Kriegsberichterstattung zwischen normativen Aufgaben und medialer Praxis


Bachelorarbeit, 2009

56 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

TEIL I: JOURNALISTISCHER ANSATZ

1.0 EINFÜHRUNG

2.0 UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN KRIEGS- UND KRISENBERICHTERSTATTUNG
2.1 ANFORDERUNGEN AN DIE KRIEGSBERICHTERSTATTUNG
2.2 ETHISCHE PROBLEME

3.0 AKTEURE DER KRIEGSBERICHTERSTATTUNG
3.1 ZIVILE KRIEGSBERICHTERSTATTUNG
3.2 MILITÄRISCHE KRIEGSBERICHTERSTATTUNG
3.3 EINGEBUNDENE KRIEGSBERICHTERSTATTUNG
3.3.1 Grundregeln und Probleme der eingebundenen Kriegsberichterstatter
3.3.2 Embeds in der Diskussion

4.0 FRIEDENSJOURNALISMUS
4.1 FRIEDENSJOURNALISMUS IDEALTYPISCH
4.2 MEDIALE DISTRIBUTIONSWEGE
4.3 PROBLEME DES FRIEDENSJOURNALISMUS

5.0 HUMOR IN DER KRIEGSBERICHTERSTATUNG

TEIL II: MEDIALER ANSATZ

6.0 KRIEGSBERICHTERSTATTUNG IN MEDIALER PRAXIS
6.1 VERHÄLTNIS ZWISCHEN KORRESPONDENTEN UND REDAKTEUREN
6.2 WER KOMMT ZU WORT?
6.3 MEDIALE GESTALTUNGSELEMENTE

7.0 MISSBRAUCH VON KRIEGSBERICHTERSTATTUNG
7.1 PROPAGANDA
7.2 DIFFAMIERUNG UND ENTMENSCHLICHUNG DES GEGNERS
7.3 MANIPULATION UND FÄLSCHUNG
7.4 ZENSUR

8.0 KRIEG ALS MEDIENSPEKTAKEL

9.0 EXKURS
9.1 GEDENKSTÄTTEN
9.2 BEKANNTE KRIEGSFOTOGRAFIEN

10.0 FAZIT

11.0 QUELLENVERZEICHNIS

Teil I: Journalistischer Ansatz

1.0 Einführung

„…die Zahl der Opfer beläuft sich auf 13 Tote und 21 Verletzte.“. „…es waren die schwersten Luftangriffe seit Beginn der Offensive!“. „…soeben erhalten wir neue Bilder von der Front. Wir schalten nun live zu unserem Korrespondenten in…“.

So oder so ähnlich hören wir gegenwärtig beinahe täglich die Ansage der Mode- ratoren auf den verschiedensten, weltweiten Fernsehkanälen. Plakative Über- schriften prangern gleichsam in den Printmedien. Verursacht durch die anhalten- de Verbesserung der Technik und immer schnelleren Übertragungswegen wird der westlichen Welt wird der Zustand „Krieg“ vermehrt medial präsentiert. Buch- stäblich jeder konnte im Jahr 2003 den Einmarsch amerikanischer Truppen live im Fernsehen verfolgen. Diese mediale Berichterstattung in ausgewählten Medi- en sollte jedoch kritisch hinterfragt werden. Kriterien für eine qualitative Kriegsbe- richterstattung sind zur Beurteilung der Beiträge daher von zentraler Bedeutung.

In dieser Ausarbeitung sollen die differenzierten Methoden und Ambitionen von Journalisten wiedergegeben werden, welche einer besonderen Ausrichtung ihres Berufstandes angehören: Der Kriegsberichterstattung. Ihr und den Personen, die diese erst möglich machen, ist der erste Teil dieser Arbeit gewidmet.

