese positiven Geburtenverhältnisse. Es herrscht eine zunehmende Sterberate im hohen Alter, was sich im Diagramm durch die allmähliche Zuspitzung bzw. Ausdünnung nach oben zeigt. Diese Form der Alterspyramiden ist typisch für Entwicklungsländer (BÄHR et. al. 1992: 177; DE LANGE 1991: 18; KULS & KEMPER 2002: 74; LEIB & MERTINS 1983:87).

2.3.3 Bienenkorbform oder stationäre Phase

Die Bienenkorbform zeichnet sich durch eine langjährige konstante Geburtenrate aus. Jeder Neugeborenenjahrgang ist ähnlich groß wie der vorhergehende. Die Zuspitzung dieser Bevölkerungspyramide geschieht relativ spät aufgrund einer gestiegenen Lebenserwartung und infolgedessen spät einsetzenden Mortalitätsraten.

Eine Zuordnung dieser Form würde wohl am ehesten den Entwicklungen in Industrieländern nahe kommen (BÄHR et. al. 1992: 177; DE LANGE 1991: 18; KULS & KEMPER 2002: 74; LEIB & MERTINS 1983:87).

2.3.4 Glockenform

Diese Form entsteht, wenn die stationäre Bevölkerung wieder anfängt zu wachsen, das bedeutet ein Anstieg der Fertilität, häufig verursacht aufgrund von raschem Wirtschaftswachstum, bei gleich bleibenden Sterblichkeitsraten. Das führt in folge dessen zu einem leichten Bevölkerungswachstum. Zuzuordnen wäre diese Form den Industrieländern (BÄHR et. al. 1992: 177; DE LANGE 1991: 18; KULS & KEMPER 2002: 74; LEIB & MERTINS 1983:87).

2.3.5 Urnenform

>Bei gleich bleibender Mortalität bzw. leicht rückläufiger Sterberate und abnehmenden Geburtenzahlen entsteht diese Alterspyramidenform.

Die Bevölkerung (besonders die junge Generation) schrumpft, denn jeder folgende Geburtenjahrgang ist kleiner als der vorangegangene. Während die jungen Bevölkerungsanteile abnehmen, sind die mittleren Altersjahrgänge besonders stark ausgeprägt. Diese Form ist typisch für Industrieländer (BÄHR et. al. 1992: 177; DE LANGE 1991: 18; KULS & KEMPER 2002: 74; LEIB & MERTINS 1983:87).

2.3.6 Birnenform

Wenn die Geburtenrate sehr schnell sinkt, entsteht diese Form infolge auf die verbreiterte Pyramidenform. Zunehmende Sterblichkeit im hohen Alter, sowie die Verminderung der Bevölkerung aufgrund des nachhaltigen Bevölkerungsrückgangs kennzeichnen die Birnenform, welche typisch für Entwicklungsländer ist (BÄHR et. al. 1992: 177; DE LANGE 1991: 18; KULS & KEMPER 2002: 74; LEIB & MERTINS 1983:87).

2.3.7 Tropfenform

Bei der Tropfenform fällt die Geburtenrate sehr plötzlich, schnell und extrem. Dieser abrupte Geburtenrückgang geht meist mit politischen und/oder wirtschaftlichen Krisen einher. Auch hier finden wir eine gleich bleibende, relativ spät einsetzende Mortalitätsrate vor, da die älteren Bevölkerungsteile nicht negativ von den Entwicklungen beeinflusst werden. Durch den konsequenten Ausfall der Geburtenrate kommt es zum Aussterben der Bevölkerung. Diese seltene Form ist den Industrieländern (kleinräumige Regionen) zuzuordnen, wo Migration eine größere Rolle spielt (z.B. Sun City/ Arizona 1990). Die Tropfenform kann aber auch bei kleinen Teilvölkern auftreten, wenn über Jahre hinweg der Nachwuchs ausbleibt (BÄHR et. al. 1992: 177; DE LANGE 1991: 18; KULS & KEMPER 2002: 74; LEIB & MERTINS 1983:87).

2.4 Reelle Formen von Alterspyramiden

2.4.1 Pyramidenform am Beispiel Ägypten

Die Pyramidenform von Ägypten ist durch folgende Faktoren in ihrem Aufbau gekennzeichnet:

Von 1966 bis 1992 wuchs die Bevölkerung in Ägypten um 82%. Bei einer jährlichen Wachstumsrate von einer Million, stellt diese rasche Zunahme der Bevölkerung das soziale und wirtschaftliche Problem dar. Etwa 40% der Einwohner waren 1990 jünger als 15 Jahre, während nur 4% älter als 65 waren. Gezielte Familienplanungsprogramme waren bisher nur wenig erfolgreich. Die Geburtenrate ist zwar rückläufig, jedoch trifft das ebenfalls auf die Sterberate zu (STATISTISCHES BUNDESAMT 1993).

2.4.2 Bienenkorbform bzw. stationäre Phase am Beispiel Bulgarien

Trotz bevölkerungspolitischer Maßnahmen stagniert das Bevölkerungswachstum in Bulgarien durch die sinkenden Geburtenraten. Bei der Sterberate ist ein leichtes Ansteigen aufgrund des zunehmenden Anteils der über 65-jährigen erkennbar (LEIB & MERTINS 1986). Langfristig ist hingegen zu sagen, dass die Bevölkerungszahlen abnehmen. Pro-natalistische Maßnahmen in den `60er und `70er Jahren führten kurzfristig zu einer Steigerung der Geburtenziffern, verfehlten jedoch langfristig ihre Wirkung. Eine Versorgung mit größerem Wohnraum für Familien hatte nur Einfluss auf Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen und finanzielle Anreize erwiesen sich als wenig interessant. Traditionelle Familienvorstellungen sind nur noch bei Bevölkerungsschichten mit niedrigem Bildungsstand erhalten geblieben.

