Suizid in der Jugendphase

Entwicklungschance trotz Gefährdungsrisiko?


Hausarbeit, 2009

27 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung:

2 Begriffserklärung
2.1 Suizidalität
2.2 Suizid

3 Statistische Auswertung zu Suizidfällen im Jugend- und Erwachsenenalter
3.1 Suizidhäufigkeit Jugendlicher in Deutschland
3.2 Suizidmethoden

4 Theorien zur Entstehung des Suizidgedankens

5 Gefährdungspotenzial in der Jugendphase

6 Was kann präventiv unternommen werden?
6.1 Familie
6.2 Schule

7 Ressourcenorientierte Therapie als Hilfsmaßnahme bei Suizidgefährdeten

8 Suizidalität als Entwicklungschance?

9 Quellenangaben
9.1 Internetquellen:
9.2 Literaturquellen
9.3 Weiterführende Literatur:

1 Einleitung:

Bernd Richter schrieb einst in seinem Gedicht “Zauber der Jugend“ als abschließenden Vers:

„Ständige geballte Lebenskraft, angereichert mit Unnahbarkeit.
Auf der Suche nach neuen Lebensräumen. Eine sich verzehrende Leidenschaft,
angefacht von wildesten Träumen, macht sie zu allen Stärken bereit“.

Ausdrücklich wird hierbei die „Leidenschaft“, die zunehmenden, fantasievollsten Veränderungen angedeutet, die die Jugend zudem macht, was sie ist und sein sollte: eines der kreativsten Lebensphasen.

Das Thema Jugend und Jugendphase ist in unserer Gesellschaft immer wieder aktuell und präsent. Rückschauend wird die Jugendphase als „positivste Lebensphase“ in Erinnerung gepflegt und als die Phase bezeichnet, in der unbeschwert und voller Leichtigkeit gelebt werden konnte. Problematiken und Schwierigkeiten werden dann anhand einsetzender Verschönerungsprozesse vergessen oder gar missachtet, das wiederum zur Fehleinschätzung oder Fehlinterpretation führt. Problembewältigung und Krisenmanagement werden in unserer schnelllebigen Gesellschaft immer bedeutender. Ständig wechselnde Anforderungen und die meist extreme Leistungs- und Anpassungsorientierung eines jeden Menschen übertragen sich als Standardvoraussetzung, um als Jugendlicher durch die Pforten ins Erwachsenenalters gehen zu können. Diese können leicht zur Überforderung führen und bei mehr oder weniger schlimmen Vorstellungs- und Anforderungsänderungen eine Lawine auslösen, die nicht zuletzt den Suizid als letzte „Bewältigungslösung“ sieht. Doch auch wenn der Suizid die letzte Instanz der Problembewältigung ist, könnte dieser nicht ebenfalls als eine Chance angesehen werden, sich zu entwickeln und sich dem eigenen Selbst wieder bewusster zu werden? Diese Frage soll einen Bearbeitungsraum im Rahmen dieser Hausarbeit finden, wobei vorerst zur allgemeinen Abgrenzung zwei wichtige Begriffe definiert und die statistischen Suizidmerkmale aus Deutschland betrachten soll. Vorab erschien es von großer Bedeutung zu klären (Kap.2), welche wichtigen Theorien die Entstehung eines Suizides erklären können (Kap.3) und welches konkretes Gefährdungsrisiko innerhalb der Jugendphase entsteht (Kap. 5), um sich der Prävention und der Beantwortung der Hauptfrage: „ Suizid in der Jugendphase- Entwicklungschance trotz Gefährdungsrisiko?“ (Kap. 6) zusammenfassend widmen zu können.

Dabei soll diese Hausarbeit als Anreiz gelten.

2 Begriffserklärung

Zu Beginn dieser Ausarbeitung ist es von großer Bedeutung einigen Begriffserklärungen zum Thema Jugendsuizidalität in ihrer Definition gerecht zu werden, um dadurch den Grundbaustein für die weitere Ausarbeitung legen zu können. Auf diese Weise wird die fortführende Verwendung mit diesen Begriffen deutlich und Missverständnissen aus dem Wege gegangen.

2.1 Suizidalität

„Suizidal ist, wer von Selbstmord spricht!“ (vgl. Bründel 2004, S. 35). Der Begriff der Suizidalität beschreibt den Zustand, in dem sämtliche Gedanken und Handlungen darauf ausgerichtet sind, sich selbst umzubringen. Die Suizidalität weist indessen auf eine psychische Erkrankung hin, ist also ein Symptom, und kann als ein Zustand extremer Verzweiflung und krisenhafter Einengung bezeichnet werden. Dabei wird zwischen „basaler und aktueller Suizidalität“ getrennt, wobei erstere das Grundrisiko suizidaler Gedanken meint und die aktuelle S. sich gegen Zielpersonen und zwischenmenschlichen Beziehungen richtet. Eine basale S. kann umschwenken in eine aktuelle S., wenn ein Verlust einer geliebten Person oder kränkende Äußerungen und Bloßstellungen durch Dritte hinzukommen. Beide Formen der Suizidalität definieren sich aus meist bis in die Kindheit zurückreichenden gestörten, konflikthaften Beziehungen, die die Familiendynamik und die Struktur eines jeden Menschen beeinflussen. Ursache- und Anlassart weisen folglich auf eine Entwicklung hin, die alles andere als spontan und impulsiv ist und lange Zeit zuvor geplant ist (Babylon translation 2009).

2.2 Suizid

Der Begriff Suizid (lat.: sui cadere = sich töten und lat. sui cidium = Selbsttötung) wird in der heutigen Wissenschaftssprache gebraucht und ersetzt den älteren sprach gebräuchlichen Begriff des Selbstmordes. Nach sprachlichen Überlegungen des sich „selbst ermorden“ (Menschen ermorden sich nicht selbst- sie wollen auch nicht wirklich sterben, sondern ein anderes Leben führen) wurde der Begriff reformiert und erneuert durch den passenderen Begriff des Suizids, da er keinerlei Wertung enthält. Der Suizid ist demnach eine suizidale Handlung mit auf unterschiedliche Weise herbeigeführten tödlichem Ende, das meist eine problematische Lebenssituation oder Depression/ psychische Erkrankung voraussetzt (Wissen 2009). Der Suizidant verfolgt damit die Absicht, die Vorstellungen von vorab entwickelten Veränderungen herbeizuführen. Zu unterscheiden ist hier der Suizid vom Parasuizid: „Bei diesem nimmt die betroffene Person zwar Suizidhandlungen vor, verbindet sie aber nicht mit der festen Selbsttötungsabsicht. Dahinter steht vielmehr die Suche nach Hilfe, der Wunsch nach zeitweiliger Ruhe und Pause im Leben und das Bestreben jene Probleme loszuwerden, die einem die Suizidgedanken immer wieder aufdrängen“ (teachsam 2009).

3 Statistische Auswertung zu Suizidfällen im Jugend- und Erwachsenenalter

3.1 Suizidhäufigkeit Jugendlicher in Deutschland

Der Suizid ist eine statistisch unterschiedlich wahrscheinliche Todesursache für verschiedene Altersgruppen. Dabei gibt es einen Trend gemäß dem für ältere Personen der Tod durch Selbsttötung weniger wahrscheinlich ist. Diese und die folgenden Festsstellungen folgen aus der in Abb. 1 gegebenen Übersicht. Der Suizid stellt weiterhin bei männlichen Jugendlichen im Alter von 15 bis 25 Jahren eine Todesursache mit einer Wahrscheinlichkeit von 18% dar. Jugendliche unter 15 Jahren beider Geschlechter sind lediglich zu weniger als 1 % betroffen. Männliche Personen 25 bis 35 Jahre alt sind mit 19 % die am meisten gefährdete Altersgruppe. Gruppen weiter fortgeschrittenen Alters nehmen am Risiko des Suizids immer mehr ab. Interessant im Zusammenhang mit Abb. 1 ist ebenfalls das Resultat der geschlechtlichen Unterscheidung. Dabei gilt bei allen Altersgruppen, dass der männliche Anteil höher gefährdet ist, als der weibliche. In der Altersgruppe 15 bis 25 Jahre ist dieses Verhältnis mit 3:1,9 (männlich:weiblich) signifikant groß.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vorsätzliche Selbstbeschädigung nach Altersgruppen und Geschlecht, Anteile an allen Todesursachen in Deutschland 2006 (Quelle: Rüb07Rübenach, S.P.: Todesursache Suizid, Wirtschaft und Statistik 10/2007, Statistisches Bundesamt)

