Ausländische Direktinvestitionen multinationaler Unternehmen in Entwicklungsländern verschärfen die Umweltproblematik?!


Seminararbeit, 2010
20 Seiten, Note: 1,3
Markus Rhöse (Autor)

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Multinationale Unternehmen

III. Die Kritik der Globalisierungsgegner

IV. Faktor Umwelt im Heckscher-Ohlin-Modell

V. Wirkungskanäle auf den Grad der Umweltverschmutzung

VI. „Race to the Bottom“- und „Pollution-Haven“- Hypothese
V.1 Kritik an der „Race to the Bottom“- und „Pollution-Haven“-HYPOTHESE
V.2 Empirische Ergebnisse

VII. Einkommen und Umweltschutz

VIII. Die Auswirkung von FDI

IX. Lösungsansätze für eine Reduzierung der Umweltverschmutzung

X. Fazit

I. EINLEITUNG

Die facettenreichen ökonomischen, kulturellen, sozialen und insbesondere umweltspe- zifischen Auswirkungen der Globalisierung sind wesentliche Diskussionsaspekte unserer Ge- sellschaft, was sich beispielsweise an dem großen Medieninteresse an der aktuellen Klima- konferenz in Kopenhagen erkennen lässt. Da es jedoch unmöglich ist das gesamte Spektrum der Umweltdiskussion im Rahmen der Globalisierungsdebatte zu veranschaulichen, soll in dieser Arbeit eine Fokussierung auf die Frage stattfinden, inwieweit Multinationale Unter- nehmen die Umweltweltverschmutzung in Entwicklungsländern beeinflussen. Globalisie- rungskritiker und Globalisierungsbefürworter führen eine spannende Diskussion über negati- ve und positive Folgen im Zuge der MNU1 -Aktivität in Entwicklungsländern und versuchen mit immer neuen Analysen ihre Argumentation zu untermauern. Das Thema erfährt insbeson- dere auch deshalb zunehmende Brisanz, da das Ausmaß und die Anzahl international tätiger Unternehmen sich seit den 80er Jahren stark vergrößert hat, was sich auch an einem extremen Anstieg ausländischer Direktinvestitionen (FDI2 ) erkennen lässt. Der Anteil der durch die Entwicklungs- und Schwellenländer attrahierten FDI ist ebenfalls in den 90er Jahren gegenü- ber den 70er und 80er Jahren stark gestiegen. Nicht vernachlässigt werden sollte, dass nach- haltiges Wirtschaften und die Rücksichtnahme auf Umweltauswirkungen zwischen MNU stark variieren können. Ziel dieser Arbeit soll es sein den aktuellen Stand der Forschung über die Wirkung von MNU und den von ihnen getätigten ausländischen Direktinvestitionen in der Diskussion im Rahmen der Umweltverschmutzung in Entwicklungsländern in einer differen- zierten Auseinandersetzung widerzuspiegeln. Dabei sollen sowohl die Argumentation der Globalisierungskritiker, als auch die theoretischen Modellüberlegungen der Befürworter von Direktinvestitionen Erläuterung finden. Empirische Untersuchungen sollen als Belege für die kontroversen Meinungen angeführt und thematisiert werden. Abschließend soll auf bestehen- de Lösungsansätze sowie die Rolle der Nichtregierungsorganisationen und der informierten Öffentlichkeit im Kontext des Umweltschutzes eingegangen werden.

II. MULTINATIONALE UNTERNEHMEN

Der Begriff eines Multinationalen Unternehmens bezeichnet in der vorliegenden Ar- beit ein Einzelunternehmen oder eine Gruppe von wirtschaftlichen Einheiten, deren Ge- schäftstätigkeit nationalstaatliche Grenzen überschreitet. Weltweit existieren heute etwa 65000 Multinationale Unternehmen mit ungefähr 850000 ausländischen Tochtergesellschaf- ten. Das Wirken multinationaler Firmen ist in den vergangenen Jahrzehnten sehr kontrovers bewertet worden, wobei das Spektrum der Ansichten über die Auswirkungen transnationaler Geschäftstätigkeiten von „engines of development“ bis zum anderen Pol der Sichtweise als „tools of exploitation“ reicht. Problemtatbestände sind beispielsweise mangelhafte und ge- sundheitsschädliche Arbeitsbedingungen, Zahlung von Gehältern unterhalb des Existenzmi- nimums, Überschreitung der gesetzlich festgelegten täglichen Arbeitszeit, Unterbindung der gewerkschaftlichen Koalitionsfreiheit, Nutzung von Kinder- und Zwangsarbeit sowie die in dieser Arbeit fokussierte Umweltverschmutzung, in Form von Ausbeutung der Ressourcen und Zerstörung der Biodiversität.3

