Zertifikate - Chancen und Risiken für den Anleger


Studienarbeit, 2009

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Begriffs Zertifikat
2.1 Definition des Begriffs Zertifikat
2.2 Geschichte des Zertifikats

3 Die wichtigsten Zertifikat-Formen
3.1 Index-Zertifikate
3.1.1 Funktionsweise und Bestandteile
3.1.2 Chancen und Risiken für den Anleger
3.2 Discount-Zertifikate
3.2.1 Funktionsweise und Bestandteile
3.2.2 Chancen und Risiken für den Anleger
3.3 Aktienanleihen
3.3.1 Funktionsweise und Bestandteile
3.3.2 Chancen und Risiken für den Anleger
3.4 Bonus-Zertifikate
3.4.1 Funktionsweise und Bestandteile
3.4.2 Chancen und Risiken für den Anleger

4 Chancen-Risiko-Profile für verschiedene Anlegertypen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht Chancen und Risiken von Indexzertifikaten

Tabelle 2: Übersicht Chancen und Risiken von Discount-Zertifikaten

Tabelle 3: Übersicht Chancen und Risiken von Aktienanleihen

Tabelle 4: Übersicht Chancen und Risiken von Bonus-Zertifikaten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Zertifikate erfreuen sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Die Anzahl der Zertifikate stieg seit dem Börsenboom im Jahre 2000 enorm. Dabei scheint die Formenvielfalt, inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 300.000 Zertifikate, schier unbegrenzt.[1] Indexzertifikate, Discount-Zertifikate oder Bonus-Zertifikate stellen nur einige zahlreicher Zertifikatstypen dar, die jede für sich wiederum verschiedene Formen aufweist. Immer wieder werden neue Zertifikate von so genannten Strukturierern konstruiert. Dies ist möglich, weil Zertifikate aus verschiedenen Terminmarkt-Komponenten bestehen, d.h., dass mehrere Kauf- oder Verkaufsoptionen zusammengefügt werden können.[2] Damit bieten Zertifikate dem Anleger eine wesentlich flexiblere Anlageform als z.B. Fonds oder Aktien.

Bei der Vielzahl der Zertifikat-Formen verliert man jedoch schnell den Überblick. Insbesondere Privatanleger scheinen oftmals nicht zu wissen, was sich tatsächlich hinter den Zertifikatprodukten verbirgt. Dies wurde vor allem durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers deutlich. Hier zeigte sich, dass viele Anleger mit der Funktionsweise von Zertifikaten nicht vertraut waren. So erlitten viele Anleger, die sich auf den Sicherheitspuffer ihrer Zertifikate ausruhten, schwere Kursverluste, da zum Teil Schutzschwellen von 50% selbst nicht mehr ausreichten.[3]

Der Markt für Zertifikate erlitt durch die aktuelle Wirtschaftskrise herbe Rückschläge. Dennoch, so sind sich Experten einig, bieten Zertifikate attraktive Chancen für den Anleger, da sie neben dem speziellen Zugang zu Aktien und Indizes Investitionen in neue Märkte ermöglichen, die bisher nur professionellen Investoren vorbehalten waren. Wer Zertifikate kaufen möchte, sollte sich jedoch zunächst ein Mindestmaß an Wissen aneignen, um diese richtig einsetzen zu können.[4]

In folgender Arbeit werden einige der wichtigsten Zertifikat-Formen vorgestellt und ihre typischen Eigenarten erklärt. Hierzu erfolgen zunächst eine Definition sowie ein kurzer historischer Rückblick auf die Entstehungsgeschichte von Zertifikaten. Anschließend werden die Funktionsweise und die Bestandteile ausgewählter Zertifikatstypen dargestellt und die Chancen und Risiken für den Anleger erläutert. Zum Schluss folgt eine Übersicht darüber welche Zertifikate für welche Anlegertypen bzw. Kursprognosen am besten geeignet ist.

