Deutschland und der internationale Kontext der Wiedervereinigung


Hausarbeit, 2009
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Weltpolitische Lage während der „Wende“…
2.1 Die Situation der Sowjetunion

3. Vom Mauerfall zum Beitritt

4. Die „wichtigen“ Akteure

5. Das wiedervereinigte Deutschland in Europa

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 9. November 1989 begann der Anfang vom Ende für das Mauergebilde an der deutsch-deutschen Grenze, als Günter Schabowski, Sekretärs des Zentralkomitees (ZK) der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), folgende Nachricht im DDR-Fernsehen verlas: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. […] Die zuständigen Abteilungen Paß- und Meldewesen der Volkspolizeikreisämter in der DDR sind angewiesen, Visa zur ständigen Ausreise unverzüglich zu erteilen, ohne daß dabei noch die Voraussetzungen für eine ständige Ausreise vorliegen müssen.“[1] Dieses Dokument, dessen Veröffentlichung eigentlich auf den darauffolgenden Tag terminiert worden war, erlaubt es jedem DDR-Bürger über die Grenze in die Bundesrepublik zu reisen. In dem darauffolgenden Jahr zeichnete sich die deutsche Wiedervereinigung ab. Es entstand eine Vereinigungsdebatte, die sowohl national, als auch international geführt wurde. Weitreichende Thesen, wie der unaufhaltsame „Siegeszug der Idee des politischen und ökonomischen Liberalismus“[2] von Francis Fukuyama, wurden für das nun anbrechende Zeitalter formuliert. Aber auch kritische Stimmen kahmen auf. Hier allen voran die Premierministerin Großbritanniens, Margaret Thatcher. Sie vertrat die Meinung, dass „die Wiedervereinigung eine schlechte Sache [ist]; wenn sie aber unvermeidbar ist, soll sie solange, wie möglich aufgeschoben werden.“[3]

Mit dem Hintergrund der Kontroverse über die Wiedervereinigung soll die These aufgestellt werden, dass die Bundesrepublik, im Zuge der Wiedervereinigung, nicht in der Lage war eine hegemoniale Stellung, wie vor 1914 und 1939, in Europa zu erlangen.

Im ersten Teil der Arbeit soll ein Überblick über die weltpolitische Lage in den Jahren der Wiedervereinigung Deutschlands gegeben werden. Besonderes Augenmerk soll auf die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen innerhalb der Sowjetunion gelegt werden. Hinzu kommt ein Abriss über den Verlauf der Wiedervereinigung der Bundesrepublik mit der DDR. Darauffolgend wird geklärt, welche Positionen die einzelnen Akteure der primär beteiligten Länder vertraten. Dazu sollen die Beweggründe für eine positive oder negative Haltung gegenüber dem Beitritt der DDR in die BRD beleuchtet werden. Waren die Personen und ihre Haltungen vom ‚Kalten Krieg‘ geprägt oder spielten nationale, innenpolitische Interessen ebenso eine Rolle? Im dritten Teil soll aufgezeigt werden, warum Deutschland, nach 1990, nicht zu der hegemonialen Macht auf dem europäischen Kontinent aufgestiegen ist. Die Leitfrage in diesem Abschnitt soll lauten, ob Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg besser in den europäischen Kontext eingebettet wurde, als es nach dem Ersten Weltkrieg geschehen ist? Abschließend soll ein Ausblick auf das internationale Verhalten des wiedervereinigten Deutschlands geworfen werden.

Die Literatur zu dem Thema der Arbeit ist weit gefächert. Einen vertiefenden Einblick über die nationalen, wie auch internationalen, Auswirkungen der Wiedervereinigung gibt der Sammelband „Die Vereinigung Deutschlands in europäischer Perspektive“ von Wolfgang Heisenberg[4]. Des weiteren zählt der Sammelband „Handbuch zur Deutschen Einheit 1949 – 1989 – 1999“[5], herausgegeben von Werner Weidenfeld und Karl – Rudolf Korte, zu den Standard-Nachschlagewerken zur Wiedervereinigung.

2. Weltpolitische Lage während der „Wende“

Die weltpolitische Lage befand sich im Jahre 1989 in einer Phase der Entspannung. Innerhalb der Sowjetunion wurden Reformbewegungen initiiert, die Intervention russischer Truppen in Afghanistan endete[6] und es wurden bereits 1982 Abrüstungsgespräche aufgenommen, die mit der Unterzeichnung des START I (Strategic Arms Reduction Treaty) Abkommens, durch George H. W. Busch und Michail Gorbatschow, im Juli 1991 endeten[7]. Zwischen den beiden deutsche Staaten BRD und DDR herrschte seit der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages[8], im Jahre 1973, ein entspanntes Verhältnis. Aufgrund der in diesem Vertrag getroffenen Vereinbarungen wurde in dieser konsolidierten Phase um 1989 nicht an eine Lösung der deutschen Frage gedacht. Die Vereinbarungen beinhalteten vonseiten der BRD eine Abwendung von der sogenannten „Hallstein – Doktrin“, hin zur völkerrechtlichen Anerkennung der DDR, indem man „die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit jedes der beiden Staaten“[9] akzeptierte. Enorm wichtig für die deutsche Wiedervereinigung waren aber die oben bereits erwähnten Reformbewegungen innerhalb der Sowjetunion. Sie bildeten die Grundlage für das Aufbegehren der DDR – Bürger. Dieses soll im kommenden Abschnitt erläutert werden.

