Mode als symbolische Form gesellschaftlicher Entwicklungen


Bachelorarbeit, 2008
42 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Terminologien
3.1. Kleidung
3.2. Mode
3.3. Anti-Mode

4. Funktionen der Mode
4.1. Materielle Funktionen
4.2. Kulturelle Funktionen

5. Mode als Kommunikationsmittel
5.1. Nonverbale Kommunikation
5.2. Symbolischer Interaktionismus
5.3. Vestimentäre Kommunikation
5.4. Mode und Öffentlichkeit

6. Mode als Gesellschaftskritik im 20. Jahrhundert
6.1. Blue Jeans
6.2. Hippies
6.3. Punk
6.4. Hip Hop

7. Resümierende Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Mode ist ein Thema, dass mich persönlich sehr interessiert und schon immer inte- ressiert hat. Mich faszinieren der ständige Wandel und die Vielseitigkeit der Mode. Mode ist nicht einfach nur Mode. Mode ist Kunst, Notwendigkeit, großes Geschäft, Meisterwerk, Fantasie und für manchen sicherlich auch Belästigung. Viel mehr aber, ist Mode ein Spiegel der Gesellschaft und Ausdruck des Zeitgeistes. Mode ist auch Kommunikation. Da jeder in der Öffentlichkeit Kleidung trägt, kann sich niemand der kommunikativen Kraft der Mode entziehen. Diese Eigenschaften der Mode finde ich faszinierend und ich wollte sie daher gerne näher untersuche.

Ich liebe Mode und ich finde sie spannend. Aber meiner Meinung nach wird die Mode oft zu ernst genommen. Niemand sollte sich von Modemagazinen diktieren lassen, was man anziehen soll, nur weil es der neueste Trend ist. Mode sollte vergnüglich sein, sie sollte vor allem Spaß machen.

Die Literatursuche im Rahmen dieser Arbeit war zufriedenstellend. Es gibt nicht Unmengen an Literatur zu meinem Themenbereich, aber doch genügend für eine Literaturstudie, wie diese Bakkalaureatsarbeit eine ist. Ich fand einige Diplomar- beiten zu Themen, die meinem verwandt sind. Es gibt aber allgemein sehr wenige wissenschaftliche Bücher, die sich mit Mode und Kommunikation beschäftigen. Entweder behandeln sie kommunikationswissenschaftliche Theorien oder Kos- tüm- bzw. Modegeschichte. Das Interessante an meinem Thema ist ja, diese zwei gesellschaftlichen Konstanten Mode und Kommunikation, die vielleicht auf den ersten Blick gar nicht zusammenhängen mögen, miteinander zu verknüpfen.

Wien, am 26. Jänner 2008

2.Einleitung

In dieser Literaturstudie möchte ich das Thema der Mode als eine Form der visuellen Kommunikation behandeln. Die Mode soll in ihrer Funktion als Kommunikationsmittel für politische Botschaften und gesellschaftliche Stimmungen untersucht werden.

Mode ist ein allgegenwärtiges und alltägliches Phänomen. Jeder trägt Kleidung und jeder achtet mehr oder weniger auf das, was er anzieht. Mode erfüllt verschie- denste Funktionen in unserer Gesellschaft. Die offensichtlichste Funktion der Mode ist die materielle Protektion. Wir tragen Kleidung, um uns vor äußeren Ein- flüssen wie Kälte, Wind und Regen zu schützen. Aber Mode ist viel mehr als nur Mittel zum Zweck. Mode dient der Selbstdarstellung, der Selbstbehauptung, der An- und Abgrenzung zu gesellschaftlichen Gruppen. Mode ist nicht nur ein ober- flächliches und dekoratives Element des menschlichen Lebens, sondern ein wichtiges Ausdrucksmittel und Regulator innerhalb einer Gesellschaft. Mode exis- tiert nicht unabhängig von politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, sie ist immer ein Spiegel des Zeitgeistes.

Eine wichtige, wenn auch vielleicht nicht offensichtliche, Funktion der Mode ist die Kommunikation. Auf diese Funktion der Mode wird sich die Arbeit beziehen. Mode ist eine Form der nonverbalen Kommunikation, dass heißt sie bedient sich einer Zeichen- bzw. Symbolsprache um Botschaften zu übermitteln. Die Kleidung, die jemand trägt, stellt eine Botschaft an seine soziale Umwelt dar, sie hat eine Wirkung auf unser Gegenüber. Der Adressat ist jedermann. Die Symbolsprache der Kleidung kann aber nur von denjenigen enträtselt werden, die den Code über- setzten können. Im Zuge des Kommunikationsprozesses müssen diese vestimentären Zeichen encodiert, decodiert und interpretiert werden.