2 Grundlagen des Begriffs Zertifikat

In folgendem Kapitel wird der Begriff Zertifikat definiert und erläutert sowie ein kurzer Überblick über die Entstehungsgeschichte des Zertifikats gegeben.

2.1 Definition des Begriffs Zertifikat

Zertifikate sind Wertpapiere aus der Gattung der Derivate (lat. Derivare = Ableiten) und werden von Geldinstituten als Wertpapiere (Schuldverschreibungen) ausgegeben. Dabei erwirbt der Anleger das Recht an der Weiterentwicklung des zu Grunde liegenden Basiswerts (underlying) des Wertpapiers.[5] Im Gegensatz zu anderen Anlageformen, wie z.B. Aktien, verbriefen Zertifikate also selbst keinen Wert, sondern lediglich bestimmte Rechte an einer Anlage.[6] Mit einem Zertifikat kauft der Anleger die Möglichkeit, von der Wertsteigerung einer Anlage zu profitieren. In den meisten Fällen dienen Aktien oder Indizes als Grundlage für Zertifikate.[7] Es gibt jedoch auch Zertifikate, die sich auf andere Basiswerte, wie z.B. Rohstoffe, Währungen oder Zinsen, beziehen.[8]

Zertifikate bestehen aus mehreren Finanzinstrumenten, wobei der Basiswert selbst, z.B. eine Aktie, meist den Grundbaustein bildet.[9] Anschließend kommen weitere Terminmarktbausteine hinzu, die die unterschiedlichen Risikostrukturen bilden. So entstehen z.B. Zertifikate, bei dem der Anleger Gewinne erzielt so lange der Basiswert nicht mehr als 20% fällt oder steigt oder der Anleger maximale Rendite erreicht, wenn der Basiswert exakt um 10% steigt.[10]

Die Vorteile für Anleger liegen zum einen in der Flexibilität von Zertifikaten, da sich durch die verschiedenen Bausteine fast jedes gewünschte Chancen-Risiko-Profil kreieren und somit verschiedene Anlagestrategien umsetzen lassen. Zum anderen ermöglichen Zertifikate den Zugang zu bis dato nicht investierbaren Märkten, wie z.B. den Rohstoffmarkt.[11]

Das Risiko von Zertifikaten liegt in ihrer rechtlichen Ausgestaltung. Anders als z.B. Fonds, die als Sondervermögen gelten und im Konkursfall geschützt sind, sind Zertifikate Inhaberverschuldungsschreiben. Dies bedeutet für den Anleger doppeltes Risiko. Zum einen trägt der Anleger wie bei allen anderen Anlageformen das Risiko des Kursverlustes (Kursrisiko). Zum anderen droht dem Investor aber auch im Falle einer Insolvenz des Emittenten im Extremfall Totalverlust (Emittentenrisiko).[12]

2.2 Geschichte des Zertifikats

Die historische Entwicklung von Zertifikaten ist kurz und bewegend. Im Jahre 1989 wurde das erste Index-Zertifikat mit dem Basiswert des DAX von der Dresdner Bank emittiert. Da zum selben Zeitpunkt jedoch auch Optionsscheine auf den Markt kamen, die durch ihren Hebel[13] eine attraktivere Finanzanlage darstellen, blieb der Erfolg des Zertifikats zunächst aus.[14] Inzwischen kamen weitere Zertifikate auf den Markt. 1995 wurden Discounterzertifikate emittiert, wodurch Anleger mit Sicherheitspuffer investieren konnten. Der Durchbruch des Zertifikats kam zur Jahrtausendwende mit dem Platzen der High-Tech-Blase im Jahr 2000. Anleger mussten schwere Kursrückgänge hinnehmen, wodurch das Interesse an Risikoanlagen schwand. Seither wurden stetig neue Zertifikattypen konstruiert und das Zertifikat entwickelte sich zum Massenprodukt, da es die Möglichkeit von hohen Renditen und Risikoeinschränkung vereinte.[15]

