Islamische Feste im Mittelalter


Hausarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Mondjahr

2. Der Freitag

3. Der Ramadan und das Fest des Fastenbrechens

4. Das Opferfest und die Pilgerfahrt

5. Das Neujahrsfest

6. Schiitische Feiertage
6.1. Nauruz
6.2. Das Aschura-Fest

7. Fazit

Literatur
Internetquellen

Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit den Festen und Bräuchen in den islamischen Gemeinden zu Zeiten des Mittelalters.

Ich werde die wichtigsten und größten Feste beleuchten und versuchen darzulegen, auf welche Art und Weise sie gefeiert werden. Ferner ist es für mich interessant zu analysieren, welche Anlässe zu Feierlichkeiten einen rein islamischen Ursprung besitzen und welche wiederum, Phänomene der Vorgeschichte einer bestimmten Region zuzuschreiben sind und vielleicht den Islam lediglich als Deckmantel benutzen.

Diese Arbeit ist so verfasst, dass sie ein gewisses Vorwissen über den Islam und dessen Geschichte voraussetzt. Ich werde nicht auf jedes politische Ereignis und die jeweiligen Dynastien, die zu einer bestimmten Zeit über ein bestimmtes Reich geherrscht haben, eingehen können.

Man weiß heute ziemlich genau, wie die Muslime im Mittelalter lebten und ihre Feiertage begingen. Nicht zuletzt dank des Reisenden Abdallah Muhammad bin Abdallah bin Muhammad bin Ibrahim al-Lawatiy at-Tangi, kurz Ibn Battuta, welcher im Jahre 1325 eine Reise von Marokko aus startete, welche 27 Jahre dauern und schätzungsweise 120.000 km lang werden sollte, weiß man heute, wie es in den muslimischen Reichen des Mittelalters aussah. Ibn Battuta beschreibt die Bräuche der einzelnen Völker detailliert und geht speziell auf die Rituale in Mekka ein. Die Chroniken des Marokkaners wurden zwar erst nach Beendigung seiner Reise aus dem Gedächtnis diktiert, gelten aber aufgrund der erwähnten Personen, welche mit exaktem Namen, Beinamen, Titel und teilweise mit Beruf genannt werden, als ziemlich verlässlich, da die meisten der genannten Personen mit anderen Quellen übereinstimmen. Dank dem Herausgeber und Übersetzer des alten Werkes Horst Grün gibt es diesen umfangreichen Bericht seit 2007 auch in deutscher Sprache.

Ferner stehen weitere enorm hilfreiche Reiseberichte zur Verfügung, wie zum Beispiel der von dem reisenden Perser Naser-e-Khosrou, welcher bereits im 11. Jahrhundert immer wieder sehr interessante Dinge erleben durfte in den verschiedensten Gegenden der islamischen Welt, wobei er nicht selten die Machthaber der jeweiligen Region persönlich kennenlernte.

Bei dieser Arbeit beschäftige ich mich ebenfalls mit dem Buch „Das islamische Jahr“ von Annemarie Schimmel (sie dozierte unter anderem als Professorin an der Universität zu Harvard).

Zudem behandele ich ebenfalls Werke von Heinz Halm und einen Bericht von dem Experten des islamischen Mittelalters Pater Josef Dreher von der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde Kairo.

Zunächst werde ich, um ein Verständnis für die islamische Zeitrechnung zu vermitteln, im ersten Kapitel den islamischen Mondkalender erläutern und kurz auf seine Entstehungsgeschichte eingehen.

Das zweite Kapitel behandelt den Freitag, dem im Islam eine wichtige Bedeutung zugesprochen wird. In diesem Kapitel werde ich erklären, wie dieser Tag im Mittelalter begangen wurde und was ihn im Groben von dem christlichen Sonntag als Feiertag unterscheidet.

Im dritten Kapitel analysiere ich die Eigenart des Fastenmonats Ramadan und das obligatorische gemeinsame Fastenbrechen am Abend (iftar). Anhand von Quellen zeitgenössischer Schreiber gibt es darüber detaillierte Angaben, wie zum Beispiel die Mamelukenherrscher die Iftare zu sich nahmen. In diesem Zusammenhang werde ich ebenfalls auf einen der größten Feiertage eingehen, welches unmittelbar nach Beendigung des Ramadans gefeiert wird, dem Fest des Fastenbrechens.