Es sollen die verschiedenen Arbeitsweisen von Kriegskorrespondenten sowie de- ren Aufgaben und Anforderungen nach dem derzeitigen Stand der Forschung beschrieben werden. Ethische Probleme der Kriegsberichterstattung, sowie die Zusammenarbeit zwischen Militär und zivilen Journalisten werden formuliert. Friedliche Ansätze werden im Kapitel 4.0 Friedensjournalismus artikuliert und sind als Erweiterung der kritischen Kriegsberichterstattung zu verstehen.

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird verstärkt auf ausgesuchte Medien selbst ein- gegangen. Es wird der Frage nachgegangen, wie die Medien mit dem Thema Kriegsberichterstattung umgehen. Wie und ob eine Zensur stattfindet oder inwie- weit die journalistische Kriegsberichterstattung gezielt von Politikern oder Militärs beeinflusst wird. Eine weitere Ausprägung unserer heutigen, medialen Zeit ist der Krieg als Unterhaltungsgegenstand. Diese Konstellation wird im Kapitel Krieg als Medienspektakel genauer betrachtet.

Abschließend werden einige der bekanntesten Kriegsfotografien und zwei Mahnmahle zum Gedenken an getötete Journalisten vorgestellt, sowie ein kurzer Ausblick in alternative Möglichkeit der Kriegsberichterstattung gegeben.

Es sei angemerkt, dass dies eine literarische Arbeit ist und weitgehend auf Litera- turanalysen und Internetrecherchen basiert. Sie versucht ferner den aktuellen Stand der Forschung wiederzugeben. Um dies zu erreichen, wurde maßgeblich im Bereich des Friedensjournalismusses die Publikation „Friedensjournalismus: wie Medien deeskalierend berichten können“ von Nadine Bilke verwendet. Für die Rubrik Akteure in der Kriegsberichterstattung war Kristina Isabel Schwarte mit ihrem Buch „Embedded Journalists – Kriegsberichterstattung im Wandel“ äußerst hilfreich. Einen umfassenden Überblick über die Kriegsberichterstattung im all- gemeinen und der medialen Praxis, im speziellen die Propagandaeigenschaften, lieferten maßgeblich die beiden Bände „Konflikt und Kommunikation – Berichter- stattung, Medienarbeit und Propaganda in internationalen Konflikten vom Krim- krieg bis zum Kosovo“ von Stefan Hartwig und „Kriegs- und Krisenberichterstat- tung – Ein Handbuch“ von Martin Löffelholz, Christian F. Trippe und Andrea C. Hoffmann (Hrsg.). Neben den literarischen Werken wurde diese Ausarbeitung desgleichen von der Kriegsberichterstatterin Antonia Rados und dem Kriegsfoto- graf James Nachtwey aufgrund ihrer außergewöhnlichen Leistungen in der Kriegsberichterstattung inspiriert.

Ergebnisse, Zusammenhänge und Ableitungen wurden deduktiv erstellt und mit eigenen Schlussfolgerungen erweitert.

Deutschland darf gemäß Art. 2 Nr. 4. SVN offiziell keine Kriege führen – zumin- dest keine Angriffskriege.[1] Unter dieser Berücksichtigung wird im Verlauf der Ar- beit von Kriegsberichterstattung im Allgemeinen gesprochen. Wenn länderspezi- fische Ansätze Gegenstand der Betrachtung sind, dann werden sie entsprechend gekennzeichnet.[2]

Im Generellen werden Thesen der westlichen Presse bearbeitet. Daher kann, aufgrund des Umfanges, leider nicht wesentlich auf die globale, vornehmlich ara- bische, Presse und deren Arbeitsweisen eingegangen werden. Aus gleichem Grund wird auf die geschichtliche Herleitung der Kriegsberichterstattung weitge- hend verzichtet.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. phil. habil. Christian Schicha (Dozent an der Mediadesign Fachhochschule Düsseldorf), der mir allzeit äußerst kompe- tent mit Rat und Tat zur Seite stand. Ferner bedanke ich mich bei Herrn Prof. Thomas Dreiskämper (Leiter der Mediadesign Fachhochschule Düsseldorf und Fachdekan für Medienmanagement) für seine unterstützenden und professionel- le Hinweise.

