Westminster Model versus Consensus Model

Ein Vergleich der politischen Systeme am Beispiel der Demokratien Großbritannien und Bundesrepublik Deutschland


Seminararbeit, 2008
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in Lijpharts „Patterns of Democracy“
1.1 Darstellung der Thematik
1.2 Struktureller Aufbau der Arbeit

2 Begrifflich-theoretische Darstellung des grundlegenden Vokabulars
2.1 Der Demokratiebegriff nach Lijphart
2.2 Mehrheitsdemokratie (Westminster Model of Democracy)
2.3 Konsensmodell (Consensus Model of Democracy)
2.4 Operationalisierung der theoretischen Konzepte
2.4.1 Exekutive-Parteien-Dimension
2.4.2 Föderalismus-Unitarismus-Dimension

3 Einordnung der Demokratien Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland in Lijpharts Theoriekonstrukt
3.1 Die Exekutive-Parteien-Dimension (Variablen der 1.Dimension)
3.1.1 Einparteienkabinette vs. Koalitionskabinette
3.1.2 Exekutivdominanz vs. dominante Legislative
3.2 Zweiparteiensysteme vs. Mehrparteiensysteme
3.3 Mehrheitswahlrecht vs. Verhältniswahlrecht
3.3.1 Pluralistische vs. korporatistische Interessenvertretung
3.4 3.2 Die Föderalismus-Unitarismus-Dimension (Variablen der 2.Dimension)
3.4.1 Unitaristisch-zentralisiert vs. föderal-dezentralisiert
3.4.2 Unikameralismus vs. Bikameralismus
3.5 Flexible vs. rigide Verfassungen
3.6 Keine Normenkontrolle vs. Normenkontrolle durch ein Verfassungsgericht
3.7 Abhängige vs. unabhängige Zentralbank

4 Zusammenfassung der Ergebnisse und Kritik an Lijpharts Analyse

5 Literaturverzeichnis:

1 Einführung in Lijpharts „Patterns of Democracy“

1.1 Darstellung der Thematik

In seinem Werk „Patterns of Democracy, Government Forms and Performance in Thirty-Six Countries“ stellt Arend Lijphart 1999 eine Einordnung von 36 Demokratien vor, die auf den Begriffen „Westminster Model of Democracy“[1] oder Mehrheitsdemokratie und „Consensus Model of Democracy“[2] oder Konsensdemokratie beruht. Diese Publikation ist eine Weiterführung seiner 1984 publizierten Ausgabe des Werkes „Democracies, Patterns of Majoritarian and Consensus Governments in Twenty-One Countries“. In seiner frühen Publikation 1984 analysiert er einundzwanzig Demokratien quantitativ nach neun Strukturmerkmalen und ordnet die Demokratien den Idealtypen Mehrheitsdemokratie und Konsensdemokratie zu.

Die Weiterführung des Themas erfolgte dann in dem oben angesprochenen Werk „Patterns of Democracy“, auf dem diese Arbeit beruht. Lijphart veränderte und erweiterte sein Analyseverfahren, indem er von den neun Strukturmerkmalen seines Werkes „Democracies“ einige strich oder umbenannte und in seinem Buch von 1999 weitere Merkmale hinzu nahm. Auch erhöhte er die Zahl der zu analysierenden Demokratien von einundzwanzig auf sechsunddreißig, die sich aus seiner Sicht bis zu diesem Zeitpunkt als stabile Demokratien bewährt hatten. Die Analyse erfolgt in zwei Dimensionen, die jeweils fünf Variablen enthalten und die die sechsunddreißig Demokratien anhand eines Vektorindizes zu einer der beiden Demokratieformen (mehr oder weniger deutlich) zuordnen lassen.

In dieser Arbeit werden Lijpharts Dimensionen auf die Demokratien Großbritannien und Bundesrepublik Deutschland angewendet und diese mit Bezug auf die zehn Strukturmerkmale des 1999 erschienenen Buches eingeordnet. Es wird versucht, Probleme bei der exakten Zuweisung in eines der beiden Modelle darzustellen.

1.2 Struktureller Aufbau der Arbeit

Nach einer kurzen Übersicht über die Thematik und die Inhalte der Arbeit wird in den folgenden Zeilen der strukturelle Aufbau der Arbeit vorgestellt.

Zum besseren Verständnis der hier verwendeten Begriffe erfolgt in Teil zwei eine theoretische Erläuterung der wichtigsten theoretischen Grundlagen. Hier wird zunächst auf den Demokratiebegriff von Lijphart eingegangen, der im vierten Kapitel seines Werkes „Patterns of Democracy“ von ihm erläutert wird. Er greift dazu auf die Politikwissenschaftler Robert Alan Dahl, zur Definition des Begriffs Demokratie, und Samuel Philipp Huntington, zur zeitlichen Darstellung der Demokratisierung, zurück und bringt anschließend eigene Gedanken mit ein. Danach folgt die Darstellung von „Westminster Model of Democracy“ oder Mehrheitsdemokratie und „Consensus Model of Democracy“ oder Konsensdemokratie als Abgrenzung zu anderen Demokratiemodellen. Darauf folgend werden die zwei Dimensionen der Analyse von Lijphart mit ihren jeweils fünf Konzepten vorgestellt und erklärt.

In Teil drei der Arbeit werden anhand dieser zehn Punkte die Demokratien Großbritannien und Deutschland miteinander verglichen und jedem Punkt zugewiesen. Daraus resultierend erfolgt eine Einordnung der zu betrachtenden Länder in eines der beiden Demokratiemodelle nach Lijphart und abschließend zu diesem Kapitel eine Darstellung der Probleme bei der Einordnung zu bestimmten Konzepten.

Im letzten Teil werden Veränderungen zur Analyse und Ungenauigkeiten angeführt, die dem Leser eine kritische Betrachtung der Vorgehensweise ermöglichen sollen.

2 Begrifflich-theoretische Darstellung des grundlegenden Vokabulars

2.1 Der Demokratiebegriff nach Lijphart

Lijphart behandelt in Kapitel vier seines Buches das Thema „Thirty-Six Democracies“[3] und erläutert das Vorgehen zur Einordnung in demokratische und nicht-demokratische Länder. Hier findet er sechsunddreißig Länder, die Mitte 1996 demokratisch waren und dies seit mindestens 1977 schon gewesen sind. Er beruft sich auf die Definition von Demokratie nach Robert Alan Dahl[4], der diese mit folgenden Kriterien gekennzeichnet hat:

1. das Recht zu wählen und das Recht gewählt zu werden
2. das Recht als politischer Führer um Unterstützung und Stimmen zu kämpfen
3. freie und faire Wahlen
4. Versammlungsfreiheit
5. Ausdrucksfreiheit
6. Alternative Informationsquellen zu staatlichen Informationsdiensten (Pressefreiheit)

Außerdem zieht Lijphart das „Freedom House“ Gutachten hinzu, das jährlich einen Bericht über die Demokratisierung der Staaten abgibt und diese in frei, teilweise frei und unfrei einstuft[5].

Nach Huntingtons „Drei Wellen der Demokratisierung“, auf die in diesem Kapitel auch eingegangen wird, wird dargestellt, dass die Demokratien Großbritannien und Deutschland beide zur ersten Welle der Demokratisierung von 1828-1926 gehörten, Deutschland aber dann im Dritten Reich diktatorisch geführt worden ist und erst 1945 durch die Siegermächte, zumindest im Westteil des Landes, eine zweite funktionierende Demokratisierung erfahren hat[6].

Somit gehören die zu betrachtenden Staaten Großbritannien und Deutschland zu den zwanzig Ländern, die seit den 1940er Jahren demokratisch sind und eine homogene Gruppe bilden. Nach Lijphart sind diese Demokratien gut entwickelt, urbanisiert, industrialisiert und gehören fast alle zur westlichen Welt. Er unterscheidet allerdings die Demokratien in plurale, semi-plurale und non-plurale Demokratien und ordnet Großbritannien der non-pluralen Gruppe, Deutschland der semi-pluralen Gruppe zu, wobei es auch in Großbritannien Minderheiten gibt, die allerdings eine untergeordnete Rolle spielen[7].

2.2 Mehrheitsdemokratie (Westminster Model of Democracy)

Zur Klärung der Begriffe Mehrheitsdemokratie und Konsensdemokratie werden diese im Folgenden dargestellt:

Nach Lijphart gibt es zehn Hauptmerkmale, die eine Mehrheitsdemokratie kennzeichnen[8]:

1. Exekutivmachtkonzentration in den Händen einer alleinregierenden Mehrheitspartei
2. Exekutivdominanz über die Legislative
3. Zweiparteiensystem oder ein nach der Zahl der wichtigsten Parteien ihm nahestehender Typus
4. Mehrheitswahlsystem mit disproportionaler Stimmen- und Sitzverteilung
5. pluralistisches Interessengruppensystem
6. unitaristischer und zentralisierter Staat
7. Einkammersystem oder stark asymmetrisches Zweikammersystem
8. eine mit einfachen Mehrheiten veränderbare Verfassung oder das Fehlen einer geschriebenen Verfassung
9. Letztentscheidungsrecht der Legislative über die Konstitutionalität der Gesetzgebung
10. eine von der Exekutive abhängige Zentralbank

2.3 Konsensmodell (Consensus Model of Democracy)

Demgegenüber stellt Lijphart die Konsensdemokratie, die er mit folgenden zehn Punkten charakterisiert[9]:

1. Aufteilung der Exekutivmacht auf eine Vielparteienkoalition
2. formelles und informelles Kräftegleichgewicht zwischen Exekutive und Legislative
3. Vielparteiensystem
4. Verhältniswahlrecht
5. koordinierte und korporatistische Interessengruppensysteme
6. föderalistischer und dezentralisierter Staatsaufbau
7. Zweikammersystem mit gleich starken und unterschiedlich konstituierten Kammern
8. eine schwer zu verändernde geschriebene Verfassung, deren Änderung die Zustimmung sehr großer Mehrheiten vorsieht (qualifizierte Mehrheiten)
9. ausgebaute richterliche Nachprüfbarkeit der Gesetzgebung
10. eine autonome Zentralbank

[...]


[1] Lijphart, Arend: Patterns of Democracy, Government Forms and Performance in Thirty-Six Countries, Yale University Press, New Haven u. London, 1999, S.9ff

[2] Lijphart, Arend: Patterns of Democracy, S.31ff

[3] Lijphart, Arend: Patterns of Democracy, S.48ff

[4] vgl. hierzu: Dahl, Robert A.: Democracy and its Critics, Yale University Press, New Haven and London, 1989

[5] vgl. hierzu: Freedom in the World (aktuell: 2009) auf: www.freedomhouse.org

[6] vgl. hierzu ein Schaubild aus: Kremb, Klaus: Geschichte und Geschehen, Sekundarstufe II, Klett Verlag, Leipzig/Stuttgart 2009, S.213

[7] Lijphart, Arend: Patterns of Democracy, S.56ff

[8] Schmidt, Manfred: Demokratietheorien. Eine Einführung, 3. Auflage, Opladen: Leske & Budrich, Wiesbaden, 2000, S.339

[9] Schmidt, Manfred: Demokratietheorien, S.340

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Westminster Model versus Consensus Model
Untertitel
Ein Vergleich der politischen Systeme am Beispiel der Demokratien Großbritannien und Bundesrepublik Deutschland
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V149614
ISBN (eBook)
9783640606399
ISBN (Buch)
9783640606719
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Westminster Model, Consensus Model, Mehrheitsdemokratie, Konsensdemokratie, Arend Lijphart
Arbeit zitieren
Marc Seibert (Autor), 2008, Westminster Model versus Consensus Model, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149614

Kommentare

  • Jens Wintermeister am 31.5.2011

    Der Autor lässt seiner Ankündigung, die politischen Systeme Großbritanniens und der Bundesrepublik Deutschland in das 1999 erstellte Demokratieschema von Arend Lijphart einzuordnen, leider keine Taten folgen.
    Der gesamte Artikel stellt eine reine Replikation der schon 9 Jahre zuvor (!) durch Arend Lijphart vorgenommenen Einordnung dieser beiden Demokratien in das von ihm entwickelte Schema dar. Dabei unterlaufen dem Autor zudem noch einige Ungenauigkeiten, die auf eine höchstens oberflächliche Lektüre des Originalwerkes hinweisen.
    Auch die angekündigte Auseinandersetzung mit den Problemen der Einordnung beider Systeme in das Schema fällt erschreckend kurz und inhaltlich dünn aus.
    Insgesamt ist in dieser Studienarbeit keine eigene wissenschaftliche Leistung des Autors zu erkennen, die über eine (fehlerbehaftete) Zusammenfassung des Originalwerkes und dessen kritischer Würdigung durch Manfred G. Schmidt hinaus geht!

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