Die Vorgehensweise mittelalterlicher Muslime bei dem ähnlich großen Fest „Opferfest“, im Zuge dessen heute noch Anhänger des Islams Millionen von Opfertieren schlachten, versuche ich im vierten Kapitel zu beschreiben. Ich werde die Gründe für diesen besonderen Tag beleuchten und anhand von Versen aus der Übersetzung des Korans eine Erklärung für die Pilgerfahrt, während welcher dieses Fest stattfindet, suchen.

Das fünfte Kapitel widme ich zwei Feiertagen, die nur von Schiiten begangen werden: das Neujahresfest „Nauruz“ und das „Aschura-Fest“. Da die Schiiten lediglich zehn Prozent der der muslimischen Bevölkerung ausmachen, werde ich dieses Kapitel nicht so ausführlich gestalten wie die anderen.

1. Das Mondjahr

Während wahrscheinlich jeder in Deutschland und der restlichen christlichen Welt die Frage, in welchem Jahr wir uns befinden, mit starker Überzeugung mit 2007 beantworten würde, wäre es nicht ungewöhnlich, wenn ein frommer Muslim das Jahr 1428 angeben würde. Dieses Phänomen rührt daher, dass im Islam ein anderer Kalender verwendet wird als im Christentum.

Im Islam wird nicht die Geburt Jesu als Ausgangspunkt der Zeitrechnung gewählt sondern die Emigration des Propheten Muhammad im Jahre 622 aus seiner Heimatstadt Mekka (Makkah) in die 300 Kilometer entfernte Stadt Yathrib, welche darauf in Medina (Abkürzung für madinat an-nabi, „Stadt des Propheten“) umbenannt wurde. Dieses Ereignis ist bekannt als Hidschra (hidschri) und daher ist es üblich, ein h hinter der muslimischen Jahreszahl zu setzen im Gegensatz zu dem n.C..[1]

Das islamische Jahr ist ein reines Mondjahr und besteht aus 12 Monaten (1. Muharram, 2. Safar, 3. Rabi´ al-Awwal, 4. Rabi´ al-Achir, 5. Dschumada ´l-Ula, 6. Dschumada ´l-Achira, 7. Radshab, 8. Scha´ban, 9. Ramadan, 10. Schawwal, 11. Dhu ´l-Qada und 12. Dhu ´l-Hidschdscha), die jeweils aus 29 oder 30 Tagen bestehen. Da dieses Mondjahr aus 354 oder 355 Tagen besteht und kein Schaltmonat eingefügt wird, ergibt sich jährlich eine Verschiebung von zehn bis elf Tagen zu dem Gregorianischen Sonnenkalender.[2] Ein neuer Monat beginnt dann, wenn die erste schmale Mondsichel (hilal) von zwei Zeugen gesichtet wird. Da die Sichtung dieser Sichel von Kontinent zu Kontinent unterschiedlich ausfallen kann, kann es dementsprechend vorkommen, dass in einem Land ein neuer Monat ein Tag früher begonnen hat als in einem anderen.[3]

In vorislamischer Zeit wurde auf der arabischen Halbinsel ein Lunisolarkalender (ein Mondkalender, der alle drei Jahre einen 13. Schaltmonat vorsah, um die Verschiebung zu dem Sonnenkalender wieder aufzufangen) verwendet, der nach der Offenbarung abgeschafft wurde (Sure 9,37).[4] Das führte dazu, dass sich die Monate und die einhergehenden Feste im Laufe der Jahre durch alle Jahreszeiten hinweg bewegten, um die restlichen Erinnerungen an vorislamische Sitten und Rituale auszulöschen.[5]

In den Städten war dieses Ziel leicht erreicht. Die Landbevölkerung hingegen, welche auf die exakte Bestimmung der Hochwasser der Flüsse, dem Wechsel von warm zu kalt und den Beginn der Regenzeiten angewiesen war, nutzte zusätzlich noch den solaren Kalender.[6]

2. Der Freitag

Im christlichen Volksglauben heißt es, dass Gott in sechs Tagen die Welt erschuf und am siebenten Tag, dem Sonntag, ruhte und somit wurde der Sonntag von Kaiser Konstantin allgemein als Feiertag für die christliche Welt eingeführt, um diesen nicht mit Arbeit zu entweihen.[7] Ähnlich ist es im jüdischen Glauben der Samstag (Sabbath), an dem nicht gearbeitet wird und als heilig gilt.

