Die Ausbreitung des Egoismus in der heutigen Gesellschaftsform

Eine Erschwernis für die zwischenmenschliche Beziehung?


Hausarbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Die Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft
2.1. Die Gesellschaftsmoral als normierenden Wert
2.2. „Jeder ist sich selbst der Nächste“

3. Die Ausbildung und Prägung
3.1. Die Ausbildung des Egoismus als kindliche Störung
3.2. Die Prägung durch zwischenmenschliche Beziehung

4. Liebe und Egoismus

5. Freundschaft als fehlende soziale Kompetenz

6. Soziale Netzwerke

7. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung:

Wir nennen „jemanden einen Egoisten, der seine persönlichen Interessen verfolgt, ohne auf die Belange anderer Rücksicht zu nehmen oder diese wenigstens seinen Interessen unterordnet“[1]. Der Egoismus in unserer Gesellschaft ist ein weit verbreitetes Phänomen, welches sich insbesondere in den letzten Jahren auch innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen ausgebreitet hat. Dies kann unter anderem auch auf die steigende Anzahl der Scheidungen bezogen werden, worauf in einem späteren Kapitel noch eingegangen wird.

Ist in der heutigen Gesellschaft eine stetigen „Ausbreitung“ eines negativen Egoismus zu verzeichnen, „der das Zusammenleben mit anderen erschwert und uns selbst auf Dauer physisch wie psychisch Schaden zufügen kann“? . Die Thematik des Egoismus wird in dieser Seminararbeit an unterschiedlichen Beziehungen aufgezeigt und stellt ferner die Situation zwischen dem gesellschaftlichen „Wettbewerbsdruck“ sowie Konkurrenzkampf und der zunehmend beeinträchtigten zwischenmenschlichen Beziehung dar. Es wird zunächst die Wahrnehmung in der Gesellschaft behandelt und anschließend versucht mögliche Erklärungsmodelle für eine Prägung und Ausbildung des Egoismus darzulegen. Ein besonders herausragendes Werk, welches innerhalb dieser Fragestellung genutzt wird, ist „ Die Egoismus-Falle“ von Ursula Nuber, welche auf die Präsenz des Egoismus in der Gesellschaft verweist.

2. Die Wahrnehmung innerhalb der Gesellschaft

Bei der Betrachtung der menschlichen Verhaltensweise in der Gesellschaft zeigt sich, „dass der Mensch sich selbst der Nächste ist,(...) [welches] keine überraschende Einsicht [ist]“[3].

Wenn der Egoismus eine stetige Präsens in der heutigen Gesellschaft einnimmt, wird dieser innerhalb der persönlichen Selbstwahrnehmung erkannt? Die Gesellschaft betrachtet sich zumeist nicht als egoistisch, sondern vielmehr als „hilfsbereites Volk“ und unterstreicht dies insbesondere an der „Spendenbereitschaft“ und Symbolen bzw. Zeichen wie Autoaufklebern [„Ein Herz für Kinder“]. Wird die „Welle der Hilfsbereitschaft“ am Beispiel der Spenden für bosnische Flüchtlinge betrachtet, ergibt dies einen ernüchternden Zahlenwert „5000 [Euro] verteilt auf 16 Bundesländer: macht gute 300 [Euro] pro Land“, wie nicht ohne Zynismus festgestellt werden kann[4].

Generell weist sich ein Kontrast zwischen dem mitmenschlichem Engagement und den eigenen Bedürfnissen auf. So zeigt sich, dass die Hilfe der Menschen andern gegenüber zumeist auch von sozialem Prestigegedanken geprägt ist, insbesondere bei den zuvor genannten Spendenaktionen. Diese Spenden verlaufen jedoch meist nur in einem begrenzten finanziellen und sozialen Rahmen ab, insofern sie die eigenen Bedürfnisse nicht einschränken. Dennoch gibt es in der Gesellschaft ebenfalls eine Minderheit, die sich nicht „für ihr Mitgefühl und Hilfsbereitschaft applaudieren lassen“, sondern auf Grund moralischer Aspekte handeln[5]. Die Mehrheit toleriert jedoch Missstände sofern sie nicht ihren eigenen Lebensstandart gefährden.

So ist festzustellen, dass meistens die eigenen Bedürfnisse an erster Stelle stehen und Nächstenliebe ein begrenztes Gut darstellt, welches zumeist nur ausgeübt wird, wenn eine entsprechende Gegenleistung in Aussicht steht. Andere Zuwendungen, wie zum Beispiel Spendenaktionen werden nur im geringen Maße unterstützt. Die Nächstenliebe als solche wird von dem Staat und der Gesellschaft nicht ausreichend gefördert, zwar existiert die Möglichkeit durch Spenden eine Steuerbegünstigung zu erhalten, welche zumeist von der vermögenden Schicht der Gesellschaft angefordert wird, jedoch werden soziales Engagement, wie zum Beispiel ehrenamtliche Jugendarbeit wenn überhaupt nur noch beiläufig anerkannt.

2.1. Die Gesellschaftsmoral als normierenden Wert

Wenn die Hilfe gegenüber Mitmenschen als moralische „Tugend“ bezeichnet werden kann liegt die Gefahr darin, dass die Gesellschaft diesen Wert nicht fördert, sondern eher durch eine Tolerierung des egoistischen Verhaltens destruktiv beeinflusst. So ist nun „moralisch, was und persönlich nutzt“[6]. Obwohl im Zuge der Demokratisierung eine Möglichkeit besteht eine starre Gesellschaftsstrukturierung zu vermeiden, ist nun die Tendenz zu verzeichnen, dass die Menschen sich in ihrer Selbstverwirklichung und des Wettbewerbgedankens innerhalb einer „Subform“ von Kleingruppen umgeben, die ähnliche, bzw. gleiche Interessen verfolgen und diese fördern. Dem Verlust des Einflusses der jeweiligen Institutionen, wie Kirche und Staat sowie einer Gesellschaftsmoral wird nun die Selbstbestimmung entgegengesetzt; so hält der Mensch sich zwar an gewisse Regeln, welche durch die Gesetzgebung vorgegeben sind, jedoch wird die zwischenmenschliche Beziehung sowie Zuwendung in Form der Nächstenliebe dem eigenem Empfinden von moralischem Handeln untergeordnet. Demnach ist der Einfluss des Egoismus auf das tägliche Leben auch auf die Veränderung innerhalb der Moral zurückzuführen. Die gesellschaftliche Prägung macht es den Menschen einfacher sich nur um die eigenen Interessen zu kümmern und appelliert unter anderem bei der Arbeitsplatzsuche sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Einige Evolutionswissenschaftler sehen das Verhalten des Menschen, als stetiges Streben seine Handlungen den Eigeninteressen bewusst sowie unbewusst unterzuordnen[7].

2.2. „Jeder ist sich selbst der Nächste“

Der persönliche Egoismus ist somit ein Nebenprodukt der so genannten Ellbogen­Gesellschaft.[8] „Wettstreben, Argwohn und Ruhmsucht“ seien wie bereits Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert festgestellt habe der Grund für diese Form des Egoismus[9]. Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff des „Bedürfniswesen“ von Philosophen und Sozialkritikern geprägt und verweist auf die Ausübung der individuellen Freiheit und somit auch Bedürfnissen[10]. Jene Freiheit, die früher nur der begrenzten herrschenden Klasse zugesprochen werden konnte ist in der aktuellen Gesellschaftsstruktur ebenfalls der „breiten Masse“ zugänglich; durch die Demokratisierung entsteht neben dem individuellen Bedürfniswesen auch ein stetiger Prozess der Abgrenzung, zu Gunsten der Selbstverwirklichung, von den Mitmenschen[11]. Die Freiheit der Selbstbestimmung und auch teilweise die Willkür gegenüber Untergebenen bzw. Unterlegenen, welche zunächst meist bei den vermögenden Gesellschaftsschichten zu vermerken war, ist nun in der gesamten Gesellschaft vorzufinden.

Ursula Nuber benennt diese Maximierung als Pervertierung der christlichen Forderung „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“; neben der Eigenliebe wird nun nur noch jene Gruppe der Mitmenschen „geliebt“, die zur eigenen Selbstverwirklichung beitragen[12]. Die moderne Form der „Nächstenliebe“ liegt demnach zumeist nur noch in einem begrenzten Umfeld vor und richtet ihre Priorität auf eine Kleingruppe mit gleichen Interessenidealen und erwartet gegenseitige Hilfeleistungen. Dies wiederum zeigt eine Tendenz auf, dass Hilfeleistungen ohne eine entsprechende psychische oder physische Gegenleistung, wie am Beispiel der Senden, abnehmen. So erkennen wir zwar, dass alle Menschen ein Recht auf Freiheit und Gleichberechtigung haben, aber dass jene die sich egoistisch und ergebnisorientiert verhalten, „Anspruch auf ein größeres Stück Kuchen haben“[13]. Dies spiegelt ebenfalls die aktuelle Tendenz des gesellschaftlichen Ideals; „erfolgreich sein“ und die Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse, zu Not auch auf Kosten anderer. Hier wiederum wir auf das „Prinzip der Selektion“ verwiesen, da durch die Verfolgung des Selbstinteresses der eigene Erfolg garantiert wird und selbstloses Handeln nicht dem Ideal des Erfolges der Gesellschaft entspricht[14].

3. Die Ausbildung und Prägung

Unter dem Aspekt den Egoismus als Selektionsvorteil zu betrachten formuliert Dawkins die These eines „Gen-Egoismus“, d. h. einer genetisch gebundene Vererbung des Egoismus[15]. Diese steht jedoch im Kontrast zu der These eines psychischen Egoismus, welcher die individuelle Verhaltensweise des Menschen umschreibt. Dies lässt sich an folgendem Beispiel festmachen: „Viele Menschen haben aus psychischen Egoismus keine Kinder“, da dies zumal ihre Bedürfnisse und Freiheit einschränkt. Diese Aussage steht jedoch gegen die Argumentation, dass der Egoismus genetisch vererbt wird, da ohne Kinder auch keine positive Selektion aufzuweisen ist[16]. Doch wie für das Tier gilt auch für den Menschen, dass sie „Partner finden [müssen], Nachkommen zeugen und aufziehen, (...) [was] schließlich die Essenz des evolutionären Wettbewerbs [sei]“[17].

[...]


[1] Illies, Christian: Philosophische Anthropologie im biologischen Zeitalter, Main 2006, S. 189. (Im folgenden zitiert als: Illies, Anthropologie)

[2] Nuber, Ursula: Die Egoismus-Falle. Warum Selbstverwirklichung oft einsam macht, Zürich 1993, S. 7.( Im folgenden zitiert als: Nuber, Egoismus)

[3] Illies, Anthropologie, S. 188.

[4] Nuber, Egoismus, S. 12.

[5] Ebd., S. 13.

[6] Ebd., S. 15.

[7] Illies, Anthropologie, S. 188.

[8] Nuber, Egoismus, S. 20.

[9] Ebd., S. 21.

[10] Ebd., S. 22-23.

[11] Ebd., S. 23-24.

[12] Ebd., S. 24.

[13] Hunt, Morton: Das Rätsel der Nächstenliebe. Der Mensch zwischen Egoismus und Altruismus, aus dem Englischen von Hella Beister, Frankfurt/Main 1992, S. 75. (Im folgenden zitiert als: Hunt, Nächstenliebe)

[14] Illies, Anthropologie, S. 188.

[15] Ebd., S. 189.

[16] Ebd., S. 189.

[17] Kotrschal, Kurt: Im Egoismus vereint? Tiere und Menschentiere - das neue Weltbild der Verhaltensforschung, München 1995, S. 39-41. (Im folgenden zitiert als: Kotrschal, Egoismus)

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Ausbreitung des Egoismus in der heutigen Gesellschaftsform
Untertitel
Eine Erschwernis für die zwischenmenschliche Beziehung?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Moral steckt uns in den Knochen“
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V148272
ISBN (eBook)
9783640583355
ISBN (Buch)
9783640582778
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Egoismus, zwischenmenschliche Beziehung, Moral, kindliche Störung, Prägung, Liebe, Freundschaft, Soziale Kompetenz, soziale Netzwerke, Wettbewerbsdruck
Arbeit zitieren
Damian Tylla (Autor), 2008, Die Ausbreitung des Egoismus in der heutigen Gesellschaftsform, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148272

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