Weiterhin bedanke ich mich bei Herrn Rainer Höhling (Stellvertreter des Chefre- dakteurs, Deutscher Depeschendienst GmbH Berlin) für die interessanten und in- formativen Einblicke in die Berichterstattung der deutschen Bundeswehr.

Vielen Dank!

2.0 Unterscheidung zwischen Kriegs- und Krisenberichterstattung

Häufig wird verallgemeinernd von Kriegs- und Krisenberichterstattung gespro- chen. Beide Begriffe beschreiben jedoch eigenständige Fachgebiete innerhalb der journalistischen Berichterstattung. Eine eindeutige und klare Abgrenzung beider Wortbedeutungen besteht bis zum heutigen Tag nicht. Verschiedene Quellen liefern differente Definitionen, weisen aber Gemeinsamkeiten auf.

Die Kriegsberichterstattung bezieht sich auf einen konkreten Krieg und findet in drei zeitlichen Phasen der Berichterstattung statt. Kriegskorrespondenten berich- ten im Vorfeld eines Krieges, im Verlauf der Auseinandersetzung und in der Nachkriegszeit über alle kriegsrelevante Themen. Krieg wird nach Meyers wie folgt definiert:

„der Versuch von Staaten, staatsähnliche Machtgebilden oder gesellschaftlichen Großgruppen […], ihre machtpolitischen, wirtschaftlichen oder weltanschaulichen Ziele mittels organisierter bewaffneter Gewalt durchzusetzen.“[3]

Der Kriegszustand ist demnach vorhersehbar und tritt vorwiegend mit Ankündi- gung ein. Partiell werden auch Konflikte, die keine Waffenausschreitungen zur Folge haben, der Kriegsberichterstattung zugeschrieben.[4]

Eine Krise hingegen ist die verschärfte Fortführung eines bestehenden Konflikts. Sie muss daher nicht zwingend Waffengewalt beinhalten. Doch auch hier ist der Ausgang fast immer ungewiss. Krisen treten, im Gegensatz zu Kriegen, unerwar- tet und plötzlich auf, was einen besonderen Handlungsbedarf an die Journalisten stellt. Krisenberichterstattung wird ebenfalls im Kontext mit Krisen natürlichen Ur- sprungs verwendet. So berichten Krisenberichterstatter gleichermaßen über Dür- rekatastrophen, Überschwemmungen oder Hungersnöte aus allen Regionen dieser Erde.[5]

2.1 Anforderungen an die Kriegsberichterstattung

Kriegsberichterstatter sind Journalisten. Daher gelten auch für sie die allgemein- gültigen, journalistischen Anforderungen. Diese sind u.a. Bildungsfunktion, Kritik- und Kontrollfunktion, Transparenz, Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Vollständigkeit und Neutralität. Neben jenen Basiseigenschaften werden an die Kriegsberichterstat- tung noch erweiterte, spezifischere Anforderungen gestellt. Christian Schicha lie- fert dazu vier erweiterte Fragestellungen. Diese lauten wie folgt:

- „Welche Kriterien sind für die Berichterstattung leitend?
- Welches Bild wird über die Konfliktparteien vermittelt?
- Wie wirkt die Berichterstattung auf den Konfliktverlauf und die Konflikt- vermeidung?
- In welcher Form kann über Konflikte berichtet werden, sodass die Mög- lichkeit der Gewaltprävention und Gewalteindämmung erreicht werden kann?“ [6]

Es ist zu erkennen, dass sich die ersten beiden Fragestellungen überwiegend auf journalistische Anforderungen der Kriegsberichterstattung beziehen, während Frage drei und vier sich im Kontext auch Themenübergreifend stellen lassen könnten.[7]

Aufgrund ihrer gewaltgeprägten Tätigkeit sollten Kriegsreporter neben beruflichen Anforderungen auch über besondere soziale Kompetenzen (sog. „Soft Skills“) verfügen. Sie sollten keinen Hang zur Selbstinszenierung haben, ferner charak- terfest sowie physisch und psychisch in außergewöhnlich guter Verfassung sein, damit sie unter den oft harten Bedingungen arbeiten und das Erlebte verarbeiten können.