Der Überlieferung nach hat Prophet Muhammad verkündet, dass die Muslime besonders den Freitag als Höhepunkt der Woche ehren sollen, um sich von den Juden und Christen zu unterscheiden. Sicherlich ist das nicht der einzige Grund, sondern findet man im Koran in der Sure 62, Vers 9 die Worte:

Wenn am Freitag zum Gebet gerufen wird, dann widmet euch

mit Eifer dem Gedenken Gottes und lasst den Handel so lange

ruhen. Das ist besser für euch, wenn ihr es wisset.

Ferner heißt es bei Muslim, einem der bedeutendsten Hadithensammler, dass der beste Tag der Freitag ist, da Allah Adam an diesem Tag erschuf und ihn ins Paradies eintreten ließ.[8]

Der ägyptische Autor Dschalaladdin as-Suyuti scheibt im 15. Jahrhundert, dass man die Nacht zum Freitag nicht wachend und betend verbringen und dass man am nächsten Morgen die rituelle Vollwaschung (ghusl) vollziehen soll. Diese Nacht ist auch besonders geeignet für den Vollzug der ehelichen Pflichten.[9]

Wenn der Freitag dann gekommen ist, soll man sich nach der Waschung einparfümieren und sich mit den besten Kleidern schmücken bevor man zur Moschee geht. Für Männer ist es eine individuelle Pflicht, den Frauen, Sklaven und Kranken ist es selbst überlassen, ob sie teilnehmen möchten.

Der Reisende Ibn Battuta beschreibt während seiner Pilgerfahrt nach Mekka im Jahre 1325 die Frauen Mekkas als fromm und züchtig. Daher verzichten sie nicht auf das Freitagsgebet und dulden sogar Hunger, um mit dem Geld Aromastoffe zu erwerben.[10]

Jede Nacht auf Freitag besuchen sie in ihrem schönsten Schmuck die Moschee. Ihre Düfte erfüllen das heilige Haus, und wenn eine Frau hinausgeht, so ist ihr Duft noch lange nach ihrem Abschied wahrzunehmen.[11]

Diese Tatsache verdeutlich,t wie Ernst das korrekte Auftreten eines Muslims in der Moschee, insbesondere am Freitag, genommen wird.

[...]


[1] Annemarie Schimmel: Das islamische Jahr. Zeiten und Feste. München 2001. S. 11f.

[2] Ebd.

[3] Ebd. S. 12f.

[4] http://www.ortelius.de/kalender/isl_de.php, am 08.10.2007

[5] Annemarie Schimmel: Das islamische Jahr. Zeiten und Feste. München 2001. S. 11.

[6] Albert Hourani: Die Geschichte der arabischen Völker. Frankfurt am Main 1992. S. 194.

[7] Annemarie Schimmel: Das islamische Jahr. Zeiten und Feste. München 2001. S. 27.

[8] http://www.as-sunnah.de/modules.php?name=Sections&sop=viewarticle&artid=80, am 08.10.2007

[9] Annemarie Schimmel: Das islamische Jahr. Zeiten und Feste. München 2001. S. 27

[10] Hrsg.: Horst Grün. Die Reisen des Ibn Battuta. Band I. München 2007. S. 147.

[11] ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Islamische Feste im Mittelalter
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Veranstaltung
Feste im Mittelalter
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V132498
ISBN (eBook)
9783640386116
ISBN (Buch)
9783640385782
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, Feste, Mittelalter, Bytyci, Opferfest, Hagg
Arbeit zitieren
Mergim Bytyci (Autor), 2008, Islamische Feste im Mittelalter , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132498

Kommentare

  • Gast am 23.7.2016

    Hey Mergim,
    ich wollte fragen, ob die Quellen mit im Anhang sind an dieser Hauarbeit, weil ich mich insbesondere für die Quellen über den Ramadan interessiere.

    T' fala e diten e mir

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Titel: Islamische Feste im Mittelalter



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