III. DIE KRITIK DER GLOBALISIERUNGSGEGNER

Eine auf Freihandel ausgerichtete Welt, so eine verbreitete Meinung von Globalisie- rungsgegnern, verschärfe die globale Umweltproblematik. Die Ausweitung des Handels und der Produktion führe zu steigendem Energieverbrauch, zunehmender Verschmutzung durch Warentransporte, Abbau und Zerstörung natürlicher Ressourcen.4 Weiterhin wird argumen- tiert, dass durch FDI, als Ausprägung der Globalisierung, die Produktions- und Umweltstan- dards gesenkt werden würden, um unter Kostengesichtspunkten wettbewerbsfähig zu sein. Ferner führe das Unterbieten von Umweltstandards zahlreicher Volkswirtschaften aus Stand- ortattraktivitätsgründen zu einem „Race-to-the-Bottom“, d.h. zu einer Aufweichung der ein- zuhaltenden Vorgaben und Richtlinien. Ein anderes Schlagwort der Kritiker ist die „Pollution- Haven“-Hypothese (PPH), deren Kernaussage es ist, dass Unternehmen ihre Produktion in Entwicklungsländer verlegen, da diese zum Teil ein „Paradies“ für uneingeschränkte Ver- schmutzung seien.5 Multinational agierende Unternehmen sind einer der Träger und Gestalter der Globalisierung, weshalb ein großer Teil der Globalisierungskritiker deren Wirken als entscheidendes Moment der Umweltproblematik definiert. Attac6 fasst dies so zusam men: „ Globalisierung ist mehr als Welthandel oder Finanzmarktverflechtung. Wenn Konzerne ohne R ü cksicht auf Umweltstandards produzieren, Gemeinschaftsg ü ter privatisiert werden und die Handlungsf ä higkeit der Staaten geschw ä cht, bedroht dies auch unser Klima oder die letzten Urw ä lder der Erde. Die Umwelt ist in der Globalisierungsfalle. Ö kologische Nachhal- tigkeit und globale Gerechtigkeit ist nur m ö glich, wenn Klimapolitik und Globalisierungskri- tik zusammen gedacht, wenn soziale und ö kologische Fragen miteinander verbunden wer- den. “ 7 MNU werden von Globalisierungsgegnern auch als Akteure bezeichnet, deren ober- stes Ziel es ist die Freiheit zu haben zu produzieren und zu vertreiben, was sie wollen, wo sie wollen und so lange sie wollen sowie Kapital, Personal und Güter ungebunden bewegen zu können. Sie werden außerdem als über dem Gesetz stehend bezeichnet, sollten auch Men- schen und Umwelt Schaden nehmen.8 Balser/ Bauchmüller fassen in ihren Ausführungen zu- sammen, dass Vorbehalte gegen MNU überall auf der Welt in Mode gekommen seien und bezeichnen MNU als Lieblingsfeinde der Globalisierungsgegner.9

IV. FAKTOR UMWELT IM HECKSCHER-OHLIN-MODELL

Die Problematik des Faktors Umwelt ist die, dass Umweltgüter nicht privater, sondern öffentlicher Natur sind, was das Zuordnen von Eigentumsrechten sehr erschwert. Aus diesem Grund bildet sich für Umweltgüter kein Markt und damit auch kein Preis. Aus spieltheoreti- scher Sicht besteht ein Anreizproblem sich an Reglementierungen zu binden, da ein Abwei- chen der anderen Vertragsparteien bei nicht bestehender Sanktionierung erwartet werden kann. Um diese Problematik einzudämmen, ist aber bereits beispielsweise versucht worden der Zertifikathandel als Internalisierungsinstrument zu implementieren. Das Heckscher-Ohlin- Modell der traditionellen Außenhandelstheorie basiert auf der Annahme unterschiedlicher Faktorausstattungen von Ländern als Ursache für ungleiche Güterpreisverhältnisse und damit für die Bestimmung komparativer Preisvorteile. Die Theorie würde demnach eine Spezialisie- rung der Länder auf das jeweilige Gut mit dem komparativen Preisvorteil voraussagen. Dem- nach haben umweltreichere Länder, was im Regelfall Entwicklungsländer sind, einen relati- ven Preisvorteil für umweltintensiver produzierte Güter. Dies bedeutet aus der Theorie für die Realität abgeleitet, dass sich Entwicklungsländer auf die Produktion von umweltbeanspruchenden Gütern spezialisieren bzw. sich als Produktionsstandort für MNU „anbieten“ sollten.