Mode kann nur existieren, wenn es so etwas wie soziale Strukturen gibt, verschie- denen Gruppen, die sich unter anderem durch ihre Mode voneinander abgrenzen.

In einer Gesellschaft, wo jeder haargenau das gleiche Kleidungsstück tragen wür- de, gäbe es keine Mode, die Kleidung hätte nur rein materielle Funktion, nämlich vor den Rigorosen des Klimas zu schützen. Gesellschaftsgruppen bilden sich auf Grund gleicher Ideologien und Weltanschauungen, welche sie unter anderem durch ihre Kleidung zum Ausdruck bringen. Mode und Kleidung sind einer der Wege, wie eine Gruppe ihre Identität konstruiert und kommuniziert. In dieser Li- teraturstudie soll die Mode in ihrer Funktion als Kommunikationsmittel für politische Botschaften und gesellschaftliche Stimmungen untersucht werden. Es soll auf ausgewählte Beispiele des 20. Jahrhunderts eingegangen werden, wo die Mode als Kommunikation von gesellschaftskritischen Überlegungen von außeror- dentlicher Bedeutung war.

In dieser Literaturstudie sollen folgende forschungsleitende Fragestellungen un- tersucht werden: Wie wird in gesellschaftskritischen Gruppierungen Mode als Kommunikationsmittel eingesetzt? Welche Bedeutung hat Mode als Träger politi- scher und gesellschaftskritischer Botschaften? Wieso haben gesellschaftskritische Gruppierungen bestimmte Kleidungsstücke getragen und welche Botschaften woll- ten sie damit vermitteln?

Folgende Hypothesen sollen untersucht und am Ende falsifiziert bzw. verifiziert werden:

- Die Mode dient gesellschaftlichen Gruppierungen als ein Kommunikati- onsmittel ihrer Botschaften und Anliegen.
- Ein bestimmter Kleidungsstil wird gewählt, um sich von einer gesellschaftli- chen Gruppe abzugrenzen oder dazuzuzählen.

Diese Arbeit lässt sich grob in zwei Teile aufspalten. Der erste Teil liefert die theo- retische Einbettung des Themas. Es wird auf wichtige Terminologien eingegangen und versucht diese näher zu definieren und voneinander abzugrenzen. Ein weite- res Kapitel widmet sich den verschiedensten Funktionen, welche die Mode in unserer Gesellschaft einnimmt. Des Weiteren beschäftigt sich die erste Hälfte der Arbeit mit den kommunikationswissenschaftlichen Theorien zur nonverbalen Kommunikation. Im zweiten großen Teil werden anhand von Modebeispielen aus dem 20. Jahrhunderts die Forschungsfragen untersucht. Die Bakkalaureatsarbeit ist eine Literaturstudie und enthält daher keine empirische Untersuchung, sondern basiert nur auf wissenschaftlicher Literaturrecherche.

3.Terminologien

Es gibt einige Begriffe, die für das Thema unerlässlich sind, und die in der Arbeit immer wieder Erwähnung finden. Es ist daher wichtig, dass diese Begriffe näher untersucht und definiert werden, um eine einheitliche Bedeutungsebene sicherzu- stellen. Es handelt sich hierbei um die Begriffsdefinitionen von Kleidung, Mode und Anti-Mode. Vor allem die Begriffe Mode und Kleidung werden in der Alltags- sprache oft synonym verwendet, daher ist es wichtig, die Begriffe voneinander abzugrenzen und auf ihre jeweiligen Bedeutungen und Verwendungen einzugehen.

3.1. Kleidung

„Kleidung besteht hauptsachlich aus gewebten, gewirkten oder gestrickten Faser-stoffen, ferner aus Leder und Pelzwerk. Rohmaterialien sind Wolle, Baumwolle oder Seide sowie verschiedene Chemiefasern, die rein oder miteinander vermischt verarbeitet werden, um bestimmte Trageeigenschaften zu erreichen."1

Kleidung ist ein Teil der Kultur einer Gesellschaft. Die Gewohnheiten und Mög- lichkeiten einer Gesellschaft bestimmen die Erscheinungsformen der Kleidung.2

Der offensichtlichste Zweck von Kleidung und gleichzeitig der Grund, wieso Klei- dung entstand, ist, um vor den Rigorosen des Klimas zu schützen. Kleidung dient dem Schutz vor Wetter und Umwelteinflüssen. Je ein größeres Schamgefühl die Menschen entwickelt haben, desto wichtiger wurde der Verhüllungsaspekt von Kleidung. Nicht zu vernachlässigen sind natürlich die ästhetischen Gründe, aus denen Kleidung getragen wird.