Vergleicht man die absoluten Zahlen der Suizidhäufigkeit je 100.000 Einwohner (siehe Abb. 2) hinsichtlich aufsteigend sortierter Altersgruppen, so ergibt sich ein scheinbar umgekehrter Trend zu dem aus Abb. 1. Mit steigendem Alter nimmt bei dieser Gegenüberstellung die Zahl der Suizidfälle zu. Der scheinbare Widerspruch zu dem abnehmenden Trend aus Abb. 1 ist nur mit der Zunahme des Risikos anderer Todesursachen im steigenden Alter. Der signifikant höhere Anteil der Suizidhäufigkeit für männliche Personen ist auch in Abb. 2 gegeben. In der Altersgruppe 20 bis 24 Jahre ist dies mit einem Verhältnis von nahezu 5:1 (männlich:weiblich) besonders hoch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sterblichkeit durch vorsätzliche Selbstbeschädigung nach Altersgruppe und Geschlecht, je 100.000 Einwohner, Deutschland 2007 (Quelle: [wiki1])

Was die zeitliche Entwicklung der Suizidhäufigkeit in der Altersgruppe 0 bis 25 Jahren angeht, so ist von 1990 bis 2005 ein abnehmender Trend für beide Geschlechter zu vermelden (siehe Abb. 3). Im Jahr 2006 und 2007 ist die Suizidhäufigkeit bei männlichen jugendlichen deutlich angestiegen, nicht jedoch bei weiblichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Jährliche Suizidanzahl junger Menschen (0-25 Jahren) von 1990 bis 2007 in Deutschland [Quelle: DESTATIS, Tabelle 23211]

3.2 Suizidmethoden

In [Rüb07] werden folgende Gruppen dominierender Methoden des Suizids unter erhobenen Daten genannt:

- Vergiftung mit festen oder flüssigen Stoffen (sonstige näher bezeichnete Drogen oder Medikamente, ätzende Substanzen…)
- Vergiftung mit im Haushalt verwendeten Gasen (Leitungsgas, Flüssiggas in Behältern…)
- Vergiftung mit sonstigen Gasen und Dämpfen (Kraftfahrzeug- Abgase, Sonstige Kohlenmonoxide…)
- Erhängen, Erdrosseln und Ersticken (Ersticken durch Plastikbeutel…)
- Ertrinken
- Einsatz von Feuerwaffen und Explosivstoffe (Handfeuerwaffen, Schrotflinte, Jagdgewähr, Militärische Feuerwaffe…)
- Einsatz schneidender und stechender Gegenstände (Glasscherben oder Messer)
- Sturz aus der Höhe (Wohngebäude, In der Natur…)
- Sonstige Methoden (Sich vor einen sich bewegenden Gegenstand legen oder werfen, Selbstverbrennung / Feuer, Verbrühen /heißes Wasser, Extreme Kälte /Schnee, Stromschlag…)

In Abb. 4 wird die Häufigkeit der in Deutschland im Jahre 2006 angewandten Suizidmethoden bei erfassten Selbsttötungen nach Geschlecht und insgesamt aufgeführt. Die meist angewandten Methoden sind der Häufigkeit nach:

1. Erhängen/Ersticken
2. Sturz in die Tiefe
3. Vergiftung durch Medikamente
4. Erschießen
5. Sich vor den Zug oder vor Autos werfen
6. Abgase ins Auto leiten

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Suizid in der Jugendphase
Untertitel
Entwicklungschance trotz Gefährdungsrisiko?
Hochschule
Hochschule Bremen  (Hochschule Bremen)
Veranstaltung
Projektveranstaltung: Förderung von Bewältigungskompetenzen
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V138097
ISBN (eBook)
9783640465897
ISBN (Buch)
9783640466085
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suizid, Jugend, Jugendphase, Entwicklungschance, Gefährdungsrisiko, Entwicklung, Hausarbeit, Soziale Arbeit, Phase, Bewältigung, Anforderung, Anpassung, Probleme, Prävention, Ressourcen, Suizidalität, Prozess, Konflikt, Beratung, Empathie, Selbstwahrnehmung, Selbstmord, Tod, Leben, Kompetenz, Familie, Auswirkungen, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Anna Rogge (Autor), 2009, Suizid in der Jugendphase, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138097

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