V. WIRKUNGSKANÄLE AUF DEN GRAD DER UMWELTVERSCHMUTZUNG

Globalisierung bzw. die Aktivitäten von MNU lassen sich in drei Wirkungskanäle auf den Grad der Umweltverschmutzung unterteilen. Der erste in der Literatur genannte Kanal ist ein Mengeneffekt. Das Argument diesbezüglich ist, dass das zunehmende Wirken von MNU zu einer Ausdehnung der Produktion, des Handels und des Transportes führt. Die Folge ist eine verstärkte Umweltverschmutzung. Diese entsteht beispielsweise durch umfangreichere Warentransporte und damit Emissionen, Ressourcenverbrauch für Produktion und Energie- gewinnung, Müllentstehung, Wasserverbrauch, Emissionen aus Produktionsprozessen, Ro- dungen und zahlreichen anderen Gründen. Als zweiter Kanal wird der Effekt auf die Zusam- mensetzung der produzierten und gehandelten Güter innerhalb eines Landes angeführt. Nach der Theorie von Heckscher-Ohlin spezialisieren sich Länder gemäß ihrem komparativen Kos- tenvorteil auf die Produktion bestimmter Güter. Dies kann an dieser Stelle auch als eine Ver- lagerung von Produktionskapazitäten durch FDI an Standorte verstanden werden, die einen entsprechenden Vorteil besitzen, sich beispielsweise durch weniger reglementierte Umwelt- schutzauflagen auszeichnen und damit geringe Kosten bei den MNU erzeugen. Für die Praxis würde dies eine entsprechende Standortverlagerung umweltverschmutzender Industrien in Entwicklungsländer bedeuten. Der dritte Kanal ergibt sich aus dem sogenannten Technologie- effekt. Es wird angenommen, dass eine außenwirtschaftliche Öffnung und damit verstärkter Handel bzw. der Zufluss von Direktinvestitionen sich auf das gesamtwirtschaftliche Produkti- onsniveau auswirken. Unter dieser Betrachtung wird davon ausgegangen, dass sich dadurch die Umweltbelastung pro Outputeinheit verringert. Als Begründung wird angeführt, dass MNU moderne Technologien durch FDI auch im Zielland einsetzen würden und diese weni- ger verschmutzungsintensiv seien. Außerdem würde inländischen Firmen durch die Öffnung zum globalen Markt die Möglichkeit gegeben ausländische Hochtechnologie zu erwerben. Insgesamt, so wird behauptet, führen der globale Handel und die Investitionen von MNU zu einem Anstieg des Wohlstands und dadurch zu einem gesteigerten Interesse an Umweltstan- dards. Dieser Zusammenhang wird im Rahmen der Kuznet-Kurve im Verlauf der Arbeit erör- tert werden.10

[...]


1 Multinationale Unternehmen.

2 Foreign Direct Investments, dt. Ausländische Direktinvestitionen.

3 Vgl. Ulz (2006). S. 11ff.

4 Vgl. Donges/ Menzel/ Paulus (2003), S. 100.

5 Vgl. Freihandel und Umwelt. (2004), S. 6f.

6 Dt.: Vereinigung für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger.

7 Globalisierung frisst Umwelt. http://www.attac.de/themen/globalisierung-und-oekologie/.

8 Vgl. George, S. (2002). S. 47.

9 Vgl. Balser/ Bauchmüller (2003). S. 22f.

10 Vgl. Donges/ Menzel./ Paulus (2003), S. 100ff.; Monteiro (2009), S. 3.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ausländische Direktinvestitionen multinationaler Unternehmen in Entwicklungsländern verschärfen die Umweltproblematik?!
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Internationaler Handel und Auswirkungen für den Arbeitsmarkt
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V145719
ISBN (eBook)
9783640559664
ISBN (Buch)
9783640559947
Dateigröße
884 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausländische, Direktinvestitionen, Unternehmen, Entwicklungsländern, Umweltproblematik
Arbeit zitieren
Markus Rhöse (Autor), 2010, Ausländische Direktinvestitionen multinationaler Unternehmen in Entwicklungsländern verschärfen die Umweltproblematik?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145719

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