Erst mit der Finanzkrise nahm der Boom des Zertifikathandels ab. Trotz Sicherheitspuffer erlitten viele Anleger immense Kursverluste, wodurch erste Bedenken über die Sicherheit von Zertifikaten entstand. Mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers erlitt der Zertifikathandel jedoch einen enormen Einbruch. Tausende Anleger blieben auf ihrem Verlust sitzen, das Geschäft mit Zertifikaten kam zum Erliegen. Eine Entspannung dieser Situation scheint aufgrund anhaltender Wirtschaftsprobleme noch nicht in Sicht: Viele Emittenten suchen nach Auswegen aus der Krise.[16]

3 Die wichtigsten Zertifikat-Formen

In diesem Kapitel werden ausgewählte Zertifikat-Formen vorgestellt. Hierzu werden zunächst die Funktionsweise und die Bestandteile der einzelnen Zertifikate erläutert. Anschließend werden die Chancen und Risiken für den Anleger beschrieben und eine Empfehlung gegeben, für welche Anlagetypen die einzelnen Zertifikate besonders geeignet sind.

3.1 Index-Zertifikate

3.1.1 Funktionsweise und Bestandteile

Index-Zertifikate waren die ersten Zertifikate auf dem Markt und gehören zum Klassiker unter den Zertifikaten. Sie sind die einfachste Variante von Zertifikaten und sind vor allem wegen ihrer transparenten Struktur beliebt.[17]

Index-Zertifikate „verbriefen das Recht auf Zahlung eines Geld- oder Abrechnungsbetrags, dessen Höhe vom Wert des zu Grunde liegenden Index am Fälligkeitsdatum abhängt.“[18] Als zu Grunde gelegter Index kommen dabei sowohl Aktienindizes, wie der DAX, der Dow Jones oder der Euro Stoxx 50, als auch z.B. Rohstoff- oder Branchenidizes in Frage. Der Index setzt sich aus einer genau bestimmten Anzahl von Aktien zusammen, so dass der Kurs des Zertifikats grundsätzlich jederzeit der Summe der Kurse der einzelnen Aktien, entsprechend ihres Anteils am Zertifikat, entspricht.[19] Dabei läuft das Zertifikat meist parallel oder überproportional zum Index und bildet diesen in einem bestimmten Verhältnis ab. Dadurch hat der Anleger den Vorteil auch mit geringen Anlagesummen an der Wertentwicklung eines Index teilzuhaben. Ein einfaches Rechenbeispiel soll dies verdeutlichen:

Die meisten Indexzertifikate sehen ein Bezugsverhältnis von 1:10 oder 1.100 vor. D.h. für den ersten Fall, dass für 10 Indexpunkte der Anleger nur einen Euro bezahlen muss. Steht der DAX nun z.B. bei 10.000 Punkten, so muss der Anleger durch das vereinbarte Bezugsverhältnis lediglich ein Zehntel, also 1000 Euro bezahlen. Wenn der Index auf 10.100 Punkte ansteigen würde, so steigt auch das Zertifikat im Bezugsverhältnis von einem Zehntel um 10 Euro auf 1010 Euro an. Der Anleger ist also immer voll an der Entwicklung des Index beteiligt.[20]

Die Auszahlung erfolgt in Geld oder alternativ z.B. in Aktien oder Fonds nach Ende der Laufzeit. Die Laufzeit von Zertifikaten beträgt meistens mehrere Jahre (Laufzeit-Variante), kann aber auch unbegrenzt sein (Open-End-Variante). Bei der ersten Variante ist zu unterscheiden, ob das Zertifikat auf einen Performance- oder Kurs-Index lautet, da bei einem Kurs-Index dem Anleger Performancezuwächse in Form von Dividenden entgeht. Bei der Open-End-Variante ist eine Kündigungsfrist von mehreren Monaten, meist 13 Monaten, zu beachten.[21]

3.1.2 Chancen und Risiken für den Anleger

Chancen

Der Hauptnutzen bei Indexzertifikaten liegt für den Anleger in der Risikostreuung, da nicht in einzelne Aktien, sondern in ganze Märkte investiert wird. So ist der Anleger z.B. beim DAX-Index-Zertifikat an der Wertentwicklung aller 30 im DAX vertretenen Unternehmen beteiligt.[22] Zudem bieten Indexzertifikate den Vorteil, dass sie durch ihre 100%ige Partizipation an einen Index volle Transparenz für den Anleger bieten und dadurch leicht nachvollziehbar sind. Weitere Chancen für den Anleger bieten sich durch die kostengünstige Möglichkeit in Indizes zu investieren und das unbegrenzte Gewinnpotential sowie die hohe Flexibilität von Indexzertifikaten, da sie laufend an der Börse handelbar sind.[23]

Risiken

Das größte Risiko besteht für den Anleger in der nicht gegebenen Kapitalgarantie. Dadurch drohen dem Anleger nicht nur starke Kursverluste, wenn der zu Grunde liegende Index deutlich sinkt, sondern im Fall der Insolvenz des Emittenten sogar Totalverlust.[24] Bei einem Kauf von Zertifikaten, dessen Basiswert nicht in Euro gerechnet wird, übernimmt der Anleger das Risiko von Wechselkursschwankungen. Allerdings kann dieses Währungsrisiko auch eine Chance für den Anleger darstellen, wenn sich der Wechselkurs positiv für den Anleger entwickelt.[25]

Weitere Nachteile sind, dass:

- bei einem Laufzeit-Zertifikat eine Verlängerung der Investitionsdauer mit hohen Börsenspesen verbunden ist,
- einige Index-Zertifikate mit Obergrenzen ausgestattet sind. Wenn diese Grenze erreicht ist steigt der Wert des Zertifikates nicht mehr.
- Bei Zertifikaten, dessen Index als Kursindex konzipiert ist kein Dividendenanspruch besteht.[26]

[...]


[1] o.V. (2009a), online.

[2] Drescher, Ralf (2009a), online.

[3] Drescher, Ralf (2009b), online.

[4] Drescher, Ralf (2009b), online.

[5] Scheuble, Steffen (2004), online.

[6] Vgl. Drescher, Ralf (2009c), online.

[7] Vgl. o.V. (2009b), online.

[8] Vgl. Dresdner Bank (2009), online.

[9] Scheuble, Steffen (2004), online.

[10] Vgl. Drescher, Ralf (2009c), online.

[11] Vgl. Gerst, Oliver (2009), online.

[12] Vgl. Drescher, Ralf (2009c), online.

[13] Hebel bedeutet, dass bei einem Kursgewinn des Basiswerts um 10%, der Wert der Optionsscheine um z.B. 20 oder 30% steigt und somit überdurchschnittliche Gewinnchancen möglich sind. (Vgl. Jacobs, Thorsten (2006), online.)

[14] Vgl. Jacobs, Thorsten (2006), online.

[15] Vgl. Drescher, Ralf (2009b), online.

[16] Vgl. Drescher, Ralf (2009b), online.

[17] Vgl. Drescher, Ralf. (2009d), online.

[18] Richard, Willi, u.a. (2004), S. 374.

[19] Vgl. o.V. (2009c), online.

[20] Vgl. Wurm, Gregor, u.a. (2004), S. 238f. / Jordan, Markus (2007), S.15.

[21] Vgl. Goldman-Sachs (2006), online.

[22] Vgl. Jordan, Markus (2007), S.15.

[23] Vgl. Sparkasse (2009a), online.

[24] Vgl. o.V. (2009c), online.

[25] Vgl. Drescher, Ralf (2009d), online.

[26] Vgl. Sparkasse (2009a), online.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Zertifikate - Chancen und Risiken für den Anleger
Hochschule
Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach
Veranstaltung
Finanzierung II
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V135838
ISBN (eBook)
9783640455263
ISBN (Buch)
9783640455409
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zertifikate, Chancen, Risiken, Anleger
Arbeit zitieren
Annette Widera (Autor), 2009, Zertifikate - Chancen und Risiken für den Anleger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135838

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