Das Phänomen der Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne


Bachelorarbeit, 2009
29 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Nacktheit in der Gesellschaft
2.1 Sexualität in der konventionellen Gesellschaft
2.2 Die sexuelle Revolution

3 Entwicklung von Nacktheit auf der Bühne
3.1 Bühnenexperimente in den 1960er- und 70er-Jahren
3.2 Einzug der Nacktheit auf die großen Bühnen
3.2.1 Sex sells – Eine Ursache der allgemein zunehmenden Nacktheit
3.2.2 Ursachen von Nacktheit auf den großen Bühnen
3.2.3 Wahrnehmung von Nacktheit auf der Bühne

4 Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne
4.1 Körperlichkeit und Nacktheit im postdramatischen Theater
4.2 Einsatzmöglichkeiten von Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne
4.2.1 Beispiele von Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne
4.2.2 Umgang mit Nacktheit innerhalb einer Inszenierung
4.2.3 Sexualität und Erotik
4.2.4 Wildheit und Animalität
4.2.5 Nacktheit als Kostüm
4.2.6 Nacktheit als Leinwand

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Unabhängig von Thema und Art einer Aufführung machen Theaterzuschauer im zeitgenössischen Theater regelmäßig die Erfahrung, dass Darsteller sich teilweise oder auch komplett entblößen, und dies in Inszenierungen von Stücken von der Klassik bis zur Gegenwart. Auf den zeitgenössischen Bühnen zeigt sich ein neuer Umgang mit Nacktheit, der sich schon seit mehreren Jahrzehnten in der Gesellschaft, in den Medien und schließlich auch in der Kunst entwickelt hat. Nur noch selten allerdings zeigen sich heutzutage Zuschauer schockiert über nackte Haut auf der Bühne, dennoch wird die Nacktheit im Theater nicht wie in anderen Medien einfach nebenbei hingenommen. Auch ist der Umgang mit der Nacktheit der Darsteller innerhalb einer Inszenierung sehr verschieden, teilweise ist sie nur beiläufig und bleibt unkommentiert, in anderen Aufführungen dagegen wird exzessiv darauf hingewiesen. Doch schnell wird sichtbar, dass Nacktheit auf der Bühne nicht einfach nur die Zurschaustellung von nackter Haut sein und auch nicht zwingend in Verbindung mit Sexualität stehen muss, sondern zu neuen, eigenen Ausdrucksweisen führen kann.

Diese Arbeit untersucht, welche Bedeutung das Phänomen der Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne repräsentiert, sowohl für die Zuschauer als auch für die Bühnenkunst selbst und wie es überhaupt zu der Entstehung dieses Phänomens kam. Hierzu wird zuerst ein Überblick zu den konventionellen Ansichten von Nacktheit in einer christlich geprägten Gesellschaft gegeben und anschließend das Aufkommen und die Entwicklung der sexuellen Revolution der letzten Jahrzehnte vorgestellt. Daraufhin wird die Entfaltung von Nacktheit auf der Bühne, insbesondere im experimentellen Theater der 1960er- und 70er-Jahre, sowie die Übernahme von Nacktheit auf den großen Theaterbühnen näher beleuchtet. Ebenfalls eingegangen wird auf die Ursachen der zunehmenden Nacktheit auf der Bühne und ihre Wahrnehmung durch den Zuschauer. Außerdem wird die Frage behandelt, warum die Reaktionen auf Nacktheit im Theater sich derart von jenen bezüglich anderer Medien unterscheiden. Schließlich wird die Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne in den Kontext der umgebenden Theatermittel sowie der veränderten Bühnenkunst und Darstellungsformen gesetzt und aufgeführt, welche neuen Bilder und Bedeutungen die Nacktheit auf der Bühne entstehen lassen kann.

Zwar gelten viele der hier getroffenen Aussagen für die Entwicklung des Theaters in der westlichen Welt allgemein, Hauptuntersuchungsfeld und Beispiel ist jedoch das zeitgenössische deutsche Theater. Wohlgemerkt wird auch stets auf die dem Phänomen der Nacktheit vorausgegangen Entwicklungen eingegangen, nicht jedoch auf die langwierigen Prozesse, die zu diesen führten oder Voraussetzung für diese waren und zum Teil schon Jahrzehnte vorher in Gang gesetzt wurden. Des Weiteren sei angemerkt, dass Nacktheit nicht zwingend mit Sexualität und Erotik in Verbindung stehen muss, viele der Entwicklungen, die die Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne begünstigten jedoch erst einmal mit der Forderung nach einer freien Sexualität begannen, die Nacktheit somit aber auch betrafen. Materialgrundlage für diese Arbeit waren neben zeitgenössischen Theaterinszenierungen, Texte zum sexuellen Verhalten von Mann und Frau sowie der Position der Sexualität in der konventionellen Gesellschaft, Literatur zur Entwicklung von Nacktheit im Theater und in anderen Medien sowie Veröffentlichungen zum zeitgenössischen Theater allgemein.

