Der Palazzo Farnese in Rom

Antonio da Sangallo d.J. / Michelangelo


Seminararbeit, 2008

20 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

EINLEITUNG

1. BESCHREIBUNG
1.1. GESAMTEINDRUCK
1.2. GRUNDRISS
1.3. FASSADE
1.4. VESTIBÜL
1.5. INNENHOF
1.6. RÜCKFASSADE

2. BAUGESCHICHTE
2.1. ERSTE PHASE: ANTONIO DA SANGALLO (1516-1546)
2.2. ZWEITE PHASE: MICHELANGELO (1546-1550)
2.3. DRITTE PHASE: VIGNOLA (1550-1573), GUGLIELMO UND GIACOMO DELLA PORTA (1574-89)
2.4. SPÄTERE ÄNDERUNGEN

3. ZUR STILISTISCHER ENTWICKLUNG UND BEDEUTUNG DES PALAZZO FARNESE
3.1. ANTONIO DA SANGALLO
3.2. MICHELANGELO
3.3. VIGNOLA UND GIACOMO DELLA PORTA

4. ZUSAMMENFASSUNG

Einleitung

In der vorliegenden Arbeit habe ich mir zum Ziel gesetzt, die stilistischen Merkmale des Palazzo Farnese in Rom zu analysieren und seine architektonische Bedeutung zu erläutern. Die Hausarbeit ist in drei Hauptteile und eine Zusammenfassung gegliedert. In dem ersten Teil werden der Gesamteindruck sowie die einzelnen Bestandteile des Palazzo beschrieben. In dem zweiten Teil handelt es sich um seine Baugeschichte, die sich in vier Phasen unterteilen lässt. Während sich die ersten drei Phasen unmittelbar mit dem Bau des Palazzo verknüpfen und auf die leitenden Architekten zurückzuführen sind, handelt es sich in der letzten Phase um die späteren Änderungen, die seit Ende des 16. bis Anfang des 20. Jahrhundert durchgeführt worden sind.

Der dritte Teil ist der stilistischen Entwicklung sowohl des Palazzo als auch der Architekten gewidmet. Dieser Teil leitet sich von den drei Hauptarchitekten ab, die den größten stilistischen Einfluss auf den Bau und Gestaltung des Palazzo hatten. Demzufolge ist er in drei Abschnitte unterteilt, die jeweils die Namen derer Architekten tragen.

Am Schluss der Arbeit war es mir wichtig zusätzlich zu der Zusammenfassung der vorgegangenen Untersuchungen auch die architektonisch-stilistische Rolle des Palazzo Farnese zu betonen, die er in der römischen Palastbauarchitektur gespielt hat.

1. Beschreibung

1.1. Gesamteindruck

Palazzo Farnese befindet sich am Tiber in Rom südöstlich des Vatikans. Er steht als selbstständiger Baukörper und befindet sich im Mittelpunkt der Piazza Farnese. Der Gesamtbau erzeugt einen blockhaften Eindruck, der durch die geometrisch ausgeglichene und schlichte Wandgliederung der Fassade entsteht. Die Teilung des Baus in drei Geschosse durch die Gurtgesimse sowie die reihenhafte Anordnung der Fenster, die in gleichen Maßstab und Entfernung zu einander auf der Wandfläche platziert sind, verleiht dem Palazzo einen deutlichen horizontalen Gesamteindruck. Andererseits wird dieser durch die gleiche Größe der drei Geschosse, die Eckrustika und das außerordentlich großen Kranzgesims vertikal ausgeglichen. Auch die relativ schmalen nur bis leicht über die Mitte des Geschosses reichenden Fenster sowie besonderes die runden Fenster im dritten Geschoss mit ihren dreieckigen Giebeln „ziehen“ das Gebäude in die Höhe. Dazu tragen auch die Sockel unter der Fassade bei, die den ganzen Bau leicht über den Boden zu heben scheinen. Insgesamt stehen alle Bau- und Gliederungsteile der Fassade im gleichen Verhältnis zu einander.

1.2. Grundriss

An dem Grundriss des Gebäudes wird dessen Einheit deutlich sichtbar. Der rechteckige Bau besteht aus einem Fassadentrakt, zwei Seitenflügel und einem Rücktrakt. In der Mitte ist ein Arkadenhof zu sehen. Während sich in den Fassadentrakten die großen Säle befinden, sind die schmaleren Seitenflügel für die kleineren Kammern bestimmt. In der Mitte der beiden Seitenflügel findet man zwei Portale. Im Vergleich Sangallos ursprünglichen Plans1 des Grundrisses mit dem ausgeführten Bau2 sind keine großen Änderungen zu erkennen: der gesamte Bau bleibt als Einheit mit einem Arkadenhof, dem dreischiffigen Vestibül, einer Gartenloggia im Rücktrakt und zwei Nebenportale in den Seitenflügel. Die Änderungen sind dagegen in der Disposition der Räume und Treppen, den inneren Durchgängen sowie in der Größe und Disposition der Säle zu finden.

