Chancen und Risiken der ökonomischen Globalisierung


Bachelorarbeit, 2009

33 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Globalisierung als Realität
1.1.2 Symptome der ökonomischen Globalisierung
1.2 Denationalisierung
1.3 Ökonomische Globalisierung

2. Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung
2.1 das lange 16. Jahrhundert
2.2 Industrialisierung
2.3 Gegenwärtige Erscheinungsformen von Globalisierung
2.3.1 Wertschöpfungsketten
2.3.2 Liberalisierung der Märkte Chancen der ökonomischen Globalisierung

3. Politische / ökonomische Globalisierungstheorien

4. Krisen – ein Produkt der ökonomischen Globalisierung?

Literatur

1. Einleitung

1.1 Globalisierung als Realität

Globalisierung ist eine Tatsache. Diese Aussage ist nach etlichen, hitzigen Debatten über Jahrzehnte hinweg nicht mehr zu bestreiten. Die „Geschichte von Gesellschaften“ scheint eine neue Qualität erreicht zu haben.[1] Das Bewuss­tsein, dass wir alle in einer globalisierten Welt leben, hat sich in kurzer Zeit über die Welt ausgebreitet und in den Köpfen der Menschen verankert.

Bei der Bearbeitung dieses Themas stellt sich nun grundlegend die Frage, wie man diese Globalisierung definieren kann, um überhaupt die Frage beantworten zu können, was neu ist an der Globalisierung. Welche Trends gibt es in der tatsächlichen, faktischen Veränderung und wie wird Globalisierung verstanden und wahrgenommen? Hierzu sind einige Definitionen sinnvoll, die klar machen, aus welcher Sichtweise heraus Globalisierung betrachtet wird.

Des Weiteren scheint die Globalisierung ein Thema zu sein, das die wissen­schaftliche Bearbeitung erschwert, da die Herangehensweise häufig geprägt zu sein scheint von der normativen Grundeinstellung des Betrachters.

Die persönlich unterschiedliche Wahrnehmung von Bedenken bzw. Ängsten und/oder Hoffnungen, die einhergehen mit der Entwicklung der Globalisierung, machen eine objektive Beobachtung und Beschreibung schwer.

Hierbei wird die Globalisierung in der Öffentlichkeit und den geführten Debatten häufig als „politisches Schlagwort“[2] benutzt. Globalisierung dient Unternehmen und Politik als Rechtfertigung für weniger populäre Entschei­dungen wie Stellenabbau, Standortverlagerung oder Kürzungen sozialstaatli­cher Leistungen. Es scheint also einfach zu sein, das „Phä­nomen“ Globalisierung als Grund anzuführen, der unpopuläre Veränderungen und Reformen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft rechtfertigt.[3]

„Es bestehen heute kaum noch Zweifel am Phänomen einer neuartigen oder einfach nur dynamisierten und weiterreichenden wirtschaftlichen Globalisierung. Sie ist mit tiefgreifenden politischen und sozialen Veränderungen im globalen Rahmen ver­knüpft, die die politischen Systeme wie die Zivilgesellschaft vor neue Aufgaben stellen.“[4]

Um Globalisierung soziologisch zu betrachten, ist der Dreischritt Gesellschaft – Weltgesellschaft –globales System sinnvoll.

Diese Herangehensweise zur Betrachtung einer Gesellschaft basiert auf der strukturfunktionalen Theorie Talcott Parsons. Parsons sieht Gesellschaft als ein komplexes System; die Mitglieder des Systems versuchen, Strukturen als Richtlinien zu entwickeln, welche das Überleben gewährleisten. Diese Strukturen werden nicht zufällig gewählt, sondern entstehen in Vereinbarung mit den Erwartungen und Bedürfnissen der jeweiligen Institution bzw. dem Kollektiv, um im Endeffekt Stabilität zu sichern. Die zentralen Faktoren für Sicherheit und Stabilität sind die Struktur und die Funktion; sie sind somit voneinander abhängig und bedingen sich.[5]

Die Systemtheorie ist ein abstraktes Modell, welches auf verschiedene Gesellschaftssysteme übertragbar ist. Parsons bezieht sich bei dieser Theorie aber eher auf die Gesellschaft Nationalstaat. Niklas Luhman geht einen Schritt weiter und macht das Phänomen Globalisierung für die Soziologie durch den Begriff der Weltgesellschaft greifbar. Denn wenn die Soziologie einen Untersuchungsgegenstand hat, dann ist es die Gesellschaft. Die neuesten Entwicklungen machen die Untersuchung aber schwer, da sich die Gesellschaft auf die globale Ebene ausgeweitet hat. Luhman weitet die Theorie Parsons auf die globale Systemebene aus, in der es sich selbst regelnde gesellschaftliche Bereiche gibt; Luhmann nennt sie „Systeme“. Diese Systeme sind autonom, sie bedingen sich aber gegenseitig funktional. Die Bedingung für eine funktionierende Weltgesellschaft ist die Möglichkeit der weltumspannenden Kommunikation zwischen den Funktionssystemen und ihren Mitgliedern. Erst durch die neuen Technologien der Kommunikation konnte eine Weltgesellschaft entstehen und sich über nationalstaatliche Grenzen hinweg etablieren.[6]

Einer der ersten Soziologen, der Globalisierung als Gegenbegriff zur Weltgesellschaft systematisch untersucht und etabliert hat, ist Roland Robertson. Für Robertson ist Globalisierung das tatsächliche und das gefühlte Zusammenwachsen der Welt.[7] Das Ziel der Globalisierung ist das Erreichen einer vereinten Menschheit in einem Gesellschaftssystem, das die Ebenen des Selbst, des Nationalstaats, des Weltsystems der Gesellschaften und der Menschheit homogenisiert.

