Vertragstheorien

Der Absolutismus von Thomas Hobbes und der Englische Liberalismus von John Locke im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Allgemeiner Vergleich der beiden Theorien

3. Kerstings Methodik

4. Methodischer Theorienvergleich
4.1 Die Normativität des Vertrags
4.2 Die Moralität des Vertrags
4.3 Die Rationalität des Vertrags

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Die neuzeitliche Politische Theorie basiert auf dem empirisch-analytischen Wissenschaftsbegriff. Empirische politische Theorien haben den Zweck, politische Realität zu erklären und Vorhersagen zu treffen, während analytisch-politische Modelle versuchen, als Konstrukte, die soziale Wirklichkeit zu erfassen (Druwe 1993: 10). Man benötigt sie, um die Komplexität der Realität überhaupt erfassen und verwerten zu können. Ein Beispiel für solche politischen Modelle sind die Vertragstheorien des frühen 17. Jahrhunderts. Sie haben sich im Lauf der Jahrzehnte durch Werke zeitgenössischer Theoretiker so weit entwickelt, dass sie die Kernprinzipien demokratischer Systeme, wie sie heute in westlichen Demokratien vorzufinden sind, zum Beispiel die Gewaltenteilung und Volkssouveränität, niedergeschrieben haben. Die wichtigsten Urväter dieser Theorien sind die Theoretiker des Absolutismus und des englischen Liberalismus Thomas Hobbes und John Locke. Die vorliegende Hausarbeit vergleicht die Theorien dieser beiden britischen Staatsphilosophen und geht der Frage nach, inwieweit sich deren Theorien unterscheiden. Zunächst erfolgt ein allgemeiner Vergleich anhand der wichtigsten Theoretischen Bausteine um an das Thema heranzuführen. Im Hauptteil der Arbeit werden die Theorien methodisch verglichen. Nach einem Uberblick über die Methodik und die zugrundeliegenden Prüfpunkte von Wolfgang Kersting aus seinem Buch „Die politische Philosophie des Gesellschaftsvertrags" (1994, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt) erfolgt eine metakontraktualistische Strukturanalyse unter besonderer Berücksichtigung der Prüfpunkte Normativittit, Moralittit und Rationalittit. Im Anschluss daran werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Frage nach den Unterschieden in einem Fazit beantwortet.

2. Allgemeiner Vergleich der beiden Theorien

Sowohl Thomas Hobbes als auch John Locke zählen zu den wichtigsten Vertretern der Vertragstheorie. In ihren Werken „Leviathan" und „Zwei Abhandlungen iiber die Regierung" erforschten beide die Ursachen der Staatsgriindung, sowie die Normativität, M oralität und die Rationalität des Gesellschaftsvertrags als Legitimationsbasis des Staates.

Der ähnliche geschichtliche Hintergrund der beiden Theoretiker bietet eine gute Vergleichsbasis ihrer Theorien, zumal sich die Ergebnisse ihrer theoretischen Uberlegungen in den Grundsätzen der Staatsgriindung deutlich unterscheiden. Die Entstehungszeit von Hobbes' „Leviathan" im 17. Jahrhundert war geprägt vom Biirgerkrieg in England (Pfetsch 2003: 125), sowie vom Dreigigjährigen Krieg in Europa (Schwan 2000: 178). John Lockes „Zwei Abhandlungen iiber die Regierung" war ebenso beeinflusst von diesen gewalttätigen Auseinandersetzungen als auch von Hobbes' „Leviathan" selbst. So kommt Locke in einer friiheren Abhandlung zu „frappierend ähnlichen Schlussfolgerungen und Ergebnissen wie Hobbes" (Pfetsch 2003: 153), revidierte dies jedoch später und wurde so zu Hobbes' bedeutendstem politisch-philosophischem Antipoden (Schwan 2000: 180). Historisch lässt sich dies durch den Ubergang der Regierungsform in Grogbritannien im Jahr 1688 vom Absolutismus, wie ihn Hobbes verfochten hat, hin zu einer konstitutionellen Monarchie in der Art, in der sie Locke zuvor theoretisch konzipiert hatte erklären (Schwan 2000: 192).

Als Grundbausteine fiir beide Theorien dienen die Anthropologie des Menschen, sowie der sich aus der Anthropologie ergebende Naturzustand.

