Analyse der deutschen Sportpolitik am Beispiel der Deutschen Eislauf Union

Folgt die Spitzensportförderung des Bundes dem Prinzip der Subsidiarität oder dem des Korporatismus?


Hausarbeit, 2006

13 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Erklärung des Begriffs ‘Sport’

3 Rechtlicher Schutz und Aufteilung staatlicher Sportpolitik

4 Strategien der Sportpolitik
4.1 Subsidiarität
4.2 Korporatismus

5 Grundsätze staatlicher Sportpolitik in Deutschland

6 Untersuchung des Spitzensports am Beispiel der Deutschen Eislauf Union
6.1 Deutsche Eislauf Union
6.2 Finanzierung und staatliche Unterstützung der Deutschen Eislauf Union
6.3 Die Stasi-Affäre um Ingo Steuer

7 Die Deutsche Eislauf Union und die Prinzipien der Subsidiarität und des Korporatismus

8 Fazit

Literaturverzeichnis:

1 Einleitung

Die Sportpolitik ist eines der Politikfelder in der Politikwissenschaft, die am wenigsten untersucht werden. Dennoch hat der Sport einen politischen Charakter, “auch wenn im Zentrum der Politikwissenschaft nicht der Sport, und im Zentrum der Sportwissenschaft nicht die Politik steht.” (Lösche 2002: 45). Dennoch rufen viele Politikwissenschaftler, wie zum Beispiel Sven Güldenpfennig, zu einer Politikwissenschaft des Sports auf (vgl. Güldenpfennig 2002: 65-67). Betrachtet man den Sport und die Politik im Laufe der Geschichte wird klar, dass schon seit der Antike eine Verbindung zwischen ihnen existiert. Sport war immer ein Mittel der Politik um Politisches Darzustellen. Deutliche Beispiele sind die Olympischen Spiele: 1936 im nationalsozialistischen Deutschland, die Anschläge in München 1972 und die Spiele 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles während des kalten Krieges.

Doch auch heute in der Bundesrepublik Deutschland ist eine Verbindung von Sport und Politik klar zu erkennen. So ist der Deutsche Sportbund (DSB) mit 27 mio. Mitgliedern die größte Massenorganisation der Republik. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde stark politisiert und vom Staat gefördert, zum Beispiel durch den Stadienbau. Unter anderem seit der Tour de France der letzten Jahre werden in der Politik Gesetze gegen Dopingmissbrauch diskutiert. Dies sind nur wenige Beispiele in denen die Politik Einfluss auf den Sport, beziehungsweise der Sport Einfluss auf die Politik nimmt.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich in erster Linie mit der deutschen Sportpolitik hinsichtlich der Sportförderung. Nach außen beschreiben Autonomie, Subsidiarität und Partnerschaft das Verhältnis zwischen Sport und Politik (vgl. Bundesministerium des Innern 2002: 15). Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob und in wieweit der Sport und seine Verbände, in Deutschland wirklich autonom handeln, beziehungsweise handeln können, und somit dem Subsidiaritätsprinzip folgt, oder ob sie dem Prinzip des Korporatismus folgen müssen. Es ist nicht möglich die Analyse im Rahmen dieser Hausarbeit in allen Bereichen des Sports auf diese beiden Prinzipien hin zu untersuchen, weshalb die deutsche Sportpolitik im Spitzensport am Beispiel der Deutschen Eislauf Union (DEU) betrachtet wird. Dazu werden in unter Punkt zwei und drei, der Begriff des Sports definiert und die rechtlichen Grundlagen staatlicher Sportpolitik dargestellt, unter Punkt vier und fünf werden die Prinzipien der Subsidiarität und des Korporatismus erläutert und die Grundsätze der deutschen Sportpolitik aufgezeigt, bevor unter Punkt sechs, die Deutsche Eislauf Union als Verband des Spitzensports betrachtet wird. Inwieweit die Sportpolitik des Staates in Bezug auf die DEU einem der beiden Prinzipien entspricht wird unter Punkt 7 aufgezeigt. Im Fazit werden die Ergebnisse dargestellt, also ob die Sportpolitik wirklich dem Prinzip der Subsidiarität folgt, oder doch dem des Korporatismus.

2 Erklärung des Begriffs ‘Sport’

Bevor man sich mit Sportpolitik befasst muss zunächst der Sportbegriff beschrieben werden, da dieser in der politikwissenschaftlichen Analyse nur selten benutzt wird. Der Sportbegriff kann weit gefasst werden. Es geht auf der einen Seite um körperliche Betätigung, die nach sozial gefestigten Regeln ablaufen. Güldenpfennig nennt diese Seite des Sports das ‘Tätigkeitssystem‘. Hierbei geht es um den unpolitischen Teil des Sports, die reine körperliche Bewegung. Dieses Tätigkeitssystem wird in erster Linie von der Sportwissenschaft untersucht.

Die andere Seite wird von Güldenpfennig als ‘Sport als institutionelles System’ bezeichnet. Diese Seite beschreibt alle gesellschaftlichen Träger des Sports, seine Organisationen und seine Verflechtungen mit dem Staat und mit anderen gesellschaftlichen Institutionen. Hier hat der Sport auch politischen Charakter, da “es nämlich innerhalb dieser Organisationen und ihrer gesellschaftlichen Verflechtungen um Macht und Einfluss gehen kann oder insofern die Sportorganisationen ihre je spezifischen Interesse, gegenüber dem Staat oder doch bezogen auf den Staat vertreten.” (Lösche 2002: 46). Der Sport als institutionelles System kann also auch Teil politikwissenschaftlicher Analysen sein.