2 Nacktheit in der Gesellschaft

In einer Untersuchung des Phänomens der Nacktheit auf der Bühne ist es unabdingbar, erst einmal den Kontext der Bühnen zu betrachten: die Gesellschaft, zu der sie gehören. Erst bestimmte gesellschaftliche Veränderungen machten die große Präsenz von Nacktheit auf der Bühne überhaupt möglich, zugleich ist der Einsatz von Nacktheit jedoch auch nicht zuletzt geprägt von der Rebellion gegen die früheren Konventionen.

2.1 Sexualität in der konventionellen Gesellschaft

Alfred Kinsey stellt in seinen Untersuchungen zum sexuellen Verhalten des Mannes und der Frau, den sogenannten Kinsey Reports, Beobachtungen zur Entwicklung der Sexualität in den westlichen Gesellschaften auf. Hierbei sieht er die prägenden Faktoren für das gesellschaftliche Bild der Sexualität in der Religion und in frühen kulturellen Einflüssen: „…es gab Kulturen und Religionen, die in der Sexualität in erster Linie das notwendige Mittel zur Fortpflanzung sahen, das nur in der Ehe genossen werden darf, und auch nur dann, wenn die Zeugung das Ziel des Aktes ist“[1]. Schon sehr früh entstand bereits bei den Vorgängern der westlichen Kulturen der Gedanke, dass Sexualität soweit wie möglich unterdrückt werden muss und nur im absoluten Bedarfsfall zum Einsatz kommen darf. Diese Beschränkung des sexuellen Aktes auf den Bereich der Ehe war außerdem zugleich ein Faktor, der die Eheschließung und -erhaltung unterstützte.[2] Sexualität dagegen als ein natürliches, biologisches Vorgehen zu definieren, wurde als primitiv und animalisch abgestempelt[3], denn in der christlichen Religion gilt der Mensch als das höchste Wesen auf Erden, das den Tieren überlegen ist. Folglich sollte er sich nicht wie diese verhalten und seinen sexuellen Trieben folgen, sondern diese durch seine Kultivierung unterdrücken.

Neben den allgemeinen moralischen Ansichten in der Gesellschaft war – natürlich ebenfalls geprägt von diesen – die Zensur lange Zeit das, was die Nacktheit nicht auf neue Bühnen vordringen lies. In Demokratien, in denen die Freiheit des Sprechens zu den höchsten Gütern gehört und außerdem der Kunst die Freiheit und der Bedarf des Experimentierens zugesprochen wird, konnte diese Zensur jedoch nicht dauerhaft aufrechterhalten werden.[4]

2.2 Die sexuelle Revolution

Die entscheidenden gesellschaftlichen Entwicklungen, die eine sexuelle Revolution der Gesellschaft und somit auch der Theater auslösten, gingen aus der sogenannten Gegenkultur der 1960er hervor.[5] Die Gegenkultur entstand insbesondere unter Einwirkung der Nachkriegsgeneration des Zweiten Weltkriegs auf ihre Kinder, welche in den 1960er-Jahren Jugendliche waren.[6] Diese Generation beschäftigte sich mit Ideen, die sich von jenen der etablierten Gesellschaften vollkommen unterschieden und experimentierte mit Drogen, Psychologie und orientalischen Mythen sowie ebenfalls einer neuen Vorstellung von freier Sexualität. Die Einflüsse auf die Gegenkultur sind vielfältig und zahlreich, einige davon sind „bei der Tiefenpsychologie, bei Resten linker Ideologie, bei östlichen Religionen, dem romantischen Weltschmerz, bei anarchistischer Gesellschaftslehre, beim Dadaismus [und] bei amerikanisch-indianischer Überlieferung“[7] zu finden. Diese Zeit der Rebellion ist vor allem geprägt von Protesten gegen den damaligen Vietnamkrieg, den Aufstand gegen Autoritäten, dem Streben nach Gleichberechtigung und Gleichstellung von Minderheiten sowie dem Verlangen nach einer größeren sexuellen Freiheit. Die Gegenkultur wurde jedoch nicht nur von Jugendlichen begründet, sondern auch erwachsene Schriften, wie beispielsweise jene von Sigmund Freud und Alfred Kinsey im Bereich der Sexualität, beeinflussten ihre Entstehung entscheidend. Viele Erwachsene, die einen Einfluss auf die Gegenkultur hatten, wendeten sich konkret an Jugendliche, andere wurden einfach gerne von diesen aufgegriffen und zitiert. Die Gegenkultur brachte einen Umbruch in der Gesellschaft hervor, und ihre Forderungen nach einer freien Sexualität waren ein entscheidender Antrieb, der noch Jahrzehnte später Auswirkungen auf das Bild von Sexualität und Nacktheit in der Gesellschaft hat.

