Die Dialektik von Kind und Sache im Lehr- Lern-Kontext

Lernvoraussetzungen von „Kind 1“ (6) und „Kind 2“ (3) zum Thema „Feuerwehr“


Hausarbeit, 2008
28 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Überlegungen zu Kind und Sache
2.1. Definitionen
2.1.1. Kind und Sache
2.1.2. Lebenswelt
2.1.3. Lernvoraussetzungen
2.2. Bedeutung von Lernvoraussetzungen für den Sachunterricht

3. Sozial- und kulturwissenschaftliche Aspekte im Sachunterricht
3.1. Kerncurriculum
3.2. Perspektivrahmen

4. Sachthema

5. Methode zur Erhebung der Lernvoraussetzungen
5.1. Definition „Interview“
5.2. Formen von Interviews
5.3. Interview mit Kindern

6. Eigene Analyse
6.1. Planung
6.2. Rahmenbedingungen
6.3. Durchführung und Ergebnisse
6.3.1. Hanna
6.3.2. Jonas
6.4. Auswertung
6.4.1. Hanna
6.4.2. Jonas

7. Schlussfolgerung aus den Ergebnissen für einen guten Sachunterricht

8. Literaturverzeichnis

9. Erklärung

10. Anhang

1. Einleitung

Bei der Bearbeitung des Rahmenthemas „Die Dialektik von Kind und Sache

im Lehr- Lern-Kontext“, stütze ich mich im theoretischen Teil der Hausarbeit auf die im Verzeichnis genannten Literatur. Ich werde grundlegend Begriffe erläutern und die Rol­le der Lernvoraussetzungen von Kindern im Hinblick auf den Lehr-Lern-Prozess im Sachunterricht aufzeigen.

Die Beschreibung meiner gewählten Methode zur Erhebung der Lernvoraussetzungen wird den Übergang zum praktischen Teil der Hausarbeit bilden. Dort werde ich das Vorwissen zwei von mir gewählter Kinder erfassen. Ich entschied mich hierbei für das Sachunterrichtsthema „Feuerwehr“. Dieses Thema werde ich durch den sozial- und kul­turwissenschaftlichen Aspekt charakterisieren und sachlich erörtern. Während meines Allgemeinen Schulpraktikums hatte ich die Gelegenheit dieses Thema zu bearbeiten und nahm auch an einem Besuch der örtlichen Feuerwehr teil. Dieses Thema löst bei vielen Kindern Begeisterung und Staunen aus. Ich finde es im Sachunterricht sehr be­deutsam. Die Kinder lernen spielerisch die wichtigsten Dinge bezüglich der Brandbe­kämpfung und wissen, wie sie sich bei Ausbruch eines Feuers verhalten sollten. Sie er­halten einen Einblick in die Arbeit der Feuerwehr und deren Notwendigkeit.

Für die Erfassung der Lernvoraussetzungen wählte ich die Methode des Interviews. Hierzu führe ich in der Hausarbeit erst eine Definition des Begriffs Interview auf und beschreibe dann kurz die Hauptformen von Interviews. Ich werde näher auf die von mir gewählte Interviewform eingehen.

Des Weiteren werde ich mein Vorgehen während der Untersuchung beschreiben und meine Ergebnisse, auch in Bezug auf den Sachunterricht, darlegen.

Ziel dieser Hausarbeit wird also sein, das Vorwissen zweier Kinder bezüglich des The­mas „Feuerwehr“ zu erfassen, miteinander zu vergleichen und die Ergebnisse auf die Gestaltung eines am Kind orientierten Sachunterrichts zu beziehen.

2. Theoretische Überlegungen zu Kind und Sache

2.1 Definitionen

2.1.1 Kind und Sache

Im Folgenden werde ich mich zum Einen auf die von Köhnlein und zum Anderen auf die im Sammelband von Ragaller leitenden Prinzipien des Sachunterrichts stützen. Köhnlein nennt in seinem Text vier Prinzipien, entsprechend dieser Hausarbeit werde ich meine Aufmerksamkeit auf die beiden fundierenden Prinzipien Kind- und Sachorientierung, bzw. Kind- und Sachgemäßheit richten.

Prinzipien sind regulative Ideen und immer in gegenseitiger Wechselwirkung zu verste­hen. Sie entstehen, wenn Didaktikern wichtige Punkte im Unterricht fehlen. Daraufhin werden neue Prinzipien verfasst. Sie können sich abschwächen aber auch verstärken. [1]

Bei dem ersten Prinzip, der Kindorientierung, steht das Kind im Mittelpunkt. Es wird als Subjekt des Unterrichts angesehen und bestimmt diesen. Ziele, Inhalte und Metho­den des Unterrichts richten sich nach dem Kind. Das Kind soll als Individuum und eige­ne Persönlichkeit wahrgenommen werden. Ragaller fasst drei Teilbereiche der Kindorientierung zusammen. Der Schüler soll in seinem Kindsein ernst genommen wer­den, in jedem Kind soll das Individuelle gesehen werden und die gegenwärtige Lebens­situation, also die Interessen- und Lebenswelt der Kinder, muss bewusst wahrgenom­men werden.[2]

Ferner beschreibt sie die Wesensmerkmale von Kindern. Diese müssen berücksichtigt werden, damit ein Lernerfolg erreicht werden kann. Hierzu gehört, dass Kinder am liebsten Spaß haben und sich bewegen wollen. Sie möchten handelnd tätig sein und be­nötigen das Gefühl von Geborgenheit. Außerdem besitzen sie eine Liebe zur Natur, zum Schönen und zum Detail kleiner Dinge. Hinter all dem wollen Kinder den Sinn erfassen und beim Entdecken dieser Dinge mit anderen Kindern zusammen sein und neue Freundschaften erleben. Diese Bereiche gilt es vom Lehrenden wahrzunehmen, um auf die Interessen und Ängste der Kinder eingehen zu können. Er muss sie in ihren kindlichen Tätigkeiten der Welterfassung, wie Wundern, Fragen, Staunen oder Machen, unterstützen und in jedem Kind die Individualität berücksichtigen. Tätigkeiten, denen Kinder privat nachgehen, sollten ihnen auch in der Schule gewährt werden.[3]

Köhnlein definiert den Begriff der Kindgemäßheit ähnlich. Er benutzt den Begriff der veränderten Kindheit als „...Folge gesellschaftlich-kultureller Veränderungen.“[4] Ebenso sieht er grundlegend, „...wie das Kind gesehen wird, wie seine 'Anlagen', Erfahrungen und Lebensumstände, sein Lernstand und seine Motivation aufgenommen werden [...].“[5] Die Individualität des Kindes ist ihm für einen kindgemäßen Unterricht also auch wichtig.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es schwierig ist, den Begriff der Kindorientierung genau zu bestimmen. Die Vorstellung vom Kind und seiner Lebens­welt verändert sich mit der Zeit. Eine Definition von Kindorientierung, bzw. -gemäß­heit, ist also auch von der jeweiligen Ansicht der Gesellschaft, Didaktiker, Psychologen, Erziehungswissenschaftler, etc. abhängig.[6]

Der Begriff der Sachorientierung impliziert, laut Maras und Kaiser, den Anspruch der Sache im Unterricht. Das Prinzip „...fordert eine sachangemessene Erkenntnisgewin­nung, Urteilsbildung und Umgangsweise.“[7] Der Inhalt soll vom Lehrenden im Hinblick auf den Stand der Wissenschaften ausgewertet werden und von den Schülern mit geeig­neten Methoden bearbeitet werden. Grundsätzlich muss hierbei die Lernsache richtig und klar sein. Die Inhalte müssen logisch strukturiert sein und die Verfahren dem Ge­genstand gerecht werden.[8] Die Sachorientierung beinhaltet die Vermittlung von Allge­meinwissen, „...gesicherter Informationen und bewährter Denk- und Arbeitsweisen.“[9] Köhnlein beschreibt den Begriff der Sachgemäßheit als einen genetischen Begriff. Sach­zusammenhänge sollen aus der Lebenswelt der Kinder aufgegriffen und im Unterricht so bearbeitet werden, dass sie in die Richtung der Wissenschaften gehen.[10]

Kind- und Sachorientierung verstehen sich nicht als Gegensätze. Zwischen beiden Prin­zipien herrscht ein Spannungsfeld. Das Ziel ist es, ein ausgewogenes Gleichgewicht herzustellen. Hierbei bewegt man sich immer auf einer „...Gratwanderung zwischen In­haltslosigkeit und curricularer Überreglementierung.“[11] Die Probleme bei der Gestaltung eines sowohl kingemäßen als auch wissenschaftsorientierten Sachunterrichts besteht darin, dass die Methoden fachlich sowie kindgemäß verpackt werden müssen.

„Die Bestimmung des Verhältnisses von Kind und Sache [...] bleibt eine ständige Ent­wicklungsaufgabe der Didaktik des Sachunterrichts, deren Bearbeitung sich auch die aktuellen Konzeptionen des Sachunterrichts in Zeiten von Messbarkeitsvorstellungen Vergleichsarbeiten und Bildungsstandards stellen müssen.“[12]

