Ehrenamt auf dem Vormarsch?

Eine kritische Untersuchung zum Amtsverständnis im EKD-Impulspapier "Kirche der Freiheit"


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Zentrale Begriffe
2.2 Das Impulspapier
2.3 Kritik am Impulspapier
2.4 Das Priestertum aller Gläubigen
2.5 Amt in der Bibel
2.6 Inhalt und Zweck des Amtes

3 Schluss

Anhang: Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Amtsverständnis, wie es im Impulspapier „Kirche der Freiheit" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) dargestellt wird. Dabei untersuche ich die Frage näher, welche Rolle Ehrenamt-liche allgemein innerhalb der EKD spielen sollten. Die Antwort des Impulspapiers auf diese Frage ist nur eine mögliche.

Diese Frage stellt sich bei der Lektüre des Impulspapiers, in dem zunächst einmal die Förderung ehrenamtlichen Engagements gefordert wird. Dabei werden Ehrenamtlichen auch Kernaufgaben der Kirche wie Gottesdienste oder seelsor-gerliche Betreuung zugeteilt. Die Sicht des Impulspapiers ist allerdings keines-wegs unumstritten innerhalb der EKD. Ich möchte deshalb auch einen Blick auf kritische Stimmen werfen und die verschiedenen Positionen miteinander verglei-chen.

Um die Rolle des Ehrenamts angemessen zu bestimmen, ist es notwendig, das Ehrenamt im Verhältnis zum hauptamtlichen Pfarrdienst zu betrachten. Ich gehe deshalb neben dem fünften Leuchtfeuer auch auf die Leuchtfeuer eins und sechs ein, um die Haltung des Impulspapiers zum Pfarramt und zu Kernaufgaben der Kirche herauszuarbeiten.

Zu Beginn halte ich es für nötig, die zentralen Begriffe „Ehrenamt" und „Amt" für das kirchliche Umfeld und die wissenschaftliche Theologie zu definieren.

Anschliegend gebe ich einen kurzen Uberblick über das Amtsverständnis im Impulspapier und gehe dann auf andere Positionen zu diesem Thema ein. Danach führe ich verschiedenen Aspekte systematischer und praktischer Theo-logie an, indem ich zusätzlich Argumente aus Bibel, kirchlicher Tradition, sowie aktueller wissenschaftlicher Debatte sammle, um in einem letzten Schritt unter Bezugnahme auf diese verschiedenen Gesichtspunkte zu einem dogmatisch begründeten Urteil über das Amtsverständnis und die Rolle von Ehrenamtlichen im Impulspapier zu gelangen.

Sämtliche Bibelstellen werden nach der Luther-Ubersetzung zitiert.

2 Hauptteil

2.1 Zentrale Begriffe

Diese Hausarbeit will das Amtsverständnis des Impulspapiers näher untersuchen. „Amt" wird deshalb im Verlauf dieser Arbeit ein zentraler Begriff sein, den ich wie folgt definiere:

Ein Amt ist ein festgelegter, von je einem einzelnen Menschen wahrgenom-mener Aufgabenbereich,1 der von einer Institution dem jeweiligen Men-schen zu einem bestimmten Zweck u bertragen wird.

Welcher Aufgabenbereich und welcher Zweck damit konkret im kirchlichen Umfeld gemeint ist, werde ich im Verlauf dieser Arbeit erörtern. Die Institution, die in unserem Fall den Aufgabenbereich überträgt, ist im Regelfall eine evan-gelische Landeskirche oder eine Organisationsebene innerhalb dieser Landes-kirche wie z.B. eine Kirchengemeinde oder ein Dekanat.

Der zweite zentrale Begriff, den ich definieren möchte, ist „Ehrenamt": Ein Ehrenamt ist ein Amt, das nicht beruflich ausge ii bt wird.

Diese Definition möchte betonen, dass ein Ehrenamt zum einen nicht zum Zweck des Gelderwerbs und zum anderen im Normalfall durch Laien ausgeübt wird, also durch Personen, die keine professionelle Ausbildung für den Aufgabenbereich besitzen, der ihnen übertragen wird. Unter „professionelle Ausbildung" soll dabei ein Hochschulabschluss oder eine mehrjährige Berufsausbildung verstanden wer-den, aber ausdrücklich keine Fort- und Weiterbildungen, die zur Qualifizierung im Ehrenamt durchlaufen werden.

Im engeren Sinne ist mit „Ehrenamt" nicht eine bloge Hilfstätigkeit für Haupt-amtliche gemeint, sondern eine Tätigkeit, in deren Rahmen der übertragene Auf-gabenbereich selbstverantwortlich gestaltet wird.

Die Situation von nebenberuflich Tätigen bedarf einer gesonderten Untersuchung und soll nicht Thema dieser Arbeit sein. Ebenso soll der Sonderfall von Ehrenamt-lichen, die eine professionelle Ausbildung für ihren Aufgabenbereich besitzen wie z.B. ins Ehrenamt ordinierte Theologen, in dieser Arbeit nicht behandelt werden.

2.2 Das Impulspapier

Im fünften Leuchtfeuer des Impulspapiers „Kirche der Freiheit" wird zunächst betont, dass freiwilliges Engagement für die Kirche wichtig sei. Als Begründung wird die „Dehnung des parochialen Netzes"2 angeführt, in deren Folge „viele kleine Ortschaften, Stadtteile und kirchliche Angebotsformen nicht mehr haupt-amtlich versorgt werden können"3. Als theologische Begründung dient das „Prie-stertum aller Gläubigen", womit gerechtfertigt wird, dass in solchen Gebieten zu-künftig das geistliche Leben von Ehrenamtlichen ermöglicht werden soll. Auger-dem stelle die Versorgung dieser Randgebiete durch Ehrenamtliche keineswegs eine Vernachlässigung oder Abwertung dar.

Im zweiten Abschnitt sieht das Impulspapier vor allem „besondere gottesdienst-liche Formen und Grundformen seelsorgerlicher Betreuung"4 zukünftig in der Verantwortung von Ehrenamtlichen. Damit soll sich nach dem Impulspapier auch das Bild des Pfarrberufs ändern: Pfarrer sollen zukünftig die Förderung ehren-amtlichen Engagements als eine ihrer Hauptaufgaben ansehen. Jeder Pfarrer soll sich darum bemühen, einen Kreis von Ehrenamtlichen um sich herum zu sam-meln, dem er als leitender Geistlicher vorsteht. Augerdem wird den Pfarrern deutlich die Zuständigkeit für Amtshandlungen zugesprochen. Darüber hinaus sollen sich die Pfarrer auf Gottesdienste an besonderen Tagen konzentrieren. Dabei wird am Ende das Bild des „wandernden Predigers" herangezogen und auf die frühe Christenheit verwiesen.

Am Schluss wird als Ziel die „ Gewinnung, Begleitung und Qualifizierung von Ehrenamtlichen"5 angeführt sowie ein zukünftiges Verhältnis von Pfarrern zu Prädikanten und Lektoren von 1:1:1.6

Das Impulspapier geht damit im Wesentlichen von der Annahme aus, dass es durch das Priestertum aller Gläubigen besonders im Hinblick auf die Qualität der Arbeit und die Akzeptanz in der Gemeinde keine bedeutenden Unterschiede zwi-schen dem Dienst von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen im Bereich Gottes-dienst und Seelsorge gibt, da die grundlegenden Aufgaben durch Ehrenamtliche vollzogen werden können und sollen.

[...]


1 Vgl. Germann, Amt VIII, 437.

2 Impulspapier, 68.

3 Ebd.

4 Impulspapier, 69.

5 Ebd.

6 Vgl. Impulspapier, 68f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ehrenamt auf dem Vormarsch?
Untertitel
Eine kritische Untersuchung zum Amtsverständnis im EKD-Impulspapier "Kirche der Freiheit"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V133662
ISBN (eBook)
9783640405619
ISBN (Buch)
9783640405633
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ehrenamt, Vormarsch, Eine, Untersuchung, Amtsverständnis, EKD-Impulspapier, Kirche, Freiheit
Arbeit zitieren
Volker Nies (Autor:in), 2009, Ehrenamt auf dem Vormarsch?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133662

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