Zusammenfassend stellt der Friedensforscher Johan Galtung zehn Vorschläge für eine Kriegsberichterstattung auf. Seinen Anregungen können die wichtigsten Anforderungen für die Berichterstattung im Allgemeinen, im Einzelnen aber auch für den Friedensjournalismus entnommen werden. Diese sind direkt übernom- men und sollen aufgrund ihrer Bedeutsamkeit hier Erwähnung finden:

- „In jedem Krieg sollte der Journalist sich bemühen, seine Story von allen Seiten zu beleuchten.
- Im Krieg sollten die Medien darauf drängen, Zugang zu Ereignissen, Menschen und Themen zu bekommen.
- Um eine umfassende Berichterstattung zu gewährleisten, sollten Journa- listen Eliten nicht übermäßig als Quellen nutzen, sondern bestrebt sein, verschiedene »Autoritäten« und »Experten« ausfindig zu machen.
- Es wäre vernünftig, wenn die Medien in ihrer Kriegsberichterstattung eine Glorifizierung der Technologie vermeiden würden.
- So inhuman es auch scheinen mag, die Medien sollten nicht darauf ver- zichten, auch drastisch anschauliches Material (»blood-and-guts«-Stories) zu verwenden, nur weil einige so etwas als abstoßend empfinden.
- Die Medien sollten sinnvolle und gut geschriebene Berichte über »norma- le Leute« anbieten. Denn damit können sie eine personalisierte Darstel- lung des Krieges präsentieren, die auch angebracht ist.
- Die Medien können eine Vielzahl von Stories anbieten – und das schließt Hintergrundberichte ausdrücklich ein.
- Die Medien müssen sich bewusst sein, dass »Nachrichtenmacher« ver- suchen, sie zu manipulieren.
- Es ist eine Gefahr, wenn Medien oder Journalisten selbst zur Nachricht werden. Das Problem liegt in der Ablenkung der öffentlichen Aufmerk- samkeit von den wahren Problemen des Krieges.
- Es ist wichtig, dass Nachrichtenmedien in ihrer Berichterstattung Frie- densinitiativen thematisieren und fördern. Die Presse kann eine zentrale Rolle bei Konfliktlösungsversuchen spielen und friedliche Lösungen för- dern.“[8]

2.2 Ethische Probleme

„Journalisten sollen keine Kriege gewinnen, sie sollen darüber berichten.“ [9]

Um berichten zu können, müssen sich Journalisten vorerst auf die Suche nach Informationen begeben. Im journalistischen Kontext bedeutet dies die Fahndung nach der Wahrheit. Paradoxerweise gibt es die absolute Wahrheit nicht. Daher müssen Kriegsreporter stets bestrebt sein die größtmögliche Wahrhaftigkeit zu erreichen.

Diese Wahrhaftigkeit steht für subjektives „ Für-Wahr-Halten “ der eigenen Aussa- ge in einem bestimmten Bereich. Dabei müssen die Journalisten sich vorerst über ihren eigenen Standpunkt im Klaren sein. Aufgrund ihrer verantwortungsvol- len Aufgabe ergeben sich besondere Fragen ethischer Natur an den Journalisten selbst. Wie wird der Konflikt bewertet? Wie rechtfertigt sich Gewalt vor dem eige- nen kulturellen Hintergrund? Neben diesen zentralen Fragen mag wohl die Frage nach der Wirkung der eigenen Berichterstattung die am Schwersten zu beantwor- tende sein.[10]

Weiterhin wird der Umstand diskutiert, ob es ethisch vertretbar ist, sein Auskom- men mit dem Leid anderer zu verdienen. Ein Ergebnis dieser Diskussion soll hier nicht beschrieben werden, da es in dem Sinne keine verbindlichen Resultate gibt. Diesen Aspekt der Kriegsberichtserstattung muss sich jeder Kriegskorrespondent selbst stellen und für sich selbst beantworten.