2.1.2. Lebenswelt

Der Lebensweltbegriff ist zu verknüpfen mit dem Heimatbegriff. Er wird auch als Sache des Sachunterricht beschrieben oder als „Lebenswirklichkeit“ oder „Alltagswelt“. Le­benswelt ist zu verstehen als Realität. Er umfasst sozusagen alle Faktoren, die auf ein Kind einwirken und die es wahrnimmt. Es ist „...die Gesamtheit aller Personen und an­derer Lebewesen, aller Sachen und Sachverhalte, zu denen das Kind Beziehungen auf­gebaut hat und aufbaut.“[13] Die Basis der Lebenswelt bildet ein Erfahrungs- und Erleb­nisprozess. Auch die Umwandlung logischer Kategorien des Bewusstseins sind eng ver­bunden mit der Lebenswelt.[14] Sie versucht Grundlagen und Anforderungen der Vernunft und des Handelns zu bestimmen, indem „...diese auf [...] Sinnschichten zurückgeführt werden.“[15] In Bezug auf den Sachunterricht bedeutet Lebenswelt „...durch die Hinwen­dung zum Leben der Schüler eine solide Ausgangsbasis für Lern- und Verstehensprozes­se zu schaffen,...“.[16] Das Fach Sachunterricht soll den Kindern also dabei helfen, sich ihre Lebenswelt zu erschließen. Darüber hinaus bildet die Lebenswelt das Bezugsfeld von Kind- und Sachorientierung im Sachunterricht. Hier wird an Erfahrungen, Erlebnis­sen und Interessen der Kinder angeknüpft.[17]

2.1.3. Lernvoraussetzungen

Lernvoraussetzungen sind all das, was ein Kind in den kommenden Unterricht mit­bringt, also das bislang Gelernte zu einer im Unterricht folgenden Thematik. Als synonym bekommen die Begriffe Vorwissen, Präkonzepte, Vorkenntnisse, Vorerfahrun­gen, Einstellungen oder Alltagstheorien immer mehr Beachtung in der Didaktik und Pädagogik. Erworbene Fähigkeiten, Kenntnisse, Haltungen und Interesse spielen hierbei eine große Rolle. [18] Lernvoraussetzungen sind bei jedem Lernenden, auch geschlechtsspezifisch, unterschiedlich ausgeprägt. Bekannt ist dieses Problem auch un­ter dem Begriff der „doppelten“ Heterogenität. Es gilt Lerngegenstände zu individuali­sieren, um eine Chancengleicheit zu gewährleisten. So muss das Vorwissen jeder Schul­klasse neu erfasst und analysiert werden. Heterogenität entsteht aus lebensweltlichen Kontexten, Vorwissen und Lernständen der Kinder und unterschiedlichen Sachkontex­ten. Diese Faktoren müssen den Lehrenden bewusst sein von ihnen bei der Planung des Unterrichts berücksichtigt werden. [19] „Erst die Kenntnis der individuellen Lernvoraussetzungen ermöglicht die Aufbereitung des Lerngegenstandes im Span­nungsfeld von fachwissenschaftlich-curricularer Anforderungen und individuellen Er­fahrungen der Kinder.“ [20]

[...]


[1] Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts. S.54

[2] Vgl. Ragaller, S: Gestaltungsgrundsätze eines zeitgemäßen Sachunterrichts. S. 165

[3] Vgl. Ragaller, S: Sachunterricht. S. 166

[4] Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts S. 55

[5] Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts S. 55

[6] Vgl. Ragaller, S: Sachunterricht. S. 166

[7] Maras, R.: Kindorientierung im Sachunterricht. In: Ragaller, S.: Sachunterricht. S. 167

[8] Vgl. Maras, R.: Kindorientierung im Sachunterricht. In: Ragaller, S.: Sachunterricht. S. 167

[9] Kahlert, J. In: Ragaller, S: Sachunterricht. S. 172

[10] Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts S. 57

[11] Kahlert, J. In: Ragaller, S: Gestaltungsgrundsätze eines zeitgemäßen Sachunterrichts. S. 172

[12] Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 256

[13] Soostmeyer: Die „Sache“ des Sachunterrichts, S. 211/212

[14] Vgl. Neißeler, A. Lebenswelt. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 31

[15] Neißeler, A. Lebenswelt. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 31

[16] Ebd. S. 31

[17] Vgl. Neißeler, A. Lebenswelt. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 31

[18] Vgl. Vgl. Martschinke, S. und Kopp, B. Heterogene Lernvoraussetzungen. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 367

[19] Vgl. Hempel, M. Diagnostik der kindlichen Lebenswelt als Voraussetzung der Förderung des Kompetenzerwerbs der Lernenden. S. 23-27

[20] Hempel, M. Diagnostik der kindlichen Lebenswelt als Voraussetzung der Förderung des Kompetenzerwerbs der Lernenden. S. 27

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die Dialektik von Kind und Sache im Lehr- Lern-Kontext
Untertitel
Lernvoraussetzungen von „Kind 1“ (6) und „Kind 2“ (3) zum Thema „Feuerwehr“
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Didaktik der Naturwissenschaften, der Mathematik und des Sachunterrichts (IfD))
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V140057
ISBN (eBook)
9783640502790
ISBN (Buch)
9783640503100
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sachunterricht, Grundschule, Lehren, Lernen, Kontext, Schule, Kind, Sache, Lebenswelt, Dialektik, Zukunftsträume, Lebensplan
Arbeit zitieren
Brigitte Poppinga (Autor), 2008, Die Dialektik von Kind und Sache im Lehr- Lern-Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140057

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