Der Trend geht eher in die Richtung einer Kleinfamilie (STATISTISCHES BUNDESAMT 1991).

2.4.3 Urnenform am Beispiel der BRD

Entwicklung:

1910 konnte die Bevölkerungspyramide der BRD noch mit einer klassischen Pyramidenform verglichen werden. Ein breiter Sockel kennzeichnete einen hohen Jugendquotient und mit steigenden Altersjahren sanken die Bestände an älteren, und besonders sehr alten Menschen erheblich (ROLOFF, J. 2003: 9 f.).

Fast hundert Jahre später zeigt sich, dass der Altersaufbau Deutschlands eine rasante Entwicklung durchgemacht hat. Der Altersaufbau kann nun nicht mehr mit der Form einer Pyramide verglichen werden, sondern ähnelt wohl eher einem „ausgefransten Tannenbaum“ oder wie es in der Fachsprache heißt, einer Urnenform (ROLOFF, J. 2003: 10). Diese Form wird gekennzeichnet durch eine nur gering mit Altersgruppen besetzte Basis. Die stärker besetzten Jahrgänge verschieben sich, mitbedingt durch die rückläufige Sterblichkeit, in die höheren Altersgruppen.

Für das Jahr 2030 zeigt sich, dass die Veränderungen im Altersaufbau nicht mehr so rasant vonstatten gehen wie zwischen 1910 und 2000. Allerdings kommt es zu einer immer stärkeren „Verschmälerung“ des Umfangs des Altersaufbaus. Die Altersjahrgänge der 60 bis 80-jährigen sind dann die am stärksten besetzten (CORNELIUS, J. o.J.: 11 ff.).

Gründe:

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland wurde durch folgende Ereignisse geprägt:

- Die Verschiebungen in Bevölkerungsstruktur durch Weltkriege.
- Der Zustrom von Vertriebenen sowie Fluktuation größerer Bevölkerungsteile zwischen BRD und DDR.
- Die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte und derer Familien.
- Der neuerliche Schub durch den langfristig anhaltenden Rückgang der Kinderzahlen

(CORNELIUS, J. o.J.: 11 ff.).

Analyse:

Starke Einkerbungen im Altersaufbau (massiven Bevölkerungsreduktionen) sind für die BRD in den Geburtenausfällen vom ersten (1914/1918) und zweiten (1945) Weltkrieg, sowie aufgrund der Weltwirtschaftskrise um 1930 zu begründen. Ein starker Frauenüberschuss in den Altersjahrgängen ab 65 ist auffällig. Dieser wurde bedingt durch die Dezimierung der Männerjahrgänge während des zweiten Weltkrieges (ROLOFF, J. 2003: 10 ff.). Die Nachkriegsjahre sind zusätzlich durch einen Zustrom von Vertriebenen und Flüchtlingen geprägt, wobei relativ große Flüchtlingsströme in den `50er Jahren aus der DDR in die BRD zu verzeichnen sind (CORNELIUS, J. o.J.: 11 ff.). Weiterhin sind Einschnürungen bei jungen und sehr jungen Altersjahrgängen auffällig, die der geringen Geburtenentwicklung zuzuschreiben sind. Die mittleren und älteren Jahrgänge sind demgegenüber am stärksten besetzt (ROLOFF, J. 2003: 10). Die BRD erlebte in den 1950er und `60er Jahre (2) den so genannten „Baby-Boom“ – einen historischen Höchststand der Geburtenzahlen. Die zu erkennenden starken mittleren Jahrgänge sind durch dieses Phänomen zu begründen. Anfang der `70er Jahre resultierte aus dem „Baby-Boom“ ein Geburtenüberschuss, der sich in den `75er Jahren zu einem Geburtenrückgang veränderte (FUCHS, J. et. al. 2004: 122 ff.). Seit dieser Zeit ist die Bevölkerungsbilanz ununterbrochen negativ. Absolut starben seitdem Jahr für Jahr mehr Menschen als neu geboren wurden (DIETZ, B. 2004: 192 ff.). Typisch für die Urnenform, und am Bevölkerungsaufbau Deutschlands auch erkenntlich, ist das Ansteigen der Lebenserwartungen der alten Menschen. Der Anteil der alten Menschen zeigt eine fast kontinuierlich ansteigende Tendenz auf, die bei den 75-jährigen und älteren besonders stark ausgeprägt ist (CORNELIUS, J. o.J.: 70).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Titel
Alterspyramide und soziales Systeme
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Geographie)
Veranstaltung
Seminar Bevölkerungsgeographie
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V128762
ISBN (eBook)
9783640366422
ISBN (Buch)
9783656095521
Dateigröße
1584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alterspyramide, Soziales System, idealtypische Alterspyramiden, reelle Alterspyramiden, Zukunftsperspektive Deutschland, Folgen der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland, Alterspyramide Deutschland
Arbeit zitieren
Theresa Hiepe (Autor), 2006, Alterspyramide und soziales Systeme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/128762

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