Siehe, es wird ein König regieren

Die Entwicklung der Messiaserwartung und das Buch Jesaja


Essay, 2010

5 Seiten, Note: pass


Leseprobe

Siehe, es wird ein König regieren

Die Entwicklung der Messiaserwartung und das Buch Jesaja

"Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst..." Fest verankert in der römisch-katholischen und evangelischen Liturgie, wird dieses Jesajawort Jahr für Jahr zu Heiligabend in den christlichen Kirchen verlesen: Der Messias, der verheissene Retter ist da! Mit dichterischem Ausdruck begegnet er auch durch das ganze Jesajabuch: Der Immanuel, das Licht, der Reis aus dem Stamm Isai, der Richter der Gerechtigkeit, der König, der Gottesknecht, das Lamm wird er genannt. Diese Verse sind so geläufig, dass erst bei näherem Hinsehen erstaunt, dass die Bezeichnung מָשִׁיחַ , der Gesalbte, fehlt. Wo sie auftaucht, und das nur ein einziges Mal im ganzen Buch Jesaja, wird sie auf den Perserkönig Kyrus angewandt (Jes 45,1). Noch erstaunlicher, dass auch in allen 38 weiteren alttestamentlichen Belegstellen allermeist konkrete Könige Israels, allen voran König David, nie aber eine eschatologische Heilsgestalt gemeint ist. Woher nährt sich aber nun die Messiaserwartung, die offensichtlich im späteren Judentum ausgeprägt ist und auf die sich auch Jesus bezieht? Wie ist sie entstanden? Und welche Rolle spielt dabei das Buch Jesaja?

Zunächst gilt es zu verstehen, dass es eine Messiaserwartung im Sinne eines eschatologischen Friedenskönigs in alttestamentlicher Zeit noch gar nicht gegeben hat. Die jüdische Forschung spricht von einem "nachkanonischen Motiv". Im Frühjudentum nach Abschluss der alttestamentlichen Schriften ist die Messiaserwartung noch wenig vorhanden; viel enger als mit einem personalen Friedensbringer ist sie mit der erhofften Heilszeit verbunden. Erst ab dem 1. Jh. v. Chr. in der Unterdrückungszeit durch die Römer keimt eine stärker ausgeprägte und personalere Messiaserwartung auf, die schriftlich erstmals in den Psalmen Salomos und den Qumranrollen begegnet. Dort schwanken die Vorstellungen zwischen einem priesterlichen und königlichen Messias, teils sind es beide nebeneinander. Flavius Josephus und das Neue Testament (vgl. Apg 5,36f) berichten von Messias-Prätendenten wie Theudas oder Menachem, die um die Zeitenwende auftreten und das Volk verunsichern. Offensichtlich besteht jetzt eine messianische Naherwartung auch in der breiten Volksmasse. Petrus bekennt gegenüber Jesus: "Du bist der Messias!" (vgl. Mk 8,29). Und der jüdische Rebell Bar Kochba aus dem 2. Jh. n. Chr. nennt sich "Sternensohn" nach der messianischen Prophezeiung in Num 24,17.

So gut sich diese Linie der Messiashoffnungen ab dem 1. Jh. v. Chr. nachzeichnen lässt und bis in die Neuzeit verfolgen lassen könnte, so dunkel ist sie in ihren Anfängen. Allgemeine Unklarheit besteht darüber, wie der Gedanke einer Eschatologie in Israel Einzug fand. Wie aber der Messias als Heilsbringer im Laufe der Zeit in der Vorstellung Gestalt annahm, lässt sich in einem dreistufigen Modell nachzeichnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Siehe, es wird ein König regieren
Untertitel
Die Entwicklung der Messiaserwartung und das Buch Jesaja
Hochschule
Universität Basel  (Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Vorlesung Exegese Jesaja
Note
pass
Autor
Jahr
2010
Seiten
5
Katalognummer
V144827
ISBN (eBook)
9783640540457
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jesaja, Messias, Judentum, Altes Testament, Gottesknecht, Jesus, Verheissung, Prophet, Prophetie
Arbeit zitieren
Kathrin Schmid (Autor), 2010, Siehe, es wird ein König regieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144827

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Siehe, es wird ein König regieren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden