Femme Noire. Das Frauenbild im Film Noir


Seminararbeit, 2009
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Film Noir
2.1 Entstehung des Film Noir
2.2 Themen und stilistische Mittel des Film Noir
2.3 Film Noir, ein Genre?

3 Femme Noire
3.1 Kontext und historische Hintergründe
3.2 Frauentypen im Film Noir
3.2.1 Die mächtige Frau
3.2.1.1 Die Femme Fatale
3.2.1.2 Andere mächtige Frauen
3.2.2 Die abhängige Frau
3.3 Filmtechnische Umsetzung des Frauenbildes
3.4 Die indirekte Macht des Mannes
3.5 Das Schicksal der mächtigen Frau und der Mann als Opfer

4 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Film Noir bezeichnet eine Reihe von Filmen, die in den 40er und 50er Jahren in den USA entstanden. Der Film Noir war ein Phänomen, das am Ende des zweiten Weltkriegs und nach dem Krieg auftauchte und ist geprägt von der unruhigen Zeit, zu welcher die Filme entstanden. Die Filme zeichnen sich aus durch eine verwandte Thematik sowie einen ähnlichen Stil, insbesondere aber durch eine gemeinsame dunkle und geheimnisvolle Atmosphäre. Dennoch sind die meisten Films Noirs sehr vielfältig und lassen sich auch noch weiteren Genres, wie beispielsweise häufig dem Politkrimi, zuordnen. Der exakte Rahmen des Film Noir bleibt verschwommen und es gibt viele Filme, die sich in einem Zwischenbereich befinden. Was die Films Noirs jedoch zu vereinen scheint, ist vor allem ihre Abgrenzung von den konventionellen Hollywood-Filmen dieser Zeit. Thematisch vereint die Filme außerdem ihr Pessimismus und Hang zum Negativen, stilistisch besteht die Einheit in dunklen zerschnittenen Bildern und zahlreichen Schattierungen und Kontrasten. Im Film Noir lässt sich ebenfalls feststellen, dass das hier präsentierte Bild von Frauen nicht jenem des konventionellen Hollywood-Films entspricht. Insbesondere treten hier vermehrt mächtige und selbstständige, von Männern vollkommen unabhängige Frauen auf, wenngleich auch ihr Gegenbild, die dem Mann unterworfene Frau, auch noch gelegentlich eine Rolle spielt. Eines der beliebtesten und das wohl bekannteste Frauenbild des Film Noir ist die femme fatale.

Diese Arbeit untersucht das Frauenbild des Film Noir, die so genannte femme noire. Es wird ein Überblick über die verschiedenen präsentierten Frauentypen gegeben, sowie nach dem Anlass für diese Inszenierungsweise der Frau gesucht. Hierzu wird zuerst ein Überblick über den Film Noir gegeben, bevor die Arbeit sich dem Thema der femme noire zuwendet. Bezüglich des Frauenbildes werden erst einmal der Kontext und die historischen Hintergründe dargestellt. Anschließend werden die zwei grundsätzlichen Typen von Frauen im Film Noir vorgestellt, die wesentlich häufigere mächtige Frau, zu der auch die femme fatale zählt, und die vom Mann abhängige Frau. Daraufhin wird auf die filmtechnische Umsetzung der femme noire eingegangen, was direkt weiterleitet zur indirekten Macht, die der männliche Blickpunkt dennoch auf dieses Frauenbild ausübt. Zuletzt wird aufgezeigt, welchen Verlauf das Schicksal der mächtigen Frau in der Regel nimmt und warum durch diese der Mann im Film Noir meist zum Opfer wird. Über den gesamten Prozess der Analyse des Frauenbildes hinweg dient des Weiteren der Film Noir Mildred Pierce (Michael Curtiz, USA 1945) als exemplarische Fallstudie.

2 Film Noir

2.1 Entstehung des Film Noir

Films Noirs wurden ungefähr zwischen den Jahren 1941 und 1958 geschaffen, wenngleich auch, wie vieles den Film Noir betreffend, die genauen Daten umstritten sind, da die Zuordnung gewisser Filme zu der Gattung Film Noir ebenfalls umstritten ist.[1] Mit dem Film Noir kam eine neue Stimmung, bestehend aus „cynism, pessimism and darkness“[2], in die amerikanischen Filme. Der Film Noir definiert sich nicht über die üblichen Konventionen, sondern durch seine Tonebene und Atmosphäre sowie die Entstehungsperiode in den 40er oder und 50er Jahre. Es gab vier Elemente, die die Entstehung des Films Noirs in den 40er Jahren entschieden prägten: die negative Stimmung nach dem Krieg sowie der danach aufkommende Realismus, der deutsche Einfluss durch die zahlreichen Emigranten in den 20er und 30er und eine Tradition frei von den gewöhnlichen Hollywoodgeschichten, der sich die Drehbuchautoren zuwandten.[3]

Der Begriff Film Noir entstand erst, als mehrere Filme dieser Gattung nach dem zweiten Weltkrieg auf einen Schlag nach Frankreich kamen. Hier waren zahlreiche der Romane, auf denen diese Filme basierten, in einer Buchreihe namens série noire veröffentlicht worden. Als Name für die daraus hervorgegangen Filme sowie weitere Filme der gleichen Art, setzte sich schließlich der Begriff Film Noir durch.[4]

2.2 Themen und stilistische Mittel des Film Noir

Ein klassifizierendes Element für den Film Noir ist sowohl thematisch als auch stilistisch erst einmal die Unterscheidung vom konventionellen Hollywood-Film dieser Zeit.[5] Paul Schrader hält einige weitere entscheidende Aspekte fest, die zu einer Klassifizierung des Films Noirs maßgeblich beitragen. Er zeigt sieben stilistische Mittel auf, die für einen Film Noir typisch, wenn auch nicht essentiell, sind: eine nächtliche Ausleuchtung, schräge und vertikale Linien und Muster, Schauplätze, die genauso hell oder dunkel wie die Schauspieler ausgeleuchtet werden, Spannung, die durch die Zusammensetzung der Szenen erzeugt wird, das Auftauchen von Wasser (z.B. Regen), eine Liebesgeschichte sowie verzweigte chronologische Zusammenhänge.[6] Weiterhin unterteilt er den Film Noir in drei thematische Phasen.[7] Die erste Phase ist die Kriegszeit von 1941 bis 1946, in welcher häufig Privatdetektive und Einzelgänger in den Filmen vorkamen und es insgesamt mehr Dialoge als Aktionen gab. Die zweite Phase ist die direkte Nachkriegszeit von 1945 bis 1949, in welcher es in den Filmen um Straßenkriminalität, politische Korruption und den Polizeialltag geht (in dieser Zeit entstand auch der Film Mildred Pierce). In der dritten Phase, von 1949 bis 1953, wandte sich der Film Noir der psychologischen Ebene zu und präsentierte nun auch Dinge wie Psychosen, Selbstmord oder einen Psychopathen als Protagonisten.

2.3 Film Noir, ein Genre?

Eine anhaltende Diskussion ist, ob der Film Noir überhaupt als ein eigenes Filmgenre angesehen werden kann. Dagegen spricht, dass der Film Noir mit einer bestimmten historischen Epoche verknüpft ist, während ein Genre dauerhaft und zu verschiedenen Epochen bestehen sollte. Eine Möglichkeit wäre daher, den Film Noir stattdessen als eine Filmbewegung von Filmen mit den gleichen thematischen und filmischen Elementen zu definieren.[8] Dafür den Film Noir als Genre zu klassifizieren, sprächen die ähnlichen Arten der Narration in den Filmen[9], für eine Definition als ein Filmstil sprechen die gleichen Filmtechniken bezüglich Kameraeinstellungen und Licht[10]. Andere bezeichnen den Film Noir wieder als ein System, das mehrere dieser Elemente in sich vereint.[11] Eine Diskussion, was davon der Film Noir letztendlich ist, soll jedoch nicht Bestandteil dieser Arbeit sein und eine definitive Antwort kann möglicher Weise gar nicht gegeben werden. Für den Kontext dieser Arbeit genügt es, davon auszugehen, dass der Film Noir eine bestehende Gattung, welcher Art auch immer, ist, welcher sich bestimmte Filme eindeutig und einige weitere weniger eindeutig oder nur zum Teil zu ordnen lassen und die eine einheitliche Inszenierungsweise bezüglich ihres Frauenbildes aufweisen.

3 Femme Noire

Die Frage nach dem Frauenbild im Film Noir ist sowohl die Frage nach dem, was dort als Frau auf dem Bildschirm zu sehen ist, als auch nach dem, was die Frau in der Ideologie des Films darstellt und wie dies interpretiert wird. Das Frauenbild im Film Noir ist sehr vielfältig und lässt sich kaum nur als ein einziges Bild beschreiben, vielmehr gibt es verschiedene Frauenbilder. Den meisten gemein ist jedoch eine entscheidende Eigenschaft, und zwar die klare Abgrenzung von dem konventionellen Frauenbild, der braven Hausfrau und Mutter, sowie sich der Film Noir auch von anderen Genres vor allem durch seine Andersartigkeit abgrenzt.

