Nepal. Historische Entwicklung und gegenwärtige Probleme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. EINLEITUNG

2. PHYSISCHE GEOGRAFIE NEPALS
2.1 LAGE
2.2 GLIEDERUNG
2.3 KLIMA

3. GESCHICHTE UND POLITIK
3.1 KÖNIGREICH NEPAL
3.2 RANA FAMILIE (1846- 1951)
3.3 PARLAMENTARISCHE REGIERUNG

4. WIRTSCHAFT NEPALS
4.1 ALLGEMEIN
4.2 LANDWIRTSCHAFT UND FORSTWIRTSCHAFT
4.3 INDUSTRIE
4.4 TOURISMUS
4.5 UMWELT

5. ZUSAMMENFASSUNG

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

LITERATUR

INTERNETQUELLEN

1. EINLEITUNG

KATHMANDU - Zwei junge Männer, einer mit offenem Hemd und langer Hose, der andere nur mit einer nassen Unterhose bekleidet, stehen am Flussufer des Bagmatis gebeugt über eine Wasserquelle. In Katmandu ist es sommerlich warm und die Regenzeit steht bevor. Viele Menschen kommen aus ihren Behausungen an den Fluss, um zu Baden, zu Waschen, zu flanieren und um ihren häuslichen Abfall loszuwerden. Während zwischen den Badenden organischer Abfall treibt werden ein paar Meter flussaufwärts traditionsbewusst die Toten verbrannt und anschließend in den Fluss geschoben. Am anderen Ufer ist eine ältere Frau, mit mehreren Plastiktüten im Schlepptau, aus einem überdachten Erdloch gekrochen. In den Tüten befand sich Abfall jeglicher Art. Ungetrennt schwimmt er jetzt mit der Strömung.

ANNAPURNA - Zunehmende Touristenzahlen sind der Motor eines neuen Wirtschaftszweiges und die Grundlage einer sich verbessernden Arbeitsmarktlage in dieser Region. Doch gerade der Trekkingtourismus hatte in den letzten Jahrzehnten verheerende Auswirkungen auf die Umwelt. Die Trekker/ Bergsteiger/ Wandertouristen produzieren Abfall, der in Höhen ab 3000 Metern Ballast ist und somit der Natur überlassen wird. In den Jahren 2000/ 01, als der Wandertourismus auf seinem Höhepunkt war, schaute die Welt mit einem kritischen Auge auf Nepals Regierung bezüglich deren Umweltverständnisses.

“South Col climbers' camp is known as the world's highest rubbish tip.”

“In the freezing temperatures of high altitude, much of it never degrades, and many mountains are littered with junk from 50 years of climbing.” (GIBBS, Stephen, BBC-Online, 2001 Feb.)

CHIAMALE – „Maoistische Rebellen haben in Nepal rund 50 Schüler und 12 Lehrer gekidnappt. Die Polizei hat eine Großfahndung eingeleitet. Soldaten sollen die Entführten nun befreien. Kathmandu - Die Guerilleros hatten die 13- bis 16-jährigen Jugendlichen und deren Betreuer gestern mit vorgehaltenen Waffen in Chiamale südlich von Kathmandu in ihre Gewalt gebracht. Die meisten der Gekidnappten sind Mädchen. Nach Angaben der Polizei ist dies das erste Mal, dass sich eine derartige Entführung in der Nähe der Hauptstadt ereignet hat. Die Rebellen haben in den vergangenen Monaten Hunderte Schüler und Studenten entführt, um sie für ihre Sache zu gewinnen. Ihr Ziel ist, die Monarchie in Nepal in einen kommunistischen Staat nach chinesischem Vorbild umzuwandeln. Der bewaffnete Konflikt hat seit 1996 schon mehr als 9500 Menschen das Leben gekostet.“ (SPIEGEL/online, „Mehr als 60 Schüler und Lehrer entführt“, 2004)

Die Bevölkerung Nepals durchlebte innerhalb weniger Jahrzehnte eine umfangreiche politische Entwicklung. Noch Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war das Land von einer Monarchie geprägt. Diese Regierung hat dem Land und der Bevölkerung, mit ihrer Fehlpolitik[1] enorm geschadet. Doch mit Hilfe, westlich geprägter Staaten wie Indien[2] hat es die Bevölkerung in Nepal geschafft eine demokratische Regierungsform durchzusetzen.

Heute hat Nepal den Stand eines Entwicklungslandes[3] mit Problemen wie Armut, rapidem Bevölkerungswachstum, einer schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung, eine nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Umweltpolitik und eine zunehmende Umweltverschmutzung.

In der folgenden Arbeit versuche ich anhand der politischen Geschichte Nepals herauszufinden, inwieweit diese, die Ursache für heutige Probleme in Nepal ist. Zudem werde ich verstärkt auf die wirtschaftliche Entwicklung Nepals in den Bereichen Landwirtschaft und den Tourismus eingehen und die daraus entstehenden Folgen für die Natur aufzeigen.

2. PHYSISCHE GEOGRAFIE NEPALS

2.1 LAGE

Gesegnet mit einer landschaftlichen Vielfalt liegt Nepal am Südhang des Himalayas und erstreckt sich, in der Nord- Südausdehnung von den höchsten Bergen der Welt (Mt. Everest 8872Meter) bis in die südliche Tiefebene des Terai (< 100 Meter). Nepal grenzt an die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde, zum einen China mit Tibet im Norden und zum anderen Indien im Westen, Süden und Osten (siehe Abb. 1).

2.2 GLIEDERUNG

Mit einer Fläche von 147.181 km² ist Nepal ungefähr so groß wie die Schweiz und Österreich zusammen und ähnelt mit einer Nord- Südausdehnung von 145 bis 241 km und einer Ost- Westausdehnung von ca. 885 km auch deren Form.

Naturräumlich wird Nepal in drei Landschaftstypen gegliedert, die sich durch die unterschiedlichen Höhenlagen abgrenzen. Der erste Landschaftstyp ist die nur 50 km breite Tiefebene des Terai. Sie gehört, geografisch zur nördlichen Ganges Ebene und war einst fruchtbar und dicht bewaldet. Der zweite Typ ist das Mittelgebirge (600-2000 m) mit landwirtschaftlich ausgedehnten Nutzflächen in den Flusstälern. Diese sind zugleich Hauptsiedlungsflächen in Nepal. Zu den bedeutendsten gehören die Täler von Kathmandu (Hauptstadt) und Pokhara. Im Norden Nepals erstreckt sich der dritte Landschaftstyp, die Himalaya-Hauptkette mit dem Mt. Everest (8872 m), dem Dhaulagiri (8.172 m) und dem Annapurna (8078 m).

Im Nordwesten grenzt Nepal an das tibetische Randgebirge, was zugleich die Wasserscheide darstellt. Hier befindet sich die Quelle aller Flüsse Nepals, welche sich durch das Himalaya- Massiv schneiden und anschließend in den Ganges fließen.

(HAUCK, Dieter, Trekkingtourismus in Nepal, 1996, S. 55)

2.3 KLIMA

Durch die naturräumlichen Gegebenheiten vereint Nepal fast alle Klima- und Vegetationszonen der Erde auf kleinstem Raum. Während in der Terai-Ebene durch tropisches Klima eine enorme Vielfalt an Pflanzen und Bäumen zu einem tropischen Regenwald wächst, herrscht im Hochhimalaya alpines Klima und verhindert üppige Vegetation. Die Region im mittleren Nepal, die Berg- und Hügellandschaft des Vorderhimalayas, wird vom subtropischen Klima geprägt und weist überwiegend flächige Wiesen und Heiden auf.

Da das Wetter in Nepal vom Monsun geprägt ist, gibt es kein Jahreszeitenklima wie in unseren Breiten. Der Monsun ist die Folge tropischer Tiefdruckgebiete[4], die über dem Golf von Bengalen entstehen und anschließend in nördliche Richtung über das Festland[5] ziehen (Abb.2). Es wird unterschieden zwischen dem Vormonsun, von April bis Mai, dem Hauptmonsun von Anfang Juni bis Mitte September und dem Nachmonsun bis Ende März.

Der Vormonsun wird gekennzeichnet von warmen bis heißen Tagen mit wenig Niederschlag. Am Nachmittag setzt oft Quellbewölkung ein und einzelne Gewitter sorgen in den frühen Abendstunden für erfrischende Abkühlung. Die Temperaturen sind selbst in der Höhe noch mild. Zu dieser Zeit findet man die gesamten Rhododendron- und Magnolienwälder, im Mittelgebirge Nepals in voller Blüte. (NELLES GUIDE, Nepal, 1998, S. 236)

Der Hauptmonsun ist gekennzeichnet durch regenreiche Tage. In dieser Zeit kann es vorkommen, dass es mehrere Tage hintereinander regnet. Trotzdem ist das Wetter schwül und heiß. In den Hügel- und Bergregionen dient der Niederschlag dem Bewässerungsfeldbau, wohingegen das Terai zu dieser Zeit eine Gefahrenzone ist. Hier kann es durch denn hohen Niederschlag zu Überschwemmungen kommen.

Der Nachmonsun ist die beste Zeit zum Bergsteigen, da die Wolken- und Nebelbildung gering ist. Oberhalb von 4000 m sinken die Temperaturen nachts auf bis zu minus 10 Grad Celsius. Die Felder sind zumeist schon abgeerntet und die erdigen Farbtöne herrschen vor. Niederschläge zu dieser Zeit sind zwar selten, jedoch nicht ganz ausgeschlossen.

(http://www.iten-online.ch/klima/asien/nepal/dhankuta.htm; eingesehen am 28.04.09)

3. GESCHICHTE UND POLITIK

3.1 KÖNIGREICH NEPAL

Im Zuge der islamischen Expansion und dem Sieg der Araber über das Perserreich der Sassaniden[6] reichte der Islam im Jahre 712 bis an die Westgrenzen Indiens. 998- 1030 attackierte Mahmud von Ghazna[7] in 17 Feldzügen das Industal, von wo aus seine Nachfahren im 12. Jahrhundert große Teile Nordindiens[8] eroberten. Die dort lebenden tibetanisch- mongolischen Hindus wurden vertrieben und zogen in die südlichen Bereiche des heutigen Nepals. Diese, vom Kriegervolk der Rajput abstammenden Hindus gründeten dort den Kleinstaat Gurkha. Um diese Aussage zu untermauern führe ich folgendes Zitat aus der Zeitung „Die Zeit“ heran: „Um 1767 entriss der vertriebene Prithvi Narajan Shah mit seinen tatarischen Gurkhas das heutige nepalesische Territorium dem tibetanischen Newar-Stamm[9] und gründete die noch bestehende Dynastie.“ (PERSTÄII, Walter, Bürgerkrieg in Nepal, Die Zeit, 23.11.1950 - http://www.zeit.de/1950/47/Buergerkrieg-in-Nepal; eingesehen am 30.04.09)

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es zur Unterwerfung kleinerer Fürstentümer[10] in den angrenzenden Gebieten des Kleinstaates. Shah[11] versuchte so, durch Eroberungszüge sein Machtbereich in Richtung Norden, Osten und Westen zu erweitern. Infolge dessen expandierte das Gurkha- Reich im Norden bis an die südlichen Grenzen des heutigen Tibets, im Osten bis an die Grenzen des indischen Staates Sikhims und in Richtung Westen bis an die Landesgrenzen Kaschmirs. Die eroberten Gebiete wurden nach der damaligen Bezeichnung für das Kathmandu- Tal, Nepal genannt. Eine weitere Expansion nach Norden und Süden endete durch die verlorenen Kriege gegen China 1792/ 93 und British- Indien 1814-1816. 1816 kam es zum Frieden von Segauli, der die Grenzen Nepals bis heute festlegt.

[...]


[1] Bsp.: wirtschaftliche Isolation zu den Anrainerstaaten durch Politik der Rana- Dynastie

[2] Indien war von 1813- 1948 unter britischer Herrschaft

[3] Entwicklungsland

Für den Begriff "Entwicklungsländer", der in Deutschland seit den 1950er Jahren verwendet wird, gibt es keine einheitliche Definition. Die

Mehrzahl dieser Staaten weist jedoch gemeinsame Merkmale auf:

1 eine schlechte Versorgung großer Gruppen der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, dadurch Unterernährung und Hunger
2 ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen, Armut
3 keine oder nur eine mangelhafte Gesundheitsversorgung, eine hohe Kindersterblichkeitsrate und eine geringe Lebenserwartung
4 mangelhafte Bildungsmöglichkeiten, eine hohe Analphabetenquote
5 hohe Arbeitslosigkeit, ein insgesamt niedriger Lebensstandard, eine oft extrem ungleiche Verteilung der vorhandenen Güter

Die Wirtschaft der meisten Entwicklungsländer ist von einer Struktur geprägt, bei der traditionelle Produktionsweisen - vorwiegend in der

Landwirtschaft - einem modernen dynamischen Sektor - meistens im Industriebereich - gegenüberstehen. Sie leidet oft unter

Kapitalmangel und außenwirtschaftlichen Schwierigkeiten, weil viele Entwicklungsländer hoch verschuldet sind.

Eine weltweit verbindliche Liste der Entwicklungsländer existiert bisher nicht. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen

(UNDP) stufte in seinem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) für die Jahre 2007/2008 insgesamt 107 von 177 erfassten Staaten als

Länder mit geringer oder mittlerer Entwicklung ein.

(http://www.bmz.de/de/service/glossar/entwicklungsland.html)

[4] Ein innertropischer Wirbelsturm auch bekannt als Zyklon entsteht durch eine hohe Sonneneinstrahlung in Äquatornähe. Dabei steigt heiße

Luft sehr schnell auf und erzeugt in Bodennähe ein Tiefdruckgebiet (Gewitterzelle). Zieht dieses Tiefdruckgebiet über Wasser mit einer

Temperatur über 26°C wird der Effekt der aufsteigenden Luftmassen enorm verstärkt, woraufhin die Luftmassen aus den umliegenden

Hochdruckgebieten mit hoher Geschwindigkeit angesaugt werden. Dieses „Ansaugen“ oder „Ausgleichen“ hat die hohen

Windgeschwindigkeiten eines Zyklons zur Folge. Durch die Corioliskraft kommt es nun noch zur Verwirbelung der Luftmassen und es

entsteht das charakteristische Bild eines Zyklons.

(geol43.uni-graz.at/07S/650137/vortraege/Madeleine_Hofstadler.ppt)

[5] Westküste Indiens, Bangladesch, Thailand

[6] zweites persische Großreich in der Spätantike 224- 624 n. Chr.; es erstreckte sich über die Gebiete des heutigen Iraks und Irans

[7] turkstämmige Dynastie der Ghaznawiden aus der Stadt Ghazna, Afghanistan

[8] heute Rajasthan (Staat in Nordindien)

[9] Newar, auch Niwar, eine kulturell und wirtschaftlich dominante Bevölkerungsgruppe im Königreich Nepal mit knapp

600 000 Angehörigen mit etwa 3 Prozent Bevölkerungsanteil. Ihre Sprache, Newari, zählt zur tibetobirmanischen Sprachgruppe und war

bis zu Beginn der Gurkha-Herrschaft Mitte des 18. Jahrhunderts Amtssprache. Hauptsiedlungsgebiet ist das Katmandu-Tal, des Weiteren

leben zahlreiche Newar außerhalb ihres traditionellen Siedlungsgebietes vor allem in den Zentren entlang der großen Handelsrouten.

(http://de.encarta.msn.com/encnet/refpages/RefArticle.aspx?refid=721544464; eingesehen am 02.05.09)

[10] bereits bestehende Königreiche wie Kathmandu, Bhaktapur, Patan und Banepa, deren Könige jeweils

Nachkommen von Yakshya Malla (einstiger Herrscher über alle vier Gebiete von 1428- 1482) waren

→ Malla-Dynastie 1200- 1482

[11] 1774 stirbt Prithvi Narajan Shah

(http://www.ksj-stormarn.de/cms/index.php?option=com_content&task=view&id=57&Itemid=90;eingesehen am 6.05.09)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Nepal. Historische Entwicklung und gegenwärtige Probleme
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Geografie und Geologie)
Veranstaltung
Regionale Wirtschafts- und Sozialgeografie Süd- und Südostasiens
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V149747
ISBN (eBook)
9783640605477
ISBN (Buch)
9783640605613
Dateigröße
873 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Ein ausgeklügeltes Konzept, dass mit Hilfe von Echtzeitmetaphern den Leser aufmerksam durch eine wissenschaftliche und sauber recherchierte Arbeit führt." Dozent
Schlagworte
Nepal, Historische, Entwicklung, Gegenwärtige, Probleme
Arbeit zitieren
Franz Borgwald (Autor), 2008, Nepal. Historische Entwicklung und gegenwärtige Probleme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149747

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