Hobbes versteht den Menschen als ein Lebewesen, das in seiner sinnlichen Wahrnehmung einer Vielfalt von äugeren Eindriicken ausgesetzt ist. In seiner Theorie ist der Mensch im Prinzip nichts anderes als ein Tier, angetrieben durch Leidenschaft und Egoismus (Schwan 2000: 182). Das Hauptinteresse ist die ständige Maximierung von Macht, denn die „Begierden und Leidenschaften des Menschen, sein Drang zur Selbsterhaltung, seine prinzipielle Furcht (vor dem Tode) und vor allem sein niemals befriedigter Machttrieb sind nicht nur fiir das Individuum konstitutiv, sondern Hobbes denkt all diese Eigenschaften von vorn herein als relationale, die sich unter bzw. zwischen den Menschen dahingehend ruinös auswirken, dass niemand mehr von einem auch nur marginalen Rest an Vertrauen zu seinen Mitmenschen ausgehen kann." (Pfetsch 2003: 136). Es kommt also unweigerlich zu einem „Krieg aller gegen alle", da in der menschlichen Natur drei hauptsächliche Konfliktursachen liegen: Erstens Konkurrenz, zweitens Misstrauen (defensio) und drittens Ruhmsucht (Hobbes 1966: 95). Hobbes unterstellt dem Menschen also ein durch und durch negatives Verhalten, jedoch ist dies lediglich als Gedankenexperiment zur Entwicklung eines stabilen Staates zu verstehen (Druwe 1993: 95).

So ist auch der von Hobbes gedachte Naturzustand in welchem die Menschen leben als Gedankenexperiment zu verstehen. Der Kampf, der im Naturzustand besteht, ergibt sich aus dem rationalen Selbsterhaltungsinteresse des Menschen. Da dieser Kampf aufgrund der natürlichen Gleichheit der Menschen nie endgültig gewonnen werden kann und ihn niemals jemand endgültig für sich entscheiden kann, ist folgerichtig kein rationales Lebewesen daran interessiert, diesen Kriegszustand aufrecht zu erhalten. Also fangen die Menschen an zu kooperieren. Sie unterwerfen sich Regeln und Normen, die Vorteile für alle generieren. Hobbes schreibt über die Ursache der Entstehung von Staaten, dass die Menschen, die von Natur aus Freiheit und Herrschaft über andere liebten, die Selbstbeschränkung, unter der sie in Staaten leben, letztlich allein mit dem Ziel und der Absicht einführten, dadurch für ihre Selbsterhaltung zu sorgen und ein zufriedeneres Leben zu führen (Hobbes 1966: 131). Um in dieser Kooperationssituation dem Gefangenendilemma zu entkommen, wird eine Institution geschaffen, die Regelverstöge sanktioniert, da die natürlichen Gesetze ohne die Furcht vor einer Macht, die ihre Befolgung veranlasst, den natürlichen Leidenschaften entgegengesetzt sind, welche die Menschen zu Parteilichkeit, Hochmut, Rachsucht und Ahnlichem verleiten (Hobbes 1966: 131). Diese Macht ist der Leviathan. Er ist als mehrheitlich bestimmter Vertreter des Staates der Souverän mit uneingeschränkter Macht. Er vereint Legislative, Exekutive und Judikative auf seine Person. Die Bürger sind Untertanen deren absolute Verpflichtung gegenüber dem Souverän erst dann endet, wenn dieser seinem Zweck, der Friedenssicherung und der Verteidigung nicht nachkommt (Druwe 1993: 94).

Ahnlich wie bei Hobbes, sind die Menschen auch bei Locke von Natur aus mit ungefähr gleichen Vorteilen und Fähigkeiten ausgestattet, ihre Ideen, ihr Geist werden nach und nach durch Erfahrungen, Sinneswahrnehmung und Reflexion geformt (Pfetsch 2003: 157). Um das praktische Leben zu erleichtern hat Gott den Menschen mit lediglich bescheidenen Erkenntnisfähigkeiten ausgestattet (Euchner 1996: 52). Der einzelne Mensch ist von Natur aus gut, seine Anlagen können in einer staatlich konstituierten Gesellschaft noch verbessert werden und sein Selbsterhaltungstrieb muss nicht unbedingt, wie bei Hobbes, zu einem Kriegszustand führen (Pfetsch 2003: 163).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Vertragstheorien
Untertitel
Der Absolutismus von Thomas Hobbes und der Englische Liberalismus von John Locke im Vergleich
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Theoretiker der Politik: Von der Antike zur Neuzeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V144446
ISBN (eBook)
9783640554454
ISBN (Buch)
9783640554850
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vertragstheorien, Absolutismus, Thomas, Hobbes, Englische, Liberalismus, John, Locke, Vergleich
Arbeit zitieren
Adrian Herzschuh (Autor), 2008, Vertragstheorien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144446

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Titel: Vertragstheorien


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