Lessings Darstellung und Bedeutung der Religion am Werk "Nathan der Weise"


Hausarbeit, 2006
13 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung:

2. Der Fragmentstreit
2.1. Entstehung und Verlauf
2.2. Reimarus Thesen und Lessings Position
2.3. Lessings Kontroverse mit Goeze

3. "Nathan der Weise"
3.1. Lessings Darstellung und Bedeutung der Religion
3.2. Forderungen Lessings
3.3. Aufnahme und Wirkung

4. Persönliches Fazit

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung:

Mit Hilfe dieser Hausarbeit möchte ich mein vorgetragenes Referat in seinem Schwerpunktthema – Lessing und der Religionsglaube – vertiefen und ausarbeiten. Dazu werde ich zunächst versuchen den Verlauf des Fragmentstreites, welcher Auslöser weitreichender Kontroversen war und sehr zur Entstehung des Dramas Nathan der Weise beitrug, zu skizzieren. Ich werde bei der Darstellung des Fragmentstreits das Hauptaugen-merk auf die von Lessing vertretende Position legen sowie seine „Streitgespräche“ mit dem Pastor Goeze. Mit Hilfe dieser Informationen möchte ich im Anschluss daran versuchen zu verdeutlichen, warum Lessing das Drama Nathan der Weise geschrieben hat und welche religiösen Sichtweisen dort vertreten sind. Natürlich dürfen in diesem Zusammenhang nicht die Forderungen Lessings an die Menschen fehlen, sowie eine kurze Beschreibung der Wirkung des Dramas auf die Menschen von damals und heute.

Ich erhoffe mir mit Hilfe dieser Hausarbeit einen besseren Überblick über den religiösen Hintergrund Lessings zu verschaffen, um auch mit Hilfe der erhaltenen Informationen eine der verschiedenen Sichtweisen der Menschen auf Glaube und Religion der damaligen Epoche zu erkennen. Das Drama Nathan der Weise ist mir während meiner schulisch und studentischen Laufbahn schon oft begegnet und hat mich immer wieder auf ein Neues in seinen Bann gezogen. Nun möchte ich mit dem langsam wachsendem theologischen Wissen und den gelernten literarischen Analysen versuchen zu verstehen, warum Lessing genau dieses Drama in jener Zeit geschrieben hat und welche Bedeutung es für die Gesellschaft hatte.

2. Der Fragmentstreit

2.1. Entstehung und Verlauf

Es muss zuvor erwähnt werden, dass Lessing in einer christlichen Familie aufwuchs und auf Wunsch der Eltern sogar ein Jahr lang Theologie studierte. Obwohl ihn die Faszination zum Theater dazu brachte das Studium abzubrechen, hatte dies keinen Einfluss auf seinen stetig anhaltenden Wissensdurst zu dem Themenbereich Theologie.

Lessing erhält nach dem Tode des Freundes Hermann Samuel Reimarus einige Textauszüge aus dessen Nachlass überreicht, welche das bibelkritische Lebenswerk des Professors darstellen. Dieses nie veröffentliche Werk – aus Angst, dass die eigenen Kinder ihr Ansehen in der Gesellschaft verlieren könnten - nannte Reimarus: Apologie oder Schutzschrift für vernünftige Verehrer Gottes.[1] Lessing erhält von den Kindern des Professor die Erlaubnis die Schrift teilweise zu veröffentlichen, wenn jedoch der Namen des Vater dabei ungenannt bleibt. Und so erscheint 1774 der Erstdruck: Fragment eines Ungenannten, welches Lessing Von Duldung des Deisten nennt.[2] Lessing erklärt, dass er die Texte in der Wolfenbüttler Bibliothek gefunden hätte, in der er zu dieser Zeit als Bibliothekar tätig war. Zu jedem veröffentlichten Fragment verfasst Lessing Schriften, die Gegensätze des Herausgebers, welche zeigen, dass er von den verwendeten Textstücken keine Zufallswahl zur Veröffentlichung getroffen hatte.[3] Lessing nimmt also zu jedem Fragment, welche allesamt kompromissloser und radikaler sind als alle zuvor erschienen theologischen Schriften, kritische Stellung und macht seine eigene Position deutlich. Doch die Fragmente und auch die eigens verfassten Schriften Lessings über den christlichen Glauben stoßen auf Widerspruch und erzeugen Verärgerung unter den strenggläubigen orthodoxen Christen dieser Zeit.

Bis zu einem Verbot im Jahre 1778 gelingt es Lessing weitere Fragmente des Ungenannten zu veröffentlichen und auch selbst einige theologisch-kritische Texte zu verfassen. Er wird immer mehr dazu gedrängt sich zu wehren, da einige Responsenten – wie zum Beispiel Reß oder Schumann[4] - in Streitgängen gegen Lessing eine Debatte anfangen, welche schon zum Fragmentstreit gezählt werden. Die bedeutendste publizierte Fehde gegen den orthodoxen Hauptpastor Goeze beginnt jedoch erst im Jahre 1777. Der herausforderndeste Gegner Lessing bewegt diesen dazu eine elfteilige Briefserie, welche Anti-Goeze genannt wird anzufertigen und auch zu veröffentlichen. Die Kontroverse zwischen den beiden Parteien geht bis in das Jahr 1778, wo es Goeze endlich gelingt über den rechtlichen Weg Lessing zum „schweigen“ zu bringen – ihm werden weitere Publikationen für das Gebiet der Religion, auch außerhalb von Braunschweig verboten.[5]

Was jedoch bewegte Lessing dazu, die Fragmente zu veröffentlichen und im Zuge dessen auch eigene Anmerkungen anzufügen? Zur Zeit Lessings hatte viele Menschen ähnliche Ideen wie Reimarus, aber die Kirche verbot es sich darüber auszutauschen.[6] Ich denke, dass gerade dieses Verbot einen Reiz für Lessing darstellte und auch eine Art Herausforderung. Schon allein die Vorgehensweise Lessings, die Zensur zu umgehen, indem er die Fragmente und die selbstverfassten Schriften als „Beiträge“ im eigenen Verlag erscheinen lässt, zeugt von einer geschickten Taktik und auch gewollten Vorgehensweise.

Um dies jedoch besser verstehen zu können möchte ich im Folgenden die Position Lessings genauer darstellen und die Auseinandersetzung zwischen Goeze und ihm inhaltlich detailreicher erläutern.

2.2. Reimarus Thesen und Lessings Position

Das Lebenswerk des Professor Reimarus beinhaltete eine kritische Infragestellung der Bibel und ihrer buchstäblichen Auslegung. Er kritisiert das die Christen viel zu sehr auf die Buchstabenhörigkeit schwören und keinen Unterschied mehr zwischen der Bibel und der Religion erkennen. Die Orthodoxen würden dabei nicht akzeptieren, dass es sich bei den niedergeschriebenen Evangelien „nicht um unmittelbar erlebte Vorgänge handelte, sondern um historische Berichte über weit zurückliegende Ereignisse [...].“[7] Reimarus geht sogar noch weitere und erklärt das die Evangelien – da sie untereinander sehr widersprüchlich sind – nicht die Offenbarung Gottes sein können. Somit sei zwar die Lehre Jesu eine Vernünftige gewesen, allerdings von den eigenen Jüngern oder den Evangelisten im nachhinein bewusst verändert oder sogar verfälscht worden.

[...]


[1] Monika Fick: Lessing-Handbuch. Leben-Werk-Wirkung. 2.Auflage. Stuttgart 2004. Seite 344.

[2] Edb.

[3] Wilfried Barner u.a.: Lessing. Epoche-Werk-Wirkung. 5.Auflage. München 1987. Seite 290.

[4] Barner u.a.: Lessing. Seite 293.

[5] Barner u.a.: Lessing. Seite 297.

[6] Fick: Lessing-Handbuch. Seite 345.

[7] Barner u.a.: Lessing. Seite 291.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Lessings Darstellung und Bedeutung der Religion am Werk "Nathan der Weise"
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Lessing
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V138422
ISBN (eBook)
9783640478798
ISBN (Buch)
9783640478521
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lessings, Darstellung, Bedeutung, Religion, Werk, Nathan, Weise
Arbeit zitieren
Griseldis Wedel (Autor), 2006, Lessings Darstellung und Bedeutung der Religion am Werk "Nathan der Weise", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138422

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