Einigkeit und Recht und Freiheit - die komplette Geschichte der deutschen Nationalhymne

Wie aus einer Melodie eine Hymne wurde, die später verboten und dann wieder eingeführt wurde


Hausarbeit, 2009

13 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Nationalhymnen als Staatssymbole

3. Die Entstehung der Deutschen Nationalhymne
3.1. Die Musik von Haydn
3.2. Der Text von Hoffmann von Fallersleben
3.2.1. Lied der Deutschen
3.3. Die Hymne von Deutschland

4. Die Hymne während des zweiten Weltkriegs

5. Die Hymne nach dem zweiten Weltkrieg
5.1. Grundgesetz ohne Hymne – Deutschland ohne Hymne
5.2. Die Wiedereinführung der Nationalhymne
5.3. Hymne ja, Text nein: Verwirrung in der Bevölkerung

6. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Erklärung an Eidesstatt

1. Einführung

168 Jahre ist sie alt: Unsere Nationalhymne. Ob bei Staatsbesuchen oder internationalen Fußballspielen, die Hymne repräsentiert uns zu-sammen mit der Deutschlandflagge im Ausland und wird bei öffentli-chen Veranstaltungen der Bundesrepublik gespielt. 87 Jahre nach der ersten offiziellen Ernennung zur deutschen Nationalhymne ist das „Deutschlandlied“ bekannter als je zuvor.

Vor allem die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land hat ih-ren Teil dazu beigetragen. Plötzlich war die Hymne präsent: In Stadien, auf Straßen, in Kneipen – überall war „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zu hören. Selbst Fan-Schals und T-Shirts wurden mit dem historischen Text bedruckt – und verkauften sich.

Und das trotz der langen und bewegten Geschichte, die unsere Hymne hinter sich hat. Kaum ein Lied hat so lange Zeit überlebt wie das „Lied der Deutschen“, kaum ein anderes hat so viel mitgemacht: Mal war es verboten, mal war es erlaubt und mal hat es aus Verunsicherung nie-mand gesungen.

Was das „Deutschlandlied“ in der 168-jährigen Geschichte mitgemacht hat, wie es entstand und wie es schließlich zur Hymne der Bundesre­publik Deutschland wurde – damit beschäftigt sich diese Seminararbeit.

2. Nationalhymnen als Staatssymbole

Schwarz, Rot, Gold als Nationalfarben, der 3. Oktober als Nationalfeiertag und der Bundesadler als Nationalwappen: All das sind Staatssymbole der Bundesrepublik Deutschland. Sie fördern die Identifizierung der Bürger mit ihrem Staat und dienen der Selbstdarstellung der BRD im In- und Ausland. Gleichzeitig bringen sie „Traditionen, Werte und die politische Zusammengehörigkeit zum Ausdruck und fördern daher das Zugehörigkeitsgefühl der Bürger“.1

Zwar ist unsere Nationalhymne, wie viele andere Staatssymbole, nicht im Grundgesetz verankert, trotzdem ist sie seit 1991 offizielles Staatssymbol der Bundesrepublik Deutschland.2 Egal ob in Fußballstadien oder bei Staatsfeierlichkeiten – wo immer sie seitdem erklingt, erzeugt sie ein starkes Gemeinschaftsgefühl unter den Bürgern. „Nationalhymnen verwurzeln ein Volk buchstäblich in der Tiefe seiner Kultur. Sie berühren den emotionalen Grundkonsens eines politischen Gemeinwesens.“3 Dadurch erreichen die jeweiligen Hymnen in ihrem Land so viele Bürger und sprechen ihnen aus der Seele. Gleichzeitig verraten sie dem Zuhörer aber auch viel über das Volk, das hinter der Hymne steckt. Sie spiegeln seine Charaktere, seine Geschichte oder die „brüchige Gegenwart“ wider.4

3. Die Entstehung der deutschen Nationalhymne

3.1 Die Musik von Haydn

Ursprünglich war die Melodie unserer Nationalhymne gar nicht als solche vorgesehen. Geschrieben wurde sie nicht für Deutschland, sondern für den österreichischen Kaiser Franz II.5

Joseph Haydn bekam 1797 in Wien den Auftrag, eine Melodie für den Kaiserhymnen-Text ‚Gott! erhalte Franz den Kaiser‘ zu komponieren. Ein paar Jahre zuvor lebte er für einige Zeit in England, wo er oft die Königshymne ‚God save the king‘ hörte. Inspiriert davon machte er sich an die Arbeit auch Österreich eine solche Hymne zu schenken.6

Er schuf eine Melodie, die mit ihrem klassischen, choralhaften Tempo unverwechselbar klang – und auch heute noch klingt. Vorbilder dafür waren Haydn das kroatische Liebeslied ‚Vjutro rano‘ und der Salzburger Kirchenchoral ‚Christen singt mit frohem Herzen‘. „Erst die Haydn‘sche Bearbeitung verwandelte die beiden Lieder zu einer Melodie von künstlerischem Rang.“7 Haydn selbst war von seiner Schöpfung so begeistert, dass er sie später jeden Tag einmal spielte.8 Weltweit ist die Bundesrepublik Deutschland heute der einzige Staat, der mit Joseph Hayden einen wirklich bedeutenden Komponisten seiner Nationalhymne hat.9

3.2 Der Text von Hoffmann von Fallersleben

Der Text unserer heutigen Nationalhymne wurde erst 1841 – also 44 Jahre nachdem Haydn die Melodie komponiert hatte – von August Heinrich Hoffmann geschrieben, der sich ab seinem 42. Lebensjahr aufgrund seines Geburtsortes den Namenszusatz ‚von Fallersleben‘ gab.10 Hoffmann von Fallersleben, Professor für Germanistik an der Bresslauer Universität, war begeistert von der Poesie. Wann immer er konnte, schrieb er neue Verse – darunter Stücke wie ‚Kuckuck, Kuckuck ruft‘s aus dem Wald‘, ‚Alle Vögel sind schon da‘ oder ‚Morgen kommt der Weihnachtsmann‘. „Aber Hoffmann von Fallersleben war bei aller Liebe zur Volkspoesie vor allem auch ein politischer Mensch.“11

In den 30er Jahren schrieb Hoffmann von Fallersleben vor allem politi-sche Texte, die er 1840 in einem Sammelband veröffentlichte. Seine Texte riefen nach gesellschaftlichen und politischen Veränderungen – „sein größter Wunsch jedoch war Deutschlands nationale Einheit.“12

Dieser Wunsch wurde im August 1841 größer. Hoffmann von Fallersle-ben war zur Erholung auf der damals englisch besetzten Insel Helgo- land. Deutschland war zu dieser Zeit mit der Wiederherstellung der vornapoleonischen Ordnung beschäftigt. 35 kleine Staaten und vier freie Städte aber waren für den liberalen Hoffmann von Fallersleben, der vom vereinigten Deutschland träumte, nicht hinnehmbar. Das Er-gebnis waren die folgenden Verse:13

3.2.1 Das ‚Lied der Deutschen‘

Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt,

Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,

Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

Deutsche Frauen, deutsche Treue,

Deutscher Wein und deutscher Sang

Sollen in der Welt behalten
Ihren alten schönen Klang,
Uns zu edler Tat begeistern
Unser ganzes Leben lang –
Deutsche Frauen, deutsche Treue,

Deutscher Wein und deutscher Sang!

Einigkeit und Recht und Freiheit
Für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
Brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
Sind des Glückes Unterpfand –
Blüh im Glanze dieses Glückes,
Blühe, deutsches Vaterland!

[...]


1 siehe http://www.bundestag.de/blickpunkt/103_Parlament/0502/0502014.html (Be-sucht am 26. Juni 2009)

2 vgl. Briefwechsel zwischen Bundespräsident von Weizsäcker und Bundeskanzler Dr. Kohl im August 1991. Siehe: http://www.bmi.bund.de/cln_144/DE/Ministerium/Protokoll/Archiv/nationalhymne_brief wechsel_1991.html (besucht am 27. Juni 2009)

3 Häberle, Peter (2007): Nationalhymnen als kulturelle Identitätselemente des Verfas-sungsstaates. Berlin: Duncker & Humblot. S. 115

4 vgl. Häberle, Peter (2007): Nationalhymnen als kulturelle Identitätselemente des Ver-fassungsstaates. Berlin: Duncker & Humblot. S. 115

5 vgl. Höfele, Bernhard (2006): Deutsche Nationalhymnen. Norderstedt: Books on De­mand, S. 9

6 vgl. Höfele, Bernhard (2006): Deutsche Nationalhymnen. Norderstedt: Books on De­mand, S. 12

7 Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein Ver-lag, S. 11

8 vgl. Höfele, Bernhard (2006): Deutsche Nationalhymnen. Norderstedt: Books on De­mand, S. 12

9 vgl. Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein Verlag, S. 11

10 (vgl).Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein Verlag, S. 22

11 vgl. Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein Verlag, S. 21, 22

12 vgl. Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein Verlag, S. 23

13 vgl. Höfele, Bernhard (2006): Deutsche Nationalhymnen. Norderstedt: Books on Demand, S. 29

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Einigkeit und Recht und Freiheit - die komplette Geschichte der deutschen Nationalhymne
Untertitel
Wie aus einer Melodie eine Hymne wurde, die später verboten und dann wieder eingeführt wurde
Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen  (Institut für Journalismus und Public Relations)
Note
1.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V137446
ISBN (eBook)
9783640460311
ISBN (Buch)
9783640460458
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche Nationalhymne, Deutschlandlied, Einigkeit und Recht und Freiheit, BRD, Nationalhymne, Hymne, Lied der Deutschen, Hoffmann von Fallersleben, Haydn, Gott erhalte Franz den Kaiser, Deutschland, Staatssymbol
Arbeit zitieren
Benjamin Gust (Autor), 2009, Einigkeit und Recht und Freiheit - die komplette Geschichte der deutschen Nationalhymne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137446

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