1.1.2 Symptome der ökonomischen Globalisierung

Die Symptome der Globalisierung, die sie als Realität beweisen, sind aussagekräftig:

So stieg die Zahl der Internetnutzer bis 2007 auf 1,23 Milliarden.[8]

Die Zahl der internationalen Flugpassagiere stieg von 75 Millionen im Jahr 1970 auf 1.6 Milliarden im Jahr 2006.[9]

Der grenzüberschreitende Wertpapierhandel stieg von 20 Milliarden US$ (1964) auf 7900 Milliarden US$ (1995).

Die durchschnittlichen Einfuhr­zölle sanken von 13% (um 1970) auf 4% (um 2000).[10]

Der Umsatz der 500 größten Unternehmen ist von 750 Milliarden US$[11] (1971) auf 23,6 Billionen US$[12] im Jahr 2007 explodiert.

Besonders stark wuchsen die Finanzmärkte; im Jahr 2000 wurden über das internationale Bankensystem SWIFT (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication), in das 168 Länder integriert waren, täglich mehr als 5 Milliarden US$ überwiesen. Anfang 2005 gab es insgesamt 7500 Benutzer aus 202 Ländern, die sich täglich untereinander ca. 9 Millionen SWIFT-Nachrichten (Überweisungsaufträge, Abbuchungsaufträge etc.) schickten.[13]

Gerade die Senkung der Einfuhrzölle verdeutlicht die These, dass die Globali­sierung nicht unausweichlich, „naturgesetzlich“, geschieht. Vielmehr scheint die Globalisierung ein Prozess zu sein, der aktiv gefördert wurde und wird. Hierzu aber später mehr.

Mit all diesen Symptomen der ökonomischen Globalisierung geht insbesondere eine Belastung der Umwelt einher. Bis heute zeigt sich, dass die Umweltbelastungen stark mit dem Wirtschaftswachstum korrelieren.

So hatten 2006 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und die jährliche weltweite Abholzung beträgt aktuell 8 Millionen Hektar Wald. Hinzu kommt der Anstieg der weltweiten Müllmenge von 1993 bis 2001 um 425% und ein gestiegener weltweiter Kohlendioxidausstoß von 22,5 Milliarden Tonnen 1991 auf 30,8 Milliarden Tonnen 2007.[14]

Eine weiteres Symptom der ökonomischen Globalisierung sind die gestiegenen globalen Ungleichheiten. So beträgt das Bruttosozialprodukt 2005 pro Kopf in den ärmsten Länder 580 US$ und in den reichsten Ländern 35131 US$. Gründe für diese Ungleichheiten werden in dieser Arbeit aufgrund eines anderen Schwerpunkts (leider) nur skizziert (Dependenz- bzw. Entwicklungstheorie).

Der Schwerpunkt bei der Bearbeitung der Symptome liegt zum einen auf der wirtschaftlichen Entwicklung in den Industriestaaten und zum anderen auf den (daraus resultierenden?) wiederkehrenden Wirtschaftskrisen.

Bleibt also vorerst festzuhalten:

Globalisierung ist also ein politisches Schlagwort und dennoch eine empirisch beweisbare Realität.

Die Sichtweise, dass Globalisierung ein reales Phänomen ist, hat sich weitest­gehend, wenn nicht einmütig, durchgesetzt; dennoch existiert die Ambivalenz zwischen dem realen, beobachtbaren und beweisbaren Phänomen und der diffusen, ideologisch aufgeladenen Deutung und subjektiven Wahrnehmung der Globalisierung. Daher wurde versucht, das Phänomen durch eine andere Herangehensweise zu beschreiben, die die Komplexität gegebenenfalls reduzieren könnte. Aus diesem Grund versuchten insbesondere die Politik­wissenschaften, das Phänomen der Globalisierung als Denationalisierung zu beschreiben.

1.2 Denationalisierung

Im Zuge der Veränderungen der Welt ist zu beobachten, dass Unternehmen zunehmend grenzüberschreitend aktiv sind und daher nationalstaatliche Grenzen durchlässig wurden.[15] Daher verliert der Nationalstaat als Ordnungseinheit an Bedeutung. Ein weiterer Grund für die Beschreibung des Phänomens mit dem Begriff der „Denationalisierung“ ist die Tatsache, dass nicht unbedingt alle Regionen und „Weltgegenden“[16] an der Globalisierung teilnehmen, der Trend der Denationalisierung aber generell zu beobachten ist. Die Globalisierung könnte also das „Zeitalter“ des souveränen Nationalstaates beenden. Die technologischen und ökonomischen Tendenzen der letzten zwei Dekaden führten zu einer steigenden Interdependenz der Staaten und Gesellschaften der Welt, des Weiteren konnte eine Internationalisierung in allen öffentlichen wie privaten Bereichen registriert werden.

