Indische Frauen in Medienberufen – ein postfeministischer Ansatz


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die postfeministische Kritik

3 Der feministische Diskurs in Ammu Josephs ‚Making News. Women in Journalismus’
3.1. Allgemeine Kritik
3.2. Analyse eines Kapitels

4 Eigene Wahrnehmungen im Feld

5 Schluss: Neue Perspektiven

6 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit setzt sich in Anwendung der postfeministischen Kritik mit der Studie „Making News. Women in Journalism“ von Ammu Joseph auseinander und markiert sie als einen Beitrag zum paradigmatischen Schreiben vom ‚Leiden der Frau’. Kritisiert werden soll der von Joseph fortgeführte generalisierende feministische Diskurs dabei vor allem in seiner Annahme einer gemeinsamen Unterdrückungserfahrung aller Frauen. Die Unterdrückung wird hier als ein ‚fact’ gesetzt, als eine angenommene Tatsache, die für die Betrachtung der Aussagen vorausgesetzt wird. Dieser Prozess bildet damit die Umkehr der ethnologischen Methode, bei der zunächst Aussagen und Beobachtungen eingeholt und daraufhin analysiert werden - um letztendlich ein Gesamtbild zu gewinnen. Einseitig in seiner Perspektive und ‚blind’ gegenüber anderen Facetten des sozialen Lebens der Frau kann der feministische Diskurs zu nichts Anderem als der repetitiven Wiedergabe der eigenen Vorannahmen gelangen. Problematisch daran ist vor allem, dass es im Themenbereich „Indische Frauen in Medienberufen“ keinen anderen Zugang als den feministisch-emanzipatorischen zu geben scheint. Ich möchte damit zum Einen auf eine ‚Lücke’ in der Wissenschaft und zum Anderen auf die subtile Dominierung eines ganzen Themengebietes durch das feministische Paradigma aufmerksam machen. Zwar gibt es Studien, die einen anderen Ansatz wählen um sich Zugang zur indischen Medienwelt zu verschaffen – sie behandeln jedoch nicht im Konkreten die Frau in der heutigen journalistischen Berufswelt. Mir selbst ist der Kontrast bei meiner Feldforschung zum Thema in Indien begegnet – so gibt es in der alltäglichen Praxis nach meiner Beobachtung viele andere Lebensperspektiven als die von Joseph skizzierten. ‚Im Feld’ zeigt sich schnell, dass die Journalistinnen sich in ihrem beruflichen Alltag selbst nicht immer als unterdrückt und passiv betrachten, sondern vielmehr aktiv und situationsspezifisch verhandeln. Um meine Arbeit theoretisch einzubetten, werde ich zunächst den postfeministischen Diskurs vorstellen um ihn im Verlauf der Arbeit auf das Thema ‚Indische Frauen in Medienberufen’ anzuwenden. Dabei werde ich insbesondere auf Josephs Studie eingehen und zeigen, inwieweit sie sich in dem zuvor markierten feministischen Diskursfeld bewegt. Eine Kapitelanalyse soll anschließend meine Aussagen am konkreten Beispiel verdeutlichen und die rhetorischen Überredungsstrategien Josephs aufzeigen. Den Abschluss bildet ein kleiner Exkurs zu meinen eigenen Wahrnehmungen im Feld, der einen möglichen Gegenentwurf zu Josephs Aussagen und Möglichkeiten einer anderen Herangehensweise an das Thema bieten soll.

2. Die feministische Kritik

Auch wenn, wie Ann Brooks in ihrer Einleitung zu „Postfeminisms: feminism, cultural theory and cultural forms“ schreibt, es bereits in den 20ern anti- und in gewissem Sinne auch post-feministische Ansätze gab, setzte der Postfeminismus als akademisch relevanter Ansatz erst später ein. In der feministischen Theorie der Spät-60er bis Mitt-80er wurde allmählich Kritik am universalisierenden Modus bisheriger feministischer Literatur laut – es wurde offensichtlich, dass die Texte lediglich den Blickwinkel der weißen Mittelklassefrauen Nordamerikas und Westeuropas reflektierten (Nicholson 1990: 5). Das Ironische daran war, dass die Feministen die Wissenschaft zuvor dafür kritisiert hatten, dass diese eine männliche Sichtweise fälschlicherweise als neutral darstellte. Sie hatten dem jedoch ein Konzept entgegengesetzt, dass auf ähnliche Weise eine Idee von der ‚Frau’ zu der Idee ‚Frau’ erklärte, d.h. ein Konzept, das sich genauso verhielt wie die vorab kritisierte ‚männliche Wissenschaft’. Die Feministen stellten zudem fest, dass nicht nur der Blick der Frauen jeher marginalisiert worden war, sondern auch der vieler weiterer sozialer Gruppen. Sie gingen davon aus, dass eine männlich-normative Weltsicht die Wissenschaft dominiert, die ihre eigenen, sprich weiblichen, Vorstellungswelten überdeckt. Dem zugrunde, so die Kritik, läge die allgemeine Neigung solcher ‚Welterklärungsmuster’, Fiktionen von Einheiten zu schaffen – z.B. die Einheit von Geschichte, die Einheit vom Motiv etc.. Jede dieser Einheiten würde einem ‚Anderen’ einem ‚Subalternen’, einer Art ‚unterdrücktem Schatten’ gegenüberstehen, dessen Perspektive erst noch geschrieben werden muss - wie zum Beispiel der ‚weibliche Blick’ auf historische Ereignisse. In Studien der Folgejahre wurden Geschichtsschilderungen mit Hinblick auf das untersucht, was sie nicht erzählen, aus der Sicht derjenigen, die in der jeweiligen Darstellung nicht zu Wort gekommen sind (Nicholson 1990: 5 ff.).

Mitte der 80er entwickelte sich mit der wissenschaftlichen Institutionalisierung der ‚feminist studies’ ein Anspruch auf mehr Selbstreflexivität – so verwies Sheila Rowbotham (Rowbotham in De Lauretis 1988: 4) auf die von Audre Lorde bekräftigte Wechselbeziehung verschiedener Kräfte im Feminismus. Sie schreibt:

“In sum, it is now possible […] to look back at ourselves through our own cultural creations, our actions, our ideas, our pamphlets, our organizations, our history, our theory’“(De Lauretis 1988: 4).

Im Zuge dieses Blickes auf die eigene Perspektivität löste sich auch der zuvor meta-narrativ vorausgesetzte Zusammenhang zwischen dem Femininen und dem Feminismus. “The female…,” definiert Linda Gordon,

“…is ourselves, our bodies and our socially constructed experience. It is not the same as feminism, which is not a ‘natural’ excretion of that experience but a controversial political interpretation and struggle, by no means universal to women” (De Lauretis 1988 : 5).

Der Feminismus wurde nun als politische Kraft markiert und sein scheinbar ‚natürlicher’ Zusammenhang zum Frau-Sein aufgelöst. In den 90ern kollabierte auch innerhalb der politischen (also nicht-akademischen) feministischen Bewegung allmählich der Konsens um die Themen ‚Unterdrückung’, ‚Patriarchie’, ‚Sexualität’ und ‚Identität’. Es entwickelte sich ein post feministischer Ansatz, der eine kritische Position gegenüber den patriarchalen und imperialistischen Ansätzen früherer feministischer Theorien einnahm. Auch wenn die postfeministische Bewegung im populären Diskurs häufig als anti-feministisch dargestellt wurde, legten die Postfeministen selbst Wert darauf, dass es sich vielmehr um eine Fortsetzung als eine Gegenbewegung handelt. Ähnlich wie beim Postkolonialismus, der Postmoderne etc., setzen sich im Postfeminismus viele Elemente des Feminismus weiter fort: “... post implies a process of ongoing transformation and change“ (Brooks 1997: 1). Eine bedeutende Veränderung – oder ein ’paradigm shift’, wie es Ann Brooks bezeichnet - im theoretischen Ansatz des Postfeminismus war, dass sich der Fokus des klassischen Feminismus auf ein Konzept von Gleichheit hin zu einem Konzept vom Unterschied verschob. Die Postfeministen folgten der Forderung marginalisierter, diasporischer oder kolonisierter Gruppen nach einem nicht-hegemonischen Konzept des Feminismus, das in der Lage ist, lokalen, indigenen und postkolonialen Feminismen eine Stimme zu geben. Eine hegemonische Annahme war zuvor zum Beispiel die, dass die patriarchale und imperialistische Unterdrückung eine universell erlebte Unterdrückung sei (Brooks 1997: 2,3).

De Lauretis beschreibt die postfeministische Theorie als einen durch einen postkolonialen Modus geprägten Ansatz - das heißt einen Ansatz, der eher auf Prozess blickt als auf einen Ursprung oder ein Programm. Damit steht der Postfeminismus unter dem Einfluss der poststrukturalistischen ‚Schlüsseldenker’ Derrida, Foucault und Lacan und deren “devastating critique of the main assumptions on which much social and feminist theory was previously based and it has proved to be a critique from which neither has emerged unscathed” (Brooks 1997: 5). Durch den postmodernen Ansatz hat sich auch im Feminismus eine Bewegung von ‚Struktur’ (sprich der Marxschen Denktradition) hin zu ‚Diskurs’ (à la Foucault) vollzogen, die die sinnvolle Anwendung klassischer materialistischer Vorannahmen erschwert. ’Gender’ ist für die Postfeministen nur noch eine Kategorie von vielen, die für die Analyse von sozialen Prozessen Bedeutung haben. Als “feminisms turn to culture“ bezeichnet Michelle Barrett in einem Artikel von 1990 die Veränderung innerhalb der feministischen Denke (Brooks 1997: 8). Das Feld ‚Kultur’ wurde nunmehr bedeutend für das bessere Verständnis von Subjektivität, für die Psyche und das Selbst; Prozesse der Symbolisierung und Repräsentation rückten in den Vordergrund. Der Feminismus, der sich viele Jahre mit dem ‚sex/gender’ – Unterschied, der Analyse von Patriarchie und der Postulierung des männlichen ‚Blickes’ befasst hatte, wurde nun durch eine neue ‚dekonstruktivistische’ Betonung von Fluidität und Kontingenz unterminiert. In Ann Brooks ’Postfeminisms: feminism, cultural theory and cultural forms’ definiert sich der akademische Post-Feminismus wie folgt:

“…as an expression of a stage in the constant evolutionary movement of feminism ... [its] “coming of age”, its maturity into a confident body of theory and politics, representing pluralism and difference and reflecting on its position in relation to other philosophical and political movements similarly demanding change” (Brooks 1997: 9).

Eine Verknüpfung zu anderen Post-Bewegungen findet sich in “The Routledge Companion to Feminism and Postfeminism“. Dort wird der Anspruch der Postmoderne sowie des Postfeminismus formuliert, fixe gender-Definitionen und autoritative Paradigmen und Praktiken zu dekonstruieren (Gamble 2001 [1998]).

3. Der feministische Diskurs in Ammu Josephs „Making News. Women in Journalism“

In Form eines solchen Prozesses der Dekonstruktion autorativer Paradigmen im Sinne des Postfeminismus möchte ich mich im Folgenden mit der Studie Making News. Women in Journalism von Ammu Joseph auseinandersetzen. Das Buch geriet mir bei meiner Vorbereitung zu einer Feldforschung zum Thema ‚Indische Journalistinnen’ in die Hände und ist eine der wenigen Publikationen, die sich mit meinem Forschungsfeld beschäftigen. Umso vielsagender ist es, dass sich Making News einfügt in ein paradigmatisches Schreiben vom Leiden der indischen Frau oder – in diesem Falle – der indischen Journalistin und sich den generalisierenden feministischen Diskurs vertritt, den der Postfeminismus aufzulösen versucht. Die Tatsache der Popularität des Buches verrät viel über die Reichweite der postfeministischen Kritik, auf die Joseph an keiner Stelle zu reagieren scheint, und zum Anderen über die Schlagkraft des ‚klassischen’ Feminismus. Nach einer allgemeinen Behandlung des Buches und dem Aufzeigen seiner Defizite mithilfe der postfeministischen Kritik möchte ich an einem Kapitel die Argumentation Josephs im Konkreten nachvollziehen. Mithilfe meiner eigenen Beobachtungen soll anschließend Josephs Position in einem bestimmten paradigmatischen feministischen Diskursfeld markiert und Gegenperspektiven zu diesem aufgezeigt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Indische Frauen in Medienberufen – ein postfeministischer Ansatz
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Seminar für Ethnologie)
Veranstaltung
Lehrforschung Indien
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V134324
ISBN (eBook)
9783640418183
ISBN (Buch)
9783640418473
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Indien Frauen Journalismus Feminismus Postfeminismus Beruf
Arbeit zitieren
Stefanie Mauksch (Autor), 2007, Indische Frauen in Medienberufen – ein postfeministischer Ansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134324

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