Eleonore von Aquitanien, die Königin von England und „Königin der Troubadoure“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Die Herkunft Eleonores von Aquitanien

3. Eleonore als Konigin von England

4. Die Bezeichnung Eleonores als „Konigin der Troubadoure“
4.1. Eleonores Einfluss auf die Dichtkunst
4.2. Eleonore und ihre Beziehung zu Heinrich II
4.3. Eleonore und ihr Verhaltnis mit Bernart von Ventadorn

5. Eleonore von Aquitanen und die Troubadoure

6. Historische Sichtweisen bezuglich der „Konigin der Troubadoure“

7. Eleonore von Aquitanien - Ein typisches Frauenbild des Mittelalters?
7.1. Beispiele zur Quellenlage
7.2. Die Frauengestalt Eleonores

8. Fazit

1. Einleitung und Fragestellung:

Die Seminararbeit richtet sich nach Regines Pernouds Buchtitel „Konigin der Troubadoure“ und versucht zu prufen, in wie weit diese These auf Eleonore von Aquitanien zutrifft. Daruber hinaus wird die Situation des Konigshofes und Eleonores Einfluss auf die kulturelle Entwicklung insbesondere in England untersucht. Die Fragestellung „Kann Eleonore von Aquitanien als 'Konigin der Troubadoure' bezeichnet werden ?“ soll auch unter Berucksichtigung ihrer Charakterisierung fundiert werden.

Die Seminararbeit beginnt mit einem Exkurs bezuglich Eleonores Herkunft und die daraus resultierende Pragung und geht zu der Kronung als Konigin von England uber. Im Folgenden wird der Einfluss Eleonores auf die Troubadoure und die Begrundung fur die Betitelung „Konigin der Troubadoure“ untersucht.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Beschreibung Pernouds uber die Abbildung Eleonores auf ihrem Siegel, „in der rechten Hand eine Blume, auf der linken Faust einen Jagdfalken haltend‘[1]. Dies assoziiert allein schon bei der neutralen Betrachtung der Siegelbeschreibung zwei Seiten Eleonores, zumal steht die Blume als Symbolik fur die Kultur und Kunst, wohingegen der Jagdfalke auf den adligen Stand und die Herrschaft verweist. So kann schon anhand dieser dualen Charakterisierung Eleonores auf ihre politische sowie sozial-kulturelle Rolle geschlossen werden.

2. Die Herkunft Eleonores von Aquitanien

Eleonore von Aquitanien, welche in der Literatur auch unter dem Namen Eleonore von Guyenne oder Elenore von Poitou bekannt war, ist die Erbtochter des Herzoges Wilhelm X. und dessen Ehefrau Eleonore von Chatellerault[2]. Die Grundlage, um welche sich solche Thesen bilden, wie die Betitelung Eleonores als „Konigin der Troubadoure“, finden sich in der Uberlieferung ihres ungewohnlichen Lebenslaufes; Eleonore wurde etwa um 1122 in Sud-Frankreich geboren und mit dem Alter von funfzehn mit dem ein Jahr alteren Konig von Frankreich, Ludwig VII., vermahlt[3]. Ihr GroBvater, William IX. von Aquitanien wird als einer der ersten Troubadoure anerkannt. Insbesondere wegen der beiden Hochzeiten und denn damit Verbundenen Reichen Frankreich und England nimmt Eleonore eine besondere politische Stellung in der Geschichte der mittelalterlichen Frauen ein. In ihrem Zusammenhang wird in der Literatur oftmals von einer femme fatale“ gesprochen, was zum einen auf die Scheidung von Konig Ludwig VII. und der Heirat mit Konig Heinrich II., sowie auf ihr Verhalten, der Demonstration von Unabhangigkeit und Starke, welches nicht unbedingt dem Ideal des damaligen Idealbildes einer Frauenrolle entsprach, verwiest[4].

Wilhelm IX. machte den „aquitanischen Hof zum Zentrum der Dichtkunst und des Minnegesangs in Frankreich“[5] und bildet daher ein Art Vorbildfunktion fur Eleonore aus, welche sich ebenfalls thematisch dafur interessiert und die kulturellen Einflusse des aquitanischen Hofes auch dem englischen Hofe beitragt. Interessanterweise wurde Wilhelm IX., bevor er 1100 in den Kreuzzug zog, von Phillipa, welche er als Regentin in Poitiers einsetzte, uberredet, dem Prediger Robert d’Arbrissel „ein Stuck Land nordlich von Poitiers zu ubereignen“, welcher dort das Doppelkloster von Fontevraud grundete[6]. Erwahnenswert ist nun die enge Bindung Fontevrauds mit dem aquitanischen Herrscherhaus, sowie die haufigen Aufenthalte Eleonores innerhalb der Klosteranlage[7]. So kann festgehalten werde, dass auch bei der Figur Eleonores sich Einflusse durch die Etablierung der Doppelkloster, welches gleichsam aus Nonnen und Monchen bestand denen ein eigenes Regelwerk zu Grunde lag, bemerkbar gemacht haben.

3. Eleonore als Konigin von England:

Etwa zehn Jahre spater, nach einem Kreuzzug nach Palastina, kam es zum Eklat mit ihrem Ehegatten Konig Ludwig VII., bis sie 1152 durch den Papst voneinander geschieden wurden[8]. Erstaunlicherweise vermahlte sie sich binnen 6 Wochen spater mit ,„with Loui’s most powerful vassal“, Heinrich II., welcher Herzog der Normandie war und schon bald Konig von England wurde[9]. Nach der Scheidung Eleonores von Ludwig VII. von Frankreich konnte dieser „der erneuten Heirat Eleonores nichts entgegensetzten“, obwohl er nun einer Machtkonzentration, welche die seine, „wesentlich auf die Ile-de-France beschrankten Position“, ubertraf[10]. Eleonore konnte durch ihre zweite Heirat mit Heinrich II. mit ihrem neuen Titel „Konigin von England“ und den von ihrem Ehegatten zugestandenen Befugnissen, nun endlich die Macht ausuben, die Konig Ludwig VII. ihr verwehrt hatte. Neben den sechs Kindern, die sie in England gebar, waren ihre standigen Ortswechsel zwischen der Normandie, Poitou, Aquitanien, England, Winchester, Salisbury und weiteren Orten auffallig, welche zum einen den Luxus des Herrscherhauses zeigte, jedoch ebenfalls die zwingende Mobilitat um moglichst in vielen Herrschaftsbereichen prasent zu sein, was zugleich auf die politische Bedeutung Eleonores deutet[11]. Heinrich II. reiste haufig durch England um die verfallenen Strukturen wieder zu festigen, zumal er ebenfalls versuchte durch harteres Vorgehen gegen die Barone und Ruckgabe der „Beute“ an die Bauern, die Stimmen der Landbevolkerung fur sich zu sichern[12]. Eleonore unterstutzte ihn bei der Verwaltung des Landes und stellte sogar „in ihrem eigenen Namen oder stellvertretend fur den Konig Akten aus“, was ihr Interesse an der Beteiligung der Macht und ihr politisches Interesse demonstrieren[13]. Interessanterweise wurde die Regierungsgewalt zwischen den Provinzen auf die beiden agierenden Personen verteilt; so dass Eleonore in England verblieb, wahrend Heinrich II. in der Normandie verkehrte, wohingegen sie nach Anjou, Poitiers oder Bordeaux auswich, wenn ihr Ehegatte die Regierung Englands ubernahm[14]. Einige Zahlungsanweisungen sind von ihr „im Namen der Konigin und des Friedensrichters ausgefertigt“, sowie Urkunden, welche in ihrem Auftrag von dem Kanzlisten Magister Mathieu verfasst wurden; von diesen Exemplaren sind heute noch einige in der koniglichen Schatzkammer Englands erhalten[15]. Diese enthalten zumeist einen etwas herrischen Wortgebrauch ihrerseits und richten sich haufig nach oder zu Gunsten geistlichen Belangen[16].

[...]


[1] Pernoud, Regine: Konigin der Troubadoure. Alienor d’Aquitaine, aus dem Franzsosischen v. Rosemarie Heyd, Koln 1966, S. 145. (Im Folgenden zitiert als: Pernoud, Konigin)

[2] Baier, Ronny: Art. Eleonore von Aquitanien, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, hrsg. v. Freidrich Wilhelm Bautz; Traugott Bautz, Nordhausen 2005, Sp. 314. (Im Folgenden zitiert als: Baier, Eleonore)

[3] Berg, Dieter: Richard Lowenherz, in: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, hrsg. v. Peter Herde, Darmstadt 2007, S. 10-14. (Im Folgenden Zitiert als: Berg, Lowenherz)

[4] Baier, Eleonore, Sp. 314.

[5] Baier, Eleonore, Sp.315.

[6] Baier, Eleonore, Sp. 316.

[7] Baier, Eleonore Sp.316.

[8] Berg, Lowenherz, S. 10- 13.

[9] Berg, Lowenherz, S. 10-13.

[10] Sarnowsky, Jurgen: England im Mittelalter, Darmstadt 2002, S. 96.

[11] Pernoud, Konigin, S. 96.

[12] Pernoud, Konigin, S. 97.

[13] Pernoud, Konigin, S. 100.

[14] Pernoud, Konigin, S. 100.

[15] Pernoud, Konigin, S. 100-101.

[16] Pernoud, Konigin, S. 101.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Eleonore von Aquitanien, die Königin von England und „Königin der Troubadoure“
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Frauen in ausgewählten Quellen des Früh- und Hochmittelalters und in heutigen Forschungsdiskussionen
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V148261
ISBN (eBook)
9783640583300
ISBN (Buch)
9783640582853
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eleonore von Aquitanien, Königin von England, Königin der Troubadoure, Aquitanien, Heinrich II, Bernart von Ventadorn, Aquitanen, Frauen im Mittelalter, Frauenbild
Arbeit zitieren
Damian Tylla (Autor), 2008, Eleonore von Aquitanien, die Königin von England und „Königin der Troubadoure“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148261

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