Die Betrachtung und Untersuchung des Phänomens unter der Bezeichnung „Denationalisierung“ produziert jedoch keine neuen Erkenntnisse; vielmehr ist es eine Betrachtung aus einem anderen Sichtwinkel heraus. Durch diese Herangehens­weise werden andere Faktoren der Globalisierung ausgeblendet. Bei dieser Verkürzung geraten die sozialen und kulturellen Aspekte aus dem Blickfeld. Diese Argumentation durch politikwissenschaftliche „Behandlung von Globalisierungs­effekten“[17] ist durchaus sinnvoll, ist aber dennoch eine Reduktion des Gesamtphänomens. Zudem lassen sich Fakten ermitteln, die die Tatsache der Denationalisierung entkräften. Die Aufgaben des Staates nehmen in der fortschreitenden Entwicklung eine andere Gestalt an, bzw. die Aufgabenbereiche lagern auf anderen Schwerpunkten. So ist bewiesen, dass die Staatsausgaben in Industrieländern seit 150 Jahren erst stark, dann mäßig gestiegen sind.

Abbildung 1: Entwicklung der Staatsausgaben in den Ländern der Triade in Prozent des Bruttosozialprodukts

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Rodrik. 2000: 67

Der Einfluss des Staates in Bezug auf Umverteilung und Regulierung ist demzufolge eher gestiegen, die Staatshaushalte in den Industrieländern verfügen über mehr Geld als jemals zuvor. Die Aufgaben- und Einflussbereiche des Staates haben sich verschoben. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen übernimmt der Staat seit dem 20. Jahrhundert besondere Aufgaben, um die Dauer der Krisen durch Staatsausgaben zu verkürzen, die Auswirkungen der Krisen abzumildern und Regulierungen zu übernehmen. Der Begriff Denationalisierung trifft daher für bestimmte, vor allem politische, Bereiche sicherlich zu, dennoch liefert er uns keine genauere Eingrenzung des Phänomens. Die Konzentration in dieser Arbeit soll daher auf den Begriff Globalisierung ausgerichtet sein, jedoch werden verwandte Begriffe wie Denationalisierung, modernes Weltsystem, Weltgesellschaft verwendet und voneinander abgegrenzt.

Des Weiteren scheint es schwer oder gar unmöglich zu sein, Globalisierung im Ganzen mit all ihren Ausprägungen und Wirkungen definitorisch zu bündeln.

Es bietet sich also an, bestimmte Teilbereiche der Globalisierung getrennt zu betrachten, und dabei die Interdependenz der Teilbereiche, so weit es möglich ist, unberücksichtigt zu lassen; eine ganzheitliche Betrachtung von Globalisierung ist in diesem Umfang hier nicht möglich.

[...]


[1] Rehbein, Boike / Schwengel Herrmann: Theorien der Globalisierung. Konstanz 2008. Seite 9.

[2] Brock, Ditmar: Globalisierung. Wirtschaft – Politik – Kultur – Gesellschaft. Lehrbuch. 1. Auflage. Wiesbaden 2008. Seite 7.

[3] Brock. 2008. Seite 9.

[4] Brock. 2008 Seite 10.

[5] Parsons, Talcott: Das System moderner Gesellschaften, 6. Auflage. 2003

[6] Luhmann, Niklas: Die Weltgesellschaft, in Soziologische Aufklärung, Bd. 2. 1975.

[7] Robertson, roland: Globalization. Social Theory and Gloabl Culture. London, 1992. Seite 8-28, 173ff.

[8] www.bitkom.org/46074_46069.aspx [Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien e.V.]

[9] Quellen: Rehbein, Schwengel 2008.; Internationale Flughafenbehörde (ACI)

[10] Rehbein / Schwengel 2008. Seite 10.

[11] Scholte, Jan A.: Global Trade and Finance. In: Baylis, John /Smith, Steve(Hrsg.):The Globalization of World Politics, Oxford. 2001. Seite 519-539.

[12] www.finanznachrichten.de/nachrichten-2008-07/11246023-fortune-global-500-liste-bestaetigt-groessere-umstrukturierung-der-us-wirtschaft-mit-den-wenigsten-gelisteten-unternehmen-seit-mehr-als-zehn-jahren-004.htm

[13] www.zahlungsverkehrsfragen.de/swift.html

[14] Bundesministerium für Wirtschaft und Technik

[15] Brock 2008. Seite 11

[16] Brock 2008. Seite 11

[17] Brock 2008. Seite 11

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken der ökonomischen Globalisierung
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
33
Katalognummer
V138171
ISBN (eBook)
9783640458417
ISBN (Buch)
9783640458868
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chancen, Risiken, Globalisierung
Arbeit zitieren
Daniel Hillenkötter (Autor), 2009, Chancen und Risiken der ökonomischen Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138171

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