Die wirtschaftliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/1990


Hausarbeit, 2007

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangslage - Die wirtschaftliche Entwicklung der beiden deutschen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg
2.1 Die wirtschaftliche Entwicklung der BRD
2.2 Die wirtschaftliche Entwicklung der DDR

3. Das Procedere der wirtschaftlichen Vereinigung der beiden deutschen Staaten
3.1 Die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion und deren Ausgestaltung
3.2 Die Rolle der Treuhandanstalt
3.3 Finanzierung der Einheit

4. Kritik am Vereinigungsprozess

5. Die ökonomischen Folgen der Vereinigung

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

Als im Jahr 1989 nach der langsamen Erosion der osteuropäischen Systeme, die DDR innerhalb kürzester Zeit zusammenbrach, hatte dies im Westen wohl kaum eine Person für möglich gehalten bzw. prognostiziert. Die Bundesregierung hatte sich mehr oder weniger mit den „zwei Staaten innerhalb einer Nation“ abgefunden, während die DDR ohnehin von der Zweistaatlichkeit ausging.

Die Art und der Ablauf des Zusammenbruchs der DDR schufen schließlich auf allen Seiten akuten Handlungsbedarf darüber, wie mit der neu entstanden Situation umgegangen werden soll. Hierbei stand nicht nur das zukünftige Verhältnis von der BRD zur DDR zur Disposition, sondern auch die Frage, welche Rolle ein vereinigtes Deutschland in der Welt einnehmen solle. Die große Bedeutung der Vereinigung der beiden deutschen Staaten ergibt sich jedoch nicht nur daraus, dass es sich hier um einen historischen Einschnitt handelt, dem Ende des Kalten Krieges, sondern auch aus der Aufgabe, aus zwei unterschiedlichen Systemen ein einheitliches zu gestalten. Für diese historische Aufgabe gab es nämlich keinerlei Vorbilder.

Im Rahmen meiner Hausarbeit möchte ich mich insb. der wirtschaftlichen Vereinigung der beiden deutschen Staaten widmen. Hierbei werde ich mich mit der Frage befassen, inwiefern das Procedere der wirtschaftlichen Vereinigung die wirtschaftliche Situation des vereinigten Deutschlands maßgeblich geprägt hat und alternative Modelle vorstellen.

Beginnen werde ich meine Hausarbeit mit der Ausgangslage, sprich der wirtschaftlichen Entwicklung der DDR und der wirtschaftlichen Entwicklung der BRD bis zum Vorabend der Vereinigung. Anschließend werde ich das Procedere der wirtschaftlichen Vereinigung beschreiben. Im Detail werde ich hier auf die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion (WWSU), die Finanzierung der Einheit und die Rolle der Treuhand eingehen. Danach werde ich dann beschreiben, inwiefern dieses Vorgehen der Politik kritisiert wurde und Handlungsalternativen vorstellen. Abschließend werde ich kritisch eine Bilanz des wirtschaftlichen Vereinigungsprozesses ziehen, indem ich die ökonomischen Folgen der Vereinigung darstelle.

2. Ausgangslage - Die wirtschaftliche Entwicklung der beiden deutschen Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Wirtschaft in den vier Besatzungszonen völlig am Boden. So waren etwa 50 % der Produktionskapazitäten während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurden und das gesamte Sozialprodukt der vier Besatzungszonen betrug nur noch knapp die Hälfte des Wertes von 1938 (vgl. May 2005, S. 198).

Die darauf folgende Politik der Alliierten verursachte eine sehr unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung in den Besatzungszonen. Mit der doppelten Staatsgründung 1948/49 bildeten sich dann zwei deutsche Staaten, in denen sich zwei sehr unterschiedliche Wirtschaftssysteme entwickelten, nämlich die demokratisch-föderative Bundesrepublik Deutschland einerseits und die sozialistisch-zentralistische Deutsche Demokratische Republik andererseits. Diese beiden Systeme wirkten sich in sehr unterschiedlichem Maße auf den Wohlstand in den beiden Staaten aus und der damit verbunden Legitimation innerhalb der Bevölkerung (vgl. Imbusch 2005, S. 361).

Da die wirtschaftliche Entwicklung in den beiden deutschen Staaten, sowie insbesondere der Zustand vor der Vereinigung, von zentraler Bedeutung für die Debatte um den Vereinigungsprozess ist, werde ich nun zunächst auf die wirtschaftliche Entwicklung der BRD eingehen und anschließend darstellen wie sich die DDR-Wirtschaft bis 1989 entwickelt hat.