Nachdem die Gegenkultur diesen Anstoß geliefert hatte, entwickelte sich in der gesamten Gesellschaft eine beginnende sexuelle Revolution, die zu einem vollkommen neuen, offeneren Umgang mit Sexualität und Nacktheit führen würde.[8] Gillian Hanson, die sich bereits 1970 ausführlich mit dem Phänomen der Nacktheit im Theater und im Film beschäftige, hält drei Faktoren fest, die erst einmal für die Entstehung der sexuellen Revolution in der gesamten Gesellschaft verantwortlich waren: „Apart from the movements within the arts, the outside influence can be summarized most briefly: the Second World War, Television, Freud and Kinsey“[9]. Diese Idee begründet Hanson damit, dass Kriege grundsätzlich eine Atmosphäre der sozialen und individuellen Freiheit hinterlassen, während das Fernsehen maßgeblich beeinflusst hat, was die Menschen vom Leben erwarten und sich bieten lassen. Das Fernsehen nahm der Nacktheit viel von seiner Verbotenheit und Heimlichkeit, denn wo sowohl gespielte als auch echte Gewalt und Brutalität, tote Menschen und reale Kriegsbilder regelmäßig zu sehen sind, kann Nacktheit nicht mehr schockieren und gehört beinahe schon zu den harmlosen Bildern, die der Fernsehbildschirm zu bieten hat. Freud und Kinsey lieferten schließlich die theoretischen Grundlagen, die die neuen Verhältnisse in der Gesellschaft begründen. Seit den 1930er-Jahren hatte Freud durch seine Psychoanalyse die offene Diskussion von Sexualität intellektuell akzeptabel gemacht und Kinsey macht sie schließlich ab den 1950ern durch seine Werke über das sexuelle Verhalten von Männern und Frauen auch sozial vertretbar.[10] Eine weitere Ursache für den neuen Umgang mit der Sexualität ist zudem die Erfindung und soziale Anerkennung von sicheren Verhütungsmitteln ebenfalls in den 1960er-Jahren. Diese ermöglichten es, dass Sexualität nicht nur ohne soziale, sondern auch ohne medizinische Zwänge zwischen den Menschen ausgeübt werden konnte. Diese neue Möglichkeit des Auslebens der Sexualität führte zu einer wesentlich niedrigeren Hemmschwelle für Sex und sexuelle Themen insgesamt.

3 Entwicklung von Nacktheit auf der Bühne

3.1 Bühnenexperimente in den 1960er- und 70er-Jahren

Die 1960er waren insgesamt eine Zeit, die noch heute für ihr politisches Bewusstsein und die Rebellion der Jugend bekannt ist und somit eine Zeit des allgemeinen Umbruchs. Es ist daher kein Zufall, dass die entscheidenden Schritte zur Nacktheit auf den Bühnen sowohl der experimentellen Theater als auch der großen Theater ebenfalls in den 1960er-Jahren getätigt wurden; diese Zeit kann daher auch für die Theater gemeinhin als eine Zeit des Umbruchs betrachtet werden. Unter anderem begann sich das Theater in dieser Zeit auch mit den bis dahin als Tabu-Themen geltenden Thematiken Hitlers und des Zweiten Weltkrieges auseinanderzusetzen und wurde so stark wie nie zuvor zu einem politischen Forum.[11] Das Phänomen der Nacktheit auf der Bühne begann schließlich in dem von Peter Brook als Rough Theatre[12] bezeichneten Theater, das heißt in jenem derben Theater, das nicht auf den großen kommerziellen Bühnen stattfindet, sondern meist in Privaträumen oder Hinterkammern.