Female characters in classical Hollywood films are traditionally portrayed as weak, ineffectual figures safely placed in the fixed female roles of wives, mothers or daughters and desperately in need of the male hero’s affection and protection. Films noirs release the female image from these fixed roles and grant it overwhelming visual power. The iconography of the femme fatale grants these beautiful, provocative women visual primacy through shot composition as well as camera positioning, movement and lightning.[12]

Im Gegensatz zum konventionellen Film hat die Frau im Film Noir die Freiheit, über ihre eigenen Bewegungen zu bestimmen und häufig dominiert sie die Bildebene, wenngleich dies auch nicht bedeutet, dass sie ebenfalls in der Handlung des Films dominiert. Bereits in den 30er Jahren waren so genannte Frauenfilme entstanden, meist Melodramen mit Frauen in den Hauptrollen und für ein weibliches Publikum gemacht.[13] Als dann während der Kriegszeit viele Frauen begannen arbeiten zu gehen, wurden sie ein Publikum, dem sich Hollywood noch weiter anpasste und nun auch starke selbstständige Frauen darstellte. Bald darauf jedoch begannen die Männer aus dem Krieg zurückzukehren und von den Frauen wurde verlangt, diesen die Arbeitsplätze zu überlassen und in ihre Rollen als Hausfrauen zurückzukehren. Viele Frauen jedoch wollten nicht einfach in ihr altes Leben zurückkehren und genau in dieser Thematik setzt das Frauenbild des Film Noir ein. Insbesondere in den letzten Kriegsjahren und direkten Nachkriegsjahren setzte sich der Film Noir in Filmen wie Mildred Pierce mit der Thematik der mächtigen Frau und ihrer Rolle in Familie und Gesellschaft auseinander.

3.1 Kontext und historische Hintergründe

Um die Position der Frau im Film Noir zu untersuchen, muss zuerst einmal betrachtet werden, durch welche äußeren Umstände die Rolle der Frau definiert wird, und zwar durch ihre Familie. Ehemann und Kinder, oder auch das Fehlen dieser sowie das Verhältnis der Frau zu ihren Familienmitgliedern und die Rolle, die sie innerhalb der Familie einnimmt, sind entscheidende Merkmale für die Untersuchung des Frauenbilds im Film Noir.

Die tiefgreifendste Veränderung für Frauen war in der Entstehungsphase des Film Noir ihr, zumindest vorübergehender, Eintritt in den Arbeitsmarkt. Während die Männer im Krieg waren, übernahmen die zurückgebliebenen Frauen ihre Arbeiten vor Ort, doch nach der Rückkehr der Männer kam es natürlich zu Konflikten, die unter anderem zu einer ungewohnt hohen Scheidungsrate für diese Zeit führten[14]. Trotz Versuchen, beispielsweise rückkehrenden Veteranen Prioritäten auf bestimmte Arbeitsplätze einzuräumen, und Frauen vom Arbeitsmarkt oder zumindest auf niedrige Tätigkeiten zu verdrängen, bestanden viele Frauen dennoch auf ihrem neu gewonnenen Recht, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.[15]

[...]


[1] Vgl. Wager 1999, S. 73, 76.

[2] Schrader 1972, S. 53.

[3] Vgl. Schrader 1972, S. 54-56.

[4] Vgl. Martin 1998, S. 204.

[5] Vgl. Wager 1999, S. 78.

[6] Vgl. Schrader 1972, S. 57f..

[7] Die folgenden Darlegungen zu den drei thematischen Phasen des Film Noir stützen sich auf Schrader 1972, S. 58f..

[8] Vgl. Place 1978, S. 49f..

[9] Vgl. Wager 1999, S. 76.

[10] Vgl. Wager 1999, S. 77.

[11] Vgl. Wager 1999, S. 77f..

[12] Hollinger 1996, S. 246.

[13] Die folgende Einleitung zur femme noire stützt sich auf Martin 1998, S. 202f..

[14] Vgl. Martin 1998, S. 203

[15] Vgl. Wager 1999, S. 74.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Femme Noire. Das Frauenbild im Film Noir
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Seminar für Filmwissenschaft - Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Vertiefungsmodul Filmanalyse und -geschichte: Hauptseminar Film Noir
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V134405
ISBN (eBook)
9783640426133
ISBN (Buch)
9783640423224
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Film Noir, Mildred Pierce, Filmanalyse, Filmgeschichte, Frauenbild, Femme Fatale, Film
Arbeit zitieren
Theresa Hartig (Autor), 2009, Femme Noire. Das Frauenbild im Film Noir, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134405

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