3.0 Akteure der Kriegsberichterstattung

3.1 Zivile Kriegsberichterstattung

Um unabhängig von Dritte an Informationen zu kommen, gehen freie und zivile Journalisten aus eigenem Antrieb in die Kampfgebiete oder werden von großen Nachrichten- und Medienagenturen dorthin entsendet. Dadurch erhalten die Be- richterstatter ungefilterte Informationen zur Lage vor Ort - sind jedoch immer auf sich selbst gestellt und arbeiten auf eigenes Risiko. Dabei unterliegen sie i. d. Regel im Einsatzgebiet nur geringen Bestimmungen oder Einschränkungen, kön- nen aber zumindest in Deutschland aufgrund der geltenden Gesetzeslage nicht alles unverändert publizieren. Da sich die Berichterstattung der zivilen Kriegsbe- richterstatter ausschließlich an die Öffentlichkeit richtet, unterliegen sie in Deutschland dem Deutschen Presserat, ihrem eigenen Pressekodex und der FSM (Freiwillige Selbstkontrolle der Multimedia-Dienstanbieter). Zu gewalttätige oder anderweitig problematische Inhalte werden von ihnen beanstandet.[11] Prob- lematisch wird dies, da im Fokus der zivilen Korrespondenten meist die Doku- mentation von Leid, Gewalt und Zerstörung in der Zivilbevölkerung steht. Da- durch entstehen Bilder und Filme mit sehr brutalem und blutigem Inhalt, von zer- störten Häusern oder schlimmer: Von getöteten Menschen jeden Alters, Ge- schlecht oder Hautfarbe.

Meist dürfen diese Bilder nicht in der (deutschen) Öffentlichkeit gezeigt werden, trotz (oder gerade wegen) ihres hohen Symbolcharakters. Sicherlich würden sie indes dabei helfen, dass gesamte Ausmaß des Schreckens der Opfer eines Krie- ges bekannt zu machen und eventuell zukünftige Konfrontationen mittels der ab- schreckenden Wirkung sogar zu vermeiden. Zu bemerken wäre, dass der westli- chen Welt die Konsequenzen ihres Handelns vor Augen geführt, und den Men- schen die „andere Seite“ nahe gebracht werden würde.

Und genau darin liegt wiederum ein Kritikpunkt: Wer tage-, wochen- oder sogar monatelang mit diesen entsetzlichen Tatsachen konfrontiert wird, baut schnell ei- ne hohe emotionale Bindung und tiefes Verständnis für die Zivilbevölkerung auf. Es könnte daher den Journalisten einseitige, nicht emotionslose Berichterstattung vorgeworfen werden. Ebenso wird manchen Reportern unterstellt, dass sie sich ausschließlich zur Selbstdarstellung in die Gefahrenzonen begeben und reinen Gewaltjournalismus oder pure Selbstinszenierung betreiben. Freizügig bejaht die United Press International-Reporterin Helen Thomas diese Unterstellungen:

„Ich habe mich in den fünfzig Jahren, in denen ich Reporterin war, immer selbst inszeniert.“[12]

Nichts desto trotz trifft dies sicherlich nicht auf jeden Journalisten zu, denn die zi- vile Kriegsberichterstattung bleibt weiterhin unabdingbar für eine breit gefächerte Berichterstattung. Eben weil sie nicht der Zensur und Kontrolle der Einsatzländer oder dem Militär untersteht.