Ein maßgeblicher Schritt in der Präsentation von Nacktheit auf der Bühne geschah in Form von Happenings, die Ende der 60er-Jahre entstanden.[13] Die Entwicklung des Happenings stand zwar unter dem indirekten Einfluss der Avantgarde und der Bauhausbewegung, ging aber direkt aus den theoretischen Schriften des US-amerikanischen Künstlers und Komponisten John Cage und aus dem ersten Happening 1952 am Black Mountain College hervor. Eine präzise Definition eines Happenings ist fast unmöglich, da diese Ungenauigkeit Teil der Eigenschaft eines Happenings ist.

In the Happening there are no more spectators and no more monologues; these are replaced by dialogue – by the exchange and circulation of ideas. The Happening is both outsider and intruder; it steps beyond the traditional theatre, it is unbothered by commercial or conventional aesthetic considerations and it goes straight to each spectator individually; it reduces him to a person without any aids or crutches. It forces him to participate, to respond, and to do this it relies on the sense of insecurity that the unfamiliar and the unexpected instill.[14]

Das Publikum, das mit einer derartigen Vorstellung konfrontiert wurde, hinterfragte den Sinn des Happenings und zeigte oft Erstaunen oder gar Entsetzen. Die Zuschauer fühlten sich beleidigt, überrascht und vor allem verwirrt, empfanden das Happening als unangenehm oder lehnten es ab. So gelang es dem Happening, eine neue Art der Wahrnehmung auf Seiten des Zuschauers entstehen zu lassen.

Ein weiteres entscheidendes Merkmal war, dass das Happening sich vor allem auf visueller und nur wenig auf verbaler Ebene vollzog, wodurch der Einsatz des Körpers in diesen Aufführungen das zentrale Element war. Hinzu kam, dass sich die Happenings durch ein gemeinsames Element auszeichneten: ihre Obsession mit der Nacktheit. So gut wie kein Happening verzichtete darauf, nackte Körper auf der Bühne zu präsentieren und diese Besessenheit der Happenings etablierte eine erste dauerhafte Präsenz von Nacktheit auf der Bühne.

Ebenso entscheidend in der Entwicklung der Nacktheit auf der Bühne war die in den 1960er- und 70er-Jahren entstandene Performancekunst, welche unter großem Einfluss der Happenings stand und zum Teil direkt aus diesen hervorging. Auch in der Performancekunst spielen der Körper und der Umgang mit diesem eine zentrale Rolle und sehr häufig wird der Körper nackt auf der Bühne präsentiert. Performancekünstler und -künstlerinnen, wie beispielsweise Marina Abramović in ihrer Performance Freeing the Body, stellten ihre Körper nicht einfach nur zur Schau, sondern machten sie zu Instrumenten ihrer Performances. Hier wurde ein weiterer entscheidender Schritt getan, um Nacktheit auf der Bühne salonfähig zu machen.

Die Nacktheit fand auch ihren Weg in das experimentelle Theater der 1960er-Jahre, in Theaterbewegungen, die eng mit der aufkommenden Gegenkultur verbunden waren und sich insbesondere mit den Thematiken von Drogen und Sex beschäftigten. Auch im experimentellen Theater, wie beispielsweise jenem der US-amerikanischen Living Theatre Gruppe, war auffällig, dass fast jede Inszenierung mindestens einen nackten Körper aufwies und dass auch hier Nacktheit eine essenzielle Eigenschaft dieser Bühnenkunst in jener Zeit darstellte.[15]

3.2 Einzug der Nacktheit auf die großen Bühnen

3.2.1 Sex sells – Eine Ursache der allgemein zunehmenden Nacktheit

Schon bald löste sich die Nacktheit auf der Bühne davon, einfach nur etwas Neues, Reform, Experiment, Revolution oder Ausdruck von künstlerischer Freiheit zu sein und wurde stattdessen als Einnahmequelle vermarktet. „Certainly in introducing nudity the experimentalist had no thought of financial gain – they were more likely to lose money in fines and lawsuits.“[16] Einen großen Anteil der zunehmenden Nacktheit in der wohlgemerkt kapitalistischen Gesellschaft macht allerdings die Tatsache aus, dass sich mit Nacktheit, solange sie ästhetisch und sexuell ist, jede Menge Geld verdienen lässt.