Sport ist somit beides: politisch und nicht-politisch. In dieser Hausarbeit wird die politische Seite betrachtet und analysiert.

3 Rechtlicher Schutz und Aufteilung staatlicher Sportpolitik

Da sich diese Hausarbeit mit dem Spitzensport befasst, soll verdeutlicht werden wie die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern in diesem Bereich verteilt sind, und welchen verfassungsrechtlichen Schutz der Sport besitzt.

Der Sport erhält seinen grundlegenden verfassungsrechtlichen Schutz durch Artikel 2 des Grundgesetzes, dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, und Artikel 9, der Vereinigungsfreiheit. Das Grundgesetz enthält jedoch keine geschriebene Kompetenz für die Sportförderung des Bundes. Viel mehr “besitzt [der Bund] eine aus dem Verfassungswillen abzuleitende ungeschriebene Finanzierungszuständigkeit aus der Natur der Sache und kraft Sachzusammenhangs.” (Bundesministerium des Innern 2002: 14f.).

Der Sport ist in Deutschland weitgehend Sache der Länder und der Kommunen. Nur wenn der Sport Angelegenheiten betrifft, die über die Belange der Bundesländer herausgeht, ist der Bund zuständig. Darunter fallen die gesamtstaatliche Repräsentation, die Auslands-beziehungen, die Unterstützung nicht-staatlicher zentraler Organisationen, die Bedeutung für das gesamte Bundesgebiet haben und ressortzugehörige Funktionen. Weitere Förderung ist in seinem Dienstbereich, wie beispielsweise durch die Bundeswehr oder dem Bundesgrenzschutz möglich, ebenso wie durch Berücksichtigung des Sports in der Gesetzgebung. Es wird deutlich, dass auf Bundesebene das Hauptaugenmerk auf dem Spitzensport liegt. Anders als in anderen europäischen Ländern sind für die gesamte Förderung des Sports in Deutschland bis zu zehn Ministerien zuständig, wobei das Bundesministerium des Innern die sportlichen Angelegenheiten des Bundes koordinieren (vgl. Heinemann 1996: 183). Als Beispiel einer anderen Kompetenzverteilung in Europa sei Italien genannt, wo der Sport dem Ministerium für Tourismus und Unterhaltung zugeordnet ist (vgl. Hartmann-Tews 1993: 48).

Der Sport ist in 11 Bundesländern in den Länderverfassungen als Staatsziel genannt, was seine Bedeutung unterstreicht. Die staatliche Sportpolitik auf der Ebene der Bundesländer befasst sich insbesondere mit der Förderung des Freizeit- und Breitensports und der Schulsportpolitik. Darunter fällt auch die Unterstützung der Gemeinden beim Bau und der Unterhaltung von Sportstätten, wie auch die Ausbildung von Sportlehrern und die sportwissenschaftliche Forschung. Am bedeutendsten für den Freizeit- und Breitensport ist die Unterstützung durch die Kommunen, der direkt für den Bau und die Unterhaltung der Sportstätten verantwortlich ist. Davon profitieren sowohl der Schul- als auch der Vereinssport und indirekt auch der Spitzensport.

4 Strategien der Sportpolitik

Staatliche Förderung muss legitimiert werden, sie muss klare Ziele und Zwecke verfolgen um sie der Öffentlichkeit vermitteln zu können. Dabei kann die Förderung mit zwei Konstrukten legitimiert werden: Zum einen dem Konstrukt der Subsidiarität, zum anderen dem des Korporatismus. Wichtig bei der genaueren Betrachtung dieser zwei Prinzipien ist, dass sie sich grundsätzlich gegenseitig ausschließen (vgl. Heinemann 1996: 191f.). Dies bedeutet, dass sich ein Staat bei seiner Sportpolitik und Sportförderung für eines dieser beiden theoretischen Prinzipien entscheiden muss, und nach ihm handeln muss.

4.1 Subsidiarität

“Subsidiarität (von lat. subsidium = Hilfeleistung, Unterstützung, Förderung), sozialethisches, verfassungsrechtliches und gesellschaftspolitisches Prinzip, das nach den Kriterien der Erforderlichkeit und der besseren Erfüllung den kleineren Einheiten (..) Handlungspriorität vor den nächst höheren gibt. Die übergeordnete Gemeinschaft soll nur tätig werden, und ist dann auch zur Hilfe verpflichtet, wenn die untergeordnete Ebene der sozialen oder politischen Unterstützung bedarf.” (Nohlen 1998: 630f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Analyse der deutschen Sportpolitik am Beispiel der Deutschen Eislauf Union
Untertitel
Folgt die Spitzensportförderung des Bundes dem Prinzip der Subsidiarität oder dem des Korporatismus?
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Analyse und Vergleich politischer Systeme
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V135595
ISBN (eBook)
9783640443680
ISBN (Buch)
9783640443444
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sportpolitik, DEU, Deutsche Eislauf Union, Subsidiarität, Korporatismus, Sportförderung, Spitzensport, Spitzensportförderung, Innenpolitik
Arbeit zitieren
Jörn Bollinger (Autor), 2006, Analyse der deutschen Sportpolitik am Beispiel der Deutschen Eislauf Union, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135595

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Analyse der deutschen Sportpolitik am Beispiel der Deutschen Eislauf Union



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden