Flottenpolitik Chinas im Südchinesischen Meer und Indischen Ozean

Konfliktpotential durch wirtschaftliche Interessen


Seminararbeit, 2009
21 Seiten, Note: 2,0
Wolfgang Denn (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A: China und Indien

B: Flottenpolitik Chinas im Südchinesischen Meer und Indischen Ozean: Konfliktpotential durch wirtschaftliche Interessen
1. Grundzüge chinesischer Flottenpolitik
1.1 Chinas Verteidigungsbudget
1.2 Chinas Wahrnehmung der Sicherheitssituation
1.3 Chinas Verteidigungspolitik
2. Südchinesisches Meer und Indischer Ozean als regionale Schwerpunkte chinesischer Flottenpolitik
2.1. Chinas Großmachtambitionen
2.2 Chinas Vorgehen im Südchinesischen Meer
2.3 Chinas aktuelle Konfrontation mit Indien im Indischen Ozean
2.3.1 Sicherheitsdilemma im Indischen Ozean
2.3.2 Wirtschaftliche Bedeutung des Indischen Ozeans

C: Alleine wirtschaftliche Interessen als Ursache des Konfliktpotentials zwischen China und Indien

Bibliographie:

Internetquellen:

A: China und Indien

Das Verhältnis der beiden zukünftigen asiatischen Großmächte Indien und China zueinander ist zweifelsfrei eines der interessantesten der Internationalen Beziehungen. So hoffnungsvoll beide Länder ihre diplomatischen Beziehungen nach Ende des zweiten Weltkrieges mit der schnellen Anerkennung Chinas durch Indien begannen, so desillusioniert fanden sich beide Staaten schon 1962 im Chinesisch-Indischen Grenzkrieg wieder. Diesem Ausbruch offener Kriegshandlungen folgten wiederum Jahrzehnte der Entspannung.[1] Trotz dieser ersten Schritte ist Unsicherheit allerdings bis heute ein prägendes Element in den Beziehungen zwischen Indien und China.[2] Und dies sicherlich nicht zuletzt auf Grund fehlender regionaler Sicherheitsgarantien. Es stellt sich daher die Frage, wie sich das Verhältnis zwischen China und Indien zukünftig entwickeln wird. Denn in dieser Atmosphäre der Unsicherheit treiben beide Staaten die Modernisierung ihrer Streitkräfte voran. Beiden Staaten gilt dabei als eines der höchsten Ziele Entwicklung und Wachstum. Im Moment wirkt der Nutzen wirtschaftlicher Kooperation noch als Anreiz zu Entspannung und Annäherung.[3] Es ist aber durchaus möglich, dass die jeweiligen wirtschaftlichen Ambitionen beide Staaten in ein Wettrüsten oder gar einen Konflikt führen könnten. In diesem Sinne führt die Notwendigkeit wirtschaftlichen Wachstums beide Länder an einen Scheideweg zwischen Kooperation und Konkurrenz.[4]

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf der Flottenpolitik Chinas, speziell auf Chinas maritimer strategischer Ausrichtung nach Westen Richtung Indischen Ozean, und der indischen Flottenpolitik als Reaktion auf Chinas Streben gen Westen. Das dabei entstehende Konfliktpotential lässt sich alleine auf wirtschaftliche Interessen beider Staaten zurückführen.

B: Flottenpolitik Chinas im Südchinesischen Meer und Indischen Ozean: Konfliktpotential durch wirtschaftliche Interessen

Natürlich gewährt kein Staat der Welt einfach so Einblick in einen dermaßen sensiblen Bereich wie der Flottenpolitik. Immerhin geht es hierbei um einen Kernbereich militärischer Landesverteidigung. Aus wissenschaftlicher Sicht steht man damit vor einem Problem: Wie viel Informationsgehalt steckt tatsächlich in Äußerungen eines Staates bezüglich seiner Flottenpolitik? Das Verteidigungsweißbuch Chinas[5] und der jährliche Verteidigungsbericht Indiens[6] sind damit zwar Ausgangspunkt einer Analyse der jeweiligen Flottenpolitik. Doch alleine aus diesen beiden Dokumenten können keine ausreichenden Informationen über die tatsächlichen Ziele der jeweiligen Flottenpolitik gewonnen werden. Wie aber können tiefer gehende Informationen erschlossen werden als die offiziell herausgegebenen? Wie ist es möglich, Aussagen über strategische Ziele und langfristige Pläne zu treffen? Bis zu einem bestimmten Grad ist dies durch Betrachtung der Umweltfaktoren, die auf einen Staat wirken, möglich. Flottenpolitik besteht aus strategischen Überlegungen. Und strategische Überlegungen beinhalten immer „…material things operating in material environments.“[7] Aus diesen materiellen Gegebenheiten, die im Großen und Ganzen jedem zugänglich sind, können Rückschlüsse auf strategische Ziele gezogen werden.[8]

Wachsender Rohstoff- und Energiebedarf Chinas beispielsweise ist eine materielle Tatsache. Genauso wie die Vorkommen großer Energiereserven im Südchinesischen Meer. Zusammen mit der Tatsache, dass China seine Flotte aufbaut und modernisiert, kann der Rückschluss gezogen werden, dass China wohl eher unilateral denn multilateral vorgehen wird um seinen Einfluss im Südchinesischen Meer auszuweiten. An dieser Stelle ist allerdings Vorsicht geboten. Denn auch wenn es der Interpretation objektiver, materieller Faktoren bedarf um Flottenpolitik deutlich und damit erst analysierbar zu machen, so darf trotzdem nicht der Fehler der Überinterpretation gemacht werden.[9]

Dieser materiellen Herleitung der Flottenpolitik muss eine immaterielle zur Seite gestellt werden. Denn strategische Ziele, wie sie Flottenpolitik ja beinhaltet, können nicht nur mit materiellen Faktoren begründet werden. Auch aus der Gesellschaft eines Staates kommen Impulse, die auf staatliches Handeln, auch und gerade außenpolitisches staatliches Handeln, einwirken.[10] Dabei ist äußerst entscheidend, wie der politische Wille einer Gesellschaft in staatliches Handeln transformiert wird. Denn natürlich besteht ein grundlegender Unterschied in der politischen Willensäußerung zwischen der Demokratie Indiens und dem Ein-Parteien-System Chinas.[11] Für die Zwecke dieser Arbeit ist es allerdings nicht wichtig, wie Flottenpolitik zustande kommt. Wichtig ist, dass es durchaus möglich ist ein annähernd vollständiges Bild der Flottenpolitik zu erhalten. Eben durch Analyse materieller wie immaterieller Faktoren sowie der offiziellen Informationen.

1. Grundzüge chinesischer Flottenpolitik

Wenn von Chinas Zielen für die Zukunft die Rede ist, so fällt häufig der Begriff „Grand Strategy.“ Dieser Ausdruck wird zwar von offizieller Seite nicht gebraucht. Trotzdem ist er zum Synonym für Chinas Streben nach mehr internationalem Einfluss geworden.[12] Und dass China zukünftig mehr Einfluss auf die Weltpolitik erlangen wird steht außer Zweifel. Die Frage ist, wie China diesen Einfluss nutzen wird. Das Spektrum der Interpretationen chinesischer Außenpolitik reicht dabei von hegemonial-unilateral agierende „…world power…“[13] auf der einen Seite bis hin zu multilateral engagiertem „…responsible country.“[14]

Die Mittel, die nach Chinas Ansicht dabei zur Umsetzung der „Grand Strategy“ nötig sind, lassen sich kurz und prägnant nennen: Die generell Modernisierung der gesamten Streitkräfte.[15] Spezielles Augenmerk erhält dabei die Marine.[16] Im Bereich der Marine ist zusätzlich der Aufbau von hochseetauglichen Flottenverbänden nötig.[17] Denn Chinas Zukunft als Großmacht hängt nicht zuletzt auf Grund der zunehmenden Rivalität mit Indien maßgeblich von den Fähigkeiten maritimer Machtprojektion ab.[18] Natürlich ist zur Umsetzung dieses ambitionierten Programms ein enormer Kostenaufwand notwendig. Daher ist zunächst ein Blick auf das chinesische Verteidigungsbudget nötig.

1.1 Chinas Verteidigungsbudget

Da sich China nicht den gleichen Transparenzkriterien verpflichtet hat was die Offenlegung

des Verteidigungshaushaltes betrifft wie das viele der westlichen Staaten gemacht haben, ist

eine Einschätzung der tatsächlichen Größe der chinesischen Verteidigungsausgaben äußerstschwierig.[19] Trotzdem ist sie möglich. Zunächst ist festzuhalten, dass sich China zwar theoretisch der Maßgabe verschrieben hat, “...that defense expenditure should grow in line with the demands of national defense and economic development...”[20] Dementsprechend wären die Verteidigungsausgaben an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt. Fraglich ist allerdings, was genau damit gemeint ist. Denn schon vor zehn Jahren war der jährliche Anstieg der Verteidigungsausgaben mit 13% fast doppelt so hoch wie das Wirtschaftswachstum.[21] Und auch im Jahr 2008 war das Wirtschaftswachstum niedriger als der Anstieg des Verteidigungsbudgets.[22] Mit Ausnahme der Jahre 2002/2003 bis 2005 lag der jährliche Anstieg des Verteidigungshaushaltes seit 1996 deutlich über dem Wirtschaftswachstum.[23] Es liegt also offensichtlich keine direkte Koppelung vor. Vielmehr scheint es sich um einen wirtschaftlich vertretbaren Rahmen zu handeln, in dem eine Erhöhung der Ausgaben vorgenommen wird. Interessant wird dabei sein, wie die chinesische Führung in dieser Frage auf die aktuelle Wirtschaftskrise reagieren wird.