2.1 Die wirtschaftliche Entwicklung der BRD

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die wirtschaftliche Situation in der BRD zunächst katastrophal: Wohnungen waren Mangelwaren, die Lebensmittelrationen waren geringer als im Krieg, der Schwarzmarkt blühte und amerikanische Zigaretten waren das wichtigste Zahlungsmittel (vgl. DHM 2007).

Mit der am 18. Juni 1948 verkündeten Währungsunion (Umtausch 10:1, regelmäßig wiederkehrende Zahlungen 1:1) verbesserte sich die Situation schlagartig. Ferner wurde mit der daraufhin folgenden Aufhebung zahlreicher Bewirtschaftungsvorschriften[1] die politische Grundsatzentscheidung für eine marktwirtschaftliche Grundordnung geebnet. Das am 23. Mai 1949 verabschiedete Grundgesetz lieferte mit der Verankerung bedeutsamer Grundfreiheiten wie der Freiheit der Berufs- und Arbeitsplatzwahl, der Freizügigkeit, der Koalitionsfreiheit, der Konsums-, der Produktions-, der Handels- und der Wettbewerbsfreiheit (entsprechend Art. 2 GG) die verfassungsrechtliche Grundlage für eine Soziale Marktwirtschaft (vgl. May 2005, S. 198).

Ab 1948 wurde die BRD dann durch die Marshallplanhilfe, die nicht nur die Zulieferung von Lebensmitteln sicherte, sondern darüber hinaus auch in beachtlichem Maße Rohstoff- und Maschinenlieferungen für den Aufbau einschlägiger Industrien lieferte, unterstützt. Nach einigen Startschwierigkeiten, die sich etwa in dem Preisauftrieb 1948 und der Zunahme der Arbeitslosigkeit 1949/50 auf 10,4 % äußerten, kam es zu einem stetigen wirtschaftlichen Wachstum, das als „Wirtschaftswunder“ in die Geschichte eingehen sollte. Gekennzeichnet war dieses „Wirtschaftswunder“ durch Massenkonsum, einem stetigem Wachstum von ca. 6 % jährlich mit einer einhergehenden Abnahme der Arbeitslosigkeit bis zur Vollbeschäftigung und einem raschen Anstieg der Masseneinkommen (vgl. ebd. 2005, S. 198f.).

Nach und nach erfolgte in den darauf folgenden Jahren eine Liberalisierung des Außenwirtschaftsverkehrs und die Integration der bundesdeutschen Wirtschaft in die weltweite Arbeitsteilung. Fundiert wurde dies durch den Beitritt zur Organisation für europäische und wirtschaftliche Zusammenarbeit 1949, zum Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen 1951, zur Montanunion 1951 und zum internationalen Währungsfond 1952. Durch die Mitbegründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft 1957 wurde dieser Integrationsprozess fortgesetzt (vgl. ebd. 2005, S. 199).

Der Zugang zum Weltmarkt beschleunigte den anhaltenden Wirtschaftsaufschwung, der die Massenarbeitslosigkeit der „Gründungskrise“ abbaute. 1954 stand die BRD beim Handelsumsatz dann schon bereits an dritter Stelle hinter den USA und Großbritannien.

Im Zuge des „Wirtschaftswunders“ führte die Bundesregierung nach und nach sozialstaatliche Leistungen ein wie bspw. das Kindergeld, den Kündigungsschutz oder die dynamische Rente. Daher erfreute sich die Soziale Marktwirtschaft bereits frühzeitig einer großen Beliebtheit innerhalb der Bevölkerung. Ein weiterer Grund warum die Soziale Marktwirtschaft innerhalb der Bevölkerung eine hohe Legitimation besaß, bestand darin, dass sie beträchtliche Wohlstands- und Freiheitsgewinne auch für untere und mittlere Schichten bereitstellte (vgl. Imbusch 2005, S. 361f.).

Von 1959 bis 1973 war die wirtschaftliche Situation der BRD dann dadurch gekennzeichnet, dass stets Vollbeschäftigung herrschte. Das wirtschaftliche Wachstum verlief in diesem Zeitraum weiterhin stark und die Arbeitseinkommen erhöhten sich mit dem Wachstum um durchschnittlich 4,6 % pro Jahr. 1973 kam es dann, bedingt durch die Ölkrise, zu einem strukturellen Bruch. Die Arbeitslosenquote stieg bis auf über 2 Mio. an und verharrte auf diesem Niveau bis zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten (vgl. May 2005, S. 200).