2.1 Die Situation der Sowjetunion

Die Situation der Sowjetunion beeinflusste maßgeblich die gesellschaftliche Veränderung innerhalb aller Satellitenstaaten der UdSSR. Aufgrund fataler Misswirtschaft und Basarwirtschaft innerhalb der politischen Administration[10] konnte die Sowjetunion ihrem Anspruch der klassenlosen Gesellschaft mit einem hohem Lebensstandard nicht gerecht werden. Der immer wieder erzwungene Konsumverzicht, der den Sowjetbürgern abverlangt wurde, um dem Ziel, Wohlstand für alle näherzukommen, war ausgereizt. Die Nachkriegsgenerationen im Sowjetreich forderte nun für die „anspruchsvolle Überforderung“[11] eine enorme Aufwertung des Lebensstandards. Deshalb begann der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, auf dem 27. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) im Jahre 1986 seine Reformen. Glasnost und Perestroika sollten sowohl die Wirtschaft effizienzorientiert umgestalten, als auch den Bürgern mehr Rechte einräumen. Die Reformen leiteten auf der einen Seite das langsame Ende der Sowjetunion ein, auf der anderen Seite waren sie ein Signal für die oppositionellen Bewegungen innerhalb der Satellitenstaaten. Diese fühlten sich bekräftigt, da sich Reformbereitschaft in der Moskauer Parteizentrale abzeichnete. In der DDR äußerte sich der oppositionelle Widerstand zuerst durch Massenfluchten von DDR – Bürgern über die westdeutschen Botschaften in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, später durch formierten Widerstand der Freiheitsbewegungen.

[...]


[1] Vgl. Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik (Hrsg.): Regelungen für Reisen und ständige Ausreise aus der DDR, online im Internet <http://stasifiles.files.wordpress.com/2008/10/ministerratsbe schluss _ausreise_nov_1989.pdf>, o.J., [zugegriffen am 14.09.2009].

[2] Schäfer, Michael: Die Vereinigungsdebatte. Deutsche Intellektuelle und deutsches Selbstverständnis 1989 – 1996, Baden – Baden 2002, S.9.

[3] Krönig, Jürgen: Lieber bremsen als lenken. Großbritanniens Premierministerin in der Isolation; in: Die Zeit, Nr.10, 02.03.1990, S.2. oder online im Internet <http://www.zeit.de/1990/10/Lieber-bremsen-als-lenken>, 02.03.1990, [zugegriffen am 16.09.2009].

[4] Heisenberg, Wolfgang: Die Vereinigung Deutschlands in europäischer Perspektive, Baden – Baden 1992.

[5] Weidenfeld, Werner / Korte, Karl – Rudolf: Handbuch zur Deutschen Einheit 1949 – 1989 – 1999, Frankfurt / Main 1999.

[6] Vgl. Hubel, Helmut: Das Ende des kalten Kriegs im Orient. Die USA, die Sowjetunion und die Konflikte in Afghanistan, am Golf und im Nahen Osten, 1979 – 1991, München 1995, S.148 – 152.

[7] Vgl. Dembinski, Matthias: Mit START zum Ziel der allgemeinen und vollständigen Abrüstung? Stand und Perspektiven der Bemühungen um ‚‘‘kooperative Denuklearisierung‘‘, Frankfurt / Main 1993, S.1.

[8] Vgl. Schramm, Theodor: Das Verhältnis der Bundesrepublik Deutschland zur DDR nach dem Grundvertrages, 2. Auflage, Berlin 1975, S.49 – 54.

[9] Vgl. Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung: Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, online im Internet <http://www.haus-der-geschichte-museum.de/lemo/html/dokumente/KontinuitaetUnd Wandel_vertragGrundlagenvertrag/index.html>, o.J., [zugegriffen am 16.09.2009].

[10] Vgl. Heilmann, Sebastian: China und Russland im Vergleich: Totalitäres Erbe und demokratischer Wandel; in: Kevenhörster, Paul (Hrsg.): Demokratische Ordnungen nach den Erfahrungen von Totalitarismus und Diktatur, Münster 2003, S. 83.

[11] Nolte, Hans – Heinrich: Kleine Geschichte Russlands, Stuttgart 2008, S. 350.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Deutschland und der internationale Kontext der Wiedervereinigung
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V143935
ISBN (eBook)
9783640529445
ISBN (Buch)
9783640529261
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschland, Wiedervereinigung, International, Mauerfall, Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow, George H. Bush, Zwei-plus-vier, EG, Günter Schabowski, BRD, DDR, USA, Sowjetunion, 1989, 1990
Arbeit zitieren
Ludger Steinbeck (Autor), 2009, Deutschland und der internationale Kontext der Wiedervereinigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143935

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