Das Problem mit den offiziellen Angaben ist zudem, dass China offenbar bewusst niedrigere Zahlen veröffentlicht.[24] So schätzt das Verteidigungsministerium der USA die offiziell veröffentlichten 60 Milliarden US-Dollar für das Jahr 2008 auf real ca. 100-150 Mrd. US-Dollar.[25] Eine doch erhebliche Diskrepanz. China allerdings beharrt auf den offiziellen Zahlen. So fällt es China nicht schwer, die eigenen Rüstungsausgaben im Verhältnis zu westlichen Staaten und v.a. der USA zu relativieren. Auf diese Weise ist es China beispielsweise möglich, seine Verteidigungsausgaben als lediglich weniger als ein Zehntel der Verteidigungsausgaben der USA darzustellen.[26]

Auch wenn offensichtlich ein breiter Konsens darüber besteht, dass China seine Verteidigungsausgaben niedriger ansetzt als sie tatsächlich sind, so sind auch die Angaben des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten mit Vorsicht zu genießen. Immerhin handelt es sich hierbei um Schätzungen. Aber wenn man diesen Schätzungen zumindest in der Tendenz folgt, so befindet sich China auf einem rigiden Weg seine regionale militärische Vormachtstellung zu untermauern. Denn diesen Schätzungen zufolge verfügt China über das höchste Militärbudget der Region.[27] Die Frage scheint berechtigt, warum China als regionaler Hegemon ein für seine Region überproportionales Verteidigungsbudget benötigt. Ein Blick auf Chinas Verständnis der Sicherheitssituation kann helfen diese Frage zu klären.

[...]


[1] Vgl. Holslag, Jonathan: China, India And The Military Security Dilemma. BICCS Asia Paper Vol. 3 (5), 2008, S. 28.

[2] Vgl. ebd., S. 29.

[3] Vgl. Holslag, Jonathan: Still Hesitating. Gloomy Perceptions Thwart Sino-Indian Partnership, BICCS Asia Paper Vol. 3 (1), 2008., S. 12.

[4] Vgl. ebd., S. 14.

[5] China´s National Defense in 2008. Information Office of the State Council of the People's Republic of China, Peking 2009. Online im Internet unter: http://english.gov.cn/official/2009-01/20/content_1210227.html [Stand: 30.3.09].

[6] Annual Report 2007-2008. Ministry of Defense, Government of India. Online im Internet unter: http://mod.nic.in/reports/welcome.html [Stand: 30.3.09].

[7] Kane, Thomas: Chinese grand strategy and maritime power, London [u.a.]: CASS, 2002, S. 5.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. ebd., S. 4.

[10] Vgl. Holslag, Sino-Indian Partnership, 2008, S. 3.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Goldstein, Avery: The Diplomatic Face of China´s Grand Strategy: A Rising Power´s Emerging Choice, in: The China Quarterly, Volume 168, Dezember 2001, S. 835-864, S. 836.

[13] Zhang, Tiejun: Reconstructing the Great Wall. Chinese Security Strategy in the Early 21st Century, Göteborg: Departement of Peace and Development Research, Göteborg University, 2003, S. 74.

[14] Ebd.

[15] Vgl. Goldstein, Grand Strategy, 2001, S. 836.

[16] Vgl. Kane, Maritime Power, 2002, S. 2.

[17] Vgl. ebd., S. 64.

[18] Vgl. ebd., S. 1.

[19] Vgl. Annual Report to Congress. Military Power of the People´s Republic of China 2009, Departement of Defense, United States of America, S. 32. Online im Internet unter: http://www.defenselink.mil/pubs/pdfs/China_Military_Power_Report_2009.pdf [Stand: 30.3.09].

[20] Ebd., Kap. 12.

[21] Vgl. Umbach, Frank: Konflikt oder Kooperation in Asien-Pazifik? Chinas Einbindung in regionale Sicherheitsstrukturen und die Auswirkungen auf Europa, München: Oldenbourg, 2002, S. 66.

[22] Vgl. Annual Report to Congress. Military Power of the People´s Republic of China 2008, Departement of Defense, United States of America, S. 31. Online im Internet unter: http://www.defenselink.mil/pubs/pdfs/China_Military_Report_08.pdf [Stand: 30.3.09].

[23] Vgl. Pentagon, Annual Report 2009, S. 34.

[24] Vgl. ebd., S. 32.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. Verteidigungsweißbuch China, 2009, Abb. 2, Kap. 12.

[27] Vgl. Pentagon, Annual Report, 2009, Abb. 1, S. 35.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Flottenpolitik Chinas im Südchinesischen Meer und Indischen Ozean
Untertitel
Konfliktpotential durch wirtschaftliche Interessen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften)
Veranstaltung
Übung IB: China im Internationalen System
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V132529
ISBN (eBook)
9783640387908
ISBN (Buch)
9783640388257
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
China, Indien, Flottenpolitik, Ressourcen, Indischer Ozean, Südchinesisches Meer, Marine, Wirtschaft, Konflikt, Verteidigungspolitik, Sicherheitsdilemma, Strasse von Malakka, string of pearls, Strasse von Indonesian, ASEAN
Arbeit zitieren
Wolfgang Denn (Autor), 2009, Flottenpolitik Chinas im Südchinesischen Meer und Indischen Ozean, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132529

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