Hedge Accounting bei Banken - Darstellung und kritische Würdigung

Unter besonderer Berücksichtigung des Portfolio Fair Value Hedge von Zinsänderungsrisiken


Diplomarbeit, 2009
82 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

A. EINLEITUNG

B. GRUNDLEGENDE ASPEKTE DER BANKENBRANCHE UND DES HEDGE ACCOUNTING NACH IFRS
1. BESONDERHEITEN DER BANKENBRANCHE
1.1 Geschäftsfelder
1.2 Merkmale der Bankbilanz
1.3 Banktypische Risikoarten
1.4 Risikomanagement
1.5 Merkmale eingesetzter Derivate
1.5.1 Zinsswap
1.5.2 Cross Currency Swap
1.5.3 Devisentermingeschäft
1.5.4 Option
1.5.5 Credit Default Swap
2. NOTWENDIGKEIT UND ANFORDERUNGEN DES HEDGE ACCOUNTING
2.1 Definitionen
2.1.1 Hedging und Effektivität
2.1.2 Hedge Accounting
2.1.3 Finanzinstrumente und Derivate
2.2 Notwendigkeit der Regelungen
2.2.1 Klassifizierung von Finanzinstrumenten nach IAS 39
2.2.2 Bilanzielle Konsequenzen des Hedging
2.3 Sicherungsbeziehungen
2.3.1 Arten
2.3.2 Sicherungsinstrumente
2.3.3 Grundgeschäfte
2.4 Voraussetzungen
2.4.1 Dokumentation
2.4.2 Effektivität

C. HEDGE ACCOUNTING NACH IFRS BEI BANKEN
1. DIE BILANZIELLEN ASPEKTE DES HEDGE ACCOUNTING AUF MICRO-/ MACROEBENE
1.1 Fair Value Hedge
1.1.1 Bilanzielle Grundkonzeption
1.1.2 Beendigung der Bilanzierung
1.1.3 Beispielhafte Bilanzierung der Absicherung eines Kredits gegen das Zinsänderungsrisiko
1.2 Cashflow Hedge
1.2.1 Bilanzielle Grundkonzeption
1.2.2 Beendigung der Bilanzierung
1.2.3 Beispielhafte Bilanzierung der Absicherung einer geplanten Transaktion gegen das Zinsänderungsrisiko
1.3 Wahl der Absicherungsart
1.4 Angaben nach IFRS 7
2. BILANZIELLE ASPEKTE DES FAIR VALUE HEDGE VON ZINSÄNDERUNGSRISIKEN AUF PORTFOLIOBASIS
2.1 Entstehungsursachen
2.2 Konzeption
2.2.1 Abgesicherte Zinsrisikokomponenten
2.2.2 Vorgehensweise
3. KRITISCHE WÜRDIGUNG DES HEDGE ACCOUNTING AUS DER PERSPEKTIVE EINER BANK
3.1 Verbot der Designation von Nettopositionen
3.2 Verbot der Designation von Sichteinlagen
3.3 Verbot der Berücksichtigung interner Geschäfte
3.4 Aufwand
4. ALTERNATIVEN ZUM HEDGE ACCOUNTING
4.1 Fair Value-Option
4.2 Full Fair Value-Bilanzierung

D. FAZIT UND AUSBLICK

ANHANG: ANGABEN NACH IFRS 7

LITERATURVERZEICHNIS

Bücher, Sammelwerke und Zeitschriftenaufsätze

Internet-Quellen

Abbildungsverzeichnis

ABBILDUNG 1: GRUNDSCHEMA EINER BANKBILANZ

ABBILDUNG 2: BANKTYPISCHE RISIKOARTEN

ABBILDUNG 3: VERTEILUNG DER RISIKODECKUNGSMASSE BEI DER POSTBANK

ABBILDUNG 4: ABLAUF EINES SWAP

ABBILDUNG 5: ABLAUF EINES CREDIT DEFAULT SWAP

ABBILDUNG 6: GRUNDIDEE DES HEDGING

ABBILDUNG 7: ARTEN DER SICHERUNGSBEZIEHUNGEN GEM. IAS 39

ABBILDUNG 8: ZULÄSSIGE LAUFZEITABWEICHUNGEN VON GRUNDGESCHÄFT UND SICHERUNGSINSTRUMENT

ABBILDUNG 9: ÜBERSICHT DER (UN)ZULÄSSIGEN GRUNDGESCHÄFTE

ABBILDUNG 10: METHODEN ZUR ERMITTLUNG DER PROSPEKTIVEN UND RETROSPEKTIVEN EFFEKTIVITÄT

ABBILDUNG 11: REGRESSIONSANALYSE

ABBILDUNG 12: BILANZIERUNG EINES FAIR VALUE HEDGE AM BEISPIEL EINES KREDITS

ABBILDUNG 13: ABSICHERUNG EINES KREDITS MITHILFE EINES ZINSSWAP

ABBILDUNG 14: BILANZIERUNG EINES CASHFLOW HEDGE

ABBILDUNG 15: ALTERNATIVER EINSATZ DES FAIR VALUE HEDGE UND DES CASHFLOW HEDGE IN DER AKTIV-PASSIV-STEUERUNG

ABBILDUNG 16: ZYKLUS DES PORTFOLIO FAIR VALUE HEDGE

ABBILDUNG 17: BERÜCKSICHTIGUNG VON BESTANDSVERÄNDERUNGEN BEI DER PROZENTUALEN METHODE

ABBILDUNG 18: BERÜCKSICHTIGUNG VON BESTANDSVERÄNDERUNGEN BEI DEM BOTTOM-LAYER- APPROACH

ABBILDUNG 19: BERÜCKSICHTIGUNG VON BESTANDSVERÄNDERUNGEN BEI DEM TOP-LAYER- APPROACH

ABBILDUNG 20: ERMITTLUNG DER HEDGED FAIR VALUE-ÄNDERUNG DES ABZUSICHERNDEN BETRAGS

ABBILDUNG 21: DETAILLIERTE DARSTELLUNG DES ERGEBNISSES AUS SICHERUNGSZUSAMMENHÄNGEN

ABBILDUNG 22: EINSATZ INTERNER GESCHÄFTE IM RISIKOMANAGEMENTFEHLER! TEXTMARKE NICHT DEFINIERT

Tabellenverzeichnis

TABELLE 1: FOLGEBEWERTUNG VON FINANZINSTRUMENTEN NACH IAS 39

TABELLE 2: BEISPIELHAFTE DOKUMENTATION EINER SICHERUNGSBEZIEHUNG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A. Einleitung

Die Deutsche Bank gibt in ihrem Jahresabschluss an, dass sie Derivate in Höhe des Nominalbetrages von 50.432 Mrd ¼1 im Bestand hat. Setzt man diesen Betrag in Relation zu dem ausgewiesenen Eigenkapital in Höhe von 31,9 Mrd. ¼2 würde so mancher Betrachter sich auf den ersten Blick in seiner Meinung bestätigt fühlen, dass Banken rücksichtslos und risikofreudig mit den Geldern ihrer Kunden spekulieren. Vielleicht würde man mit dieser Ansicht gerade aufgrund der Finanzmarktkrise dieser Tage nicht alleine dastehen, trotzdem wäre dieses Urteil wohl auf Grundlage dieser beiden Beträge etwas zu schnell gefällt worden. Denn Derivate werden von Banken nicht nur für den Eigenhandel, und um den Bedürfnissen der Kunden Rechnung zu tragen, gehalten, sondern sie werden auch als Absicherungsinstrumente im Rahmen des Risikomanagements bzw. -steuerung eingesetzt.

Damit die eingegangenen Sicherungsbeziehungen im Jahresabschluss wirtschaftlich korrekt abgebildet werden können und dem Bilanzleser somit die ergriffenen Absicherungsmaßnahmen auch ersichtlich werden, sind vom IASB Regelungen zur Abbildung von Sicherungsgeschäften (,,Hedge Accounting") verabschiedet worden. Diese sind aufgrund ihrer Ausgestaltung zwar häufig Mittelpunkt von Diskussionen und haben daher auch zum derzeit einzigen Carve-out3 geführt.4 Dennoch sind die Bestimmungen für die Abbildung von Sicherungsgeschäften notwendig, um Bewertungs- sowie Ansatzunterschiede der internationalen Rechnungslegung auszugleichen.

Gegenstand dieser Arbeit sind daher die einerseits umstrittenen, aber dennoch erforderlichen Regelungen zum Hedge Accounting nach IFRS insbesondere aus Sicht der Kreditinstitute. Denn Banken sehen sich aufgrund ihrer Tätigkeit verstärkt mit Risiken, vor allem in Verbindung mit Finanzinstrumenten, konfrontiert und sind daher gewissermaßen gezwungen, im Vergleich zu Industrieunternehmen vermehrt Sicherungsbeziehungen einzugehen. Daher ist es auch interessant zu untersuchen, ob die Konzeption des Hedge Accounting nach IFRS mit dem andersartigen Geschäftsmodell von Banken überhaupt vereinbar ist.

Im Mittelpunkt der Ausführungen steht insbesondere der Portfolio Fair Value Hedge von Zinsänderungsrisiken, der aufgrund des Drucks der Banken entstanden ist. Anhand praxisnaher Beispiele ist es Aufgabe dieser Arbeit, diesen nicht nur vorzustellen, sondern auch dem Leser aufzuzeigen, an welchen Stellen die Regelungen verbesserungswürdig erscheinen. Insbesondere im Hinblick darauf, eine wirtschaftlich korrekte Abbildung von Sicherungsbeziehungen im Jahresabschluss gewährleisten zu können und gleichzeitig auch, um eine Annäherung an die „gelebte Praxis" des Risikomanagement bei Banken zu erzielen.

Daher wird in den nachfolgenden Ausführungen ein genereller Überblick über das Hedge Accounting nach IFRS gegeben, wobei insbesondere die Notwendigkeit der Regelungen erörtert wird und auf die Anforderungen, die an Sicherungsbeziehungen gestellt werden, näher eingegangen wird. Im nächsten Schritt werden dann im Hauptteil die einzelnen Arten von Sicherungsbeziehungen, insbesondere anhand von Anwendungsbeispielen aus der Banken- praxis, veranschaulicht. Der Fokus wird dabei auf der Absicherung von Zinsänderungsrisiken liegen, da Kreditinstitute mit diesem Risiko in hohem Maße konfrontiert werden. Im Punkt 2 des Hauptteils steht daraufhin der Portfolio Fair Value Hedge von Zinsänderungsrisiken im Mittelpunkt. Dabei wird nicht nur die Konzeption anhand eines umfangreichen Fallbeispiels erläutert, sondern es werden auch Kritikpunkte aus Sicht der Banken offen dargelegt. Im Anschluss werden Alternativen zum Hedge Accounting hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit beurteilt. Abschließend wird ein Fazit zum Hedge Accounting bei Banken gezogen sowie ein Ausblick vorgenommen.

Bevor jedoch die bilanzielle Darstellung der Sicherungsbeziehungen im Vordergrund steht, bedarf es einer näheren Untersuchung der Bankenbranche. Dabei soll nicht nur das Geschäftsmodell und der Aufbau der Bilanz vorgestellt werden, sondern auch die einzelnen Risiken und deren Steuerung werden Gegenstand der Ausführungen sein.

B. Grundlegende Aspekte der Bankenbranche und des Hedge Accounting nach IFRS

1. Besonderheiten der Bankenbranche

1.1 Geschäftsfelder

Der Geschäftszweig, der wohl zuerst mit einer Bank assoziiert wird und grundsätzlich die bedeutendste Einnahmequelle darstellt, ist das Kredit- und Einlagengeschäft. Banken vergeben Kredite, die sie größtenteils durch eine Vielzahl von Einlagen oder durch Wertpapieremissionen refinanzieren. Das Kreditinstitut erzielt dadurch, dass es den Kreditnehmern einen höheren Zinssatz in Rechnung stellt als es den Sparern vergütet, einen Zinsüberschuss bzw. eine Zins- marge. Dies ist möglich, weil die Banken als Finanzintermediäre drei wichtige Funktionen im Geld- und Kapitalmarkt wahrnehmen.

Einerseits nimmt eine Bank eine Vielzahl von kleinen Beträgen der Sparer an und vergibt betragsmäßig höhere Kredite an ihre Kunden (Losgrößentransformation). Des Weiteren kann die Bank, z. B. durch die Kreditvergabe an Kunden verschiedener Branchen, das Risiko streuen und damit das Risiko eines Ausfalls für den Sparer vermindern (Risikotransformation).5 Die Fristentransformationsfunktion verrichtet die Bank letztlich, indem sie die kurz- bis mittelfristig angenommenen Gelder langfristig in Form von Krediten ihren Schuldnern zur Verfügung stellt.6

Der aus der Erfüllung der Funktionen resultierende Zinsüberschuss stellt nicht die alleinige Einnahmequelle der Banken dar, sondern aus dem Eigengeschäft, welches auch als Depot-A- Geschäft bezeichnet wird, verzeichnet ein Kreditinstitut ebenfalls Gewinne.7 So verwenden Banken ihr Eigenkapital oder ihre Einlagen, um am Geld- oder Kapitalmarkt in Finanz- instrumente oder Derivate zu investieren. Dabei wird versucht neben Zinsen, auch Kursgewinne und Dividenden zu erzielen.

Weitere Einkünfte werden aus Provisionen erzielt. Diese werden durch das vielfältige Angebot an Dienstleistungen generiert. So wickelt eine Bank nicht nur den Zahlungsverkehr für ihre Kunden, sondern auch die Wertpapiergeschäfte ab. Für den Verkauf oder die Vermittlung von Investmentfonds, Bausparverträgen, Immobilien oder Versicherungspolicen sowie Vermögensverwaltungen fallen ebenfalls Provisionserträge an.

Zu den Kunden einer Bank gehören neben Privatkunden auch Firmenkunden, Organe der öffentlichen Hand und andere Finanzdienstleister. Diese fordern insbesondere aufgrund der fortschreitenden Globalisierung die weltweite Repräsentanz der Hausbank. Daher agieren die meisten Banken dieser Tage in vielen Ländern, um den Ansprüchen ihrer Kunden gerecht zu werden und außerdem, um ausländische Märkte erschließen zu können.

1.2 Merkmale der Bankbilanz

Nicht nur das Betätigungsfeld einer Bank differiert von dem eines Industriebetriebes, sondern auch die Bilanz. So sind einerseits die Bilanzpositionen der Aktivseite nach abnehmendem Liquiditätsgrad und unter Berücksichtigung der Bonität angeordnet.8 Andererseits hat die Passivseite, auf welcher die einzelnen Positionen mit zunehmender Fristigkeit aufgeführt sind, nicht nur die Funktion der Kapitalbeschaffung wie es bei Industrieunternehmen der Fall ist. Denn die Passiva enthält auch „aktives" Geschaft.. Durch die Akquirierung von Kundeneinlagen ist es der Bank nämlich möglich, ihren Gewinn auszuweiten, da die Refinanzierung über den Geld- und Kapitalmarkt in der Regel mit weitaus höheren Kosten verbunden ist. Da Banken fortwährend darum bemüht sind, Einlagen und damit Fremdkapital zu erlangen, ist zur Beurteilung der Größe eines Kreditinstitutes die Bilanzsumme anstatt des Umsatzes, wie es bei Industrieunternehmen üblich ist, heranzuziehen.9

Eine spezielle Gliederung für die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung von Banken gab es bislang nicht. Lediglich IAS 30 schrieb vor, welche Posten von Banken mindestens in der Bilanz auszuweisen sind. Dieser Standard wurde jedoch durch IFRS 7, welcher verpflichtend auf Geschäftsjahre ab dem 01.01.2007 anzuwenden ist, abgelöst.10 Da IFRS 7 für alle Unternehmen und nicht nur für Banken und ähnliche Finanzinstitutionen konzipiert wurde, wie es bei IAS 30 der Fall war, tauchen dort keine Vorgaben zur Darstellung der Bankbilanz und Gewinn- und Verlustrechnung auf. Eine Mustergliederung für die Bankbilanz, die laut Löw wünschenswert gewesen wäre, existiert somit nicht.11 Folglich sind für die Gestaltung die allgemeinen Regelungen des IAS 1 (insbesondere IAS 1.54 und IAS 1.71 (b) sowie IAS 1.84) maßgeblich.

Dies erschwert die externe Bilanzanalyse erheblich, weil es dadurch zum einen oftmals zu unterschiedlichen Bezeichnungen von inhaltlich identischen Bilanz- und GuV-Positionen kommt, die Gliederungstiefen der Positionen differieren oder sich die einzelnen Zwischen- ergebnisse anders zusammensetzen. Trotzdem hat sich in den letzten Jahren ein Grundgerüst aus der Praxis heraus entwickelt, sodass die folgenden Bilanzpositionen grundsätzlich in jedem Jahresabschluss einer Bank, wenn auch unter anderem Namen, zu finden sind:

Abbildung 1: Grundschema einer Bankbilanz12

Aus der Abbildung ist erkennbar, dass die Einlagen und Kredite den größten Anteil an der Bilanzsumme haben und dass die Handelsaktiva und -passiva ein großes Volumen aufweisen. In diesen Bilanzpositionen sind die Finanzinstrumente, insbesondere Derivate, enthalten, die zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden. Weisen diese Instrumente einen negativen Marktwert auf, sind sie in der Handelspassiva auf der Passivseite auszuweisen. In den Finanzanlagen befinden sich hingegen Finanzinstrumente, welche nicht zu Handelszwecken gehalten werden sowie Beteiligungen.

1.3 Banktypische Risikoarten

Entscheidungen, die im Rahmen der Geschäftstätigkeit einer Bank getroffen werden, ziehen in der Zukunft, wie es auch bei anderen Unternehmen der Fall ist, Konsequenzen nach sich. Diese können im Vorfeld nicht exakt prognostiziert werden, da das Endresultat auch von äußeren Einflüssen abhängig ist. Können aber Annahmen über eine eventuelle negative Entwicklung mit Wahrscheinlichkeiten unterlegt werden, spricht man von einem Risiko, ansonsten ist von Unsicherheit die Rede.13

Bei Kreditinstituten treten grundsätzlich die nachfolgend abgebildeten banktypischen Risikoarten auf, lediglich hinsichtlich der Relevanz der einzelnen Arten kann es zu Abweichungen zwischen den Instituten kommen.

Abbildung 2: Banktypische Risikoarten14

Von wesentlicher Bedeutung für Banken ist das Kreditrisiko, oftmals auch als Adressenausfallrisiko bezeichnet. Dieses beschreibt die Gefahr, dass der jeweilige Vertrags- partner seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann oder will.15 Nicht nur der Kreditbestand kann davon betroffen sein, sondern auch die im Depot befindlichen Wertpapiere. Unter den Begriff des Kreditrisikos fällt zum einen das Ausfallrisiko. Dieses tritt beispielsweise ein, wenn das eingeleitete Insolvenzverfahren eines Schuldners zu Verlusten aus dem gewährten Darlehen führt. Beim Länderrisiko hingegen besteht die Gefahr darin, dass Zins- oder Tilgungszahlungen aus anderen Ländern aufgrund juristischer, volkswirtschaftlicher oder politischer Veränderungen nicht oder nur teilweise erfolgen können.16 Treten Verzögerungen oder Ausfälle aufgrund fehlender oder mangelhafter technischer Einrichtungen auf, spricht man vom Abwicklungsrisiko.17

Das Markt(preis)risiko besteht darin, dass Marktpreise sich ungünstig entwickeln könnten und sich dies letztlich negativ auf das Periodenergebnis oder auf Vermögensgegenstände bzw. Verpflichtungen auswirkt.18 Besonders das Risiko einer Zinssatzänderung ist bei Banken von wesentlicher Bedeutung. Demgemäß kann sich ein Anstieg des Marktzinses (z.B. EURIBOR19 ) negativ auf das Zinsergebnis einer Bank auswirken, wenn die Aktiva der Bank größtenteils aus festverzinslichen Krediten besteht, welche mit variabel verzinslichen Einlagen refinanziert werden. Daneben wirkt sich ein gestiegener Zinssatz auch negativ auf den Fair Value von Vermögenswerten aus. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Marktwert von festverzins- lichen Finanzinstrumenten sich im Wesentlichen durch die Abdiskontierung der Zahlungsströme mit dem aktuellen Marktzins ergibt.

Daneben kann auch die Veränderung von Wechselkursen eine Gefahr darstellen. So kann sich beispielsweise der Wert einer in Fremdwährung dotierten Anleihe reduzieren. Während die Zins- und Währungsrisiken bei Banken von besonderer Bedeutung sind, ist die Bewegung von anderen Marktpreisen wie etwa Waren oder Edelmetallen eher unwesentlich.20 Unter den sonstigen Marktrisiken werden schließlich auch die Veränderungen von Volatilitäten und Spreads berücksichtigt.

Eine weitere Gefahr besteht für eine Bank darin, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen wegen der zeitlichen Inkongruenz von Zahlungseingängen und ±abgängen nicht jederzeit nachkommen kann.21 Insbesondere ein beträchtlicher und unerwarteter Abruf von Einlagen, die zur Refinanzierung von langfristigen Krediten verwendet wurden, kann zu unternehmens- gefährdenden Liquiditätsengpässen führen. Vom Liquiditätsrisiko ist jedoch auch die Rede, wenn Finanzinstrumente aufgrund eines illiquiden Marktes nicht veräußert werden können.

Zu den operationellen Risiken zählen letztlich Schäden, die infolge des Versagens von internen Verfahren, Mitarbeitern, Systemen oder aufgrund von externen Ereignissen auftreten.22

1.4 Risikomanagement

„Ein Bankier, der nicht mehr bereit ist, Risiken zu iibernehmen, wird bald keine Risiken mehr iibernehmen milssen."'23 Insbesondere im Zeitalter der Globalisierung sind die Banken aufgrund des hohen Wettbewerbs gefordert, profitabel zu wirtschaften und Chancen auszunutzen. Diese sind jedoch generell mit Risiken behaftet. Das Risikomanagement einer Bank befasst sich daher eingehend mit der Identifizierung, Messung, Steuerung und dem Controlling der in 1.3 dargestellten Risiken.

Gemäß MaRisk AT 4.124 haben die Institute das Risikotragfähigkeitskonzept zu implement- ieren. Dieses sieht vor, dass die Kreditinstitute laufend sicherstellen, dass genügend Risiko- deckungsmasse vorhanden ist, um unerwartete Verluste aus den eingegangenen Risiken aufzufangen, ohne dass dadurch die Geschäftstätigkeit bzw. Fortführung des Unternehmens gefährdet ist.25 Auf Gesamtbankebene legt jedes Institut basierend auf der zur Verfügung stehenden Risikodeckungsmasse dann seine maximale Bereitschaft zur Risikoübernahme in Summe sowie für die einzelnen Risikoarten (siehe Bsp. Postbank nachfolgende Abbildung) fest.

Abbildung 3: Verteilung der Risikodeckungsmasse bei der Postbank26

Auf Basis dieser angestrebten Auslastung der Risikodeckungsmasse und unter Berücksichtigung von auftretenden Korrelationseffekten legt eine Bank dann konkrete Limitvorgaben für die Risikoübernahme der einzelnen Portfolien bzw. dezentralen Bereiche fest.27 Das interne Risikomanagement einer Bank unterscheidet für diese Zwecke mindestens nach zwei Portfolien. Das Bankbuch enthält alle zinstragenden originären Finanzinstrumente wie zum Beispiel Einlagen und Kredite. Dagegen enthält das Handelsbuch alle Finanzinstrumente mit Handels- absicht.28

Dezentral versuchen die Verantwortlichen der Bücher die Risiken innerhalb des Portfolios durch Diversifizierung bestmöglich zu minimieren. Das Restrisiko wird durch den Abschluss von entsprechenden Derivaten abgesichert.29 Derivate haben dabei den Vorteil, dass man durch ihren Einsatz jede gewünschte Risikostruktur ansteuern kann. Dabei ist es gängige Praxis, dass die dezentrale Stelle die Derivate nicht von einem externen Kontrahenten direkt erwirbt, sondern ein internes Derivat mit einer zentralen Stelle wie dem Treasury oder dem Handelsbuch abschließt.30 Dieses wiederum aggregiert die internen Derivate aller Portfolien und geht lediglich eine externe Position in Höhe der Nettorisikoposition ein.

1.5 Merkmale eingesetzter Derivate

Als Derivat werden im Allgemeinen Finanzinstrumente bezeichnet, deren Wert abhängig ist von der Wertentwicklung eines Basisinstruments wie zum Beispiel Zinsen, Aktien oder Rohstoffe.31 Da der Derivatemarkt in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen ist, insbesondere aufgrund von Kreditderivaten,32 kann sich das Risikomanagement einer Vielzahl verschiedener Arten von Derivaten bedienen. Die in der Praxis am häufigsten zu Absicherungszwecken eingesetzten Derivate werden aufgrund der Relevanz in den weiteren Ausführungen nun kurz vorgestellt.

1.5.1 Zinsswap

Bei einem (Zins)Swap vereinbaren zwei Parteien, dass sie eine Reihe von fixen Zinszahlungen gegen variable Zinszahlungen austauschen werden. Die variablen Zinszahlungen orientieren sich dabei meist an einem kurzfristigen Zinssatz wie beispielsweise dem 6-Monats- EURIBOR.33 Ein Swap dient als Absicherung gegen das Zinsänderungsrisiko. Erhält die bilanzierende Bank dabei feste Zinszahlungen aus dem Derivat, dann handelt es sich um einen Receiver-Swap. Von einem Payer-Swap ist hingegen die Rede, wenn die Bank feste Zinszahlungen leisten muss. In der Abbildung handelt es sich daher aus Sicht der Bank A um einen Payer-Swap.

Abbildung 4: Ablauf eines Swap34

1.5.2 Cross Currency Swap

Der Cross Currency Swap ist eine abgewandelte Form des zuvor behandelten Zinsswaps. Der Unterschied zwischen den beiden Arten liegt darin, dass die einzelnen Zahlungen in unterschiedlichen Währungen erfolgen.35 Kreditinstitute greifen gerne auf diese Derivateart zurück, da sie dadurch mit nur einem Instrument sowohl das Zinsrisiko als auch das Währungsrisiko absichern können.

1.5.3 Devisentermingeschäft

Steht lediglich die Absicherung des Währungsrisikos im Vordergrund, so schließen Banken Devisentermingeschäfte ab. Dabei vereinbaren die Vertragsparteien bei Vertragsabschluss, dass zu einem zukünftigen Zeitpunkt ein Fremdwährungsbetrag zu einem bestimmten Wechselkurs (Terminkurs) ausgetauscht wird.36

1.5.4 Option

Eine Option hingegen unterscheidet sich von einem Termingeschäft dadurch, dass der Käufer ein Recht erwirbt, den zu Grunde liegenden Basiswert zu kaufen oder zu verkaufen und folglich keine feste Verpflichtung eingeht. Dafür zahlt er aber dem Verkäufer bei Vertragsabschluss eine Optionsprämie. Als Basiswerte kommen zum Beispiel Aktien, Indizes oder Edelmetalle infrage.

1.5.5 Credit Default Swap

Um Vorkehrungen gegen das Kreditrisiko zu treffen, können Banken auf Kreditderivate zurückgreifen. Die Postbank schließt zur Sicherung dieses Risikos ausschließlich Credit Default Swaps (CDS) ab.37 In diesem Falle würde die Postbank als Risikoverkäufer (siehe Abbildung) auftreten. Dabei ist sie verpflichtet, meist viertel- oder halbjährlich Prämien zu zahlen. Im Gegenzug erhält sie jedoch bei Eintritt eines vorab definierten Kreditereignisses eine Ausgleichszahlung.38

Abbildung 5: Ablauf eines Credit Default Swap39

2. Notwendigkeit und Anforderungen des Hedge Accounting

2.1 Definitionen

2.1.1 Hedging und Effektivität

Hedging wird als eine spezielle Art der Risikokompensation verstanden. Dabei wird versucht, das Risiko eines Grundgeschäfts durch den Abschluss eines Sicherungsgeschäfts zu eliminieren oder zu reduzieren. Das Risiko wird gemindert, weil sich der Wert oder der Zahlungsstrom des Sicherungsinstruments genau entgegengesetzt zu dem des Grundgeschäfts verhält und sich somit ein kompensatorischer Effekt ergibt.40 Folglich wird die Gefahr, einen Verlust aus dem Grundgeschäft zu erzielen, nahezu beseitigt, jedoch wird auch auf die Chance, von einer positiven Wertveränderung profitieren zu können, verzichtet.

Nachfolgende Abbildung soll zum besseren Verständnis des Hedging beitragen. Durch die entgegengesetzte Wertveränderung des Sicherungsinstruments zum Grundgeschäft wird eine hohe Volatilität, die ohne eine Absicherungsmaßnahme eingetreten wäre, aufgefangen. Infolgedessen ist die Wertveränderung der gesamten Sicherungsbeziehung stabil bzw. im besten Falle liegt keine vor.

Abbildung 6: Grundidee des Hedging41

Die Effektivität (Wirksamkeit) einer Sicherungsbeziehung beschreibt den Grad, mit dem Veränderungen des Marktwerts oder der Zahlungsströme eines Grundgeschäfts, die auf das abgesicherte Risiko zurückzuführen sind, durch das Sicherungsinstrument ausgeglichen werden.42 Ein Perfect Hedge liegt vor, wenn sich die jeweiligen Wertveränderungen vollständig kompensieren.43

Bei dem Grundgeschäft muss es sich nicht zwangsläufig um eine vorhandene Position handeln, auch antizipative Positionen sind denkbar.44 Hauptsächlich werden Sicherungsbeziehungen wegen Marktpreisrisiken eingegangen, ebenso gewinnt die Absicherung gegen das Kreditrisiko mithilfe von Kreditderivaten vor allem im Bankensektor zunehmend an Bedeutung.45

2.1.2 Hedge Accounting

Hat eine Bank sich für den Abschluss eines Sicherungsgeschäftes entschieden, ist es notwendig, dass sich diese Absicherungsmaßnahme in der Bilanz beziehungsweise der Gewinn- und Verlustrechnung widerspiegelt.46 Ohne die Regelungen zur bilanziellen Abbildung von Sicherungsgeschäften (Hedge Accounting) wäre eine risikoadäquate Darstellung im Jahres- abschluss oftmals nicht möglich, ein Grund dafür ist unter anderem die unterschiedliche Bewertung von Finanzinstrumenten nach IAS 39. Nachfolgend wird daher kurz auf die Kategorisierung und Folgebewertung von Finanzinstrumenten sowie deren Begrifflichkeit eingegangen, um die Notwendigkeit des Hedge Accounting besser verdeutlichen zu können.

2.1.3 Finanzinstrumente und Derivate

Nach IAS 32.AG15 stellt ein Finanzinstrument eine vertragliche Vereinbarung dar, die bei einem Unternehmen zur Entstehung eines finanziellen Vermögenswerts und bei einem anderen dagegen zur Entstehung einer finanziellen Verpflichtung oder eines Eigenkapitalinstruments führt. Daraus folgt auch, dass sowohl originäre als auch derivative Instrumente nach internationalen Vorschriften als Finanzinstrumente angesehen werden und somit nach den Regelungen des IAS 39 zu bewerten und zu bilanzieren sind.

Von einem Derivat ist gemäß internationaler Rechnungslegung die Rede, wenn folgende Merkmale kumulativ erfüllt sind:

- Der Wert des Finanzinstruments schwankt in Abhängigkeit von einem oder mehreren Basiswerten.
- Es ist keine oder nur eine geringe Anfangsinvestition zu leisten im Gegensatz zu anderen Vertragsformen, von denen zu erwarten ist, dass sie ähnlich auf Basiswert- änderungen reagieren.
- Die Abwicklung bzw. Erfüllung findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.47

Derivate im Sinne des Standards sind somit unter anderem Futures, Forwards, Swaps und Optionen.48

2.2 Notwendigkeit der Regelungen

Ursächlich für die Existenz des Hedge Accounting ist in erster Linie die aus IAS 39 resultierende unterschiedliche Bewertung von Finanzinstrumenten. Daher werden die Klassifizierungsmöglichkeiten für Finanzinstrumente nachfolgend vorgestellt.

2.2.1 Klassifizierung von Finanzinstrumenten nach IAS 39

Die internationalen Standards sehen vor, dass Finanzinstrumente entweder zum beizulegenden Zeitwert (Fair Value) oder zu fortgeführten Anschaffungskosten (Amortised Cost) bewertet werden. Maßgebend für die angewandte Bewertungsmethode ist hierbei die erfolgte Zuordnung zu einer der fünf folgenden Kategorien:49

- Financial assets or financial liabilities at fair value through profit or loss Hierbei wird zwischen der Unterkategorie Held-for-trading und Designated-at-fair-value- through-profit-or-loss unterschieden. In Erstgenannte werden finanzielle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten, die mit der Absicht verbunden sind, kurzfristige Gewinne zu er- zielen, eingeordnet. Folglich werden alle Positionen des Handelsbuches einer Bank dieser Kategorie zugeteilt. Die zweite Unterkategorie enthält dagegen Finanzinstrumente, die bei Zugang dieser Unterkategorie zugewiesen wurden, um dadurch die ergebniswirksame Bewertung zum beizulegenden Zeitwert herbeizuführen. Eine erfolgte Designation kann jedoch nicht mehr revidiert werden.

- Held-to-maturity

Handelt es sich um Vermögenswerte, welche feste oder bestimmbare Zahlungen aufweisen sowie eine feste Laufzeit haben, kann unter der Voraussetzung, dass die Bank das Finanzinstrument bis zur Endfälligkeit halten will und es sich um keine Kredite oder Forderungen handelt, eine Klassifizierung als Held-to-maturity erfolgen. Die Vermögens- werte werden in den Folgejahren zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Bei Kreditinstituten wird eine Einteilung in diese Kategorie aufgrund der damit verbundenen Einschränkungen grundsätzlich vermieden. So kann das Institut nicht flexibel auf veränderte Umweltbedingungen reagieren, da Umstrukturierungen von Portfolios nur begrenzt vorgenommen werden können. Daher haben unter anderem die Commerzbank und die Deutsche Bank keine Finanzinstrumente dieser Kategorie zugeordnet.50

- Loans and receivables

Vermögenswerte, welche feste oder bestimmbare Zahlungen aufweisen und nicht an einem aktiven Markt notiert sind, werden derart klassifiziert. Die Bewertung der Finanz- instrumente erfolgt in den Folgejahren analog zur Kategorie Held-to-maturity. Banken ordnen nicht nur ihren gesamten Kreditbestand in diese Kategorie ein, sondern auch Wertpapiere, die längerfristig im Bestand verbleiben und nicht an einem aktiven Markt notiert sind.51

- Available-for-sale

Diese Kategorie kann als eine Art Auffangposition angesehen werden, da Kreditinstitute finanzielle Vermögenswerte, die sie nicht anderweitig zuordnen konnten, als Available-for- sale einstufen.52 Des Weiteren kann eine freiwillige Zuordnung vorgenommen werden. Die klassifizierten Finanzinstrumente werden dann zum Fair Value bewertet. Die Wertänderung wird jedoch nicht im Periodenergebnis, sondern ergebnisneutral im Eigenkapital erfasst.

- Other financial liabilities

Ähnlich wie es bei der Available-for-sale Kategorie der Fall ist, werden in diese Kategorie die finanziellen Verpflichtungen eingeordnet, die nicht als At-fair-value-through-profit-or- loss eingestuft wurden. Die Finanzinstrumente werden hier jedoch zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet. Vor allem betrifft dies den Gesamtbestand der Kundeneinlagen und somit den Großteil der Passivseite bei Banken.

Nachfolgende Tabelle stellt nochmals die unterschiedliche Bewertung der Finanzinstrumente nach IAS 39 in den Vordergrund.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Folgebewertung von Finanzinstrumenten nach IAS 3953

2.2.2 Bilanzielle Konsequenzen des Hedging

Entscheidet sich ein Kreditinstitut für die Absicherung eines Finanzinstruments, so können die aus IAS 39 resultierenden Bewertungsinkongruenzen Auslöser für ungerechtfertigte Ergebnis- schwankungen sein. Die ökonomisch vorgenommene Sicherungsmaßnahme kann ohne Hedge Accounting nicht korrekt dargestellt werden, wenn die Klassifizierung des Grundgeschäfts von der des Sicherungsinstruments differiert. Offensichtlich wird dieser Aspekt bei Betrachtung des folgenden Beispiels.

Die Bayern Bank gewährt am 01.01.2010 ein festverzinsliches Darlehenüber 100 Mio. Φ zu einem Zinssatz von 7 % und einer Laufzeit von 5 Jahren. Ein Disagio wird nicht berechnet. Um sich gegen das Zinsänderungsrisiko zu schützen, schließt das Kreditinstitut einen Payer-Zinsswap ab. Die Bonität des Kreditnehmers verändert sich während der Laufzeit nicht.

Szenario 1:

Durch einen Rückgang des Referenzzinses auf 5 % hat das Darlehen am 31.12.2010 einen Barwert von 107,1 Mio. Φ͕ wohingegen der Swap einen negativen Wert in Höhe von 7,1 Mio ͘ Φ aufweist.

Szenario 2:

Durch einen Anstieg des Referenzzinses auf 9 % hat das Darlehen am 31.12.2010 einen Barwert von 93,5 Mio. Φ , wohingegen der Swap einen positiven Wert in Höhe von 6,5 Mio. Φ aufweist.

Am 31.12.2010 kommt es daher zu folgenden Buchungen (Zinsvereinnahmungen bleiben unberücksichtigt):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufgrund der ungleichen Behandlung von Wertveränderungen des Grund- und Sicherungsgeschäfts kommt es in Szenario 1 zu einem ungerechtfertigten Verlustausweis, weil die negative Entwicklung aufgrund der vorgenommenen Sicherung überhaupt nicht eintreten hätte können. Angenommen der Marktzins wäre gestiegen, hätte die Bank einen nicht realisierbaren Gewinn ausgewiesen. Dieser Sachverhalt steht eindeutig im Widerspruch zu den Grundpfeilern der Rechnungslegung. Denn zum einen sollte, basierend auf den vom Management verwendeten Informationen54, der Abschluss erstellt werden, und zum anderen auch ein Bild darstellen, das den tatsächlichen Verhältnissen entspricht.55

Des Weiteren ist noch anzuführen, dass wenn die Bank keine Vorkehrungen zur Absicherung der Risiken getroffen hätte, es zu keinerlei Verlusten oder Gewinnen gekommen wäre und dadurch auch zu keinen unvorhergesehenen massiven Schwankungen in der Gewinn- und Verlustrechnung. Um zu vermeiden, dass ein Unternehmen aus diesem Grund auf die Absicherung von Positionen verzichtet, wurden vom IASB die Regelungen zum Hedge Accounting veröffentlicht. Dadurch soll insbesondere gewährleistet werden, dass die im Rahmen des Risikomanagement getroffenen Absicherungsmaßnahmen adäquat im Jahresabschluss abgebildet werden und infolgedessen die GuV-Volatilitäten unterbleiben. Alles in allem versucht Hedge Accounting, eine Symmetrie bei der Behandlung von Gewinnen und Verlusten der Grund- und Sicherungsgeschäfte herzustellen.56

Neben der unterschiedlichen Behandlung von Finanzinstrumenten nach IAS 39 gibt es auch noch eine andere Ursache für die Existenz der Regelungen zum Hedge Accounting. So ist es gängige Praxis, dass Banken Absicherungsmaßnahmen für zukünftige Transaktionen oder Verpflichtungen treffen wie beispielsweise für eine geplante Emission einer Schuld- verschreibung. Da diese Grundgeschäfte jedoch erst bei Zugang bilanziell berücksichtigt werden dürfen, bedarf es den Vorschriften des Hedge Accounting, um Ansatzinkongruenzen, die im Vorfeld aufgrund der Berücksichtigung der Sicherungsinstrumente entstehen, zu beheben.57

2.3 Sicherungsbeziehungen

2.3.1 Arten

Im IAS 39 wird zwischen drei Arten von Sicherungsbeziehungen unterschieden, wobei eine weitere Unterteilung nach der Anzahl der zu sichernden Grundgeschäfte erfolgen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Arten der Sicherungsbeziehungen gem. IAS 3958

Bei einem Fair Value Hedge werden bilanziell erfasste Vermögenswerte und Verpflichtungen (oder Teile davon) sowie nicht bilanziell erfasste feste Verpflichtungen (firm commitments) gegen eine Änderung des beizulegenden Zeitwerts abgesichert. Die Wertänderung ist dabei auf ein bestimmtes Risiko zurückzuführen und könnte Auswirkungen auf die GuV haben.59

Diese Art der Absicherung findet bei Banken häufig Anwendung, wenn ein festverzinsliches Darlehen oder ein Wertpapier gegen Marktzinsänderungen abgesichert werden soll. Als Sicherungsinstrument wird dabei auf einen Payer-Zinsswap zurückgegriffen. Kreditinstitute bedienen sich aber auch gerne eines Fair Value Hedge, um mithilfe eines Kreditderivats den Kredit- und Wertpapierbestand gegen Kreditrisiken abzusichern.

Der Standard sieht mehrere Möglichkeiten zur Bildung von Fair Value Hedges vor. Wird lediglich ein Grundgeschäft mit einem Sicherungsinstrument abgesichert, so handelt es sich dabei um einen Micro Fair Value Hedge. Von einem Macro Fair Value Hedge ist dann die Rede, wenn eine Gruppe von Vermögenswerten oder Verbindlichkeiten in eine Sicherungs- beziehung einbezogen wird. Der Portfolio Hedge of interest rate risk ermöglicht es hingegen, ein Portfolio von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten gegen Zinsänderungen zu sichern. Durch diese Form des Fair Value Hedge sind insbesondere Banken in der Lage, ihr internes Risikomanagement auch in der Bilanz abzubilden.60 Daher wird diese Ausprägungs- form im Hauptteil Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit im Detail vorgestellt.

[...]


1 Vgl. Deutsche Bank-Konzern, Jahresbericht Deutsche Bank 2008, 2009, S. 80

2 Vgl. Deutsche Bank-Konzern, Jahresbericht Deutsche Bank 2008, 2009, S. 115

3 Ein Carve-Out bedeutet, dass die Europäische Union eine Regelung des IASB nicht in europäisches Recht übernommen hat.

4 Vgl. Barz, Katja, u.a., IFRS Banken, 2008, S. 548

5 Vgl. Grill, Hannelore, Kreditwesen, 2002, S. 11

6 Vgl. Wurm, Gregor, u.a., Bankbetriebslehre, 2004, S. 11

7 Vgl. Bacher, Urban, Bankmanagement, S.3

8 Vgl. Werner, Thomas/ Padberg, Thomas, Bankbilanzanalyse, 2002, S. 8

9 Vgl. Werner, Thomas/ Padberg, Thomas, Bankbilanzanalyse, 2002, S. 10

10 Vgl. Born, Karl, Rechnungslegung international, 2007, S. 316

11 Vgl. Löw, Edgar, KoR, 2006, S. 11

12 Quelle: Commerzbank AG, Geschäftsbericht Commerzbank AG 2008, 2009, S. 190 (verkürzt)

13 Vgl. Scheffler, Jan, Hedge Accounting, 1994, S. 4

14 Quelle: Deutsche Bank-Konzern, Jahresbericht Deutsche Bank 2008, 2009, S. 69 f (leicht modifiziert)

15 Vgl. Eller, Roland , u.a., Risikomanagement, 2002, S. 80

16 Vgl. Scheffler, Jan, Hedge Accounting, 1994, S. 9

17 Vgl. Eller, Roland , u.a., Risikomanagement, 2002, S. 107

18 Vgl. Büschgen, Hans E., Banklexikon, 2006, S. 647

19 Als EURIBOR wird der Zinssatz für auf Euro lautende Termingelder im Interbankengeschäft bezeichnet.

20 Vgl. Scheffler, Jan, Hedge Accounting, 1994, S. 16

21 Vgl. Finanzmarktaufsicht, Glossar Basel 2, 2009

22 Vgl. Everling, Oliver, Bankrisikomanagement, 2008, S. 69

23 So Schuster, Leo, Die Unternehmung, 1989, S. 202

24 Vgl. BaFin, MaRisk, 2007

25 Vgl. Everling, Oliver, Bankrisikomanagement, 2008, S. 11 f

26 Quelle: Postbank AG, Geschäftsbericht Postbank AG 2008, 2009, S. 77

27 Vgl. Everling, Oliver, Bankrisikomanagement, 2008, S. 452

28 Vgl. Schmidt, Martin, KoR, 2007, S. 262 f

29 Vgl. Schimmer, Arne, ZfgK, 2003, S. 17

30 Vgl. Kemmer, Michael/ Naumann, Thomas K., ZfgK, 2003, S. 40

31 Vgl. Kern, Marco, Kreditderivate, 2003, S. 5

32 Vgl. FAZ, Kreditderivate, 2007

33 Vgl. Deutsch, Hans-Peter, Derivate, 2004, S. 57

34 Quelle: Eller, Roland, Derivative Instrumente, 2005, S. 251

35 Vgl. Ramirez, Juan, Accounting Derivatives, 2007, S. 33 f

36 Vgl. Beike, Rolf/ Schlütz, Johannes, Finanznachrichten, 1999, S.519

37 Vgl. Postbank AG, Geschäftsbericht Postbank AG 2008, 2009, S. 152

38 Vgl. Eller, Roland, Derivative Instrumente, 2005, S.39

39 Quelle: Kern, Marco, Kreditderivate, 2003, S. 10

40 Vgl. Heuser, Paul J./ Theile, Carsten, IFRS Handbuch, 2007, S. 382

41 Quelle: Eigene Darstellung

42 Vgl . Scharpf, Paul, KoR, 2004, S. 4

43 Vgl. Gürtler, Marc, ZfgK, 2004, S. 586

44 Vgl. Kuhn, Steffen/ Scharpf, Paul, Financial Instruments, 2005, S. 249

45 Vgl. Löw, Edgar, Rechnungslegung Banken, 2005, S. 556

46 Vgl. Johnson, Barry/ Holgate, Peter, Manual of Accounting, 2007, S. 6345

47 Vgl. IAS 39.9

48 Vgl. IAS 39. A9

49 Vgl. IAS 39.9

50 Vgl. Commerzbank AG, Geschäftsbericht Commerzbank AG 2008, 2009, S. 198; Deutsche BankKonzern, Jahresbericht Deutsche Bank 2008, 2009, S. 125

51 Vgl. Bayerische Landesbank, Geschäftsbericht 2008, 2009, S. 187

52 Vgl. Schwarz, Christian, Derivative Finanzinstrumente, 2006, S. 133

53 Quelle: Eigene Darstellung

54 Vgl. IASC-RK.11

55 Vgl. IAS 1.13

56 Vgl. Scheffler, Jan, Hedge Accounting, 1994, S. 127

57 Vgl. Petersen, Karl, u.a., IFRS Praxishandbuch, 2006, S. 332

58 Quelle: Barz, Katja, u.a., IFRS Banken, 2008, S. 499 (leicht modifiziert)

59 Vgl. IAS 39.86(a)

60 Vgl. Barz, Katja, u.a., IFRS Banken, 2008, S. 531

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten

Details

Titel
Hedge Accounting bei Banken - Darstellung und kritische Würdigung
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung des Portfolio Fair Value Hedge von Zinsänderungsrisiken
Hochschule
Hochschule für angewandte Wissenschaften Ingolstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
82
Katalognummer
V143249
ISBN (eBook)
9783640533732
ISBN (Buch)
9783640533893
Dateigröße
1874 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hedge, Accounting, Banken, Darstellung, Würdigung, Unter, Berücksichtigung, Portfolio, Fair, Value, Zinsänderungsrisiken
Arbeit zitieren
Stefanie Katheder (Autor), 2009, Hedge Accounting bei Banken - Darstellung und kritische Würdigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143249

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