The great discovery accompanying the sexual revolution is that sex sells, and eroticism is being banalized and exploited in order to make money – not to enhance the quality of human life, not to bring increased personal freedom, not to spread joy in sex for its own sweet sake, but to make money.[17]

Dies begann heimlich in dunklen Hinterkammern und wurde dann in die Öffentlichkeit und bis auf die Theaterbühne ausgeweitet. Zwar lässt sich dies nicht als die einzige Ursache des Phänomens darstellen, hat aber dennoch maßgeblich zu dessen Entwicklung beigetragen. Die ersten Experimente von Nacktheit auf der Bühne entstanden in der experimentellen Bühnenkunst, um zu schockieren, zu empören und zu rebellieren, auf die großen Bühnen übernommen wurde das Phänomen jedoch nicht zuletzt wegen seiner Fähigkeit, die Kassen zu füllen. Nacktheit in einer Theateraufführung sorgt für Aufmerksamkeit bei Kritikern, Presse und Zuschauern, und diese Aufmerksamkeit muss noch nicht einmal positiver Art sein, um ein reges Interesse an einer Inszenierung hervorzurufen. In Deutschland jedoch, anders als in vielen Ländern, finanzieren sich die Staats-, Stadt- und Landestheater ein gutes Stück weit durch öffentliche Subventionierungen, denn „[d]as Theater hat einen Kulturauftrag zu erfüllen, d.h. der Bürger erhält die Möglichkeit, am Kulturgut ‚Theater’ teilzunehmen“[18] und auf diese Weise sollen die Eintrittspreise erschwinglich gehalten werden. Für die Theater bedeutet dies, nicht auf den großen kommerziellen Erfolg jeder einzelnen Inszenierung angewiesen zu sein und eine freiere Kunst entstehen lassen zu können.[19] Die staatlich geförderten Theater in Deutschland sind also nur in Maßen abhängig von ihren tatsächlichen Einnahmen und das Phänomen der Nacktheit auf der Bühne lässt sich folglich auch nur in Maßen mit der finanziellen Ausbeutung von dieser begründen. Für die Entwicklung der großen Präsenz von Nacktheit in der Gesellschaft und den Medien insgesamt war die Ausnutzung von dieser zwar ein entscheidender Faktor, die ausschlaggebenden Ursachen für den Einzug der Nacktheit auf die großen Theaterbühnen müssen jedoch woanders gesucht werden.

[...]


[1] Kinsey et al. 1948, S. 249.

[2] Vgl. Kinsey et al. 1953, S. 17.

[3] Vgl. Kinsey et al. 1948, S. 249.

[4] Vgl. Hanson 1970, S. 32.

[5] Die folgenden Darlegungen zur Gegenkultur stützen sich auf Roszak 1968, S. 12-19.

[6] Vgl. Hanson 1970, S. 17.

[7] Roszak 1968, S. 14.

[8] Die folgenden Darlegungen zur sexuellen Revolution stützen sich auf Hanson 1970, S. 11-16.

[9] Hanson 1970, S. 11.

[10] Vgl. Hanson 1970, S. 16.

[11] Vgl. Hinck 1989, S. 15-17.

[12] Vgl. Brook 1968, S. 73.

[13] Die folgenden Darlegungen zum Happening stützen sich auf Hanson 1970, S. 137-140.

[14] Hanson 1970, S. 139f.

[15] Vgl. Hanson 1970, S. 143-151.

[16] Hanson 1970, S. 154.

[17] Hanson 1970, S. 23.

[18] Kleine-Borgmann 1989, S. 39.

[19] Vgl. Kleine-Borgmann 1989, S. 39.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen der Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V135749
ISBN (eBook)
9783640421763
ISBN (Buch)
9783640421862
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nacktheit, Theater, Bühne, Gegenwart, Modern, zeitgenössisch, Phänomen, Theateranalyse, Analyse, Gegenwartstheater, postdramatisch, postdramatisches Theater, nackt, entblößt, bachelor, bachelorarbeit, ba-arbeit, lehmann, shakespeare, macbeth, sommernachtstraum, jürgen gosch, thomas ostermeier, gosch, ostermeier, constanza macras
Arbeit zitieren
Theresa Hartig (Autor), 2009, Das Phänomen der Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135749

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Phänomen der Nacktheit auf der zeitgenössischen Bühne


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden