Die göttlichen Tugenden, insbesondere die Hoffnung, in Abhebung zu den menschlichen Tugenden bei Thomas von Aquin


Seminararbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Eine Darstellung der Tugenden bei Thomas von Aquin
1.1 Einleitung
1.2 Der Tugendbegriff
1.3 Die intellektuellen und die sittlichen Tugenden
1.3.1 Die intellektuellen Tugenden
1.3.2 Die sittlichen Tugenden
1.4. Die Kardinaltugenden
1.5. Die göttlichen Tugenden
1.6. Differenzierung zwischen göttlichen und menschlichen Tugenden

I. II. Die Sonders tellung der göttlichen Tugenden am Beispiel der Hoffnung
II. 1 Einleitung
11.2 Die Hoffnung als göttliche Tugend
11.3 Hochgemutheit und Demut
11.4 Verzweiflung und Vermessenheit
11.4.1 Die Verzweiflung
11.4.2 Die Vermessenheit
11.5 Die Gottesfurcht als Notwendigkeit für die Hoffnung
11.6 Die Rezeption des thomanischen Hoffnungsbegriffs in der heutigen Zeit am Beispiel der aktuellen Enzyklika „spe salvi“
11.7 Fazit
Literaturverzeichnis

I. Eine Darstellung der Tugenden bei Thomas von Aquin

1.1 Einleitung

Vor der eigentlichen Untersuchung der menschlichen und göttlichen Tugenden soll zunächst der thomanische Begriff der Tugend geklärt werden. Daran anschließend soll eine Einteilung der menschlichen Tugenden in intellektuelle und sittliche folgen, bevor dann die Kardinal - tugenden beschrieben werden. Schlussendlich, nach einer allgemeinen Bestimmung der göttlichen Tugenden, soll zwischen göttlichen und menschlichen Tugenden unterschieden werden.

1.2 Der Tugendbegriff

Thomas bezieht sich in seiner Definition der Tugend (Summa Theologiae I-II; q.55, art.4) vor allem auf Augustinus, dessen Begriffsbestimmung („Tugend ist jene gute Beschaffenheit des Geistes, kraft deren man recht lebt, die niemand schlecht gebraucht, die Gott in uns ohne uns bewirkt“) er den Sentenzen des Petrus Lombardus entnimmt und untersucht. Er versucht diese mit dem aus der Nikomachischen Ethik stammenden Wort des Aristoteles, dass Tugend „den gut macht, der sie hat“, zu verbinden (vgl. ebd.) Mit „gut“ ist hier die umfassende und abschließende Gutheit des Menschen gemeint.

Die „gute Beschaffenheit“ (Thomas würde hier wohl „habitus“ einsetzen) ist laut Thomas die Gattung der Tugend, wobei „gut“ der Abgrenzung gegenüber den z.B. lasterhaften habitus dient. Der Geist kann allgemein als Träger der Tugend verstanden werden, deren Ziel die Tätigkeit ist. Das der Tugend entspringende Tun richtet sich gleichsam um des Guten willen immer auf das Gute hin („kraft deren man rechtschaffen lebt, die niemand schlecht gebraucht“). Der Zusatz „die Gott in uns ohne uns bewirkt“, so erklärt Thomas, gelte lediglich für die eingegossenen göttlichen Tugenden, da deren alleiniger Gegenstand und einzige Ursache Gott sei.

1.3 Die intellektuellen und die sittlichen Tugenden

Vor der intensiveren Auseinandersetzung speziell mit den göttlichen Tugenden, erscheint es sinnvoll, an dieser Stelle eine allgemeine Unterteilung der verschiedenen Tugenden darzustellen: Die Einteilung der menschlichen Tugenden vollzieht sich bei Thomas in Form einer Differenzierung der jeweiligen Träger: Vervollkommnet die menschliche Tüchtigkeit den „schauenden“ oder den „Werkverstand“auf den guten menschlichen Akt hin, so gilt diese als „verstandhafte“ oder intellektuelle Tugend. Wird dagegen der strebende Teil vervollkommnet, ist sie als moralische oder „sittliche“ Tugend zu bezeichnen (vgl. STh I-II; qu.58, art.3).

Zum guten Handeln bedarf es, so die Voraussetzung des Thomas, sowohl der richtige Aus - richtung der Vernunft (intellectus) als auch der Sittlichkeit und der sinnlichen Antriebskräfte (appetitus) (vgl. STh I-II; qu.58, art.l). Er bewegt sich hiermit ganz in der Tradition des Aristoteles, fügt jedoch mit der Gruppe der göttlichen Tugenden eine aus der Theologie stammende Gruppe hinzu.

I.3.1 Die intellektuellen Tugenden

Die intellektuellen Tugenden bezeichnen diejenigen Tugenden, die in der alleinigen Vernunfttätigkeit ihre Aufgabe haben. Da diese Definition durchaus Probleme mit sich bringt (Tugend wird von Thomas bereits zuvor als „Tätigkeitshabitus“ bezeichnet), erörtert er sie genauer im dritten Artikel der quaestio 56. Ein habitus, so Thomas, sei immer in doppelter Weise auf den guten Akt hingeordnet: Zum Einen wird die Fähigkeit zum guten Akt mitgeteilt, zum Anderen auch ihre rechte Ausführung in der Tat selbst. So können die intellektuellen habitus nicht schlechthin als Tugenden bezeichnet werden, da sie „zum guten Werk nur ein gewisses Können[nicht schon die Ausführung] geben und den, der sie hat, nicht schlechthin gut machen“ (STh I-II; qu.56, art.3). Jedoch werden sie, auch aufgrund ihrer Ausrichtung auf die Wahrheit, in gewisser Hinsicht auch als Tugenden oder Tüchtigkeiten beschrieben. Des weiteren werden die intellektuellen Tugenden von Thomas unterteilt in einen „schauenden“, also den theoretischen Verstand, und einen „Werkverstand“, den praktischen.

Die „schauenden“ Verstandestüchtigkeiten (Weisheit, Wissenschaft, Einsicht), deren „gutes Werk“ die Betrachtung des Wahren ist, durch die diese vervollkommnet werden, haben den Verstand als ihren Träger, insofern er vom Willen bewegt wird, denn „es schickt sichjemand [nur] dann zur tatsächlichen Betrachtung von etwas an, wenn er will“ (STh I-II; qu.56, art.3). Hierbei stellt die höchste der schauenden Tüchtigkeiten die Weisheit dar, da diese „über alles urteilt, und zwar nicht nur über die Schlusssätze, sondern sogar über die ersten Obersätze“ (STh I-II; qu.57, art.2). Weisheit umfasst also Wissenschaft und Einsicht, sie sind gleichsam abhängig von der Weisheit als dem „Ursprünglichsten“, da sie selbst entweder nur die Ursätze (Einsicht) oder die Schlusssätze (Wissenschaft) betrachten. Weisheit hat also mit anderen Worten die Schau der Wahrheit zum Gegenstand und verbürgt somit den höchsten Grad der Glückseligkeit (vgl. STh I-II; qu.57, art.l).

Den Unterschied zu den „Werkgehaben“ macht Thomas am Beispiel der Klugheit deutlich, welche gleichsam die höchste praktische Verstandestugend und Mutter der Kardinaltugenden darstellt. Diese definiert er als „die rechte auf das Tun gerichtete Vernunft“ (STh I-II; qu.57, art.4) und stellt sie der Kunst gegenüber, welche die „rechte auf das Schaffen gerichtete Vernunft“ (ebd.) darstellt. Aus dem Unterschied zwischen „Tun“ („eine Tätigkeit, die im Tätigen selbst verbleibt“ (ebd.)) und „Schaffen“ („eine Tätigkeit, die auf einen äußeren Stoff geht“ (ebd.))erarbeitet Thomas auch den entscheidenden Unterschied zwischen den „Werkgehaben“, und den „Schaugehaben“: Während in der Kunst das Gute im Kunstwerk selbst und nicht etwa auch im rechten Streben steckt, so ist zur Klugheit eine sittliche Tüchtigkeit gefordert, „durch welche das rechte Streben zustande kommt“ (ebd.). Die Kunst setzt also im Gegensatz zur Klugheit die richtige Ausrichtung auf das Ziel nicht voraus, sondern schenkt lediglich die Befähigung zum guten Werk ähnlich wie die Schaugehaben.

I.3.2 Die sittlichen Tugenden

Als „sittlich“ lässt sich nach Thomas jede Tüchtigkeit, die „in der Strebekraft ihren Sitz hat“ (STh I-II; qu.58, art.l), bezeichnen. „Sitte“ ist hier als naturhafte Neigung zu einer Handlung zu verstehen, Thomas betont hier immer wieder die freie Wahl des Menschen: Jeder Tugendakt setzt die richtige Wahl voraus, die nur durch die Tugend, die „im strebenden Teil der Seele liegt“ (ebd.), gewirkt werden kann. In diesem Sinne ist auch das von Thomas angeführte Wort des Aristoteles zu verstehen: „Die Vernunft befiehlt dem Strebevermögen mit freiheitwahrender Herrschaft“ (ebd.). Hier widerspricht er Sokrates, der die Sünde bzw. das falsche Handeln auf Unwissenheit zurückführte: Der Mensch könne, so Sokrates, wenn er wisse, was gut bzw. richtig ist, nicht sündigen. Dies würde bedeuten, dass lediglich die verstandhaften Tüchtigkeiten existierten. Aristoteles und Thomas gehen jedoch davon aus, dass das Strebevermögen (appetitus) Ursache der menschlichen Handlung sei, der Vernunft jedoch nicht „gänzlich auf den Wink“ gehorche. Eine gute Handlung erfordert, „daß nicht nur die Vernunft durch das Gehaben einer verstandhaften Tüchtigkeit gut ausgerichtet sei, sondern daß auch die Strebekraft durch das Gehaben einer sittlichen Tüchtigkeit gut ausgerichtet sei“ (STh I-II; qu.58, art.2). Mit anderen Worten also braucht es zu einer guten bzw. tugendhaften Handlung ein optimales Zusammenspiel zwischen sittlichen und intellektuellen Tugenden.

I.4. Die Kardinaltugenden

Eine besondere Gruppe innerhalb der sittlichen Tugenden stellen die Haupt - bzw. Kardinaltugenden dar. Zu diesen zählt Thomas „jene Tugenden, welche die Rechtheit des Strebevermögens einschließen“ (STh I-II; qu.61, art.l).

Thomas beschreibt insgesamt vier Kardinaltugenden: Klugheit (prudentia), Gerechtigkeit (iustitia), Maßhaltung (temperantia) und Tapferkeit (fortitudo). Die Klugheit, einzige intellektuelle Tugend innerhalb der Kardinaltugenden, nach Thomas aber „ihrem Tätigkeitsfeld nach gewissermaßen ebenfalls eine sittliche Tugend“ (ebd.), steht gleichsam an der Spitze dieser Tugendgruppe. Sie ordnet die Tätigkeit der Vernunft in ihrem eigenen Bereich, eine Zufälligkeit der Handlung ist dadurch nicht möglich. Durch die Gerechtigkeit kann die „Ordnung der Vernunft aufgerichtet“ (STh I-II; qu.61, art.2) und zu einer Handlung geformt werden. Wird die Ordnung der Vernunft in den Leidenschaften „aufgerichtet“, sind zwei weitere Tugenden nötig: Zum Einen die Maßhaltung, insofern die Leidenschaften den Menschen zu etwas drängen, das der Vernunft widerspricht. Zum Anderen die Tapferkeit, insofern die Leidenschaften den Menschen von dem zurückhalten, was die Vernunft gebietet (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die göttlichen Tugenden, insbesondere die Hoffnung, in Abhebung zu den menschlichen Tugenden bei Thomas von Aquin
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V146862
ISBN (eBook)
9783640573059
ISBN (Buch)
9783640573370
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tugend, Hoffnung, menschlich, göttlich, Thomas von Aquin, Philosophie
Arbeit zitieren
Philipp Struß (Autor), 2008, Die göttlichen Tugenden, insbesondere die Hoffnung, in Abhebung zu den menschlichen Tugenden bei Thomas von Aquin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146862

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