Vor dem Zusammenbruch der DDR schien die BRD ihre Wachstumsschwäche überwunden zu haben. Die Unternehmen investierten jetzt wieder, die Einkommen stiegen spürbar an, die Außenhandelsüberschüsse waren höher denn je und die Arbeitslosenquote ging deutlich zurück. Dieser Glanz überdeckte jedoch ungelöste Probleme der westdeutschen Wirtschaft, die darin bestanden, dass die BRD sich mitten in einem Strukturwandel befand. Der strukturelle Wandel lag darin begründet, dass seit 1974 der Industriesektor nur noch sehr langsam gewachsen war, während in Teilen der Dienstleistungsbranche von 1974 bis 1989 Wachstumsraten, die denen der 1960er Jahre in nichts nachstanden, zu verzeichnen waren. Somit bestand also die Gefahr, dass die wegfallenden Arbeitsplätze des Industriesektors von dem erhöhten Bedarf im Dienstleitungsbereich nicht aufgefangen werden könnten.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die wirtschaftliche Situation der BRD am Vorabend der Vereinigung ambivalent war: Einerseits ging es ihr zwar glänzend, andererseits war jedoch zu befürchten, dass der Glanz schnell wieder verblassen und die nächste Rezession die Innovations- und Anpassungsschwächen erneut bloßlegen würde. Vor allem war jedoch klar, dass die vorhandenen Probleme der BRD-Wirtschaft mit dem Beitritt der DDR, inklusive ihrem veralteten und überdimensionierten Industriesektor, noch vergrößert werden würden (vgl. Grosser 1998, S. 69).

2.2 Die wirtschaftliche Entwicklung der DDR

Der Ausgang des Zweiten Weltkrieges führte Ostdeutschland unter die Führung der Sowjetunion, die ihr Bestreben darauf richtete, die Wirtschaft Ostdeutschlands nach dem Muster der sowjetischen Planwirtschaft umzugestalten. So wurden bereits Ende des Jahres 1945 Banken und Sparkassen verstaatlicht und ca. 10.000 Unternehmen beschlagnahmt, die wenig später dann in so genannte Volkseigene Betriebe überführt wurden sind. Ferner wurde im selben Jahr eine Bodenreform durchgeführt, nach der landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 100 Hektar Betriebesfläche, sowie der Besitz vormals aktiver NSDAP-Mitglieder und aller sonstigen Kriegsverbrecher entschädigungslos enteignet und an 600.000 Kleinbauern, Landwirte und Umsiedlern aus den Ostgebieten sowie an volkseigene landwirtschaftliche und andere gewerbliche Betriebe verteilt wurden.[2] Die Produktionsmittel wurden in „gesellschaftliches“ Eigentum überführt und das Prinzip der zentralen Planung sollte das Fundament für die neue sozialistische Wirtschaftsordnung darstellen. Getreu diesem Planungsprinzip wurde 1948 die „Deutsche Wirtschaftskommission“ gegründet, aus der später die DDR-Regierung hervorging. Diese Planungskommission legte für das zweite Halbjahr des Jahres 1948 einen Übergangsplan für die Grundstoffindustrie vor, in dem genaue Planziele fest verankert waren. Es folgte ein Zweijahresplan, der die Entwicklung der Löhne, der Produktion und der Sozialleistungen erfasste. Die Verfassung der DDR vom 07. Oktober 1949 folgte dem Prinzip der zentralen Planung, indem sie im Art. 21 die Wirtschaftsplanung zum Verfassungsgrundsatz erhob (vgl. May 2005, S. 225f.).

[...]


[1] zu nennen ist in diesem Kontext z.B. der Industrieplan der Alliierten, der die Kapazitäten der gesamtdeutschen Rohstoff- und Fertigungsindustrie auf etwa die Hälft der Vorkriegsproduktion (1938) beschränkte

[2] betroffen waren hiervon insgesamt 3,3 Mio. Hektar Boden mit insgesamt 35 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die wirtschaftliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/1990
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (FB 03 Gesellschaftswissenschaften und Philosophie. Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Akteure und Strukturen im politischen System der Bundesrepublik Deutschland
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V138935
ISBN (eBook)
9783640485161
ISBN (Buch)
9783640485017
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vereinigung, Staaten
Arbeit zitieren
Fabian Lerbs (Autor), 2007, Die wirtschaftliche Vereinigung der beiden deutschen Staaten 1989/1990, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138935

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