1.3. Fassade

Wie schon oben beschrieben, verfügt die Fassade des Palazzo über eine schlichte Wandgliederung. Das Erdgeschoss unterscheidet sich jedoch etwas von den beiden Obergeschossen. Dieser Unterschied besteht in den geraden Fensterädikulen, die eine parallele horizontale Linie zum Gurtgesims des Piano Nobile bilden. Dieser Effekt verleiht dem gesamten Grundgeschoss einen Eindruck von Stabilität und es scheint die beiden oberen Geschosse zu tragen. Heute wird dieser Unterschied noch durch eine andere Farbgebung erzeugt und verdeutlicht dabei die Differenz zwischen dem Grundgeschoss und den beiden oberen Stockwerken. Es sind keine Säulen- oder Pilasterordnungen zu finden, außer an der Balkonloggia und den Fensterädikulen. Die Eckrustika verfeinert sich von groben Bossen im Erdgeschoss zur feineren Plattenrustika im dritten Geschoss. Man zählt sechs Fenster an jeder Seite von der Mittelachse, an der sich das Portal im Erdgeschoss befindet, die Balkonloggia im Piano Nobile und über ihr das siebte Fenster des dritten Geschosses. Die Fenster sind in Ädikulen mit Segment- oder Dreieckgiebel vertieft, wobei ihre Anordnung variiert: während es im ersten Geschoss keine Giebel bzw. nur gerade Gebälke gibt, variieren Segment- und Dreieckgiebel im Piano Nobile und im dritten Geschoss sind nur Dreieckgiebel zu finden. Besonderes unterscheiden sich die Fenster des dritten Geschosses dadurch, dass sie rundbogig sind. Zwischen dem lilienfriesbeschmückten Gurtgesims und der Fensterkante verläuft ein Sockelgesims. Dies wird auch in der Eckrustika der beiden Obergeschosse durch breitere Rustikasteine betont. Das Portal befindet sich in einem Rustikarisalit mit aufeinander steigenden und vorspringenden Bausteinen. Die Balkonloggia ist breiter als der Rest der Fenster. Sie hat doppelte korinthische Säulen, aber keinen Giebel, denn an seiner Stelle, der zentralen Stelle der Fassade, befindet sich das Wappen. Der Balkon ist ein Balustradenbauwerk, der kaum zu bemerken ist und scheint gleichzeitig ein vorspringendes Teil des Sockelgesimses und eine Bekrönung des Portals zu sein. Dazu verbindet er das Portal mit der Ehrenloggia und dem Wappen, sodass das Ganze als einheitlicher, zentraler Punkt des Baus erscheint.

1.4. Vestibül

Das Vestibül ist eine dreischiffige Durchganghalle, derer Mittelschiff breiter ist als die beiden Seitenschiffe. Das Mittelschiff wird von den Seitenschiffen durch zwei Reihen dorischer Granitsäulen auf sehr hohen Piedestalen abgegrenzt. Ebenso findet ein Wechsel der Decken statt: Kassettentonne im Mittelschiff und Flachkassetten in den Seitenschiffen. Die Gliederung der Seitenwände ist ein Wechsel von Nischen und Halbsäulen.

1.5. Innenhof

Der Innenhof im Erdgeschoss ist an allen vier Seiten von Arkaden umgeben. An der Hofseite der massiven Arkadenpfeiler sind Halbsäulen dorischer Ordnung zu sehen, die auf hohen Piedestalen gestellt sind. Sie scheinen in das Kämpfergesims der Pfeiler hineingestellt und davon gehalten zu werden (Tabulariummotiv). Das gleiche Motiv wiederholt sich in der ionischen Ordnung des Piano Nobile. Das Erdgeschoss und das Piano Nobile sind durch ein Triglyphenfries, ein Gurt- und Sockelgesims getrennt. Die dorische Ordnung des Erdgeschosses geht im Piano Nobile in die feinere ionische Ordnung über. Ebenso sind die Arkaden, auf denen sich die Halbsäulen befinden, in das ionische Geschoss übergetragen worden. Doch im Unterschied zum unteren Geschoss sind sie nicht mehr freie Arkaden, sondern erscheinen nur als Wandgliederung. Zwischen ihnen, auf einer tieferen und schlichten Wandebene, befinden sich die Fenster in ihren Dreieckgiebelädikulen. Über den Kapitellen der ionischen Halbsäulen ziehen sich ein schmaler Architrav, ein Girlandenfries und ein Gurtgesims entlang, die das Piano Nobile von dem dritten Geschoss trennen, dessen Wandgliederung sich wesentlich von den beiden unteren Geschossen unterscheidet. Im dritten Geschoss gibt es weder eine Arkadenwandgliederung noch Halbsäulen. Stattdessen findet man Pilaster in einer korinthischen Ordnung und Segmentgiebel, die über die Fenster zu schweben scheinen. Dieser Effekt wird dadurch erzeugt, dass zwischen dem großen Segmentgiebel und der ädikulaartigen Fensterrahmung ein gerader Giebel, ähnlich wie im Grundgeschoss, an der Fassade verläuft und die beiden Bauteile von einander trennt. Darüber hinaus sind über dem geraden Giebel an beiden Seiten noch zwei kleine Sockel zu sehen, auf denen der Segmentgiebel ruht. Über dem korinthischen Pilaster verläuft das Kranzgesims, das ähnlich wie an der Fassade mit einem Fries beginnt. Zuletzt sind kleine Fenster im breiteren Sockelgesims zwischen dem Piano Nobile und dem dritten Geschoss zu sehen, die auf einen Mezzaningeschoss hinweisen.

1.6. Rückfassade

Die majestätische Wirkung der Rückfassade verleiht ihr die von der schlichten frontalen Fassade sehr abweichende Wandgliederung. In ihrer Mitte verläuft über alle drei Geschosse eine Drei-Arkaden-Öffnung, wobei im mittleren Geschoss wurden die Arkaden geschlossen und durch Fenster mit Segmentgiebel ersetzt sind. Diese spiegeln die Arkadenfenster im Innenhof wieder und erstellen dadurch eine Verknüpfung zwischen dem Inneren und der Außenseite des Palastes. An beiden Seiten der Arkadenöffnung fügte der letzte Architekt des Palastes, Giacomo della Porta, noch zwei Rahmenfelder hinzu und breitete dabei das mittlere Teil der Rückfassade auf fünf Achsen aus. Dieses Teil wirkt Risalitartig, obwohl es in Wahrheit nicht aus der Wandfläche vorspringt, sondern sich in sie hineinvertieft. Die Eckrustika verläuft weiterhin von oben, das Kranzgesims entlang bis zur Mitte und zu den kleinen Seitenfenstern der Arkadenöffnung, dann wieder herab bis zu ihren Sockeln. Dadurch scheint sie die beiden seitlichen vierachsigen Teile von der Mitte der Fassade zu trennen und sie umzurahmen.3

2. Baugeschichte

1495 erwarb Kardinal Alessandro Farnese, der spätere Papst Paul III, das Grundstück des Palazzo Ferriz. Von den Beschreibungen der Grundstücksgrenzen und der Dokumentation seiner Baugeschichte darf man annehmen, dass der Palazzo Ferriz der Vorläufer des heutigen Palazzo Farnese ist.4 Die Baugeschichte des neuen Palastes kann man in vier Hauptphasen unterteilen.

2.1. Erste Phase: Antonio da Sangallo (1516-1546)

Als erstes und als Vorbereitung auf den Bau des Palazzo Farnese wurden neue Straßen wie die Via Giulia angelegt und alte reguliert oder erweitert, wie die Via dei Farnesi, die zwischen dem Palazzo und dem Hospital der Engländer verläuft und die zu ihr parallel verlaufende Via del Mascheroni. Ebenso wurde der Bauplatz des Palastes durch Grundstückskäufe zwischen 1516 und 1523 abgerundet.

Im Bauvertrag aus dem Jahre 15175 sind die Lieferangaben des Baumaterials, sowie die Angaben des Architekten, Antonio da Sangallo, dokumentiert. Die erste Planungsphase verlegt Frommel jedoch in das Jahr 15166 und vermerkt, dass die Abrissarbeiten des alten Palastes sowie die Fundamentierung des neuen spätestens Anfang 1517 begonnen hätten. 1534 wird Kardinal Alessandro Farnese zum Papst erwählt. Dies führt zum Umbau und Reparatur des Palastes mit dem Ziel, ihn an den neuen sozialen Stand und an die neuen Anforderungen des Auftraggebers anzupassen. Es geht um Erweiterung und Vergrößerung der Sala Grande und Verlegen der neben ihr sich befindende Treppe. Alle Änderungen geschehen der Innendisposition des Palastes und Beeinflüssen nicht seine Form als Gesamtbau.

[...]


1 Uffizien-dis. 298 A. Aus: Herbert Siebenhüner, Der Palazzo Farnese in Rom. In: Wallraf-Richartz- Jahrbuch, 14.1952, S. 145.

2 Nach Letarouilly (Siebenhüner, S. 145).

3 Hauptsächlich aus: Frommel, Christoph L. Palazzo Farnese. In: Der Römische Palastbau der Hochrenaissance, Tübingen 1973. Bd. I, S. 123 -148.

4 Frommel, Bd. I, S. 131.

5 „Das oft zitierte Breve Leos X. vom 5.II.1514 (nicht 1515!) lässt sich nicht unmittelbar mit dem Palast in Verbindung bringen…“. Frommel, Bd. I, S. 132.

6 Frommel, S 132.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Palazzo Farnese in Rom
Untertitel
Antonio da Sangallo d.J. / Michelangelo
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Kunsthistorisches Institut)
Veranstaltung
-PS- Palastarchitektur der Renaissance in Italien
Note
1.7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V146629
ISBN (eBook)
9783640576784
ISBN (Buch)
9783640576548
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
italienische Renaissance, Rom, Architektur, Kunstgeschichte, Palazzo Farnese, Antonio da Sangallo, Michelangelo, Kunst
Arbeit zitieren
Irina Jabotinsky (Autor), 2008, Der Palazzo Farnese in Rom , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146629

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