Dem Psychologen J.C. Flügel zu Folge gibt es drei Hauptwecke der Kleidung: Schmuck, Scham und Schutz. Die den drei Zwecken zugrundeliegenden Motive sind fast ausnahmslos in allen zivilisierten Gesellschaften anzutreffen. Von den meisten Wissenschaftlern wird Schmuck als das wichtigste Motiv angesehen.3

3.2. Mode

Der Begriff Mode stammt von dem lateinischen Wort modus, das „rechtes Maß, Art und Weise des Lebens bedeutet".4 D

Der Begriff der Mode ist, in der Bedeutung seiner lateinischen Abstammung, genauso wie in seiner heutigen Bedeutung, nicht auf Textilien beschränkt. Neue Art und Weisen des Lebens, also Moden, treten genauso in der Architektur, in der Musik, in der Kunst, in der Philosophie, in der Psychologie, also in allen Sparten des sozialen und kulturellen Lebens, auf.

Der Begriff der Mode in Bezug auf Kleidungsstile entstand Anfang des 17. Jahr-hunderts. Maria de' Medici, die Gemahlin König Heinrichs IV, kam 1600 nach Frankreich und ihr Kleidungsstil wurde ,al modo italiano' (,nach italienischer Art') genannt.5

Die angesehene Kostümhistorikerin und Modetheoretikerin Ingrid Loschek definiert den Begriff folgendermaßen:

„Mode ist eine auf Imponier-, Geltungs- und Nachahmungstrieb, auf Schmuckbe-dürfnis (schöpferische Phantasie), erotische Anziehung, seit geschichtlicher Zeit auf Äußerung sozialer, seit der Neuzeit auch finanzieller Unterschiede, auf Zeitge-schmack, Sitte und Gesellschaftsform beruhende Art und Weise der äußeren Le-Lebenshaltung. Mode ist somit Selbstdarstellung ebenso wie Ausdruck der Lebens-und Denkweise zumindest einer Gruppe von Menschen in einer Zeit." 6

Nach Charlotte Seeling ist die Mode eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts. Davor waren die Kleidungsweisen an das Land und die soziale Schicht angepasst:

„Bei Hofe kleidete man sich anders als im Bürgertum und in Frankreich anders als auf den britischen Inseln, in Italien oder Deutschland. Das änderte sich, als Char¬les Frederick Worth nicht länger nur Lieferant Ihrer Kaiserlichen Hoheit Eugénie sein wollte und begann, seine Kreationen mit seinem Namen zu ,signieren', als wäre er ein Künstler. Das war die Geburtsstunde des Markenzeichens. Seither ist der fournisseur ein Couturier, und was er kreiert, ist DIE MODE."7

Ein Charakteristikum der Mode ist ihr ständige Wandel. Es scheint, als ob die Designer die Moden nach Lust und Laune bestimmen würden. Aber eine Mode setzt sich nur dann durch, wenn sie die Denkweisen und die Lebensart der Epoche erfasst. Kleidung wird zur Mode, wenn sie den Zeitgeist einfängt.

Mode ist immer ein Spiegel der Zeit, ein Spiegel der gesellschaftlichen Verände- rungen und Lebensweisen. Der Designer Helmut Lang sagte 1999 in einem Interview:

„Eine essentielle Veranderung der Kleidung wird erst dann passieren, wenn es durch äußere Einflüsse notwendig wird. (...) Ich glaube nämlich nicht, dass Mode

sich aus sich selbst heraus weiterentwickelt. Das kommt aus einer sozialen Ebene, aus gröfieren gesellschaftlichen Umwälzungen."8

Als Beispiel nennt Lang Diors New Look, der 1947 große Furore machte. Lebensmittel und Kleidung waren knapp in der Nachkriegszeit. Trotzdem verwendete Dior meterweise Stoff um seine feminine Silhouette, mit schmaler Taille und ausschweifendem Rock, zu kreieren.

„Diors New Look hätte auch ein Riesenflop sein können. Es gab einen Grund da-für, dass es funktioniert hat, nämlich die in der Gesellschaft vorhandene Sehnsucht nach Romantik nach dem Krieg."9

Kleidung und Mode werden oft synonym verwendet. Die Begriffe haben aber nicht dieselbe Bedeutung. Kleidung kann als Uberbegriff gesehen werden: „Mode ist eine bestimmte Art, Kleidung in einem gewissen Zeitabschnitt zu tragen, zusam-menhängend mit einem sich ständig ändernden Schönheitsideal."10 Kleidung ist Mode, wenn sie im Zusammenhang mit dem Zeitgeist, mit den gesellschaftlichen, politischen und sozialen Veränderung der Zeit, in der sie getragen wird, gesehen wird.

Wenn Kleidung nur den Zweck hat funktional zu sein, spricht man nicht von Mo- de. Ein Overall eines Mechanikers zum Beispiel, ist keine Mode, sonder funktionale Kleidung. Sie muss bestimmte Funktionen erfüllen, sie muss praktisch und komfortabel sein. Ein Overall kann aber zur Mode werden, wenn der Schnitt, die Farbe und die Details dem Zeitgeist entsprechend umfunktioniert bzw. ange- passt werden. Dann wird der Overall aber eher weniger einem Mechaniker als Arbeitskleidung dienen können.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Mode allerdings mit Kleidung gleichgesetzt.

3.3. Anti-Mode

„Anti-Mode, auch Protestkleidung, schlagwortartige — und umstrittene — Bezeich-nung für jene seit gegen Ende der 1960er Jahre meist von Jugendlichen getragene ,Mode', die bewusst in Opposition zur bürgerlichen Mode, insbesondere der Kon-fektionsmode und natürlich der Haute Couture steht. Die Anti-Mode versteht sich als individueller, oft gewollt nachlässiger Stil"11

Zur Anti-Mode werden unter anderem die Punk-Mode, die in den 1970er Jahren in Londoner Elendsviertel entstand, und der Grunge-Look, der sich aus der Ungerground-Rockmusik-Szene in Seattle entwickelte, gezählt.

Anit-Mode wendet sich in ihrer ursprünglichen Intention gegen das Establishment, gegen die gesellschaftlichen Konventionen und gegen die bürgerlichen Moden. Der Mode kann sich jedoch keiner entziehen, und so wurde jede AntiMode nach einiger Zeit Mode. Jede Anti-Mode, ob Punk-, Grunge- oder HippieLook wurde ab einem gewissen Zeitpunkt auch von Leuten getragen, denen es nicht um die Botschaft hinter der Kleidung ging. In einem aktuellen Interview nennt die Designerin Vivienne Westwood das T-Shirt mit dem Porträt von Che Guevara als ein solches gegenwärtiges Beispiel:

„Das (T-Shirt mit Che Guevara) wird vorzugsweise von Kids getragen, die von dem dazugehörigen Background wenig bis keine Ahnung haben. Das ist schade, denn politische Aussagen auf T-Shirts sind ein geeigneter Weg, um mit Kleidung ganz offensichtlich politisch ein Statement zu setzten."12

[...]


1 Brockhaus Enzyklopädie 1990, Bd. 12, S. 62.

2 vgl. Brockhaus Enzyklopädie 1990, Bd. 12, S. 62.

3 vgl. Flügel 1986, S. 209.

4 Loschek 1999, S. 358.

5 vgl. Loschek 1999, 359.

6 Loschek 1999, S. 358.

7 Seeling 1999, S. 9.

8 Helmut Lang in einem Interview mit Margit J. Mayer, New York 1999, abgedruckt in: Seeling, Charlotte: Mode. Das Jahrhundert der Designer, Köln, 1999, S. 607-614.

9 ebenda

10 Kelz 1995, S. 8.

11 Loschek 1999, S. 110f.

12 Vivienne Westwood in einem Interview, abgedruckt in: Diva, Dezember 2007, S. 54.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Mode als symbolische Form gesellschaftlicher Entwicklungen
Hochschule
Universität Wien  (Publizistik und Kommunikationswissenschaften)
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
42
Katalognummer
V146483
ISBN (eBook)
9783640572908
ISBN (Buch)
9783640572526
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nonverbale Kommunikation, Non-verbale Kommunikation, Gesellschaftsentwicklung, Kommunikation, Kommunikationsmittel, 20. Jahrhundert, Jeans, Hip Hop, Punk, Fashion, Symbolismus, Visuelle Kommunikation, Mode, Gesellschaftskritik, Funktionen der Mode, Modefunktionen, Symbolischer Interaktionismus, Vestimentäre Kommunikation, Vestimentär, Kleidung
Arbeit zitieren
Sophie Haslinger (Autor), 2008, Mode als symbolische Form gesellschaftlicher Entwicklungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146483

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