Das Apostelkonzil - Eine neue Religion blüht auf

Der Wendepunkt zur Abspaltung des frühen Christentums


Seminararbeit, 2008
24 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Vorgeschichte
1.1 Die Miss ion des Paulus
1.2 Paulus Beitrag zur christlichen Lehre

2 Das Apostelkonzil
2.1 Das Problem der Anerkennung der Heidenmission
2.2 Ergebnisse des Konzils
2.3 Weitere Probleme des Apostelkonzils

3 Juden und Christen - Prozesse der Trennung
3.1 Der Anfang der gegenseitigen Abspaltung
3.2 Wie wird die Trennung christlich theologisch verarbeitet?
3.3 Die christliche Polemik verscharft sich

4 Die theologische Bedeutung

5 Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich mit dem so genannten Apostelkonzil, welches in der geschichtlichen und religionsgeschichtlichen Wissenschaft und Forschung als Weichenstellung zur Ablosung des fruhen Christentums vom Judentum gilt. Anfangs sollte die besagte Arbeit zum Thema haben, welche Faktoren eine Rolle spielten, wie das fruhe Christentum zu einer Weltreligion werden konnte. Um mich dem Thema etwas anzunahern traf ich Pfarrer Christhard Rudiger von der evangelisch-methodistischen Freikirche „die Friedenskirche“ in Chemnitz. In unserem Gesprach zeigte sich schnell, dass mein erwahltes Thema zu umfangreich wurde, um alle Umstande und Grunde wiederzugeben die entscheidend fur die Entstehung der neuen Religion, des Christentums, waren. Somit empfahl mir Herr Rudiger uber das Apostelkonzil zu schreiben. Hierbei werde ich auch auf die unterschiedlichen Meinungen eingehen.

Weder mit der Schopfung des Menschen, noch mit einem kosmologischen Aberglaube, beginnt die Geschichte der Christen. Vielmehr ist sie Folge eines zeitlichen Beginns, klein fast unscheinbar doch keineswegs zufallig (vgl. Willers 2000, S. 1). Die fruhen Gruppierungen aus Juden, Heiden, Judenchristen und Heidenchristen, hatten ihre Konflikte die sich nach und nach immer weiter ausbreiteten. Die Probleme lagen darin, inwieweit man sich noch immer an das judische Religionsgesetz halten sollte bzw. wie die Heiden behandelt werden sollten. War man Christ wenn man sich beschneiden lasst? Die ersten Judenchristen hielten stark an ihrem Gesetz fest und ehrten doch Jesus Christus. Diese eher radikale Gruppe bestand darauf, dass auch die so genannten Heidenchristen sich dem Religionsgesetz unterwarfen. Auch wurden die Christen zum Beispiel aus Rom vertrieben und auch in anderen Gebieten verfolgt. Die naheren Umstande zur Vorgeschichte, dem eigentlichen Konzil, den Ergebnissen und Folgen wird nun nachfolgend erlautert.

1 Vorgeschichte

Das nach dem Jahr 70 geschriebene Matthausevangelium gibt am Schluss folgende Worte wieder: ,,Darum geht hin und macht alle Volker zu meinen Jungern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch, alle Tage, bis diese Weltzeit sich vollendet“ (Matthaus 28, 19f zit. n. Winkelmann 1996, S. 17).

Hier zeigt sich eine viel spatere Entwicklungsstufe und zwar nicht die Meinung der ersten urchristlichen Gemeinden in Palastina. Ihr Ziel war es nicht die ganze Welt zu missionieren. Vielmehr verstanden sich die ersten Urchristen als eine innerjudische Reformbewegung, bei aller Einhaltung ihrer judischen, kulturellen und ethischen Verpflichtungen, die Einhaltung des judischen Gesetzes, der Thora. Die Botschaft das der erwartete Messias, namlich Jesus, bereits gekommen sei, galt fur das ,,Haus Israel“. Der Gedanke der Missionierung war dem Christentum von Beginn an zu eigen, ursprunglich sollte diese aber nicht uber die judische Gesellschaft hinaus gehen. Der Erfolg war allerdings unter den Juden nur sehr gering. Denn gerade in der nichtjudischen-hellenistischen Welt fand das Christentum Interesse und Verbreitung. Eine Begrenzung allein auf die thoratreuen Juden war in der vom Hellenismus[1] gepragten Welt, durch den lebhaften Austausch, gar nicht moglich. Viele judische Pilger aus der Diaspora[2] versammelten sich an hohen Festtagen in Jerusalem. Die neue judische Sekte konnte auch den hellenistisch gepragten Diasporajuden nicht verborgen bleiben, da sich ihre Kenntnisse unter Juden und Nichtjuden weiter im Reich verbreiteten. Der neuen Situation stellte man sich erst in den christlichen Gemeinden der Metropole Antiochia, dort bemuhte man sich um Einigkeit zwischen Juden und Nichtjuden (vgl. Winkelmann 1996, S. 17, Herv. i. Orig.). Die Jerusalemer Gemeinde verstand ihr Christsein als Zugehorigkeit zu dem „wahren“ oder besser gesagt zu dem „erneuerten“ Volk Gottes der Endzeit. Dies wurde gekennzeichnet durch die Zahl Zwolf der Apostel als ein Symbol fur die zwolf Stamme Israels.

Die Gemeinde wollte also ein Teil des Judentums bleiben und achtete dessen Gesetze, zum Beispiel die Beschneidung, das Reinheits- und Speisegebot sowie das Opfem im Tempel (Wikimedia Foundation Inc. 2008, Herv. i. Orig.). Zwischen den palastinensischen Judenchristen und den griechisch sprechenden Einwanderen und ihren Abkommlingen kam es kurz nach Ostern zu einem folgeschweren Streit. Hierbei ging es um die gemeinsame Versorgung christlicher Witwen und deren Angehorigen. Die Spannungen wurden immer akuter und es wurden so genannte Diakone eingesetzt. Diese Diakone waren spater als Missionare tatig und auch als Evangelisten. Sie standen unter der Fuhrung von Stephanus[3] und waren anerkannte Trager des Kreises von Hellenisten. Die Frage bestand darin und auch der wichtigste Unterschied, ob man die Mission der judischen Zerstreuung auf Juden und den Kreis der Gottesfurchtigen beschranken sollte, die Heiden also erst nach der Aufnahme in die Synagoge oder doch ohne Vorbedingungen missionieren und dann taufen durfte. Sollte nun das Christentum eine messiasglaubige judische Sekte bleiben oder auf das mosaische Kult- und Ritualgesetz verzichten, und sollte sie eine Weltmission betreiben wo Kirchen aus Juden und Heiden geduldet wurden? Dies waren Fragen, die die damalige Situation verscharfte. Die Heiden hatten sich christlichen Gemeinden angeschlossen ohne verpflichtet worden zu sein, das judische Gesetz zu befolgen. Dabei stellte sich soziologisch die Frage, ob ein neuer Religionsverband geschaffen werden sollte oder nicht. Die Stellung der Heiden musste geklart werden, waren sie nun vollgultige wahre Christen oder nicht. Die Probleme im Mittelpunkt waren einerseits die Freiheit gegenuber der Tradition, andererseits die Freiheit gegenuber der vorchristlichen Offenbarungstradition, zumal diese auch im Alten Testament stand. Gerade in dem Beschneidungsritual wirkten sich diese Konflikte besonders aus. Die orthodoxen[4] Judenchristen unterstellten den Heidenmissionaren sie wurden auf die Beschneidung nur verzichten um genugend Menschen zu werben. Fur diejenigen, die bewusst auf die Beschneidung verzichteten stellte es sich gerade umgekehrt dar.

Die Forderung erschien ihnen unzumutbar, so als konne die Gnade Gottes nur von Wirkung sein, wenn man beschnitten war. Fur sie war es eine Gefahrdung des Glaubens, des Wesens des Glaubens.

Um die Angelegenheiten zu klaren, entschloss sich die Gemeinde Antiochia Paulus und Barnabas[5] nach Jerusalem zu senden. Das Ziel war es, eine Einigung zwischen Jerusalem und Antiochia zu finden. Theologisch gesehen, kam es zu unterschiedlichen Konfessionen mit abweichendem Glauben und einer weitgehenden Einschrankung der Bruderschaft aus beiden in gewisser Weise rivalisierenden Gemeinden in Jerusalem. Die Gemeinde Antiochia wollte voraussichtlich eine Versohnung und der wachsenden Trennung von Jerusalem entgegen wirken (vgl. Studentshelp 2008).

1.1 Die Mission des Paulus

Die paulinische Mission ist nicht das Neue, sondern ihr spezifisches Programm, welches von den anderen Apostel anerkannt wurde (vgl. Francois Vouga 1994, S. 94). Paulus war gepragt von dem hellenistischen Geist seines Geburtsortes, dies belegen alle seine Schriften die zum Neuen Testament gehoren. Nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der christlichen Lehre, gewann dieses hellenistische Denken (vgl. Dexinger; Rosenthal 2001; S 51). Eine christliche Mission richtet sich zum ersten Mal nicht an Juden, sondern an Heiden. Paulus verkundet das Evangelium an Griechen und Barbaren. Ein weiteres Prinzip des Paulus bestand darin, dass Evangelium nur dort zu verbreiten, wo es noch keiner kannte. Als Konsequenz daraus entstanden, beispielsweise in Thessalonich und in Korinth, rein heidenchristliche Gemeinden. Diese Gemeinden der Mission Paulus sind nicht mehr an der Synagoge orientiert oder um sie gewachsen, sondern entstanden aus der heidnischen Umwelt. Will man die Wirkung der Missionierung von Paulus beschreiben, so konnte man sie als eine radikale Verwestlichung des Christentums benennen. Nach und nach entstand ein Netz aus heidenchristlichen Gemeinden, die immer mehr an Einfluss gewannen. Hieraus ergab sich nun eine fundamentale und auch notwendige Reflexion des fruhen Christentums uber ihr Verhaltnis zum Judentum und dessen Gesetze (Francois Vouga 1994; S. 94).

[...]


[1] Hellenismus bezeichnet die historische Ara vom Regierungsantritt Alexander des GroBen von Makedonien 336 v. Chr. bis zur Einverleibung Agyptens, des letzten hellenistischen Reiches, in das Romische Reich 30 v. Chr. (vgl. Wikimedia Foundation Inc. 2008)

[2] Diaspora (Zerstreuung): die, aus der hellenistisch-judischen Literatur ubernommene Bezeichnung fur eine religiose, konfessionelle und/oder nationale Minderheit, sowie das Gebiet das diese bewohnt (Meyers Lexikon online 2008).

[3] Stephanus: Person im Neuen Testament, einer der mit karitativen Aufgaben betrauten sieben Helfer der Apostel in der Jerusalemer Urgemeinde (Meyer Lexikon online 2008).

[4] Orthodox = strengglaubig

[5] Barnabas: Beiname des Leviten Joseph aus Zypern, Begleiter des Apostels Paulus auf der ersten Missionsreise (Meyers Lexikon online 2008).

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Details

Titel
Das Apostelkonzil - Eine neue Religion blüht auf
Untertitel
Der Wendepunkt zur Abspaltung des frühen Christentums
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V148759
ISBN (eBook)
9783640597369
ISBN (Buch)
9783640597192
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frühes Christentum, Judentum, Judenchristen, Paulus, Apostel, Jesus, Apostelkonzil, Wendepunkt, Diaspora
Arbeit zitieren
Diplom Sozialpädagogin Christiane Ranft (Autor), 2008, Das Apostelkonzil - Eine neue Religion blüht auf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148759

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