Die bekannteste deutsche Kriegskorrespondentin ist Antonia Rados. Sie gewann für ihre Berichterstattung im Irakkrieg 2003 den Deutschen Fernsehpreis.[13] Der Leipziger Medienpreis für Kriegsfotografen ging ein Jahr später an den amerika- nischen Kriegsfotografen James Nachtwey. Nachtwey wurde im Dezember 2003 während eines Einsatzes in Bagdad von einer Handgranate schwer verletzt – nahm aber schon kurz darauf wieder seiner Tätigkeit als Kriegskorrespondent auf. [14]

3.2 Militärische Kriegsberichterstattung

Das militärische Pendant zur zivilen Berichterstattung ist die rein militärische Kriegsberichterstattung. Hierzu geben die internationalen Armeeführungen nur spärliche Informationen. Demzufolge kann die Arbeitsweise der militärischen Journalisten nur unzureichend beschrieben werden. Aus dieser strikten Geheim- haltung kann jedoch der Schluss gezogen werden, dass die Militärs keinerlei In- teresse an der Veröffentlichung der (brisanten) Berichte haben können. Informa- tionen werden der Öffentlichkeit also bewusst vorenthalten. Eine spekulative Be- gründung für die Geheimhaltung wäre, dass die Armee dem Feind nicht die eige- nen Lageberichte zur Analyse des Fortschrittes, Truppenstärke und Strategien offen legen will. Ebenso könnte das Bildmaterial einen zu brutalen Inhalt aufwei- sen, als dass eine Veröffentlichung den Bürgern zumutbar wäre (sicherlich auch mit dem Hintergrund der Meinungsmache).

Militärische Berichterstatter sind verpflichtete Soldaten und unterstehen sowohl den zivilen Organen als auch den militärischen. Umso schwieriger ist es, einen Einblick in die Thematik der Berichterstattung zu bekommen.

Den Verantwortlichen ist jedoch bewusst, dass eine totale Abgrenzung und Ge- heimnistuerei mehr Spekulationen aufwirft und u.U. sogar negativ nach außen wirkt. Sie entschieden sich daher zu einer Mischform zwischen rein militärischer und rein ziviler Berichterstattung. Dies wird im folgenden Abschnitt näher be- schrieben.

[...]


[1] Vgl. http://www.jurawiki.de/AngriffsKrieg

[2] Allgemein verwendete Berufsbezeichnungen (z. B. Journalist oder Korrespondent) schließen weibliche Mitglieder selbstverständlich mit ein.

[3] Zitat: Meyers 1994: 24

[4] Vgl. Peterson 2007: 140

[5] Vgl. Peterson 2007: 141

[6] Zitat: Schicha 1999: 10

[7] Insbesondere Themenübergreifend in den Bereich Friedensjournalismus. Siehe Kapitel 4.0.

[8] Zitat: http://www.friedenspaedagogik.de/content/pdf/1928

[9] Zitat: Frohloff 2004: 39

[10] Vgl. http://www.bildungsforschung.org/Archiv/2006-01/journalismus

[11] Vgl. http://www.presserat.info/

[12] Zitat: Solomon 2003: 40

[13] Vgl. http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=2623&RID=1

[14] Vgl. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,297447,00.html

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Details

Titel
Kriegsberichterstattung zwischen normativen Aufgaben und medialer Praxis
Hochschule
Mediadesign Hochschule für Design und Informatik GmbH München
Autor
Jahr
2009
Seiten
56
Katalognummer
V142774
ISBN (eBook)
9783640532735
ISBN (Buch)
9783640533107
Dateigröße
2206 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegsberichterstattung, Krieg, Medien, Praxis, Friedensjournalismus, Propaganda, Zensur, Frieden, USA, Berichterstattung, Journalismus, Afghanistan, Iraq, Truppe
Arbeit zitieren
Stephan Sengler (Autor), 2009, Kriegsberichterstattung zwischen normativen Aufgaben und medialer Praxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/142774

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